Handlungshilfe für Betriebs- und Personalräte

Jeder dritte Mensch in Deutschland erleidet im Laufe seines Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Dabei zählen depressive Erkrankungen und Angststörungen zu den häufigsten Krankheitsbildern. Ob es eine tatsächliche Zunahme der Krankheitsfälle gibt oder ob sie lediglich besser und schneller erkannt werden sei dahingestellt.
Tatsache ist: Für Unternehmen wird die psychische Gesundheit zunehmend ein wichtigeres Thema. In der Verantwortung des Arbeitgebers liegt es, dafür zu sorgen, dass Arbeit nicht krank macht – weder körperlich noch psychisch. Dies sollte auch aus eigenem Interesse sein Anliegen sein, denn Arbeitnehmer, die sich wohlfühlen und gerne arbeiten, sind ein auch wirtschaftlich relevanter Gewinn.
Um Betriebs- und Personalräte dabei zu unterstützen, mit psychischen Erkrankungen umzugehen. Die Broschüre wurde von den Beteiligten des Projektes “Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – psyGA” entwickelt und der von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegeben. Sie liefert Daten und Fakten, zeigt rechtliche Optionen auf, benennt aber auch die Grenze der Zuständigkeit. Wer weiterführende Informationen, Handlungshilfen und Checklisten benötigt, bekommt in der Broschüre nützliche Hinweise.
Download der Broschüre auf der Seite der INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) als PDF (919kB)

Was gehört in eine Betriebsvereinbarung zum Thema Alkohol

Quelle: Wolfgang Colditz  / pixelio.de

Foto: Wolfgang Colditz / pixelio.de

Mit einer Betriebsvereinbarung zum Thema „Alkohol am Arbeitsplatz“ geben Sie als Unternehmer nicht nur sich mehr Rechtssicherheit, sondern zeigen auch Ihren Mitarbeitern gegenüber Transparenz und eine klare Linie.
Sie legen darin fest, wie mit Alkohol in Ihrem Unternehmen umgegangen wird, welche Konsequenzen unerlaubtes Trinken von Alkohol für den Mitarbeiter und seine Arbeit hat und vor allem welche Sanktionen folgen. Die Vereinbarung sollte den Mitarbeitern aber auch zeigen, dass sie Hilfe in Anspruch nehmen können, wenn sie bei Kollegen ein Alkoholproblem vermuten oder selbst darunter leiden. Jeder zehnte Arbeitnehmer ist stark gefährdet – deshalb ist es wichtig, das Thema anzusprechen und nicht totzuschweigen.
Beteiligt werden an der Formulierung der Betriebsvereinbarung sollte die Unternehmensführung, Vorarbeiter und der Betriebsrat sowie als fachlich-medizinische Unterstützung der Betriebsarzt und bestenfalls auch ein Suchtberater.

Folgende Punkte können Inhalt der Betriebsvereinbarung sein:

Regeln
Ist der Konsum von Alkohol generell auf dem gesamten Betriebsgelände verboten oder gibt es Ausnahmen? Ist beispielsweise ein Glas Sekt als Umtrunk bei Geburtstagen erlaubt?

Maßnahmen
Was ist zu tun, wenn es den Verdacht gibt, dass ein Mitarbeiter gegen die Regeln verstößt? An wen können sich Kollegen oder selbst Betroffene wenden? Wer führt beim ersten Verdacht das erste klärende Fürsorgegespräch und mit welchem Ziel? Wer bei Wiederholungstätern? Wie können Datenschutz und Vertraulichkeit im Umgang mit Informationen zum Alkoholkonsum eines Mitarbeiters gewahrt bleiben?
Zu welchem Zeitpunkt werden der Betriebs- oder Personalrat eingeschaltet?
Sollen den Mitarbeitern bei Verdacht auf Alkoholismus oder Alkoholkonsum freiwillige Alkoholtests angeboten werden und wie wirken sie sich auf die Sanktionen aus?
Soll ein Interventionsteam zum Thema „Alkohol“ zusammengestellt werden und was beinhalten die Handlungsleitfäden? Wer stellt einen Interventionsleitfaden auf oder initiiert eine Interventionskette? Ist es möglich, freiwillige betrieblichen Suchtkrankenhelfern auszubilden? Sollen Vorgesetzte zum Thema Alkohol geschult und weitergebildet werden und wann ja, wie?

Konsequenzen
Welche Sanktionen folgen je nach Schwere des Regelverstoßes? Wann wird abgemahnt, wann gekündigt? Nach welchen Kriterien wird ein Beschäftigter des Arbeitsplatzes verwiesen? Wie wird auf Wiederholungstätern und mögliche Rückfälle reagiert und welche Sanktionen folgen darauf?

