PTBS: Wenn das Erlebte das Denken beherrscht

Quelle: Petra Bork / pixelio.de

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei, der Feuerwehr oder der Bundeswehr haben ebenso wie Pflegepersonal, Mitarbeiter des Rettungsdienstes, Seelsorger oder Lokführer einen verantwortungsvollen Job. Zu ihrer täglichen Arbeit gehört es, dass das Schicksal anderer Menschen in ihrer Hand liegt. Zu einer extremen Belastung wird dies, wenn traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz auf sie wirken. Solche traumatischen Ereignisse sind zum einen durch Menschen willentlich verursachter Ereignisse wie körperliche Misshandlungen, Überfälle, Suizide oder Kriegserlebnisse, zum anderen aber auch unwesentlich verursachte Ereignisse wie Naturkatastrophen, Verkehrs-und Arbeitsunfälle oder auch tragische Todesfälle in der Familie. Dafür ist es nicht notwendig, dass man selbst diese Erlebnisse macht, es kann auch genügen die Folgen bei anderen zu erleben, wie es beispielsweise auf der Intensivstation der Fall ist.

Die Folgen, die solche psychischen Belastungen in einem Menschen auslösen, sind oft nicht abzusehen. Ein traumatisches Erlebnis kann bei Betroffenen zu einer extremen Belastungsreaktionen führen, die sich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS,  entwickeln kann. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn die Folgen eines dramatischen Erlebnisses über einen längeren Zeitraum spürbar sind und sich die Betroffenen keine Hilfe suchen.

Die Zeit und die Wunden

Völlig normal ist es, dass ein traumatisches Erlebnis eine akute Belastungsreaktionen auslöst. Dies ist bei den meisten Menschen der Fall. Sie sind kurz nach einem tragischen Ereignis orientierungslos, können sich schlecht auf etwas anderes konzentrieren, sind unruhig, ängstlich und brauchen Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Bereits nach wenigen Tagen, manchmal sogar Stunden, klingen diese Symptome wieder ab und der Betroffene kann wieder durchatmen, auch wenn ihn das Erlebte sicherlich hin und wieder beschäftigen wird.

Anders zeigt sich die Situation bei einer posttraumatischen Belastungsstörung. Von einer PTB S spricht man dann, wenn diese negativen Folgen des traumatischen Erlebnisses länger anhalten. Der Betroffene kämpft mit Ängsten und Depressionen, durchlebt das traumatische Ereignis wiederholt und kann sich kaum davon lösen. Laut internationaler Klassifikation der Krankheit ist die PTBS (abgekürzt mit ICD-10: F43.1) eine verzögerte oder lang anhaltende „Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.“

Flashbacks quälen die Betroffenen. Geräusche oder Gerüche rufen Assoziationen mit dem erlebten hervor, so dass die Betroffenen aus Selbstschutz nicht selten eine Schutzmauer der Gleichgültigkeit aufbauen und Situationen vermeiden, die Erinnerung an das Trauma wachrufen könnten. Dazu kann auch gehören, den bisherigen Arbeitsplatz zu meiden, wenn dort ein schwerer Unfall die posttraumatische Belastungsstörung hervorrief.

Trotz ihrer Vermeidungsstrategie leiden die Betroffenen oftmals unter Angst, Schlafstörungen, Depressionen oder hegen sogar Suizidgedanken.

Das soziale und familiäre Umfeld leidet mit und dies nicht selten über Wochen oder Monate. Werden die Betroffenen nicht behandelt, kann die Störung einen chronischen Verlauf nehmen.

Die Arbeitsschutzstrategie heißt: Prävention

Traumatische  Ereignisse sind leider gerade in den oben genannten Berufsgruppen mit ihrem erhöhten Risiko nicht gänzlich zu verhindern. Allerdings können die Beschäftigten auf diese Risiken vorbereitet werden und durch geeignete Maßnahmen der Verhaltensprävention in die Lage versetzt werden, solche Ereignisse bewusst zu verarbeiten und die Gefahr einer extremen Belastungsreaktion zu erkennen. Dazu gehören beispielsweise Supervision, Coaching, Unterweisung und auch psychotherapeutische Interventionen und eine an den Bedürfnissen und Belastungsgrenzen des menschenorientierte Organisation der Arbeitsabläufe.

Arbeitgeber für die genannten Berufsgruppen zeigen durch präventive Angebote, dass sie die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter ernst nehmen, die Gefahren durch die Belastung sehen und es Lösungen gibt traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz zu verarbeiten.

