Schutz vor Lärm und Vibrationen

Quelle: Mimzy/Pixabay

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Arbeiter auf Baustellen, in handwerklichen Berufen und vielen anderen Branchen kennen es nur zu gut. Tag für Tag wird unter tosendem Lärm und starken Vibrationen gearbeitet. Damit Ihre Arbeiter keinen Gesundheitsschaden erleiden, gibt es bereits seit dem 9. März 2007 die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung. In diesem Beitrag erfahren Sie alles, was Sie als Arbeitgeber über den Lärm- und Vibrationsschutz wissen sollten.

EG-Arbeitsschutzrichtlinien

Die im März 2007 in Kraft getretene Schutzverordnung erschöpft sich aus zwei Richtlinien. Einerseits aus der EG-Arbeitsschutzrichtline und andererseits aus dem Übereinkommen des Internationalen Arbeitsamtes zu Lärm und Vibration. EG steht hierbei für Europäische Gemeinschaft. Diese beiden Richtlinien wurden dann in nationales Recht umgewandelt und richtet sich fortan an alle Arbeitgeber in den betroffenen Branchen.

Grenzwerte festgelegt

Bei der Umsetzung der EG-Richtlinien wurde Grenzwerte für den Lärm- und Vibrationsschutz festgelegt. Die Werte richten sich nach wissenschaftlichen und arbeitsmedizinischen Erkenntnissen.

Die Grenzwerte der Lärmbelastung wurden am Minimum von 87 dB auf 85 dB gesenkt. Am Maximum von 140 dB auf 137 dB.

Bei Arbeiten mit Maschinen, bei denen starke Vibrationen entstehen, wurde der Beschleunigungswert gesenkt. Dieser wich von 1,15 m/s² auf 0,8 m/s².

Diese Absenkungen sind ein großer Fortschritt für die Sicherheit und Gesundheit Ihrer Mitarbeiter.

Gesundheitsschäden entgegenwirken

Mit der neuen Verordnung arbeiten Ihre Mitarbeiter sicherer und gesundheitsfördernder. Ein häufig auftretender Gesundheitsschaden ist die Lärmschwerhörigkeit, die seit langem an der Spitze der Berufskrankheiten steht.

Gesundheitsschäden durch Hand-, Arm- oder Ganzkörpervibrationen werden mit der Verordnung ebenfalls gehemmt. Bei langer andauernder Belastung entstehen unter Umständen schwere Muskel- und Skeletterkrankungen. Teilweise treten auch neurologische Störungen und Gefäßerkrankungen auf.

Technische Regeln

Um Ihren Mitarbeitern das maximale Maß an Sicherheit und Gesundheit zu gewährleisten, empfiehlt es sich, die technischen Regel zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (TRLV) zu beachten.

Lärmarme Arbeitsverfahren

Alternative Arbeitsverfahren erweisen sich in Branchen, in den viel mit Lärm gearbeitet wird, als erfolgreich. Der folgenden Tabelle entnehmen Sie einige alternative, lärmarme Arbeitsverfahren.

Lärmarme Verfahren statt geräuschintensive Verfahren
Ablegen statt Abwerfen
Absaugen statt Abblasen
Bohren statt Stanzen
Drehschrauber statt Schlagschrauber
Elektroantrieb statt Verbrennungsmotor
Gießen statt Schmieden
Gleitlager statt Wälzlager
Hydraulisch Verformen statt Bördeln mit Hammer
Hydraulisch Ziehen/Drücken statt Richten mit Hammer
Kleben statt Nieten
Laserschneiden statt Akustische Signalgebung
Optische Signalgebung statt mechanisch Trennen
Pressen statt Schlagen
Sägen statt Trennschleifen
Schrauben statt Nieten
Schweißen statt Nieten
Taumelnieten statt Schlagnieten
Transport kontinuierlich statt Transport stoßweise

 

Lärmmindernde Gestaltung und Einrichtung der Arbeitsstätte

Neben der Arbeitsstätte lassen sich auch Aufenthaltsräume lärmmindernd gestalten, damit Arbeiter außerhalb der aktiven Arbeitszeit keinen gesundheitlichen Schaden erleiden.

Arbeitsräume sollten so gestaltet sein, dass die Schallausbreitungsbedingungen dem aktuellen technischen Standard entsprechen.

