Mobbing am Arbeitsplatz

Quelle: stevebp/www.Pixabay.com

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1997 hat das Bundesarbeitsgericht Mobbing als das „systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren“ am Arbeitsplatz definiert. Mobbing kann sowohl unter Arbeitnehmern als auch durch oder unter Vorgesetzten geschehen.

Vergessen Sie nicht: Mobbing kann jede*n treffen!

Dabei zeigt sich ein geschlechtsspezifischer Unterscheid: Diskriminierung von Männern findet eher auf fachlicher Ebene und bei Frauen im sozialen Miteinander statt. Dabei findet Mobbing in der Regel auf der gleichen Hierarchieebene statt.

Was zählt zu Mobbing?

Mobbing ist nicht einfach mit einem Täter-Opfer-Schema zu erklären. Mobbinghandlungen sind Angriffe, Verletzungen oder Ausgrenzungen.

Wie ist das rechtlich gesehen?

Im Gegensatz zu Frankreich oder Schweden hat Deutschland kein Mobbing-Schutzgesetz. Es ergeben sich jedoch Schutz- und Handlungsmöglichkeiten aus § 2 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz (kurz: ArbSchG). Arbeitgeber haben dafür zu sorgen, dass keine arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren bestehen und eine menschengerechte Gestaltung der Arbeit vorherrscht. Hierunter fällt auch der Schutz vor psychischen Belastungen.

Mit Art. 1 Gundgesetz ist die Würde des Menschen unantastbar. Art. 2 regelt die freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Umgesetzt finden Sie diese beiden Artikel in § 75 Betriebsverfassungsgesetz (kurz: BetrVG). Dieses Gesetz setzt also voraus, dass Sie als Arbeitgeber dafür sorgen, dass Ihr Betrieb mobbingfrei ist.

Seit 2006 herrscht zudem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (kurz: AGG). Darin definiert § 3 Abs. 3 AGG dass eine Belästigung unter den folgenden Bedingungen zu einer Benachteiligung zählt: „Wenn die Würde des Betroffenen verletzt und ein von Einschüchterung, Anfeindung, Erniedrigung, Entwürdigung oder Beleidigung gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird“ ( § 3 Abs. 3 AGG).

Als Arbeitgeber sorgen Sie für die nötigen Maßnahmen, um vor Benachteiligung zu schützen.

Ursachen von Mobbing

Die wichtigsten Auslöser für ein schikanierendes oder drangsalierendes Umfeld am Arbeitsplatz sind folgende:

  • Mängel an Arbeitsorganisation, wie z. B. unbesetzte Stellen oder mangelndes Zeitmanagement.
  • Schwächen in Führungspositionen, wie z. B. Vernachlässigung der Fürsorgepflicht.
  • Besondere soziale Stellung von Betroffenen, wie z. B. Geschlecht, Nationalität oder Behinderung.
  • Schwächen in der Betriebsmoral, wie z. B. Wegschauen bei falschem Verhalten.

Handlungen von Mobbing

Heinz Leymann (†1999), Betriebswirt, Diplompsychologe und Pionier in der Mobbingforschung, klassifizierte 45 verschiedene Mobbinghandlungen in 5 Gruppen:

  • Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen
  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen
  • Auswirkungen auf das soziale Ansehen
  • Angriffe auf die Berufs- und Lebenssituation
  • Angriffe auf die Gesundheit

Psychologe Axel Esser, Arbeitsrechtler Martin Wolmerath und Personalentwickler Klaus Niedl definieren nur zwei Kategorien von Mobbing:

  • Auf Arbeitsebene
  • Auf Sozialebene

Auswirkungen

Mobbing von Kollegen und Vorgesetzten hat oft schwere Folgen für die Betroffenen. Sie fühlen sich unter Druck gesetzt, so dass ihre Leistung nachlässt und sie krank werden. Ein Ausweg ist meistens die Kündigung.

Folgen für Betroffene

Aber Mobbing kann auch weitaus schlimmere Folgen haben. Psychische Belastungen führen zu körperlichen und psychischen Erkrankungen und sozialer Isolation. Sorgen Sie also dafür, dass Mobbing am Arbeitsplatz keine Chance hat.

Psychische und Physische Probleme von Mobbing sind z. B.

  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Niedergeschlagenheit

Chronische Erkrankungen in Folge von Mobbing sind

  • Magen- und Darmerkrankungen
  • Herz- und Kreislaufsystemerkrankungen
  • Depressionen

Angehörige und Freunde können bei Mobbing nur bedingt helfen. Ratsamer ist es, wenn sich Betroffene selbst kompetente Unterstützung suchen.

Betriebswirtschaftliche und Gesellschaftliche Kosten

Denken Sie auch an die Kosten, die Mobbing am Arbeitsplatz mit sich ziehen: Fehlzeiten, Fluktuation und Minderleistung. Betroffene fehlen häufig aufgrund von psychosomatischer Belastung oder um vor bestimmten Situationen zu fliehen.

Diese Kosten entstehen durch Mobbing:

  • Störung der Produktion
  • Fehler und Mängel in der Qualität
  • Zusätzliche Löhne für Aushilfskräfte
  • Versetzungen, Kündigungen und Einarbeitungen
  • Verlust von qualifizierten Mitarbeiter*innen
  • Imageschädigung bei Kunden und in der Öffentlichkeit

Prävention

Sie als Arbeitnehmer sorgen für ein menschengerechtes Klima am Arbeitsplatz. Daher sollte klar vereinbart sein, wie der Umgang im Betrieb ist. Dazu ist es ratsam sogenannte Mobbingvereinbarungen abzuschließen. Informationsveranstaltungen, ausgebildete Mobbingbeauftragte im Betrieb und ein vorbildhafter Führungsstil tragen zur Prävention von Mobbing am Arbeitsplatz bei.

Arbeiten unter Dauerspannung

Während die Gefahren durch Unfälle bei der Arbeit kontinuierlich zurückgehen, wie beispielsweise der Unfallverhütungsbericht der Bundesregierung darlegt, steigen die psychischen Belastungsfaktoren. Sie gewinnen in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung, da die Beschäftigten häufiger mit wechselnden Beschäftigungsverhältnissen, erhöhten Qualifikationsanforderungen und ständig sich ändernden Tätigkeitsprofilen konfrontiert werden.

Untersuchungen der Europäischen Kommission haben gezeigt, dass Stress am Arbeitsplatz das zweithäufigste gesundheitliche Problem der Mitarbeiter ist. Betroffen sind 28 Prozent der Beschäftigten. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge entsteht in der Europäischen Union durch stressbedingte Erkrankungen ein Schaden von mehr als 20 Milliarden Euro, verursacht durch Fehlzeiten und Krankheitskosten.

Unsere Checkliste kann helfen, die Anzeichen für psychische Fehlbelastungen der Mitarbeiter zu erkennen.

PDF zum kostenlosen Download: Checkliste psychische Belastungen am Arbeitsplatz