Im wahrsten Sinne des Wortes: Abschalten

Quelle: Andreas Willfahrt / pixelio.de

Foto: Andreas Willfahrt / pixelio.de

Zwischen den Jahren ist traditionell eine ruhige Zeit, die von den meisten Arbeitnehmern genutzt wird, um abzuschalten und sich eine Auszeit zu nehmen. Selten genug gelingt das, wie so mancher feststellen musste und somit ist schon der erste Vorsatz dahin, bevor das neue Jahr so richtig angefangen hat. Was in früheren Zeiten eine Eigenschaft der Führungskräfte war, ist durch Smartphones und dauerhaft verfügbares Internet in nahezu allen Bereiche vorgedrungen: ständige Erreichbarkeit. Eine Aushilfe fällt aus? Schnell eine Ersatzaushilfe auf dem Handy anrufen. Bei der Spätschicht fehlen Akten? Kurz mal dem Kollegen eine E-Mail schreiben, damit man sie am morgen früh gleich auf dem Tisch hat. Das Handy blinkt, das Postfach piept, SMS der Spätschicht machen die Nachtruhe zunichte. Und wird nicht umgehend geantwortet, wird es noch mal probiert.

Jeder zweite Beschäftigte ist auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten ständig erreichbar und muss sich daher mit beruflichen Themen während seiner Freizeit beschäftigen. Ob er will oder nicht, denn selbst, wenn man die Nachrichten unbeantwortet lässt, kreisen die Gedanken doch um die Mitteilung.

Diverse Studien haben sich bereits mit dem Thema befasst. Die Ergebnisse aus 23 internationalen und nationalen Studien hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nun in ihrem Bericht “Die Auswirkungen arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit auf Life-Domain-Balance und Gesundheit” zusammengefasst.

Der arbeitswissenschaftliche Tenor ist klar: Ständige Erreichbarkeit sorgt dafür, dass immer mehr Arbeit ins Privatleben vordringt. Dass darunter das Familienleben und die Erholung leiden können, dürfte jedem klar sein. Wen es stresst, nicht abschalten zu können und nicht mal in der Freizeit Ruhe vor der Arbeit zu haben, der leidet darunter, jederzeit mit Anrufen oder Nachrichten rechnen zu müssen. Das Handy einfach ausschalten oder das Mailpostfach einfach nicht mehr zu öffnen, ist eine pragmatische Lösung, schränkt aber zugleich die persönliche Freiheit ein. Zudem wird nicht selten erwartet, dass man mal eben kurz antwortet oder zurückruft.

Andererseits weckt jede Anfrage das Gefühl, gebraucht zu werden, unabdingbar zu sein und wichtig für einen reibungslosen Ablauf in der Firma zu sein. Dieses positive Gefühl – sofern es nicht vom Stress und dem Genervtsein überlagert wird – stärkt die Zufriedenheit und auch die Leistungsfähigkeit. Wo allerdings die Grenze zum Stress verläuft, das ist höchst individuell und kann sich aufgrund allzu häufiger Anfragen schnell weiter ins Negative verschieben.

Und doch bietet die Technik einen weiteren Benefit: Gerade durch Cloud-Technologie, ausgeklügelte Telefonsysteme und mobiles Internet gelingt es in vielen Fällen einfacher, Familie und Beruf zu vereinbaren. Von unterwegs oder zuhause zu arbeiten und mit dem guten Gewissen, in Notfällen per Handy erreichbar zu sein – das macht so manche freie Stunde mit der Familie erst möglich.

Mögliche Lösung: Abschalten

Wie gesagt, es gibt Vor- und Nachteile. Ein Unternehmen sollte sich daher überlegen, wie sich die Vorteile nutzen lassen, ohne dass sie zu Nachteilen werden.

Eine recht pragmatische Möglichkeit: Die Server des Unternehmens werden um 22 Uhr und an den Wochenenden abgeschaltet. Berufliche Mails werden somit erst zum regulären Arbeitsbeginn zugestellt. Gleiches gilt für die Telefonanlage, die ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr auf die Handys der Mitarbeiter, sondern auf einen Anrufbeantworter oder eine Sammelnummer umleitet.

