Sitzen? Stehen? Na, was nun?

Quelle: StartupStockPhotos/Pixabay

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Aufstehen, ein paar Schritte gehen, Hinsetzen. Das ist der häufigste Positionswechsel während der Arbeit an Bildschirmen und Displays. Der Fachbegriff für bewussten Wechsel von Sitzen und Stehen nennt sich die Sitz-Steh-Dynamik.

Je öfter Sitzen, Stehen und Bewegen sich abwechseln, umso besser vermeiden die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einseitige Belastung durch langes Sitzen. Mithilfe dieser ständigen Wechsel wird die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistung Ihrer Mitarbeiter verbessert.

Die Steh-Sitz-Dynamik wiederum versucht durch den Wechsel vom Stehen zum Sitzen auch eine einseitige Belastung durch langes Stehen zu vermeiden.

Sitzen und Stehen regeln das

Bewegung ist die beste und zudem rezeptfreie Medizin, um gegen einen Bewegungsmangel anzukämpfen. Sie wird als notwendiges Lebensprinzip und als unverzichtbar angesehen. Bewegung fördert

•    die Atmung
•    den Herzschlag
•    den venösen Rückfluss
•    die “Bandscheibenernährung”

Durch den Sitzmarathon ohne ausreichend Bewegung sind Rückenprobleme unter Ihren Mitarbeitern die Volkskrankheit Nr 1. Einige wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass das Problem nicht gelöst wird, wenn wir das Sitzen noch bequemer machen. Ziel ist es, das „dynamische System“ des Körpers anzusprechen.

Sitzen schadet dem Rücken

Es ist eine sehr rückenfeindliche Körperhaltung, das Sitzen. Vor allem das Arbeiten am PC bringt den Körper in eine Zwangshaltung, die früher oder später zu Schäden führt. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches über eine senkrechte Körperachse verfügt. Wird diese auf Dauer verändert, z. B. durch acht Stunden Sitzen, wird auch die Anatomie der Wirbelsäule verändert. Dadurch entstehen Schäden und die Gesundheit der Mitarbeiter ist beeinträchtigt.

Faktencheck: Rückenschmerzen

•    Jeder fünfte geht wegen Rückenschmerzen einmal im Jahr zum Arzt
•    27% von denen suchen 4-mal oder öfter den Arzt auf
•    Viele rückenschmerzbedingte Besuche sind vermeidbar

Stehen ist das neue Sitzen

Damit Ihre Mitarbeiter keinen Gesundheitsschaden erleiden und Sie damit mehr Geld kosten, ist die Sitz-Steh-Dynamik von wesentlicher Bedeutung. Sorgen Sie also dafür, dass Ihre Mitarbeiter ein gesundes Maß an Zeit auf dem Bürostuhl verbringen und sich zwischendurch bewegen.

Voraussetzungen

Für eine erfolgreiche Sitz-Steh-Dynamik brauchen sie technische Voraussetzungen.
1.    Entscheidend für die Auswahl der Sitz-Steh-Lösung ist nicht etwa die potenziell bequemste Lösung, sondern die Arbeitsaufgabe und -organisation. Ein Bürofachhändler empfiehlt Ihnen z. B.  einen elektrischen Sitz-Steh-Tisch, aber das ist nicht unbedingt die beste Lösung.
2.    Die Einweisung und Aufklärung Ihrer Mitarbeiter ist zentrales Thema. Sie unterweisen Ihre Mitarbeiter gleichzeitig über den Sinn der Verhältnisse.
3.    Wichtig ist ein Sitz-Steh-Kompetenztraining, damit Ihre Mitarbeiter sich nicht falsch hinsetzen oder aufstehen. Das klingt absurd, aber wenn ganzheitlich über das Thema Sitzen und Stehen informiert werden soll, gehört auch das dazu.

