PTBS: Wenn das Erlebte das Denken beherrscht

Quelle: Petra Bork / pixelio.de

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei, der Feuerwehr oder der Bundeswehr haben ebenso wie Pflegepersonal, Mitarbeiter des Rettungsdienstes, Seelsorger oder Lokführer einen verantwortungsvollen Job. Zu ihrer täglichen Arbeit gehört es, dass das Schicksal anderer Menschen in ihrer Hand liegt. Zu einer extremen Belastung wird dies, wenn traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz auf sie wirken. Solche traumatischen Ereignisse sind zum einen durch Menschen willentlich verursachter Ereignisse wie körperliche Misshandlungen, Überfälle, Suizide oder Kriegserlebnisse, zum anderen aber auch unwesentlich verursachte Ereignisse wie Naturkatastrophen, Verkehrs-und Arbeitsunfälle oder auch tragische Todesfälle in der Familie. Dafür ist es nicht notwendig, dass man selbst diese Erlebnisse macht, es kann auch genügen die Folgen bei anderen zu erleben, wie es beispielsweise auf der Intensivstation der Fall ist.

Die Folgen, die solche psychischen Belastungen in einem Menschen auslösen, sind oft nicht abzusehen. Ein traumatisches Erlebnis kann bei Betroffenen zu einer extremen Belastungsreaktionen führen, die sich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS,  entwickeln kann. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn die Folgen eines dramatischen Erlebnisses über einen längeren Zeitraum spürbar sind und sich die Betroffenen keine Hilfe suchen.

Die Zeit und die Wunden

Völlig normal ist es, dass ein traumatisches Erlebnis eine akute Belastungsreaktionen auslöst. Dies ist bei den meisten Menschen der Fall. Sie sind kurz nach einem tragischen Ereignis orientierungslos, können sich schlecht auf etwas anderes konzentrieren, sind unruhig, ängstlich und brauchen Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Bereits nach wenigen Tagen, manchmal sogar Stunden, klingen diese Symptome wieder ab und der Betroffene kann wieder durchatmen, auch wenn ihn das Erlebte sicherlich hin und wieder beschäftigen wird.

Anders zeigt sich die Situation bei einer posttraumatischen Belastungsstörung. Von einer PTB S spricht man dann, wenn diese negativen Folgen des traumatischen Erlebnisses länger anhalten. Der Betroffene kämpft mit Ängsten und Depressionen, durchlebt das traumatische Ereignis wiederholt und kann sich kaum davon lösen. Laut internationaler Klassifikation der Krankheit ist die PTBS (abgekürzt mit ICD-10: F43.1) eine verzögerte oder lang anhaltende „Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.“

Flashbacks quälen die Betroffenen. Geräusche oder Gerüche rufen Assoziationen mit dem erlebten hervor, so dass die Betroffenen aus Selbstschutz nicht selten eine Schutzmauer der Gleichgültigkeit aufbauen und Situationen vermeiden, die Erinnerung an das Trauma wachrufen könnten. Dazu kann auch gehören, den bisherigen Arbeitsplatz zu meiden, wenn dort ein schwerer Unfall die posttraumatische Belastungsstörung hervorrief.

Trotz ihrer Vermeidungsstrategie leiden die Betroffenen oftmals unter Angst, Schlafstörungen, Depressionen oder hegen sogar Suizidgedanken.

Das soziale und familiäre Umfeld leidet mit und dies nicht selten über Wochen oder Monate. Werden die Betroffenen nicht behandelt, kann die Störung einen chronischen Verlauf nehmen.

Die Arbeitsschutzstrategie heißt: Prävention

Traumatische  Ereignisse sind leider gerade in den oben genannten Berufsgruppen mit ihrem erhöhten Risiko nicht gänzlich zu verhindern. Allerdings können die Beschäftigten auf diese Risiken vorbereitet werden und durch geeignete Maßnahmen der Verhaltensprävention in die Lage versetzt werden, solche Ereignisse bewusst zu verarbeiten und die Gefahr einer extremen Belastungsreaktion zu erkennen. Dazu gehören beispielsweise Supervision, Coaching, Unterweisung und auch psychotherapeutische Interventionen und eine an den Bedürfnissen und Belastungsgrenzen des menschenorientierte Organisation der Arbeitsabläufe.

Arbeitgeber für die genannten Berufsgruppen zeigen durch präventive Angebote, dass sie die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter ernst nehmen, die Gefahren durch die Belastung sehen und es Lösungen gibt traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz zu verarbeiten.