Schutz für Hände und Lebensmittel

Quelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Zum Schutz der Hände von Küchenpersonal sind vor allem flüssigkeitsdichte Handschuhe wichtig. Sie kommen immer da zum Einsatz, wenn hautschädigende Substanzen benutzt werden, etwa bei Reinigungs- oder Desinfektionsarbeiten, aber auch als Hygienehandschuhe im Umgang mit Lebensmitteln.

Doch der Preis für das längere Tragen dieser Handschuhe ist hoch, denn sie können Erkrankungen der Haut auslösen oder verstärken, etwa Pilzerkrankungen, Ekzeme, Schrunden, Juckreiz und trockene Stellen.

Deswegen wird in einigen Betrieben bereits auf Hygienehandschuhe im Servicebereich verzichtet, um Hautkrankheiten nicht zu fördern. Oftmals werden sie nur noch eingesetzt, wenn auf andere Art kein ausreichender Schutz aufgebaut werden kann oder wenn aus Gründen der Lebensmittelhygiene keine Alternativen erlaubt sind.

Wann welche Schutzhandschuhe – flüssigkeitsdichte, Hygienehandschuhe oder Handschuhe als Schutz gegen mechanische, bzw. thermische Gefahren – zu tragen sind und wann andere Maßnahmen ausreichen, sollte in einem Handschuhplan in der Küche für alle ersichtlich sein – das hilft, die Regelungen, die zusätzlich regelmäßig in der Mitarbeiterunterweisung zur Sprache kommen sollten, sichtbar zu machen.

Geeignete Schutzhandschuhe

Welche flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhe geeignet sind, richtet sich nach den hautschädigenden Arbeitsstoffe wie beispielsweise den Reinigungs- und Desinfektionsmitteln. Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Betriebsärzte sind wichtige Ansprechpartner bei der Wahl der Schutzhandschuhe.

Folgende Eigenschaften sollten die Handschuhe aufweisen:

  • Beständigkeit gegen die verwendeten hautschädigenden Arbeitsstoffe
  • ausreichende Reißfestigkeit
  • ausreichend lange Stulpen (entsprechend der zu verrichtenden Tätigkeit)
  • baumwollbeschichtete Innenfläche
  • guter Tragekomfort

Nicht geeignet bei der Arbeit mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln sind Einmalhandschuhe aus dünnwandigem Material. Handschuhe, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, müssen die Herstellerangabe „für den Lebensmittelbereich geeignet“ oder das Piktogramm „Weinglas und Gabel“  aufweisen.

Mitarbeiter nicht übergehen

Der Tragekomfort ist außerordentlich wichtig. Passen die Schutzhandschuhe nicht richtig oder treten Probleme beim Handling auf, sinkt die Bereitschaft der Mitarbeiter, sie zu tragen und sie empfinden die Vorschrift als Quälerei.

Deswegen sollten die Mitarbeiter schon bei der Auswahl der Schutzhandschuhe eingebunden werden und einige Modelle zur Probe ausprobieren und bewerten dürfen.

Dies ist auch wichtig, da Schutzhandschuhe aus dehnbarem Kunststoff (Elastomere) allergieauslösende Substanden enthalten können. Bestehen bei Mitarbeitern Allergien und Überempfindlichkeiten gegen diese Stoffe, gilt es alternative Schutzhandschuhe zu finden.

Tipp:

In der Handschuhliste, erstellt von der Baugenossenschaft der Bauwirtschaft, werden sortiert nach dem Handschuhfabrikat die Handschuhmaterialien und die enthaltenen Allergene angegeben.

Wichtig für das Küchenpersonal:

  • Handschuhe nur laut Handschuhplan für die konkret hautgefährdende Tätigkeit verwenden
  • Handschuhe nur so lange tragen wie notwendig
  • nicht die Handschuhe mit anderen Mitarbeitern abwechselnd tragen
  • vor dem Anziehen der Handschuhe die Hände gründlich trocknen
  • möglichst dünne, waschbare Baumwollhandschuhe unterziehen, die regelmäßig gewechselt werden
  • bei Arbeiten über Schulterhöhe Stulpen umklappen
  • bei Beschädigung oder Undichtigkeit: sofort Handschuhe austauschen
  • wiederverwendbarer Schutzhandschuhe nach der Benutzung innen (!) abtrocknen
  • wiederverwendbarer Handschuhe entsprechend den Herstellerangaben reinigen und pflegen

Wichtig für das Unternehmen

  • regelmäßige das Küchenpersonals über die Schutzwirkung geeigneter Handschuhe sowie die Hautschädigung durch lange Tragezeiten oder ungeeignete Handschuhe informieren
  • geeignete Schutzhandschuhe und waschbare dünne Baumwollhandschuhe an allen Arbeitsplätzen in verschiedenen Größen und ausreichender Anzahl bereitstellen
  • das Austauschen erleichtern
  • Vorgesetzte sollten vorbildliches Verhalten zeigen
  • Beschäftigten loben, wenn Schutzhandschuhe richtig verwendet werden
  • Fehlverhalten bei der Verwendung von Handschuhen konsequente Unterbinden

Hier finden Sie ein Beispiel für einen Hautschutzplan für die Küche als kostenlosen Download (PDF, 50 KB):

Hautschutzplan für die Küche

Handschuhplan schafft Durchblick

Ein Beispiel für einen einfachen Handschuhplan. Je nach Unternehmen sind ausführlichere Angaben notwendig.

