Das Wissen ist da, in der Praxis hapert es

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat 1000 geschäftsführende Personen und 2000 Beschäftigte befragt zu ihrem Kenntnisstand und dem tatsächlichen betrieblichem Handeln in Sachen Arbeitsschutz.

Das Fazit: Auch kleine Unternehmen weisen der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit eine hohe Bedeutung zu. Allerdings zeigt sich auch ein deutlicher Kontrast zwischen dem Wissen über Arbeitsschutz und dem täglichen Handeln im Betrieb. Basierend auf ihre Antworten wurden die Geschäftsführer/innen in fünf Typen unterteilt: die Profis, die Problemfälle, die Unentschlossenen, die Unbeholfenen sowie die Macher. Die Befragung zeigte: Genutzt werden auf Leitungsebene in erster Linie Broschüren, Checklisten und Internetangebote. Als besonders nützlich werden die Angebote bewertet, bei denen Betriebe von Betrieben lernen können.
Dieses Ergebnis wird in dem Bericht „Kenntnisstand von Unternehmen und Beschäftigten auf dem Gebiet des Arbeits – und Gesundheitsschutzes in KMU“ durch konkrete Vorschläge zur Vermittlung des bereits vorhandenen Wissens und zur Weiterbildung ergänzt.

Die Pflicht ist präsent

In den meisten Klein – und Kleinstbetrieben werde nach dem Prinzip gehandelt “Hauptsache, wir verstoßen nicht gegen das Gesetz“, heißt es in der Pressemitteilung der BAuA. So kennt man zwar seine Pflicht zu Sicherheit und Gesundheitsschutz, aber konkrete gesetzliche Arbeitsschutzregelungen sind weitgehend nicht geläufig. Hier besteht bei den KMU großer Informationsbedarf, um auch den eigenen Mitarbeiter regelmäßig Schulungen anbieten zu können und anlassbezogene Unterweisung zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen. Das ist nämlich noch längst nicht der Fall. In den meisten Betrieben, so zeigt die Befragung, greifen die Unternehmen oft auf praktikable Verbesserungsvorschläge der Beschäftigten zurück, um Gesundheit und Sicherheit zu verbessern, heißt es in der Pressemitteilung.
Die Themen, in denen der größte Informationsbedarf besteht, seien die Gesundheitsförderung, Unfallverhütung, Gestaltung von Arbeitsplätzen und das Vermeiden von Arbeitsstress.
Am besten werden Information – und Beratungsangebote bewertet, die einen starken Praxisbezug haben, gaben die Arbeitgeber und Beschäftigten in der Befragung an. Sie lernen am liebsten mit praktischen Beispielen. Aus ihren Antworten entwickelten die Experten der BAuA Ansatzpunkte für Modelle und bedarfsgerechte Konzepte, um die kollegiale Beratung, das Lernen in Netzwerken oder Pool- und Verbundberatung zu vertiefen. Im Vordergrund stehe, die Verantwortlichen im Arbeitsschutz für die positiven Effekte von Prävention zu sensibilisieren, schreibt die BAuA.
Die Befragung und ihre Ergebnisse sowie Empfehlungen finden sich unter: “Kenntnisstand von Unternehmen und Beschäftigten auf dem Gebiet des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in KMU”; Dr. Cordula Sczesny, Sophie Keindorf, Patrick J. Droß, Dr. Gerda Jasper; 1. Auflage. Dortmund/Berlin/Dresden; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2014; 329 Seiten, ISBN 978-3-88261-005-5
Eine Version im PDF-Format zum Herunterladen steht unter www.baua.de/publikationen.

„Stör’ ich gerade?“ – Vom Umgang mit Unterbrechungen

Das kennt wirklich jeder: Die Lösung des Problems, der rettende Gedanke, bahnt sich seine Weg, nimmt Formen an, bekommt Gestalt – und verschwindet wie von Zauberhand. Weil das Telefon läutet, der Kollege laut polternd zur Tür hereinkommt oder eine Nachricht auf dem Handy piept.
Unterbrechungen bei der Arbeit kommen heute doppelt so häufig vor wie noch vor 20 Jahren, sagt beispielsweise die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua).

Eine Frau schreit "Ruhe, bitte!"

Foto: Tanja/pixelio.de

Die Lüge vom Multitasking

Tatsache ist: Das oft beschworene Multitasking ist eine Lüge. Man mag vielleicht gleichzeitig entspannt baden und ein Buch lesen können, aber schier unmöglich ist es, sich gleichermaßen gut auf zwei oder mehr Dinge zu konzentrieren, die der Aufmerksamkeit bedürfen. Das Bewusstsein kann immer nur einen Gedanken verfolgen, zwei gleichzeitig schafft es nicht. Forscher der Universität Michigan haben herausgefunden, dass das Gehirn um 20 bis 40 % weniger Leistung bringt, wenn der Mensch versucht, Dinge gleichzeitig statt nacheinander zu erledigen.

