Staub: Die unterschätzte Gefahr

Quelle: Petra Bork / pixelio.de

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Stäube entstehen beim Bearbeiten von Holz, Metall und Kunststoff. Sie finden sich gleichermaßen an den Produktionsstraßen der Lebensmittelindustrie wie auch in der mittelständischen Backstube oder rund um die Walzen einer Druckerei. Staubgrenzwerte und vorgeschriebener Atemschutz mindern die Gefahr für Mitarbeiter. Doch wird oft vergessen, dass nicht nur das Einatmen der Stäube, sondern auch die Staubexplosion in der Industrie hoch gefährlich sind und wesentlich öfter vorkommen als dies gemeinhin angenommen wird.

Bereits das Aufwirbeln von 20 bis 50 g Staub je Kubikmeter Luft genügen, um ein zündfähiges Staubluftgemisch entstehen zu lassen. Je kleiner die Staubpartikel sind, desto leichter können sie sich entzünden, brennen oder sogar explodieren. Der Grund: Je kleinteiliger der Staub, desto größer ist seine Oberfläche und somit seine Reaktionsfähigkeit mit einer anderen Substanz, beispielsweise dem Sauerstoff aus der Luft.

Drei Zutaten braucht es, um eine gefährliche Staubexplosion auszulösen: eine brennbare Substanz, Sauerstoff und eine Zündquelle. Für die meisten Menschen ist es kaum nachvollziehbar, wie leicht vermeintlich harmlose Substanzen wie Mehl oder Kakao, Eisen oder Aluminium zu einer brennbaren Substanz werden können.

Als Zündquelle genügt ein Funken

Dabei ist es nicht damit getan, das Rauchen, offene Flammen und Heißarbeiten zu verbieten, bzw. im Blick zu halten. Als Zündquelle für eine Staubexplosion genügt unter Umständen bereits die elektrostatische Entladung, die an Transportbändern entsteht, oder der winzige Funken eines Steckers, der aus der Steckdose gezogen wird.

Selbst in Betrieben, in denen man sich der Gefahr durch Staub auf den Arbeitsflächen und auf dem Boden bewusst ist, wird oft vergessen, das sich durch Schleifen oder Abrieb oder auch durch bloßes Aufwirbeln an vielen Stellen im Betrieb Schwebstoffe als winzige Partikel oder Fasern mit der Zeit auch auf höher gelegenen Stellen absetzen. Sie können als Stäube explodieren, obwohl die Stoffe an sich weder brandfördernd noch explosiv sind. Ein Beispiel ist die Aktenvernichtung in einem Recyclingunternehmen, bei dem der reine Papierstaub unter Umständen für eine gefährliche Atmosphäre sorgt.

Auch das regelmäßige Reinigen des Fußbodens genügt oft nicht, denn die Stäube setzten sich auch in der Höhe ab, beispielsweise auf Rohren und Zuleitungen, auf Maschinen, Regalen und Lampen. Schon eine dünne Staubschicht von nur 1 mm Dicke kann einen Raum mit einem explosionsfähige Staub-Luft-Gemisch ausfüllen. Nicht selten kommt es nach einer ersten Staubexplosion zu einer zweiten, der Sekundärexplosionen, verursacht durch aufgewirbelten Staub im Raum.

Gefahren erkennen und einschätzen

Die bei jedem Arbeitsgang anfallenden Stäube auf ihr Brenn- und Explosionsverhalten untersuchen zu lassen, ist zumeist aufwendig und teuer – und oft auch nicht notwendig. Nach einer fachlichen Gefährdungsbeurteilungen mit einer Begehung des Betriebs und eine Analyse der dort stattfindenden Arbeitsvorgänge und des Materialaufkommens zeigt sich meistens, dass es genügt, die in der Branche häufig verwendeten Substanzen für Beispielrechnungen zu verwenden, deren Kenngrößen bereits vorliegen, um die Explosionsgefahr einzuschätzen. So hat beispielsweise das IFA-Institut der DGUV eine Datenbank von über 6000 Staubproben aus vielen Branchen angelegt und liefert hier die wichtigen Brenn- und Explosionskenngrößen, die nötig sind, um die Explosionsgefahr einzuschätzen.

Allerdings lassen sich diese Staubkenngrößen nur anwenden auf Materialien, die stets in gleicher Körnung und Zusammensetzung auftreten. Dies ist bei natürlichen Materialien wie beispielsweise Getreidekörnern oder Saaten nicht der Fall. Sind die sicherheitstechnischen Kenndaten nicht bekannt, müssen sie im Einzelfall neu ermittelt werden.

Anhand der Gefährdungsbeurteilung können nicht nur die Gefahren durch eine Staubexplosion besser eingeschätzt werden, sondern es können auch passgenaue Maßnahmen, etwa technischer Art, und Verhaltensweisen entwickelt werden, die die Gefahr eindämmen.