Ein Beispiel für einen einfachen Handschuhplan. Je nach Unternehmen sind ausführlichere Angaben notwendig.

Ein Handschuhplan macht es für die Mitarbeiter leichter, sich für die richtige Handschuhart zu entscheiden, die ihrer Tätigkeit entspricht.

Für den Unternehmer bietet er zudem den Vorteil, dass er seiner Dokumentationspflicht nach dem Arbeitsschutzgesetz nachkommt und einen wichtigen Schritt zu mehr  Sicherheit am Arbeitsplatz getan hat. Zudem ermöglicht eine Analyse der benötigten Handschuharten, die Auswahl geeigneter Modelle und die Bereitstellung von Handschuhen, die Sicherheit und Tragekomfort bieten, wirtschaftliche Vorteil.  Sie liegen unter anderem darin, dass weniger Handschuhe vorzeitig in den Abfall wandern, wenn sie geeignet für die Tätigkeit sind und nicht vorzeitig verschleißen, zum anderen verringern geeignete Handschuhe die Unfall- und Krankenzahlen. Denn: neben Kontaktallergien nehmen Hand- und Handgelenksverletzungen den Spitzenplatz bei den meldepflichtigen Unfällen mit einer Ausfallzeit von mindestens drei Tagen ein.

Vor Aufstellen eines Handschuhplans ist eine Risiko-Gefahren-Analyse in den betroffenen Arbeitsbereichen notwendig. Bei der Gefährdungsbeurteilung geht es darum, eventuelle gesundheitliche Gefahren zu finden, zu bewerten und ihnen durch entsprechende Handschuhmodelle entgegen zu wirken.

 

Handfester Schutz

Zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) gehören in vielen Berufen die Handschuhe zum festen Inventar. Wie bei allen Teilen der persönlichen Schutzausrüstung – beispielsweise Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz, Helm, Warnkleidung oder Schutzkleidung gegen Hitze, Regen oder Wettereinflüsse – ist der Unternehmer verpflichtet, sie kostenfrei dem Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen und ihn entsprechend zu unterweisen. Der Mitarbeiter ist andererseits dazu verpflichtet, die vorgeschriebene Schutzausrüstung zu benutzen und zu pflegen.
An Schutzhandschuhe werden je nach Einsatzgebiet unterschiedliche Anforderungen gestellt. Sie sollen die Hände vor Schädigungen durch äußere Einwirkungen schützen, beispielsweise  mechanischer Art (Stiche, Schnitte, Schläge, Abschürfungen, Vibrationen),  thermische Art (Hitze, Kälte, Schweißspritzer), Gefährdungen durch Strahlung (UV-Strahlung, Wärmestrahlung, Laserstrahlung, ionisierende Strahlung), chemische Gefährdungen (Verätzung, Reizung, Vergiftung), biologische Gefährdungen (Infektionen) oder elektrischer Gefährdungen. Andererseits ist es wichtig, dass Tragekomfort, Tastgefühl und Greifvermögen durch die Handschuhe nicht so eingeschränkt werden, dass neue Gefahrenquellen entstehen. Die Balance und das richtige Produkt zu finden, ist daher oftmals nicht leicht.

Kennzeichnungen auf Schutzhandschuhen
Die Normvorgabe für Schutzhandschuhe sieht vor, dass deutlich erkennbar und dauerhaft lesbar folgende Angaben auf ihnen zu finden sein müssen:

  • Name oder Kennzeichnung des Herstellers oder Lieferanten
  • Typenangabe oder Modellbezeichnung
  • Größenangabe

PSA-Kategorien für Schutzhandschuhe
Darüber hinaus werden Schutzhandschuhe mit entsprechenden Piktogrammen versehen und in drei PSA-Kategorien unterteilt:

  • Kategorie 1 (Cat. I): geringe Risiken, erfüllt nur geringe Schutzanforderungen. geeignet beispielsweise als Garten- oder Spülhandschuh
  • Kategorie 2 (Cat. II): mittlere Risiken, bietet beispielsweise Schutz vor mechanischen Gefährdungen
  • Kategorie 3 (Cat. III): hohe Risiken, bietet Schutz vor irreversiblen Schäden und tödlichen Gefahren

Leistungsstufen zum Schutz vor mechanischen Risiken

Schutzhandschuhe werden zudem mit einer Leistungsstufe gekennzeichnet, die von „x“ wie „ungeprüft“ bis hin zu „5“ für „hoher Schutz“ skaliert ist.

Die Kennzeichnung 4131 auf dem Handschuh dokumentiert beispielsweise:
4 = Abriebfestigkeit
1 = Schnittfestigkeit
3 = Weiterreißfestigkeit
1 = Durchstichfestigkeit

Je höher die Zahl, umso besser ist der Schutz vor Abrieb, Schnitten, Rissen und Durchstechen. Beispielsweise sind Handschuhe der Leistungsstufe 1 beim Abrieb nach etwa 100 Umdrehungen durchgescheuert. Für einen Handschuh der Stufe 4 bei Abrieb braucht es dagegen 8000 Umdrehungen, um ihm etwas anzuhaben.

Piktogramme geben Auskunft über die Schutzfähigkeit des Handschuhs. Häufige  Piktogramme sind: