Initiative gegen psychische Belastung am Arbeitsplatz

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Politik, Arbeitgeber und die Gewerkschaften haben sich auf ein gemeinsames Grundverständnis zum Umgang mit psychischer Belastung in der Arbeitswelt geeinigt. Stellvertretend unterzeichneten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ( BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Erklärung.

Sie beschreibt die gewachsene Bedeutung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt und ebenso konkrete Arbeitsmerkmale, die die psychische Gesundheit der Beschäftigten positiv wie negativ beeinflussen können. Zudem werden  Prinzipien und Methoden einer erfolgreichen Arbeitsgestaltung und Prävention benannt, um psychische Belastung zu vermeiden. Letztlich wird auch das gemeinsame Ziel einer erfolgreiche Wiedereingliederung erkrankter Beschäftigter ins Berufsleben formuliert.

In einer Presseerklärung des BMAS sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: “Dass die Arbeitgeber und Gewerkschaften das wichtige Thema psychischer Arbeitsschutz gemeinsam voranbringen wollen, ist der beste Garant für einen wirksamen Schutz vor den zunehmenden psychischen Gefahren im Arbeitsalltag. Beide wissen exakt, wie es in den Betrieben und Branchen zugeht. Sie sind unmittelbar betroffen, wenn Krankheitstage aufgrund psychischer Belastung zunehmen oder sogar Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer frühzeitig in Rente gehen. Die Sozialpartner sind die besten Verbündeten für einen wirksamen Arbeitsschutz, denn die Konzepte sollen ja nicht nur alltagstauglich sein, sondern auch in den Betrieben gelebt werden.”

In der Erklärung  werden die erheblichen Konsequenzen psychischer Erkrankungen aus unternehmerischer sowie volkswirtschaftlicher Sicht genau benannt: “Psychische Erkrankungen mindern das  Leistungsvermögen der betroffenen Beschäftigten, verursachen inzwischen etwa 13 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage und stellen mittlerweile die häufigste Frühverrentungsursache dar. Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist immens: Auf knapp 29 Milliarden Euro schätzt das Statistische Bundesamt nach letzten Zahlen die Krankheitskosten von psychischen Erkrankungen.”

Als psychisch belastend werden von den Arbeitnehmern insbesondere Arbeitsverdichtung, Termin- und Leistungsdruck, häufige Störungen oder ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge genannt. In der gemeinsamen Erklärung ist man sich daher einig, dass es notwendig sei, diese arbeitsbedingten Belastungen frühzeitig zu erkennen, um so psychische Erkrankungen und lange Fehlzeiten als Folge zu vermeiden. In der Erklärung heißt es: “Daher ist es wichtig, das Wissen über mögliche Gefährdungen, deren Vermeidung und die damit verbundenen gesetzlichen Pflichten in die Unternehmen und die öffentliche Verwaltung zu bringen.”

Zehn Aspekte für eine erfolgreiche Arbeitsgestaltung, Prävention und Wiedereingliederung wurden herausgearbeitet. Zusammengefasst lassen sie sich etwa so verstehen:

  1. Arbeit kann statt zu stabilisieren auch belastend wirken. Die Belastungen können zu einem Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit der Beschäftigten werden.
  2. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit müssen ein unmittelbares Anliegen in den oberen Etagen von Unternehmen und Verwaltungen sein.
  3. Psychische Belastung und ihre möglichen negativen Folgen sind beim Arbeitsschutz ebenso ernst zu nehmen wie physische Belastung.
  4. Die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung ist geeignet, um herauszufinden, wodurch die physischen und psychischen Gesundheit der Beschäftigten gefährdet sein kann, und um daraus Schutzmaßnahmen abzuleiten.
  5. Vorteilhaft ist, die Gefährdungsbeurteilung als einen strukturierten Prozess anzulegen, an dem die Beschäftigten und ihren Vertretungen beteiligt sind.
  6. Wünschenswert ist es, bei der Gefährdungsbeurteilung Betriebsärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit eng einzubinden.
  7. Zur Erfassung belastender Arbeitsmerkmale eignen sich verschiedene Verfahren wie beispielsweise Arbeitsplatzbeobachtungen, Befragungen von Mitarbeitern oder moderierte Verfahren. Zusätzlich können Beschwerden von Beschäftigten, hohe Fehlzeiten, häufige Fluktuation oder Konflikte zwischen den Beschäftigten wichtige Hinweise geben.
  8. Die freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung oder ein umfassendes Gesundheitsmanagements sind ebenfalls geeignet.
  9. Für kleine und mittlere Betriebe ist die regionale Vernetzung mit anderen Unternehmen nützlich, um beispielsweise von Erfahrungen und gemeinsam genutzten Dienstleistungen zu profitieren.
  10.  Das Engagement der Betriebe allein reicht nicht aus, um psychischen Erkrankungen und dadurch verursachten Frühverrentungen entgegenzuwirken. Deshalb werden Sozialpartner wie Familien-, Schulden- und Sozialberatungsstellen mit in die Erklärung einbezogen.