Folgen
Wer trägt beispielsweise die Kosten für den Heimweg, wenn ein Mitarbeiter suspendiert wird?
Bekommt der Mitarbeiter weiterhin seinen Lohn, wenn er alkoholbedingt als Arbeitskraft ausfällt?
Wie werden Mitarbeiter nach erfolgtem Entzug wieder in den Betrieb eingegliedert?

Alkohol: Jeder Zehnte ist stark gefährdet

Foto: Stefan Schiegl  / pixelio.de

Foto: Stefan Schiegl / pixelio.de

Das Wissensportal unternehmer.de hat kürzlich über eine amerikanische Studie berichtet, die sich mit Alkohol im Job befasst. Im Blogbeitrag wurden auch Vergleiche mit Deutschland herangezogen. Demnach schätzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), dass fünf Prozent der deutschen Arbeitnehmer als alkoholkrank eingestuft werden müssen. Zehn Prozent gelten als stark gefährdet und elf Prozent aller Angestellten trinken sogar täglich während der Beschäftigungszeit Alkohol. Als Gründe für den Alkoholmissbrauch werden dauerhafte Über- oder Unterforderung genannt sowie einer der Krankmacher schlechthin: Stress.

Laut amerikanischer Studie hängen die meisten leistungsbezogenen Schwierigkeiten, die durch Alkoholkonsum verursacht werden, nicht etwa mit dem Trinken an der Arbeit zusammen, sondern hängen mit Trinken vor der Arbeit, zum Beispiel weil der Mitarbeiter einen Kater hat oder übermüdet ist.

Unternehmer.de zitiert zudem aus dem Gesundheitsreport. Demnach fehlen Alkoholiker 16 Mal häufiger auf der Arbeit und lassen sich 2,5 Mal öfter krank schreiben. Immerhin: Eine gute Ausbildung und ein sicherer Arbeitsplatz können das Abhängigkeitsrisiko minimieren, heißt es im Gesundheitsreport.

Sehr hilfreich sind die Tipps, die das Wissensportal zum Umgang mit Mitarbeitern gibt, bei denen man Alkoholmissbrauch vermutet.

So solle der Vorgesetzte ein vertrauliches und offenes Gespräch mit dem möglicherweise Betroffenen suchen. Dabei gilt es, weder eine Moralpredigt zu halten noch den Mitarbeiter zu verurteilen für sein Tun. zeigen Sie ihm auf, welche  Indizien für eine Erkrankung Sie bei ihm bemerkt haben, etwa eine Alkoholfahne, Zittern oder sogar versteckte Alkoholflaschen im Schreibtisch. Zeigen Sie ihm die direkten Konsequenzen auf, die das Betrunkensein auf seine Arbeit hat. Setzen Sie klare Fristen, in denen Sie erwarten, dass er sich Hilfe holt, beispielsweise beim Betriebsarzt und Suchtbeauftragten oder auch bei der Suchtberatung. Letztlich: Weisen Sie ihn auf eine mögliche Kündigung hin, falls sich nichts zum Guten ändert.

Mit unserer Checkliste können Sie das Gespräch vorbereiten und dokumentieren: kostenloser Download der Checkliste als PDF, 30 kb

 

 

 

Checkliste: Arbeitgeber-Leitfaden für ein Gespräch zum Thema Alkohol

Besteht bei einem Mitarbeiter der begründete oder vermutete Verdacht, dass er ein Alkoholproblem hat,  sollte der Vorgesetzte ein vertrauliches und offenes Gespräch mit dem Betroffenen suchen. Ohne Vorwürfe und Moralpredigten, aber mit dem Angebot, Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Bleiben Sie sachlich: Welche Indizien gibt es, welche Beobachten untermauern Ihren Verdacht? Welche Konsequenzen hat Alkoholmissbrauch für die Arbeit und welche Konsequenzen müssen Sie ziehen, wenn Hilfsangebote nicht angenommen werden?

Mit unserer Checkliste können Sie das Gespräch vorbereiten und dokumentieren: kostenloser Download der Checkliste als PDF, 30 kb

Zukunftsmusik in der virtuellen Arbeitsgestaltung

Uta Herbert  / pixelio.de

Foto: Uta Herbert / pixelio.de

Ergonomisch gestalteter Arbeitssysteme, bei denen Technik und Organisation dem Menschen angepasst sind, sind die Zukunft. Daher hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in einer Studie einen detaillierten Ausblick auf künftige Trends und Möglichkeiten dieser rechnergestützten digitalen Modelle bis 2025 gewagt. Sie befasst sich mit der virtuellen Planung wettbewerbsfähiger und sicherer Produkte mit Hilfe von rechnergestützten, digitalen Modellen aus der Ergonomieforschung.