 

 

Im wahrsten Sinne des Wortes: Abschalten

Quelle: Andreas Willfahrt / pixelio.de

Foto: Andreas Willfahrt / pixelio.de

Zwischen den Jahren ist traditionell eine ruhige Zeit, die von den meisten Arbeitnehmern genutzt wird, um abzuschalten und sich eine Auszeit zu nehmen. Selten genug gelingt das, wie so mancher feststellen musste und somit ist schon der erste Vorsatz dahin, bevor das neue Jahr so richtig angefangen hat. Was in früheren Zeiten eine Eigenschaft der Führungskräfte war, ist durch Smartphones und dauerhaft verfügbares Internet in nahezu allen Bereiche vorgedrungen: ständige Erreichbarkeit. Eine Aushilfe fällt aus? Schnell eine Ersatzaushilfe auf dem Handy anrufen. Bei der Spätschicht fehlen Akten? Kurz mal dem Kollegen eine E-Mail schreiben, damit man sie am morgen früh gleich auf dem Tisch hat. Das Handy blinkt, das Postfach piept, SMS der Spätschicht machen die Nachtruhe zunichte. Und wird nicht umgehend geantwortet, wird es noch mal probiert.

Jeder zweite Beschäftigte ist auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten ständig erreichbar und muss sich daher mit beruflichen Themen während seiner Freizeit beschäftigen. Ob er will oder nicht, denn selbst, wenn man die Nachrichten unbeantwortet lässt, kreisen die Gedanken doch um die Mitteilung.

Diverse Studien haben sich bereits mit dem Thema befasst. Die Ergebnisse aus 23 internationalen und nationalen Studien hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nun in ihrem Bericht “Die Auswirkungen arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit auf Life-Domain-Balance und Gesundheit” zusammengefasst.

Der arbeitswissenschaftliche Tenor ist klar: Ständige Erreichbarkeit sorgt dafür, dass immer mehr Arbeit ins Privatleben vordringt. Dass darunter das Familienleben und die Erholung leiden können, dürfte jedem klar sein. Wen es stresst, nicht abschalten zu können und nicht mal in der Freizeit Ruhe vor der Arbeit zu haben, der leidet darunter, jederzeit mit Anrufen oder Nachrichten rechnen zu müssen. Das Handy einfach ausschalten oder das Mailpostfach einfach nicht mehr zu öffnen, ist eine pragmatische Lösung, schränkt aber zugleich die persönliche Freiheit ein. Zudem wird nicht selten erwartet, dass man mal eben kurz antwortet oder zurückruft.

Andererseits weckt jede Anfrage das Gefühl, gebraucht zu werden, unabdingbar zu sein und wichtig für einen reibungslosen Ablauf in der Firma zu sein. Dieses positive Gefühl – sofern es nicht vom Stress und dem Genervtsein überlagert wird – stärkt die Zufriedenheit und auch die Leistungsfähigkeit. Wo allerdings die Grenze zum Stress verläuft, das ist höchst individuell und kann sich aufgrund allzu häufiger Anfragen schnell weiter ins Negative verschieben.

Und doch bietet die Technik einen weiteren Benefit: Gerade durch Cloud-Technologie, ausgeklügelte Telefonsysteme und mobiles Internet gelingt es in vielen Fällen einfacher, Familie und Beruf zu vereinbaren. Von unterwegs oder zuhause zu arbeiten und mit dem guten Gewissen, in Notfällen per Handy erreichbar zu sein – das macht so manche freie Stunde mit der Familie erst möglich.

Mögliche Lösung: Abschalten

Wie gesagt, es gibt Vor- und Nachteile. Ein Unternehmen sollte sich daher überlegen, wie sich die Vorteile nutzen lassen, ohne dass sie zu Nachteilen werden.

Eine recht pragmatische Möglichkeit: Die Server des Unternehmens werden um 22 Uhr und an den Wochenenden abgeschaltet. Berufliche Mails werden somit erst zum regulären Arbeitsbeginn zugestellt. Gleiches gilt für die Telefonanlage, die ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr auf die Handys der Mitarbeiter, sondern auf einen Anrufbeantworter oder eine Sammelnummer umleitet.

In manchen Unternehmen lässt sich das Problem vielleicht auch ganz anders lösen: durch eine Vereinbarung, dass zum wertschätzenden Umgang miteinander auch gehört, die Freizeit und den Feierabend der Mitarbeiter zu achten.