Die Unterzeichner der Erklärung empfehlen letztendlich allen Arbeitgebern, aber auch den Vertretern der Beschäftigten sowie den übrigen betrieblichen Akteuren, die Orientierung an der “Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz” der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Zum einen gebe sie Orientierung, um den gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes zu entsprechen, zum anderen biete sie konkrete Ansatzpunkte für eine systematische betriebliche Prävention.

Welche Vorteile hat die Gefährdungsbeurteilung?

Rund 1000 Handlungshilfen für Gefährdungsbeurteilungen gibt es in Deutschland. Sie sollen helfen, die Schutzziele zu erreichen, die gesetzlich formuliert wurden. Da jeder Betrieb anders ist und mitunter Anforderungen an Arbeits- und Gesundheitsschutz stellt, die nicht in Checklisten, Katalogen oder Normen formuliert werden, ist für den Unternehmer oftmals nicht klar, ob er seiner gesetzlichen Pflicht nachkommt.

Verbotsschild

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Die Erfüllung dieser Schutzziele liegen allein in seiner Verantwortung. Das ist die Kehrseite der neuen Rechtsvorschriften, die auf weniger Bürokratie und Deregulierung setzen und bisherige Detailforderungen wie etwa Grenzwerte und Prüffristen durch Zielvorgaben ersetzt haben. Statt konkrete Vorschriften zu geben, fordert der Gesetzgeber Eigenverantwortung.

Das Recht auf Ihrer Seite

In erster Linie bieten eine Gefährdungsbeurteilung und daraus folgende Maßnahmen natürlich mehr Sicherheit für Mensch und Umwelt. Für den Unternehmer bietet sie aber auch Rechtssicherheit. Er kommt seiner gesetzlichen Pflicht nach, indem er die Betriebsorganisation, Sicherheitsorganisation, Gefährdungen und Belastungen dokumentiert. Diese Dokumentation gibt ihm zudem die Möglichkeit, jederzeit die Ergebnisse der Beurteilung den Behörden vorzulegen, falls eine Überprüfung ansteht.

Spätestens wenn trotz aller Vorsicht ein Arbeitsunfall geschieht oder der Verdacht aufkommt, ein Mitarbeiter leide unter einer berufsbedingten Erkrankung, kann der Unternehmer durch die Gefährdungsbeurteilung belegen, welche Arbeits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen für die Mitarbeiter und verschiedene Tätigkeit festgelegt wurden. Eventuell gestellten Regressansprüche kann so unter Umständen der Boden entzogen werden.

Die Rechnung geht auf

Gezielte, präventive Vorkehrungen in Sachen Arbeitsschutz lassen den Krankenstand zurückgehen und verringern die Zahl der Unfälle. Das zeigt sich vor allem durch Untersuchungen in großen Unternehmen. Längst ist erkannt, wie viel Arbeitsleistung und somit bares Geld durch Absentismus, das Fernbleiben vom Arbeitsplatz, verloren geht – noch mehr übrigens durch Präsentismus. Präsentismus meint das Erscheinen an der Arbeit trotz Krankheit, etwa aus Angst, die Stelle zu verlieren, aus Pflichtgefühl oder aus Rücksicht auf die Kollegen. Kranke oder fehlende Mitarbeiter sind nicht nur eine Belastung für den Arbeitgeber, sondern auch für die anderen Mitarbeiter, die oft seine Aufgaben mit übernehmen und Leistungsschwächen abfedern müssen.

Auch psychische Belastungen können daher ein Thema im Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter sein.

Allerdings entwickeln Arbeitnehmer häufig eine viel höhere Motivation und größere Zufriedenheit, wenn sie feststellen, dass der Arbeitgeber sich um ihre Gesundheit kümmert und sie ihm wichtig ist. Diese Art der Wertschätzung zahlt sich aus.