Digitaler Modelle nach menschlichem Vorbild und weiterer Simulationsmodelle sind demnach geeignet, um mithilfe der digitalen Werkzeuge verschiedene Alternativen virtuell durchzuspielen. So lassen sich Gestaltungsdefizite gezielt vermindern und die Qualität der Arbeitsmittel und -prozesse wird nachhaltig erhöht.

In der BAuA-Studie wurden kurz-, mittel- und langfristige Tendenzen und Strategien zur Gestaltung fortschrittlicher Arbeitsplätze erarbeitet, die als Zukunftsradar bis zum Jahr 2025 zu verstehen sind. Dabei berücksichtigt sie vor allem die speziellen Anforderungen kleiner und mittlerer Unternehmen. Zur Gewinnung der Daten wurden 60 ausgewiesenen Experten befragt.

Eine der Thesen, die die Experten mittelfristig realisiert sehen: “Um den Analyseaufwand künftig zu verringern, sehen die Experten den klaren Bedarf zur Verbesserung der Gebrauchstauglichkeit digitaler Ergonomietools, so dass eine eingeschränkte Anwendung auch als „Laie“ möglich wird. Detaillierte Analysen erfolgen weiterhin durch Experten.” Zudem soll es die Modularisierung der am Markt verfügbaren digitalen Ergonomietools Unternehmen ermöglichen, für ihren konkreten Anwendungsfall das erforderliche Werkzeug mit dem jeweils relevanten Funktionsumfang zu vertretbaren Kosten auszuwählen und einzusetzen.

Eine Version im PDF-Format gibt es zum Herunterladen unter der Adresse www.baua.de/publikationen auf der BAuA-Homepage:

“Digitale Ergonomie 2025. Trends und Strategien zur Gestaltung gebrauchstauglicher Produkte und sicherer, gesunder und wettbewerbsfähiger sozio-technischer Arbeitssysteme”; Sascha Wischniewski; 1. Auflage; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2013; ISBN: 978-3-88261-004-8, 52 Seiten.

Handschuhplan schafft Durchblick

Ein Beispiel für einen einfachen Handschuhplan. Je nach Unternehmen sind ausführlichere Angaben notwendig.

Ein Beispiel für einen einfachen Handschuhplan. Je nach Unternehmen sind ausführlichere Angaben notwendig.

Ein Handschuhplan macht es für die Mitarbeiter leichter, sich für die richtige Handschuhart zu entscheiden, die ihrer Tätigkeit entspricht.

Für den Unternehmer bietet er zudem den Vorteil, dass er seiner Dokumentationspflicht nach dem Arbeitsschutzgesetz nachkommt und einen wichtigen Schritt zu mehr  Sicherheit am Arbeitsplatz getan hat. Zudem ermöglicht eine Analyse der benötigten Handschuharten, die Auswahl geeigneter Modelle und die Bereitstellung von Handschuhen, die Sicherheit und Tragekomfort bieten, wirtschaftliche Vorteil.  Sie liegen unter anderem darin, dass weniger Handschuhe vorzeitig in den Abfall wandern, wenn sie geeignet für die Tätigkeit sind und nicht vorzeitig verschleißen, zum anderen verringern geeignete Handschuhe die Unfall- und Krankenzahlen. Denn: neben Kontaktallergien nehmen Hand- und Handgelenksverletzungen den Spitzenplatz bei den meldepflichtigen Unfällen mit einer Ausfallzeit von mindestens drei Tagen ein.

Vor Aufstellen eines Handschuhplans ist eine Risiko-Gefahren-Analyse in den betroffenen Arbeitsbereichen notwendig. Bei der Gefährdungsbeurteilung geht es darum, eventuelle gesundheitliche Gefahren zu finden, zu bewerten und ihnen durch entsprechende Handschuhmodelle entgegen zu wirken.

 

Motivation gegen den Leichtsinn

Quelle: Fluke  / pixelio.de

Foto: Fluke / pixelio.de

Nicht selten zeigt sich nach einem Arbeitsunfall: Der Verunfallte kannte die Gefahr und hat den Unfall durch Fehlverhalten selbst verursacht. Wider besseres Wissen wurde das Risiko in Kauf genommen, dass etwas passiert.

Als Sicherheitsfachkraft sollte man sich immer klar machen, dass es diese Risikofreude gibt und welche Gründe es dafür gibt – damit man ihnen entgegenwirken kann.

Sicherheitsfalle 1: Routine

Jedes Tun geht mit einer persönlichen Einschätzung einher, bei der unbewusst bewertet wird, ob eine Situation gefährlich werden kann oder nicht. Dabei spielen persönliche Erfahrungen eine große Rolle. Wo bisher nie etwas passiert ist, sinkt Bewusstsein für die Gefahr und das Risiko, das eingegangen wird, wird höher.