Sind diese Voraussetzungen getroffen, dann erreichen Sie folgende Anforderungen an die Sitz-Steh-Dynamik:
•    Ein häufiger Wechsel der Körperhaltung und 2-4-mal pro Stunde aufstehen ist günstiger als lange Stehphase
•    Eine Stehphase ist gut, wenn sie nicht länger als 20 Minuten dauert
•    Abstützen der Oberarme entlastet das Stehen.

Sitz-Steh-Konzepte

Zwei grundlegende Konzepte unterscheiden Sitz-Steh-Arbeitsplätze:
•    Dynamisches Sitz-Steh-Zonenkonzept: Der Wechsel findet in einer bestimmten Zone der Arbeitsfläche oder in der Nähe statt
•    Statisches Flächenkonzept: die gesamte Arbeitsfläche, inklusive der Arbeitsmittel, wird vom Sitzen zum Stehen gebracht

Nutzen von Sitz-Steh-Dynamik

Durch die nachhaltige Verbesserung der Ergonomie Ihrer Mitarbeiter, gewinnen beide Seiten:
•    Die Mitarbeiter und
•    Ihr Unternehmen

Präventionskampagne für den gesunden Rücken

Quelle: Stephan Floß/DGUV / UV-Träger/Präventionskampagne Dein Rücken

Foto: Stephan Floß/DGUV / UV-Träger/Präventionskampagne Dein Rücken

“Denk an mich. Dein Rücken” – das ist das Motto aktuellen Präventionskampagne von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sowie der Knappschaft. Das Ziel der Kampagne: Rückenbelastungen bei der Arbeit, in der Schule und in der Freizeit verringern.
In den kommenden drei Jahren können Betriebe und Versicherte Informationen und Beratung zum Thema abrufen.
Zum Alltag vieler Beschäftigter gehören Rückenbelastungen, etwa in der Produktion, am Bau, aber auch in Dienstleistungsberufen wie der Pflege. Das Bewegen schwerer Lasten, die Arbeit in Zwangshaltungen und ständig wiederkehrende Bewegungsabläufe belasten das Muskel-Skelett-System – im schlimmsten Fall bis hin zu spürbaren und schmerzhaften Folgen. Aber nicht nur diese Überforderung, auch die Unterforderung kann negative Folgen haben. Mangelnde Bewegung, das dauernde Sitzen im Büro, in der Schule und in der Freizeit führt dazu, dass die Rückenmuskulatur nicht mehr genug gefordert wird, so dass sie geschwächt ist.
Nach wie vor gibt es daher eine hohe Zahl der Rückenerkrankungen und die damit verbundenen Krankheitskosten und Produktionsausfälle. Vor diesem Hintergrund vermittelt die Kampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ das nötige Wissen, um die Balance zwischen Be- und Entlastung des Rückens zu finden.

Kampagne informiert über Möglichkeiten für Arbeitgeber

Die Arbeitgeber haben eine Reihe von Möglichkeiten, die Belastung ihrer Beschäftigten zu verringern, betonen die Organisatoren der Kampagne: Sie können Arbeitsplätze ergonomisch gestalten oder eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, die körperliche und psychische Belastungen für den Rücken berücksichtigt und anschließend die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Das verbessere nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern es lohne sich auch für den Arbeitgeber: Verschiedene Studien zeigen, dass sich Investitionen in die betriebliche Prävention und Gesundheitsförderung positiv auswirken.

Tipps für den gesunden Rücken

Die Träger der Präventionskampagne “Denk an mich. Dein Rücken” haben für die Mitarbeiter konkrete Tipps, um den Rücken fit zu halten und vor Schäden zu schützen.

  • Hilfsmittel verwenden: Immer, wenn es möglich ist, Hilfsmittel wie Hebehilfen, Tragegurte, Tischwagen oder Hubkarren zum Transportieren schwerer Lasten verwenden.
  • Schwere Lasten vermeiden: Die eigene Kraft nicht überschätzen und Lasten lieber aufteilen und in mehreren Teilen transportieren. Nicht teilbare schwere Lasten zu zweit tragen.