Möglich sind beide Lösungen nur, wenn Kompetenzen und Übergaben klar geregelt sind, Zuständigkeiten geklärt und die Organisation entsprechend reibungslos. Nur dann kann sicher gestellt werden, dass der Fall des Falles selten eintritt und wenn, auch die richtige Person nach Feierabend angepiept wird.

Einige Mitarbeiter werden jetzt vielleicht sagen: “Aber der Chef erwartet doch von mir, dass ich immer an mein Diensthandy gehe und auch zuhause regelmäßig die Mails am Arbeitslaptop abrufe.” Ist das so? Klarheit kann eine genaue Vereinbarung zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern schaffen, in der festgelegt wird, ob und wann die Beschäftigten tatsächlich erreichbar sein sollten. Gibt es tatsächlich eine Notwendigkeit, sollte vorzugsweise eine Regelung über Rufbereitschaften getroffen werden.

Das PDF-Dokument “Die Auswirkungen arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit auf Life-Domain-Balance und Gesundheit” (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2013, 48 Seiten) gibt es unter www.baua.de/publikationen

 

Gesund durch die Schicht

Quelle: Dietmar Meinert  / pixelio.de

Foto: Dietmar Meinert / pixelio.de

Schichtarbeit und unregelmäßige Arbeitszeiten belasten den Organismus. Wie sehr das Leben gegen den biologischen Rhythmus den Körper, aber auch die Seele und das soziale Umfeld beeinträchtigen, wird oft unterschätzt.

Notwendig ist Schichtarbeit in vielen Branchen dennoch und so gilt es, die Belastungen für die Schichtarbeiter möglichst gering zu halten. Angepasste Ernährung, guter Schlaf und medizinische Prophylaxe gehören zu den wichtigsten Tipps für mehr Gesundheit, seelische Balance und Leistungsfähigkeit.

Angepasste Ernährung

Auch wenn es in der Schicht und an der Arbeit schwer fällt, ist es wichtig, auf gesunde Ernährung zu achten und die Mahlzeiten möglichst an die biologische Uhr anzupassen.

Das heißt:

Hauptmahlzeiten immer zur gleichen Uhrzeit zu sich nehmen und feste Essenszeiten einhalten.

Eiweißreiche und fettarme Kost mit komplexen Kohlenhydraten bevorzugen, zum Beispiel kein Weißbrot, kein Zucker, zuckerfreies Müsli mit hohem Haferanteil, fettarm belegtes Vollkornbrot. Zucker und Süßigkeiten dagegen bringen nur kurz einen Energieschub, gefolgt von größerer Müdigkeit.

Essen Sie möglichst keine Fertigprodukte, denn sie enthalten oft Hefe-Extrakt, Geschmacksverstärker, zu viele Kalorien und zu viel Fett – alles Dinge, die den Körper belasten.

Bevorzugen Sie während der Nachtschicht leicht verdauliche Lebensmittel in kleinen Portionen.

Trinken Sie ausreichend, am besten Mineralwasser, Saftschorlen oder ungesüßten Kräutertee. Cola, Energydrinks und zu viel Kaffee dagegen führen zu Unruhe und Schlafstörungen und beeinträchtigen den Körper noch 8 bis 14 Stunden später.

Nutzen Sie Alkohol nicht als Einschlafhilfe.

Guter Schlaf

Tief und ausreichend lang sollte er sein, der gute Schlaf. Ob sechs, acht oder zehn Stunden hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Bekommt man ihn aber nicht, den guten Schlaf, ist es mit der körperlichen und geistigen Fitness schnell vorbei.

Schichtarbeiter leiden besonders häufig unter Schlafstörungen, deswegen ist es bei ihnen besonders wichtig, auf eine gesunde Schlafhygiene zu achten, sprich ein positives Umfeld und schlaffördernde Bedingungen zu schaffen.

In den Stunden vor dem Schlafengehen sollten Alkohol und Zigaretten gemieden werden, sie beeinträchtigen die Schlafqualität.

Wachmacher wie Kaffee, koffeinhaltige Softdrinks, Energydrinks und auch schwarzer Tee können noch 8 bis 14 Stunden nach dem Genuss Auswirkungen auf den Schlaf haben.

Essen Sie keine größeren Mahlzeiten mehr, sondern lieber einen kleinen Snack, am besten mit oder aus Milch, ein paar Cashew-Kerne oder mageres Hähnchenbrustfilet – das darin enthaltene L-Trytophan fördert den Schlaf. Damit der Körper das L-Trytophan aufnehmen kann, braucht er etwas Zucker – deswegen wirkt Milch mit Honig so gut.