Minderung von Luft- und Körperschall sind an der Quelle der Schallerzeugung zu erzielen. Danach auf dem Schallausbreitungsweg und schließlich am Ort der Schalleinwirkung.

Wartungen für Arbeitsmittel, -plätze und Anlagen

Ständige Wartungen Ihrer Arbeitsmittel und Anlagen stellen eine sichere Produktion und Nutzung der Geräte voraus. Das verhindert u. a., dass sich die Lärmbelastung der Beschäftigten möglicherweise unbemerkt erhöht und zu Schäden führt.

Arbeitsorganisation zur Lärmminderung

Halten Sie die Anzahl der von Lärmbelastung ausgesetzten Beschäftigten so gering wie möglich. Verlagern Sie lärmintensive Tätigkeiten z. B. durch Einführen von Schichtabschnitten.

Führen Sie eine sogenannte „Job Rotation“ ein, indem ein Wechsel von Tätigkeitsanteilen in leisen und lauten Arbeitsbereichen stattfindet.

Achten Sie dennoch darauf, dass Ihre Mitarbeiter den Tages-Lärmbelastungspegel von 85 dB nicht überschreiten.

Lärm und akustische Gefahrensignale

Wird ein akustisches Gefahrensignal vom Lärm der Arbeiten übertönt, führt es wohlmöglich zu einem erhöhten Gefahrenrisiko. Als Arbeitgeber haben Sie dafür zu sorgen, dass der Lärm soweit gemindert wird, dass Gefahrensignale noch wahrnehmbar sind.

Lässt sich diese Maßnahme nicht umsetzen, sorgen Sie dafür, dass die Signalgebung dementsprechend verbessert wird.

Auch beim Tragen des Gehörschutzes, haben Sie die Pflicht für die Wahrnehmung von Gefahrensignalen zu sorgen.

Was können Sie tun?

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob die Grenzwerte in Ihrem Unternehmen eingehalten werden und wie Sie die Belastung reduzieren können, sprechen Sie uns gerne an!

Lärmschutz ist wichtig für die Gesundheit

Quelle: knipseline  / pixelio.de

Quelle: knipseline / pixelio.de

Lärm macht krank. Der hörbare Schall, z. B. durch Maschinengeräusche, Ton, Knall, Explosionen oder auch lautes Sprechen wirkt direkt auf das zentrale Nervensystem und setzt psychomentale Reaktionen in Gang, die bis zum Zusammenbruch führen können. Lärm, insbesondere durch Dauerbeschallung, gefährdet die Gesundheit, beeinträchtigt das seelische Wohlbefinden der Mitarbeiter und stört die konzentrierte Arbeit. Zudem behindert Lärm die Kommunikation.

Laut Arbeitsstättenverordnung hat der Arbeitgeber die Pflicht zur Lärmminderung, indem der Schalldruckpegel in den Arbeitsstätten so niedrig wie möglich gehalten wird. Das heißt: Um die Gesundheit der Beschäftigten nicht zu beinträchtigen, muss der Lärm so weit reduziert werden, wie es die dort zu verrichtenden Tätigkeiten zulassen. Die Messgröße für Lärm ist der Schallpegel, gemessen in Dezibel dB (A). Lärmquellen im Vergleich:

  • Gespräch 60 dB (A)
  • Pkw mit 50 km/h 70 dB (A)
  • Handbohrmaschine 90 dB (A)
  • Kreissäge 100 dB (A)
  • Presslufthammer 120 dB (A)
  • Düsenflugzeug beim Start 150 dB (A)

Lärmschwerhörigkeit

Dauerlärm über 85 dB(A) – zum Beispiel von einer Fräsmaschine – und kurzfristige Knallgeräusche können das Gehör schädigen. Liegt der Schallpegel extrem hoch, kann der Gehörschaden bereits nach kurzer Zeit auftreten. Lärmschwerhörigkeit entsteht dadurch, dass sich die Haarzellen im Innenohr praktisch auflösen. Einmal zerstörte Sinneshärchen können nicht mehr ersetzt oder neu gebildet werden. Bei Schallpegeln unterhalb von 85 dB(A) ist zwar keine direkte Gehörschädigung zu erwarten. Aber auch geringe Lärmbelastung kann beeinträchtigende und schädigende Wirkung in Form von Stress und psychosomatischen Erkrankungen nach sich ziehen sowie körperliche Reaktionen auslösen, z. B. erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck, Verspannung der Muskulatur, Kopfschmerzen und/oder Schlafstörungen.