Ergonomische Körperhaltung beachten:

  • Beim Heben von schweren Lasten: Befindet sich die Last auf dem Boden, mit geradem Rücken von vorn möglichst dicht an die Last herantreten, beim Bücken das Gesäß nach hinten schieben und die Knie nicht weiter als 90 Grad beugen. Die Last nicht ruckartig, sondern mit gleichem Tempo durch Streckung der Hüft- und Kniegelenke körpernah anheben. Beim Anheben, Umsetzen und Absetzen von Lasten die Wirbelsäule nicht verdrehen; Richtungsänderungen durch Umsetzen der Füße mit dem ganzen Körper vornehmen.
  • Beim Tragen von Lasten: Eine aufrechte Körperhaltung einnehmen und nicht ins Hohlkreuz fallen und die Last so dicht wie möglich am Körper tragen. Beide Körperseiten gleichmäßig belasten und nach Möglichkeit Hilfsmittel wie Sackkarre, Schubkarren oder Tragegurte verwenden.
  • Körperliche Fitness: Die körperliche Verfassung spielt eine große Rolle bei der Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Regelmäßige Bewegung wie Gymnastik und Dehnübungen sowie Spaziergänge helfen, den Körper fit zu halten. Nicht zuletzt kann eine gesunde und ausgewogene Ernährung die eigene Gesundheit unterstützen.

In der Präventionskampagne “Denk an mich. Dein Rücken” arbeiten die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau und die Knappschaft zusammen.
Mehr zu den Hintergründen der Kampagne gibt es unter der Webseite www.deinruecken.de . Dort stehen unter anderem viele Hinweise für die rückengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen, Broschüren für verschiedene Zielgruppen, Hintergrundinformationen und Fakten zur Kampagne sowie die Plakatmotive bereit.

Rückenfreundliche Sonderausstellung der DASA

Ausstellungsmacherin Nancy Drechler mit einem rückenfreundlichen Besen. Quelle: DASA

Ausstellungsmacherin Nancy Drechler mit einem rückenfreundlichen Besen. Quelle: DASA

Die DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund widmet dem Rücken eine Sonderausstellung. Unter dem Titel “Back to Balance” führt sie den Besuchern bis zum 26. Mai 2013 das komplexe Zusammenspiel von Wirbeln, Muskeln und Nerven vor Augen. Ob und wie die zur Volkskrankheit erklärten Rückenleiden mit der Arbeit oder der Evolution zusammenhängen, woher die Schmerzen kommen, was eigentlich weh tut und wie man es am besten gar nicht erst soweit kommen lässt, erklärt die interaktiv angelegte und rund 300 Quadratmeter große Schau.
Zu sehen sind auch viele ungewöhnliche Objekte, die dem Rücken die Arbeit erleichtern. Die Ausstellung zeigt zudem Risiken in ausgewählten Berufszweigen und im Alltag auf und durchdenkt Lösungsansätze.

Als Arbeitswelt Ausstellung legt die DASA einen Schwerpunkt auf die Belastungen bei Büroarbeit, Berufskraftfahrern und in der Pflege. In diesem Zusammenhang geht es auch um Arbeitserleichterungen. So kann das Publikum auf zwei LKW-Sitzen Platz nehmen und nach der Sitzprobe entscheiden, welcher Sitz sich rückenfreundlich anfühlt.

Die Ausstellung ist eine Wanderausstellung in Kooperation mit der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und als Wanderausstellung konzipiert worden. Ein Rahmenprogramm mit Familientagen und Vorträgen ergänzt die Schau.

Laufzeit
ab sofort bis 26. Mai 2013

Ort
DASA Arbeitswelt Ausstellung
Friedrich-Henkel-Weg 1-25
44149 Dortmund

Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag 9.00 – 17.00 Uhr
Samstag und Sonn- und Feiertag 10.00 – 18.00 Uhr

Informationen:
Besucherservice: 0231 9071 2645
besucherdienst-dasa@baua.bund.de
www.dasa-dortmund.de