Sport fördert die körperliche und seelische Balance, ist allerdings wenig Stunden vor dem Schlafengehen tabu.

Schaffen Sie sich ein Schlafritual. Etwa ein paar Seiten in einem entspannenden Buch lesen, ruhige Musik hören, Entspannungsübungen, eine Traumreise oder auch mit der Katze schmusen – je nachdem, was Sie entspannt, was Ihnen liegt und was gefällt.

Das Schlafzimmer

Schalten Sie die Lichtquellen aus, am besten auch die Stand-by-LEDs der elektrischen Geräte oder nutzen Sie eine Schlafbrille.

Ohrstöpsel schützen vor störenden Geräuschen, die vor allem tagsüber den Schlaf rauben.

Die Raumtemperatur sollte nicht über 18 Grad liegen, die Bettdecke der Jahreszeit angepasst sein.

Öffnen Sie vor dem Schlafengehen 10 Minuten das Fenster zum Lüften.

Vermeiden Sie helles Licht und sehen Sie nicht zum Wecker, wenn Sie verfrüht aufwachen.

Legen Sie sich nur zum Schlafen ins Bett, nicht zum Fernsehen, längerem Lesen oder Surfen im Internet. Ebenso sollten das Sofa oder der Fernsehsessel nicht zum Schlafen genutzt werden.

Medizinische Vorsorge

Länger anhaltende Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Sie sind nichts, was man selbst mit Schlafmitteln behandeln kann.

Arbeitsmediziner empfehlen Schichtarbeitern nach der Nachschicht zwei Schlafphasen anzustreben. Die erste sollte direkt nach der Schicht genutzt werden, eine zweite sollte nachmittags bis in den frühen Abend andauern.

Schicht- und Nachtarbeiter haben zudem ein Recht auf spezifische, arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen. Wer mindestens 48 Tage im Kalender im Schicht- oder Nachtdienst arbeitet, kann sich alle drei Jahre (ab dem 50. Lebensjahr jährlich) auf Kosten des Arbeitsgebers untersuchen lassen.

Auf und nieder: Standfest fürs Sitzfleisch

Solche Stühle haben am Arbeitsplatz ausgedient. Quelle: Andri Peter / pixelio.de

Foto: Andri Peter / pixelio.de

In früheren Zeiten (vor E-Mail, Scanner und Vernetzung) traf man den gemeinen Büromenschen wesentlich öfter abseits des Schreibtischs an. Da mussten noch Akten aus dem Keller geholt und Matrizen gezogen werden, man musste Ordner hin- und hertragen und für jeden Zettel ins Nachbarbüro gehen. Heute macht es die moderne Technik möglich, einen kompletten Bürotag sitzend zu verbringen.
Mit fatalen Folgen für die Gesundheit und nicht zuletzt auch die Leistungsfähigkeit. Die Lösung ist einfach: Aufstehen! Alle 20 Minuten, so lautet die Empfehlung, sollte man aufstehen, um die Durchblutung anzuregen und einseitigen Belastungen vorzubeugen. Das Zauberwort, das auch immer mehr Unternehmen hilft, das Wertvollste in Ihrem Betrieb, nämlich die Mitarbeiter, zu schützen, heißt Steh-Sitzdynamik und wird immer mehr zu einem wichtigen Punkt in der gesundheitlichen Vorsorge im Betrieb. Eine Studie des bso (Verband Büro-, Sitz- und Objektmöbel) aus 2011 hat ergeben, dass in 63 Prozent der 603 befragten Unternehmen, Dienstleistern und Behörden zumindest ein Teil der Beschäftigten einen ergonomischen Arbeitsplatz hat, der Sitzen und Stehen ermöglicht. 9 Prozent der Befragten ermöglichen das sogar allen Mitarbeitern und zeigen auch darüber hinaus ein großes Interesse an Prävention und Gesundheitsbewusstsein.
Ob Steh-Sitzdynamik oder Sitz-Stehdynamik – gemeint ist der Wechsel zwischen Stehen und Sitzen.
Warum es so wichtig ist, nicht nur Stehen oder nur zu Sitzen, zeigt ein Blick auf die Folgen, die eine einseitige Belastung haben kann.

