Kühlung statt Hitzefrei

Quelle: Thomas Max Müller / pixelio.de

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Nach den heißen Tagen mit über 30 °C fragen sich die, die die Hitze nicht am Badesee oder Biergarten verbringen konnten, sondern im Büro, Werkstatt oder auf der Baustelle arbeiten mussten: Warum gibt es eigentlich kein Hitzefrei außerhalb der Schule?
Darüber würden sich sicherlich viele freuen, doch in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ist das nicht vorgesehen und in diesem Dokument, das maßgeblich für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz in Arbeitsstätten herangezogen werden kann, wird die Raumtemperatur nur sehr spärlich behandelt. In Kapitel 3.5 des Anhangs ist lediglich die Rede von einer  „gesundheitlich zuträglichen Raumtemperatur“. Was genau darunter verstanden wird, ist im technischen Regelwerk gleicher Nummerierung zu finden. Hier in der ASR A3.5 ist zu lesen, welche verbindlichen Obergrenzen der Raumtemperatur vorgegeben sind. Dabei gilt: Arbeitsplätze mit  hoher  Luftfeuchte, Wärmestrahlung  oder  Luftgeschwindigkeit  müssen  gesondert betrachtet  werden.

Was gilt ab 26 °C?

Der Arbeitgeber muss für einen Sonnenschutz sorgen, wenn der Raum sich durch die Sonneneinstrahlung auf mehr als 26 °C aufheizt. Nicht nur für Arbeitsräume gilt diese ASR, sondern auch für die Pausenräume und Kantinen, Bereitschaftsräume, den Sanitärbereich und auch die Erstehilferäume.
Reichen die baulichen Voraussetzungen an einen sommerlichen Wärmeschutz nach geltendem Baurecht nicht aus und steigt die Temperatur in den Räumen auf über 26°, müssen die sonnigen Fenster, Oberlichter und Glaswände mit Jalousien ausgestattet werden oder es muss die Vorgabe erfolgen, dass die Rollos auch tagsüber geschlossen zu halten sind. Die Anforderungen   an   einen   wirksamen Blendschutz  an   Fenstern, Oberlichtern   und   Glaswänden  enthält   die   ASR A3.4 „Beleuchtung“. Auch Vordächer,    Balkone, feststehende  Lamellen  oder Bepflanzungen  können einen  wirkungsvollen  Sonnenschutz bieten.

Eine angepasste Gefährdungsbeurteilung gibt Aufschluss darüber, ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind. Dies ist zum Beispiel der Fall bei bestimmten Personengruppen wie schutzbedürftigen Beschäftigten, zum Beispiel Jugendliche und Ältere, Schwangere und Stillende. Auch bei gesundheitlich belasteten Mitarbeitern oder schwerer körperlicher Arbeit wie auch der Arbeit in Schutzausrüstung, die die Wärmeabgabe behindert, muss der Arbeitgeber mehr tun.

Was gilt ab 30°?

Gleiches gilt, wenn die Temperatur in den Räumen 30° überschreitet. Anhand einer Gefährdungsbeurteilung können geeignete Mittel gefunden werden, die die Temperatur in den Räumen senken hilft. Dazu gehört zum Beispiel das Ausschalten von allen elektronischen Geräten, bei denen es ausreicht, wenn sie bei Bedarf eingeschaltet werden, wie Kopierer, Drucker oder Scanner. Der Gesetzgeber nennt dies die “Reduzierung der inneren thermischen Lasten”.

Klimaanlage und Lüftung sollten nicht nur gewartet, sondern auch an die erhöhten Anforderungen angepasst werden. Weisen Sie Als Arbeitgeber Ihre Mitarbeiter Auch Ausdrücklich Darauf hin, am frühen Morgen ausgiebig zu lüften und die kühlere Luft zu nutzen. Möglicherweise kann es auch notwendig sein, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, zum Beispiel durch einen früheren Arbeitsbeginn und entsprechend längeren Mittagspausen. Nicht nur an heißen Tagen, sondern generell ist es ein feiner Zug des Arbeitgebers, Trinkwasser für die Mitarbeiter bereitzustellen. Oft wird im Büro zu wenig getrunken, worunter nicht selten auch Gesundheit und Konzentration leiden.
Wer als Arbeitgeber – vielleicht auch aus eigenem Interesse – darüber nachdenkt, den Krawatten- oder Anzugzwang zu lockern, kann dies natürlich nach eigenem Ermessen tun. Aber: Es darf niemals eine Ausnahme beim Tragen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) wie Helm, Warnweste oder Sicherheitsschuhe geben.
Was gilt ab 36°?

Nach der ASR A3.5 ist ein Raum nicht als Arbeitsraum geeignet, wenn die Lufttemperatur 35 °C überschreitet, die Mitarbeiter keine Hitzeschutzkleidung tragen und der Raum nicht mit einer Abkühlungsmöglichkeit durch Luftduschen oder Wasserschleier ausgestattet ist. Auch organisatorische Vorgaben wie Entwärmungsphasen können hier geboten sein.

Und wenn man friert?

Übrigens macht die ASR A3.5 wesentlich mehr Angaben einer Mindesttemperatur als zur Höchsttemperatur. Abhängig von der Arbeitsschwere und der Körperhaltung gibt sie genau vor, welche Raumtemperatur herrschen sollten.
Bei leichten Tätigkeiten im Sitzen sind es 20 °C, bei mittleren 19 °C. Müssen die Mitarbeiter hauptsächlich Stehen und Gehen sind 19 °C (leichte Tätigkeit), 17 °C (mittelschwere Tätigkeit) und 12 °C (schwerer Tätigkeit) vorgeschrieben. In Pausenräumen und in den Toiletten sollten es 21 °C sein. In Waschräumen mit Duschen dürfen das während der Nutzungsdauer auch 24 °C sein.

Wie wird gemessen?

Die Messung erfolgt nach Erfordernis stündlich an Arbeitsplätzen für sitzende Tätigkeit in einer Höhe von 0,6 m und bei stehender Tätigkeit in einer Höhe von 1,1 m über dem Fußboden.