Schutz der Arbeitnehmer

Generell ist der Arbeitgeber verpflichtet, Lärm und Erschütterungen so weit wie möglich zu vermeiden oder zu bekämpfen. Zum Schutz der Arbeitnehmer sind in erster Linie folgende Vorkehrungen zu treffen:

  • bauliche Maßnahmen
  • Maßnahmen an Betriebseinrichtungen
  • Isolation oder örtliche Abtrennung der Lärmquelle
  • Maßnahmen der Arbeitsorganisation

Nach der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutz-Verordnung (LärmVibrationsArbSchV) ist eine Gefährdungsbeurteilung für Arbeitssysteme durchzuführen, bei denen Lärm auftritt. Im Rahmen dieser Gefährdungsbeurteuilung muss festgestellt werden, ob der auftretende Lärm zu einer Beeinträchtigung des Hörvermögens oder zu einer Gefährdung von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten führen kann. Zur Ermittlung des äquivalenten Dauerschallpegels sowie zur Ermittlung des Tages-Lärmexpositionspegels stellt das Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V. (ASER) auf seiner Website einen Lärmrechner zur Verfügung.

Der passende Gehörschutz ist Pflicht

Beschäftige, die einem Lärmpegel von 85 dB (A) ausgesetzt sind, müssen einen entsprechenden Gehörschutz tragen und sich einer arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung unterziehen. Um die Ohren zu schützen, können Gehörschutzstöpsel, Kapselgehörschützer oder Bügelgehörschützer verwendet werden. Der Betrieb ist verpflichtet, den passenden Gehörschutz zur Verfügung stellen. Der Gehörschutz ist so auszuwählen, dass ein maximal zulässiger Expositionswert von 85dB (A) für den Tages-Lärmexpositionspegel und ein C-bewerteter Spitzenschalldruckpegel von 137 dB(C) nicht überschritten wird. Die „Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse BG ETEM“ weist darauf hin, dass es eine Weile dauern kann, bis man sich an das Tragen von Gehörschutzmittel gewöhnt hat. Deshalb ist es vor allem in der ersten Zeit besonders wichtig, „am Arbeitsplatz erhöhte Aufmerksamkeit walten zu lassen, um gefährliche Situationen zu verhindern.“

 Weniger Fehler bei mehr Ruhe

Aber nicht nur in Maschinenhallen und Fertigungsbetrieben herrscht Lärm. Auch die Geräuschentwicklung an einem PC-Arbeitsplatz hat direkten Einfluss auf das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeiter. So hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in Dortmund festgestellt, dass fehlerhafte Entscheidungen bei Sachbearbeitungstätigkeiten um mehr als die Hälfte abnehmen, wenn Ruhe am Arbeitsplatz herrscht. Laut Bildschirmarbeitsplatz-Verordnung muss in Büros der Lärm so gemindert werden, dass Sprachverständigung und Konzentration nicht gestört werden.

Gut bei Stimme bleiben

Quelle: Tim Reckmann  / pixelio.de

Quelle: Tim Reckmann / pixelio.de

Ob Heiserkeit, Frosch im Hals oder komplettes Versagen der Stimme – wer am Arbeitsplatz nicht oder nicht richtig gehört werden kann, hat ein echtes Problem: Telefongespräche, Vorträge oder die Kommunikation mit Kollegen sind dann nur schwer möglich oder müssen komplett eingestellt werden. Führungskräfte bei einer Team-Besprechung sind genauso betroffen wie Angestellte in Großraumbüros, Lehrer, Erzieherinnen, Verkäufer oder Callcenter-Mitarbeiter.