Das Stehen

Vor allem im verarbeitenden Gewerbe sind vermehrt Steharbeitsplätze zu finden. Doch auch hier nimmt ihre Anzahl stetig ab und wird durch Steh-Sitz-Variationen ersetzt. Der Grund: Stehen erfordert einen höheren Energieaufwand als Sitzen, ermüdet daher schneller und ist weniger geeignet für Arbeiten, die eine stetig hohe Konzentration erfordern. Längeres Stehen belastet das Hüftgelenk und fördert Venenerkrankungen. Zudem erschwert das lange Stehen die feinmotorische Arbeit, da der Oberkörper weniger stabil ist als im Sitzen.

Das Sitzen

Auch das Sitzen ist keine Ideallösung. Es belastet die Bandscheiben und stört ihre Durchblutung. Schmerzhafte Verspannungen und Muskelreizungen im Rücken- und Schulterbereich sind typisch für eine einseitige Belastung oder falsche Sitzposition. Langes Sitzen, vor allem wenn Stuhl und Tisch nicht richtig eingestellt sind, kann das Binde- und Stützgewebe der Beine schädigen und sowohl das Herz- und Kreislauf-, wie auch das Nervensystem schädigen.
Sowohl beim ununterbrochenen Stehen wie auch beim steten Sitzen können Verspannungen und chronische Schmerzen, Durchblutungsstörungen und dadurch auch schnelle Ermüdung und Leistungsabfall bis hin zum Motivationsverlust und Krankheitsfall die Folge sein.

Möglich ist beides

Zum Wohle der Mitarbeiter und des Unternehmens sollte daher immer geprüft werden, ob Sitz-Steh-Arbeitsplätze eingerichtet werden können.
Wichtig sind hier geeignete Möbel, die ohne großen Umstand und lange Wege den Wechsel zwischen Stehen und Sitzen ermöglichen. Geeignet sind hier vor allem höhenverstellbare Arbeitstische, die am besten hydraulisch gesteuert das Arbeiten im Stehen und im Sitzen ermöglichen.
Die BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) empfiehlt hier für Büroarbeit mit und ohne Computerunterstützung eine Mindestgröße von 160 x 80 Zentimetern für einen Tischfläche, die idealerweise sowohl einen Schreib- als auch einen Computerarbeitsbereich ermöglichen sollte, und eine variable Höhe von 68 bis 118 Zentimetern.
Der Arbeitgeber sollte seine Mitarbeiter entsprechend für das Thema sensibilisieren, damit die Steh-Sitzdynamik genutzt und akzeptiert wird. Zwei bis vier Haltungswechsel pro Stunde haben sich als empfehlenswert erwiesen. Die Mitarbeiter sollten dazu angehalten werden, statisches Stehen zu vermeiden, etwa durch Fußstützen, die ein wechselndes Aufstellen der Füße ermöglichen.
Sitzen sollte stets dynamisch sein, was sich durch entsprechende Drehstühle mit beweglichen Sitzflächen erreichen lässt.

Broschüre der BAuA zum Thema als kostenloser Download.

 

„Stör’ ich gerade?“ – Vom Umgang mit Unterbrechungen

Das kennt wirklich jeder: Die Lösung des Problems, der rettende Gedanke, bahnt sich seine Weg, nimmt Formen an, bekommt Gestalt – und verschwindet wie von Zauberhand. Weil das Telefon läutet, der Kollege laut polternd zur Tür hereinkommt oder eine Nachricht auf dem Handy piept.
Unterbrechungen bei der Arbeit kommen heute doppelt so häufig vor wie noch vor 20 Jahren, sagt beispielsweise die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua).

Eine Frau schreit "Ruhe, bitte!"

Foto: Tanja/pixelio.de

Die Lüge vom Multitasking

Tatsache ist: Das oft beschworene Multitasking ist eine Lüge. Man mag vielleicht gleichzeitig entspannt baden und ein Buch lesen können, aber schier unmöglich ist es, sich gleichermaßen gut auf zwei oder mehr Dinge zu konzentrieren, die der Aufmerksamkeit bedürfen. Das Bewusstsein kann immer nur einen Gedanken verfolgen, zwei gleichzeitig schafft es nicht. Forscher der Universität Michigan haben herausgefunden, dass das Gehirn um 20 bis 40 % weniger Leistung bringt, wenn der Mensch versucht, Dinge gleichzeitig statt nacheinander zu erledigen.