Fokussieren statt Schludern

Die Folgen dieser Unterbrechungen sind oft Stress, Überlastung, aber auch Zeitverlust und mehr Fehler durch Unkonzentriertheit, denn wer nur für drei Minuten aus seiner Aufgabe herausgerissen wird, braucht mindestens zwei Minuten, um wieder hineinzufinden. Das wurde bereits in mehreren Studien bewiesen.
Zu versuchen, mehrere Dinge zugleich zu erledigen, ist nicht nur der Gesundheit und dem Wohlbefinden abträglich, es schadet auch dem Ergebnis. Vor allem in Berufen, in denen mit Menschen umgegangen wird oder wo mit technischen Geräten und Gefahrstoffen hantiert wird, ist es sogar mitunter sehr gefährlich und sogar fahrlässig.

Strategien gegen das Unvermeidbare

Da sich Unterbrechungen allerdings auch kaum immer verhindern lassen, gibt es aus Sicht des Arbeitsschutzes einige Tipps, um ihnen besser zu begegnen.
Zunächst müssen Sie sich über die Art der Unterbrechung und Ihre Erfahrungen im Klaren sein, damit sich Sie später eine Strategie zurecht legen können.

Beantworten Sie für sich selbst folgende Fragen:

  • In welcher Situation ist es mir gelungen, mit bestimmten Unterbrechungen gut umzugehen?
  • In welchen ist es mir nicht gelungen?
  • Was habe ich ganz konkret getan, um die Situation zu verbessern?
  • Was habe ich getan, das die Situation eher verschlimmerte?
  • Welche Strategie würde ich anderen in meiner Situation empfehlen?
  • Wenn ich die Situationen rückblickend betrachte: Welche Möglichkeiten der Reaktion fallen mir zusätzlich ein, die geholfen hätten?

Wissen, was zu tun ist

Grundsätzlich gibt es vier mögliche Strategien, um auf eine Unterbrechung zu reagieren – sofern sie nicht komplett auszuschließen oder abzuschalten ist (Tür, Handy, Mailprogramm, Browser).

  • Sofort
  • To-do-Liste
  • Delegieren
  • Papierkorb

Sofort: Manche Unterbrechung erfordert, das alles andere stehen und liegen gelassen wird. Problematisch ist es dann oft, zur alten Aufgabe zurückzufinden. Nur weniges ist so eilig, dass es keine Zeit mehr gibt, um den Gedanken, den Sie gerade verfolgten, oder auch den nächsten Schritt kurz – notfalls mit nur einem Stichwort – zu notieren. Beschreibbare Schreibtischunterlagen oder Notizzettel leisten die besten Dienste.

To-do-Liste: Setzen Sie Prioritäten. Was sich zu einem späteren Zeitpunkt erledigen lässt, gehört auf die To-do-Liste. Ob sie als Papier oder digitale Version gepflegt wird, ist Geschmackssache. Wichtig ist allein, dass Sie – technisch gesprochen – Ihren Arbeitsspeicher entlasten und eine externe Festplatte nutzen. Es gibt verschiedene Methoden, solche To-do-Listen zu führen, die unter anderem auf dem Portal “Zeit zu Leben” als Tagespläne, Wochen- oder Montagslisten zum Download angeboten werden.

Delegieren: Geben Sie Fäden aus der Hand, wenn nötig. Ein Haufen Fleißkärtchen nützt Ihnen nichts, wenn Sie dafür aufreiben und verbrennen. Auf Dauer schadet es dem Wohlbefinden und vor allem der Gesundheit, immer mehr als volle Leistung zu geben. Denken Sie nur an stressbedingte Krankheiten, Burn-out und andere Folgen. Den richtigen Moment zu erkennen, um um Hilfe und Unterstützung zu bitten, bringt Ihnen mehr Anerkennung ein, als viel zu viel selbst und alleine machen zu wollen und letztlich an falsch verstandenem Ehrgeiz zu scheitern.

Papierkorb: Vor allem, was Informationen angeht, gibt es oft ein Übermaß. E-Mail-Flut, Werbeflut eine Flut an Reizen. Wenn Sie es nicht schaffen, die Newsletter zu lesen, die in Ihrem Mailfach landen, melden Sie sich ab. Überfrachten Sie sich nicht mit Aufgaben. Was in keine der vorher genannten Optionen passt, ist wahrscheinlich ein Kandidat für den Papierkorb. Vielleicht hilft es Ihnen, eine Zwischenstation einzurichten, in die sie solche Dinge packen. Entscheiden Sie am Ende des Tages, wenn alles andere abgearbeitet ist, wie sie mit den Dingen verfahren, die sich hier angesammelt haben.