In manchen Unternehmen lässt sich das Problem vielleicht auch ganz anders lösen: durch eine Vereinbarung, dass zum wertschätzenden Umgang miteinander auch gehört, die Freizeit und den Feierabend der Mitarbeiter zu achten.

Möglich sind beide Lösungen nur, wenn Kompetenzen und Übergaben klar geregelt sind, Zuständigkeiten geklärt und die Organisation entsprechend reibungslos. Nur dann kann sicher gestellt werden, dass der Fall des Falles selten eintritt und wenn, auch die richtige Person nach Feierabend angepiept wird.

Einige Mitarbeiter werden jetzt vielleicht sagen: “Aber der Chef erwartet doch von mir, dass ich immer an mein Diensthandy gehe und auch zuhause regelmäßig die Mails am Arbeitslaptop abrufe.” Ist das so? Klarheit kann eine genaue Vereinbarung zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern schaffen, in der festgelegt wird, ob und wann die Beschäftigten tatsächlich erreichbar sein sollten. Gibt es tatsächlich eine Notwendigkeit, sollte vorzugsweise eine Regelung über Rufbereitschaften getroffen werden.

Das PDF-Dokument “Die Auswirkungen arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit auf Life-Domain-Balance und Gesundheit” (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2013, 48 Seiten) gibt es unter www.baua.de/publikationen

 

Alkohol: Jeder Zehnte ist stark gefährdet

Foto: Stefan Schiegl  / pixelio.de

Foto: Stefan Schiegl / pixelio.de

Das Wissensportal unternehmer.de hat kürzlich über eine amerikanische Studie berichtet, die sich mit Alkohol im Job befasst. Im Blogbeitrag wurden auch Vergleiche mit Deutschland herangezogen. Demnach schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), dass fünf Prozent der deutschen Arbeitnehmer als alkoholkrank eingestuft werden müssen. Zehn Prozent gelten als stark gefährdet und elf Prozent aller Angestellten trinken sogar täglich während der Beschäftigungszeit Alkohol. Als Gründe für den Alkoholmissbrauch werden dauerhafte Über- oder Unterforderung genannt sowie einer der Krankmacher schlechthin: Stress.

Laut amerikanischer Studie hängen die meisten leistungsbezogenen Schwierigkeiten, die durch Alkoholkonsum verursacht werden, nicht etwa mit dem Trinken an der Arbeit zusammen, sondern hängen mit Trinken vor der Arbeit, zum Beispiel weil der Mitarbeiter einen Kater hat oder übermüdet ist.

Unternehmer.de zitiert zudem aus dem Gesundheitsreport. Demnach fehlen Alkoholiker 16 Mal häufiger auf der Arbeit und lassen sich 2,5 Mal öfter krank schreiben. Immerhin: Eine gute Ausbildung und ein sicherer Arbeitsplatz können das Abhängigkeitsrisiko minimieren, heißt es im Gesundheitsreport.

Sehr hilfreich sind die Tipps, die das Wissensportal zum Umgang mit Mitarbeitern gibt, bei denen man Alkoholmissbrauch vermutet.

So solle der Vorgesetzte ein vertrauliches und offenes Gespräch mit dem möglicherweise Betroffenen suchen. Dabei gilt es, weder eine Moralpredigt zu halten noch den Mitarbeiter zu verurteilen für sein Tun. zeigen Sie ihm auf, welche  Indizien für eine Erkrankung Sie bei ihm bemerkt haben, etwa eine Alkoholfahne, Zittern oder sogar versteckte Alkoholflaschen im Schreibtisch. Zeigen Sie ihm die direkten Konsequenzen auf, die das Betrunkensein auf seine Arbeit hat. Setzen Sie klare Fristen, in denen Sie erwarten, dass er sich Hilfe holt, beispielsweise beim Betriebsarzt und Suchtbeauftragten oder auch bei der Suchtberatung. Letztlich: Weisen Sie ihn auf eine mögliche Kündigung hin, falls sich nichts zum Guten ändert.