Fokussieren statt Schludern

Die Folgen dieser Unterbrechungen sind oft Stress, Überlastung, aber auch Zeitverlust und mehr Fehler durch Unkonzentriertheit, denn wer nur für drei Minuten aus seiner Aufgabe herausgerissen wird, braucht mindestens zwei Minuten, um wieder hineinzufinden. Das wurde bereits in mehreren Studien bewiesen.
Zu versuchen, mehrere Dinge zugleich zu erledigen, ist nicht nur der Gesundheit und dem Wohlbefinden abträglich, es schadet auch dem Ergebnis. Vor allem in Berufen, in denen mit Menschen umgegangen wird oder wo mit technischen Geräten und Gefahrstoffen hantiert wird, ist es sogar mitunter sehr gefährlich und sogar fahrlässig.

Strategien gegen das Unvermeidbare

Da sich Unterbrechungen allerdings auch kaum immer verhindern lassen, gibt es aus Sicht des Arbeitsschutzes einige Tipps, um ihnen besser zu begegnen.
Zunächst müssen Sie sich über die Art der Unterbrechung und Ihre Erfahrungen im Klaren sein, damit sich Sie später eine Strategie zurecht legen können.

Beantworten Sie für sich selbst folgende Fragen:

  • In welcher Situation ist es mir gelungen, mit bestimmten Unterbrechungen gut umzugehen?
  • In welchen ist es mir nicht gelungen?
  • Was habe ich ganz konkret getan, um die Situation zu verbessern?
  • Was habe ich getan, das die Situation eher verschlimmerte?
  • Welche Strategie würde ich anderen in meiner Situation empfehlen?
  • Wenn ich die Situationen rückblickend betrachte: Welche Möglichkeiten der Reaktion fallen mir zusätzlich ein, die geholfen hätten?

Wissen, was zu tun ist

Grundsätzlich gibt es vier mögliche Strategien, um auf eine Unterbrechung zu reagieren – sofern sie nicht komplett auszuschließen oder abzuschalten ist (Tür, Handy, Mailprogramm, Browser).

  • Sofort
  • To-do-Liste
  • Delegieren
  • Papierkorb

Sofort: Manche Unterbrechung erfordert, das alles andere stehen und liegen gelassen wird. Problematisch ist es dann oft, zur alten Aufgabe zurückzufinden. Nur weniges ist so eilig, dass es keine Zeit mehr gibt, um den Gedanken, den Sie gerade verfolgten, oder auch den nächsten Schritt kurz – notfalls mit nur einem Stichwort – zu notieren. Beschreibbare Schreibtischunterlagen oder Notizzettel leisten die besten Dienste.

To-do-Liste: Setzen Sie Prioritäten. Was sich zu einem späteren Zeitpunkt erledigen lässt, gehört auf die To-do-Liste. Ob sie als Papier oder digitale Version gepflegt wird, ist Geschmackssache. Wichtig ist allein, dass Sie – technisch gesprochen – Ihren Arbeitsspeicher entlasten und eine externe Festplatte nutzen. Es gibt verschiedene Methoden, solche To-do-Listen zu führen, die unter anderem auf dem Portal “Zeit zu Leben” als Tagespläne, Wochen- oder Montagslisten zum Download angeboten werden.

Delegieren: Geben Sie Fäden aus der Hand, wenn nötig. Ein Haufen Fleißkärtchen nützt Ihnen nichts, wenn Sie dafür aufreiben und verbrennen. Auf Dauer schadet es dem Wohlbefinden und vor allem der Gesundheit, immer mehr als volle Leistung zu geben. Denken Sie nur an stressbedingte Krankheiten, Burn-out und andere Folgen. Den richtigen Moment zu erkennen, um um Hilfe und Unterstützung zu bitten, bringt Ihnen mehr Anerkennung ein, als viel zu viel selbst und alleine machen zu wollen und letztlich an falsch verstandenem Ehrgeiz zu scheitern.

Papierkorb: Vor allem, was Informationen angeht, gibt es oft ein Übermaß. E-Mail-Flut, Werbeflut eine Flut an Reizen. Wenn Sie es nicht schaffen, die Newsletter zu lesen, die in Ihrem Mailfach landen, melden Sie sich ab. Überfrachten Sie sich nicht mit Aufgaben. Was in keine der vorher genannten Optionen passt, ist wahrscheinlich ein Kandidat für den Papierkorb. Vielleicht hilft es Ihnen, eine Zwischenstation einzurichten, in die sie solche Dinge packen. Entscheiden Sie am Ende des Tages, wenn alles andere abgearbeitet ist, wie sie mit den Dingen verfahren, die sich hier angesammelt haben.