Falsche Stimm- und Sprechgewohnheiten

Die menschliche Stimme entsteht aus dem perfekten Zusammenspiel von Atmung, Stimmlippen- und Artikulationsbewegungen. Bleibt die Stimme weg, kann es sich um organische Störungen handeln, hervorgerufen durch Entzündungen, Probleme nach der Schilddrüsenoperation, Kehlkopftumore oder Probleme der Halswirbelsäule. Dies kann nur ein Facharzt diagnostizieren. Häufiger aber handelt es sich um funktionelle Stimmstörungen, hervorgerufen durch falsche Stimm- und Sprechgewohnheiten. Dann klingt die Stimme dünn, rau, belegt, schrill oder heiser. Alles, was eine tiefe Atmung behindert, z. B. zu enge Kleidung oder eine gebeugte Körperhaltung, schwächt die Stimme. Aber auch Stress hat einen großen Einfluss: Der Körper verkrampft, der Atem wird flacher und hektischer – die Stimme klingt entweder zittrig und leise oder angestrengt und gepresst.

Stimmtraining

Damit der komplizierte Stimmapparat funktioniert, ist die aufrechte Sitzposition und Körperhaltung ebenso wichtig wie die richtige (Bauch-)Atmung und eine spannungsvolle Aussprache. Entscheidend ist auch die regelmäßige Aufnahme von Flüssigkeit, damit die Stimmlippen feucht bleiben.
Ein trockener Hals oder ständiges Räuspern gehört zu den Symptomen einer erhöhten Stimmbelastung, unter der auch viele Mitarbeiter in Service- oder Callcentern leiden. Das CCall, ein Label der VBG (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, gesetzliche Unfallversicherung) setzt sich für ein gesundes und erfolgreiches Arbeiten in Service- oder Callcentern ein und wartet mit einer ganzen Reihe von Beratungsangeboten und Trainingsmaßnahmen auf. Die Broschüre „Stimmtraining im Call Center“ gibt praktische Tipps zur Pflege der Stimme am Arbeitsplatz. Tipps für eine entspannte Stimme und ein kostenloses Stimmtraining als PDF mit Videos findet sich auf der Website der WDR-Wissenschaftssendung „Quarks & Co“.

Raumplanung und Ausstattung

Wie sehr die Stimme am Arbeitsplatz beansprucht wird, hängt auch von den äußeren Rahmenbedingungen ab. Je lauter die Hintergrundgeräusche, desto lauter muss gesprochen werden. Lärm in Großraumbüros entsteht vor allem durch mangelnde Raumakustik. Erste Maßnahmen zur Verbesserung könnten sein:
•    digital verstärkte Headsets statt Telefon
•    Schalldämmung des Raums
•    leisere Maschinen
In Großraumbüros werden Schallwellen verschiedener Quellen wie Sprecher, Telefone, Drucker und Tastatur nicht genügend absorbiert und verstärken sich sogar. Mitarbeiter in Service- und Callcentern strengen ihre Stimme zudem besonders an, weil sie häufig schlechte Mobilfunkverbindungen mit hohem Rauschanteil übertönen müssen. Abhilfe schafft eine akustische Raumplanung, z. B. schallschluckende Trennwände oder Einzelsprecherkabinen sowie digital verstärkte Headsets. Schallharte Oberflächen – wie Laminat, Fliesen und großen Glasflächen – führen zu hohen Nachhallzeiten, die vorhandene Schallquellen verstärken. Schallschluckende Wand- und Bodenbeläge sowie große Pflanzen können hier für Verbesserung sorgen. Gruppen- und Mehrzweckräume sowie Flure sollten den Anforderungen der DIN 18041 Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen entsprechen. Die Nachhallzeit und damit die Lärmbelastung kann durch den Einbau sogenannter Akustikdecken aus schallabsorbierenden Materialien merklich reduziert werden.

Maßnahmen gegen Lärm

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht auf dem Gebiet des Lärmschutzes und gibt konkrete Handlungsanleitungen z. B. zum Thema „Lärmarm konstruieren“ heraus. Dahinter steht die Erkenntnis, dass der beste Lärm der ist, der erst gar nicht entsteht. Die Broschüre “Laut ist teuer! Tipps für den Einkauf leiser Maschinen” zeigt, dass weniger Lärm am Arbeitsplatz nicht nur bares Geld ist und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens steigert, sondern auch die Gesundheit und Produktivität ihrer Beschäftigten. Auch Maßnahmen wie die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) tragen dazu bei, dass der Arbeitsplatz leiser wird. Denn wenn Beschäftigte in einer ruhigeren Umgebung arbeiten, können sie leichter in einer normalen Tonlage sprechen – und bleiben gut bei Stimme.