Mit unserer Checkliste können Sie das Gespräch vorbereiten und dokumentieren: kostenloser Download der Checkliste als PDF, 30 kb

 

 

 

Initiative gegen psychische Belastung am Arbeitsplatz

Quelle: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Politik, Arbeitgeber und die Gewerkschaften haben sich auf ein gemeinsames Grundverständnis zum Umgang mit psychischer Belastung in der Arbeitswelt geeinigt. Stellvertretend unterzeichneten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ( BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Erklärung.

Sie beschreibt die gewachsene Bedeutung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt und ebenso konkrete Arbeitsmerkmale, die die psychische Gesundheit der Beschäftigten positiv wie negativ beeinflussen können. Zudem werden  Prinzipien und Methoden einer erfolgreichen Arbeitsgestaltung und Prävention benannt, um psychische Belastung zu vermeiden. Letztlich wird auch das gemeinsame Ziel einer erfolgreiche Wiedereingliederung erkrankter Beschäftigter ins Berufsleben formuliert.

In einer Presseerklärung des BMAS sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: “Dass die Arbeitgeber und Gewerkschaften das wichtige Thema psychischer Arbeitsschutz gemeinsam voranbringen wollen, ist der beste Garant für einen wirksamen Schutz vor den zunehmenden psychischen Gefahren im Arbeitsalltag. Beide wissen exakt, wie es in den Betrieben und Branchen zugeht. Sie sind unmittelbar betroffen, wenn Krankheitstage aufgrund psychischer Belastung zunehmen oder sogar Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer frühzeitig in Rente gehen. Die Sozialpartner sind die besten Verbündeten für einen wirksamen Arbeitsschutz, denn die Konzepte sollen ja nicht nur alltagstauglich sein, sondern auch in den Betrieben gelebt werden.”

In der Erklärung  werden die erheblichen Konsequenzen psychischer Erkrankungen aus unternehmerischer sowie volkswirtschaftlicher Sicht genau benannt: “Psychische Erkrankungen mindern das  Leistungsvermögen der betroffenen Beschäftigten, verursachen inzwischen etwa 13 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage und stellen mittlerweile die häufigste Frühverrentungsursache dar. Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist immens: Auf knapp 29 Milliarden Euro schätzt das Statistische Bundesamt nach letzten Zahlen die Krankheitskosten von psychischen Erkrankungen.”

Als psychisch belastend werden von den Arbeitnehmern insbesondere Arbeitsverdichtung, Termin- und Leistungsdruck, häufige Störungen oder ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge genannt. In der gemeinsamen Erklärung ist man sich daher einig, dass es notwendig sei, diese arbeitsbedingten Belastungen frühzeitig zu erkennen, um so psychische Erkrankungen und lange Fehlzeiten als Folge zu vermeiden. In der Erklärung heißt es: “Daher ist es wichtig, das Wissen über mögliche Gefährdungen, deren Vermeidung und die damit verbundenen gesetzlichen Pflichten in die Unternehmen und die öffentliche Verwaltung zu bringen.”

Zehn Aspekte für eine erfolgreiche Arbeitsgestaltung, Prävention und Wiedereingliederung wurden herausgearbeitet. Zusammengefasst lassen sie sich etwa so verstehen:

  1. Arbeit kann statt zu stabilisieren auch belastend wirken. Die Belastungen können zu einem Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit der Beschäftigten werden.
  2. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit müssen ein unmittelbares Anliegen in den oberen Etagen von Unternehmen und Verwaltungen sein.
  3. Psychische Belastung und ihre möglichen negativen Folgen sind beim Arbeitsschutz ebenso ernst zu nehmen wie physische Belastung.
  4. Die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung ist geeignet, um herauszufinden, wodurch die physischen und psychischen Gesundheit der Beschäftigten gefährdet sein kann, und um daraus Schutzmaßnahmen abzuleiten.
  5. Vorteilhaft ist, die Gefährdungsbeurteilung als einen strukturierten Prozess anzulegen, an dem die Beschäftigten und ihren Vertretungen beteiligt sind.
  6. Wünschenswert ist es, bei der Gefährdungsbeurteilung Betriebsärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit eng einzubinden.
  7. Zur Erfassung belastender Arbeitsmerkmale eignen sich verschiedene Verfahren wie beispielsweise Arbeitsplatzbeobachtungen, Befragungen von Mitarbeitern oder moderierte Verfahren. Zusätzlich können Beschwerden von Beschäftigten, hohe Fehlzeiten, häufige Fluktuation oder Konflikte zwischen den Beschäftigten wichtige Hinweise geben.
  8. Die freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung oder ein umfassendes Gesundheitsmanagements sind ebenfalls geeignet.
  9. Für kleine und mittlere Betriebe ist die regionale Vernetzung mit anderen Unternehmen nützlich, um beispielsweise von Erfahrungen und gemeinsam genutzten Dienstleistungen zu profitieren.
  10.  Das Engagement der Betriebe allein reicht nicht aus, um psychischen Erkrankungen und dadurch verursachten Frühverrentungen entgegenzuwirken. Deshalb werden Sozialpartner wie Familien-, Schulden- und Sozialberatungsstellen mit in die Erklärung einbezogen.

Die Unterzeichner der Erklärung empfehlen letztendlich allen Arbeitgebern, aber auch den Vertretern der Beschäftigten sowie den übrigen betrieblichen Akteuren, die Orientierung an der “Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz” der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Zum einen gebe sie Orientierung, um den gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes zu entsprechen, zum anderen biete sie konkrete Ansatzpunkte für eine systematische betriebliche Prävention.

Mit Licht sieht es sich besser

Quelle: Michael Grabscheit  / pixelio.de

Foto: Michael Grabscheit / pixelio.de

Für die Augen ist das Fokussieren eines Gegenstandes in stets gleicher Entfernung wesentlich anstrengender als das normale Sehen, bei dem Nähe und Ferne wechseln und so die Muskeln Entspannungspausen haben. Wie sich die Augen bei der Arbeit am Bildschirm oder auch bei der Arbeit an Laufbändern und Maschinen entspannen lassen, haben wir bereits mit hilfreichen Tipps thematisiert.

Doch auch die Umgebung muss ausreichend hell sein, damit effizientes und augenschonendes Arbeiten möglich ist. Eine gute Qualität von Lampen und Leuchtmitteln sorgt für mehr Wohlbefinden und Gesundheit bei den Mitarbeitern und somit auch höherer Effizienz. Nicht nur die Helligkeit ist dabei ein wichtiger Punkt für den optimalen Durchblick. Zu achten ist auch auf den Einsatz reflexions- und blendfreier Einrichtung und Ausstattung des Arbeitsplatzes sowie eine optimale Leuchtdichteverteilung.

Beleuchtungsniveau

An Bildschirmarbeitsplätzen werden zwischen 500 und 750 Lux benötigt. Für Tätigkeiten wie Schreiben, Lesen oder Dateneingabe sind 500 Lux empfehlenswert, für detailreichere Aufgaben wie etwa das technische Zeichnen sollten es 750 Lux sein.

Nutzen Sie zudem ausreichend große Bildschirme, die auflösungs- und kontraststark sowie flimmerfrei sind.

Leuchtdichteverteilung

Optimal ist eine ausgewogene Leuchtdichteverteilung im Raum mit entsprechenden Reflexionsgraden, die einen hellen Raumeindruck begünstigen. Das Gegenteil einer guten Leuchtdichteverteilung ist ein heller Bildschirm in einem ansonsten dunklen Raum.

Die Kombination aus direkter und indirekter Beleuchtung schafft ein positives Raumgefühl.

Reflexionen und Blendungen

Ein individuell verstellbare Lichtschutz hilft, Blendungen und Reflexionen durch Sonnenlicht zu vermeiden und empfiehlt sich ohnehin als Hitzeschutz. Zusätzlich sollte der Bildschirm so ausgerichtet sein, dass störende Reflexionen nicht auftreten.

Auch die Lichtfarbe spielt eine Rolle: An Arbeitsplätzen sollten die Farben neutralweiß (nw) und tageslichtweiß (tw) statt warmweiß (ww) gewählt werden. Für Decke, Wand, Boden und Arbeitsflächen empfehlen sich matte oder seidenmatte Farben gewählt werden.

Wie wichtig die richtige Beleuchtung ist, zeigt sich, wenn man die Folgen einer falschen Beleuchtung betrachtet. Das sind beispielsweise:

  • Störung der Akkommodation durch Glanz und Reflexion, das heißt die Augen haben Schwierigkeiten, auf wechselnde Entfernungen einzustellen.
  • Asthenoptische Beschwerden bei falscher Leuchtdichteverteilung: Sehschwächen, müde Augen, Schweregefühl der Augenlider, Augenrötung, Doppelbilder und Verschwommensehen bis hin zu Schwindel, …
  • Überanstrengung der Augen und Ausstrahlen der Beschwerden in den Nacken, den Kopf, die Schultern, …

Für die Mitarbeiter gilt zudem: Nutzen Sie Vorsorgeangebote und halten Sie Arbeitspausen ein. Reagieren Sie, wenn sich mögliche Störungen der Augenfunktion bemerkbar machen, etwa Trockenheit, Brennen oder Probleme beim Fokussieren.

Die einschlägigen Bestimmungen zum Thema „Richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz“ finden sich z. B. in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der DIN EN 12464 „Licht und Beleuchtung“, DIN 5035 „Beleuchtung von Arbeitsstätten“ und in der Bildschirmarbeitsplatzverordnung.

Gesund durch die Schicht

Quelle: Dietmar Meinert  / pixelio.de

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Schichtarbeit und unregelmäßige Arbeitszeiten belasten den Organismus. Wie sehr das Leben gegen den biologischen Rhythmus den Körper, aber auch die Seele und das soziale Umfeld beeinträchtigen, wird oft unterschätzt.

Notwendig ist Schichtarbeit in vielen Branchen dennoch und so gilt es, die Belastungen für die Schichtarbeiter möglichst gering zu halten. Angepasste Ernährung, guter Schlaf und medizinische Prophylaxe gehören zu den wichtigsten Tipps für mehr Gesundheit, seelische Balance und Leistungsfähigkeit.

Angepasste Ernährung

Auch wenn es in der Schicht und an der Arbeit schwer fällt, ist es wichtig, auf gesunde Ernährung zu achten und die Mahlzeiten möglichst an die biologische Uhr anzupassen.

Das heißt:

Hauptmahlzeiten immer zur gleichen Uhrzeit zu sich nehmen und feste Essenszeiten einhalten.

Eiweißreiche und fettarme Kost mit komplexen Kohlenhydraten bevorzugen, zum Beispiel kein Weißbrot, kein Zucker, zuckerfreies Müsli mit hohem Haferanteil, fettarm belegtes Vollkornbrot. Zucker und Süßigkeiten dagegen bringen nur kurz einen Energieschub, gefolgt von größerer Müdigkeit.

Essen Sie möglichst keine Fertigprodukte, denn sie enthalten oft Hefe-Extrakt, Geschmacksverstärker, zu viele Kalorien und zu viel Fett – alles Dinge, die den Körper belasten.

Bevorzugen Sie während der Nachtschicht leicht verdauliche Lebensmittel in kleinen Portionen.

Trinken Sie ausreichend, am besten Mineralwasser, Saftschorlen oder ungesüßten Kräutertee. Cola, Energydrinks und zu viel Kaffee dagegen führen zu Unruhe und Schlafstörungen und beeinträchtigen den Körper noch 8 bis 14 Stunden später.

Nutzen Sie Alkohol nicht als Einschlafhilfe.

Guter Schlaf

Tief und ausreichend lang sollte er sein, der gute Schlaf. Ob sechs, acht oder zehn Stunden hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Bekommt man ihn aber nicht, den guten Schlaf, ist es mit der körperlichen und geistigen Fitness schnell vorbei.

Schichtarbeiter leiden besonders häufig unter Schlafstörungen, deswegen ist es bei ihnen besonders wichtig, auf eine gesunde Schlafhygiene zu achten, sprich ein positives Umfeld und schlaffördernde Bedingungen zu schaffen.

In den Stunden vor dem Schlafengehen sollten Alkohol und Zigaretten gemieden werden, sie beeinträchtigen die Schlafqualität.

Wachmacher wie Kaffee, koffeinhaltige Softdrinks, Energydrinks und auch schwarzer Tee können noch 8 bis 14 Stunden nach dem Genuss Auswirkungen auf den Schlaf haben.

Essen Sie keine größeren Mahlzeiten mehr, sondern lieber einen kleinen Snack, am besten mit oder aus Milch, ein paar Cashew-Kerne oder mageres Hähnchenbrustfilet – das darin enthaltene L-Trytophan fördert den Schlaf. Damit der Körper das L-Trytophan aufnehmen kann, braucht er etwas Zucker – deswegen wirkt Milch mit Honig so gut.

Sport fördert die körperliche und seelische Balance, ist allerdings wenig Stunden vor dem Schlafengehen tabu.

Schaffen Sie sich ein Schlafritual. Etwa ein paar Seiten in einem entspannenden Buch lesen, ruhige Musik hören, Entspannungsübungen, eine Traumreise oder auch mit der Katze schmusen – je nachdem, was Sie entspannt, was Ihnen liegt und was gefällt.

Das Schlafzimmer

Schalten Sie die Lichtquellen aus, am besten auch die Stand-by-LEDs der elektrischen Geräte oder nutzen Sie eine Schlafbrille.

Ohrstöpsel schützen vor störenden Geräuschen, die vor allem tagsüber den Schlaf rauben.

Die Raumtemperatur sollte nicht über 18 Grad liegen, die Bettdecke der Jahreszeit angepasst sein.

Öffnen Sie vor dem Schlafengehen 10 Minuten das Fenster zum Lüften.

Vermeiden Sie helles Licht und sehen Sie nicht zum Wecker, wenn Sie verfrüht aufwachen.

Legen Sie sich nur zum Schlafen ins Bett, nicht zum Fernsehen, längerem Lesen oder Surfen im Internet. Ebenso sollten das Sofa oder der Fernsehsessel nicht zum Schlafen genutzt werden.

Medizinische Vorsorge

Länger anhaltende Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Sie sind nichts, was man selbst mit Schlafmitteln behandeln kann.

Arbeitsmediziner empfehlen Schichtarbeitern nach der Nachschicht zwei Schlafphasen anzustreben. Die erste sollte direkt nach der Schicht genutzt werden, eine zweite sollte nachmittags bis in den frühen Abend andauern.

Schicht- und Nachtarbeiter haben zudem ein Recht auf spezifische, arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen. Wer mindestens 48 Tage im Kalender im Schicht- oder Nachtdienst arbeitet, kann sich alle drei Jahre (ab dem 50. Lebensjahr jährlich) auf Kosten des Arbeitsgebers untersuchen lassen.

Arbeiten unter Dauerspannung

Während die Gefahren durch Unfälle bei der Arbeit kontinuierlich zurückgehen, wie beispielsweise der Unfallverhütungsbericht der Bundesregierung darlegt, steigen die psychischen Belastungsfaktoren. Sie gewinnen in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung, da die Beschäftigten häufiger mit wechselnden Beschäftigungsverhältnissen, erhöhten Qualifikationsanforderungen und ständig sich ändernden Tätigkeitsprofilen konfrontiert werden.

Untersuchungen der Europäischen Kommission haben gezeigt, dass Stress am Arbeitsplatz das zweithäufigste gesundheitliche Problem der Mitarbeiter ist. Betroffen sind 28 Prozent der Beschäftigten. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge entsteht in der Europäischen Union durch stressbedingte Erkrankungen ein Schaden von mehr als 20 Milliarden Euro, verursacht durch Fehlzeiten und Krankheitskosten.

Unsere Checkliste kann helfen, die Anzeichen für psychische Fehlbelastungen der Mitarbeiter zu erkennen.

PDF zum kostenlosen Download: Checkliste psychische Belastungen am Arbeitsplatz