Ob sich ein Mitarbeiter so verhält, wie es die Sicherheitsvorgaben vorschreiben oder ob er sicherheitswidrig handelt, hängt davon ab, wie hoch er das Risikopotenzial einschätzt und welches Risiko er bereit ist einzugehen. Letzteres ist ein hochgradig persönliches Maß, das zum einen vom Charakter abhängt, aber auch von der aktuellen Gefühlslage. Wer beispielsweise Wut oder Stress empfindet, schätzt Gefahren eher niedriger ein als realistisch wäre.

Untersuchungen zeigen: Jeder zweite Unfall geschieht, weil der Verunglückte das Gefahrenpotenzial unterschätzt hat. Ein Folge der Routine, die sich einem einfachen Beispiel zeigt. So ist Stolpern, Rutschen und Stürzen eine recht häufige Unfallfolge, da das Risikopotenzial beim Gehen durch die tägliche Routine kaum noch wahrgenommen wird. Die Folge: Unachtsamkeit und Ablenkung (etwa durch das Handy und Nachrichtenschreiben). Bei Tätigkeiten dagegen, die ein sehr hohes Risikopotenzial aufweisen, das im Bewusstsein präsent ist, passieren weniger häufig Unfälle, weil die Sinne geschärft sind und der Mitarbeiter konzentriert.

Das zeigt, wie wichtig es ist, sowohl auf die großen und sichtbaren Gefahren hinzuweisen wie auch auf die kleinen Gefährdungen.

Sicherheitsfalle 2: Trügerische Erfahrungen

Die Entscheidung, ob eine Situation risikoreich ist oder nicht und ob man besser auf Nummer Sicher gehen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab.

  •  Wie wird das Gefährdungspotenzial eingeschätzt?

Erscheint die Situation ungefährlich, wird weniger Wert auf Sicherheit gelegt.

  •  Lohnt sich ein Fehlverhalten?

Wird der Nutzen des Fehlverhaltens – etwa die Zeitersparnis oder weniger Aufwand – höher bewertet als die aus dem Verhalten resultierenden Folgen, fällt die Entscheidung oft gegen die Sicherheit.

  •  Habe ich Folgen zu befürchten?

Wenn sicherheitswidriges Verhalten mehrfach folgenlos bleibt, wird es weiterhin wiederholt und schließlich zur Gewohnheit, über nicht weiter nachgedacht wird.

  •  Reflektiere ich, was ich tue?

Gewohnheiten, Routinen und unbewusste Risiken benötigen Reflexion. Wer über sein Tun nachdenkt, bemerkt unter Umständen, dass er die Risiken höher bewerten muss als er es bisher getan hat.

  •  Muss ich mit Strafen rechnen?

Folgt auf das Fehlverhalten eine Strafe, sei es arbeitsrechtlicher Art, durch eine deutliche Ermahnung vom Vorgesetzten oder im extremsten Fall durch einen Unfall, wird es in den meisten Fällen überdacht und geändert.

Menschen experimentieren also mit ihrem Verhalten und testen so Risiken aus. Es folgt immer eine Abwägung zwischen Gefahrenpotenzial und Nutzen. Für Vorgesetzte und Sicherheitskräfte gibt das einen wichtigen Ansatzpunkt: Es gilt, den Nutzen von sicherem Verhalten deutlich und die Risiken sichtbar zu machen – mit dem Ziel, dass sichere verhalten erstrebenswerter für den Mitarbeiter werden zu lassen.

Das Abwägen des Risikos folgt zudem zwei Gesetzmäßigkeiten, unabhängig von persönlichen Erfahrungen:

Bekannte und vertraute Gefahren werden unterschätzt, unbekannte Gefahren überschätzt. Das wird deutlich am Beispiel Vogel- oder Schweinegrippe auf der einen Seite und den Fällen schwerer grippaler Infekte auf der anderen Seite.

Risiken, die man durch eigenes Handeln beeinflussen kann, werden unterschätzt, Risiken, denen man ausgeliefert ist oder sich ausgeliefert fühlt, werden überschätzt. Das lässt sich verdeutlichen, wenn man vergleicht, wie es sich anfühlt, Beifahrer eines riskanten Fahrers zu sein und wie man sich selbst verhält, wenn man selbst aus der Eile heraus Gas gibt.

Eine Möglichkeit, diesen Phänomenen entgegen zu wirken ist die Aufklärung: Klären Sie über Unfallzahlen und Unfallursachen auf, erläutern Sie, welche Unfälle im Betrieb häufig vorkommen und welche weniger oft, welche Folgen sie haben und welche Ursachen dahinter stecken. Nur das hilft, die Risiken realistisch einzuschätzen und Gefahren weder zu bagatellisieren noch hochzuspielen.

Weitere Tipps:

  • Sorgen Sie bei der persönlichen Schutzausrüstung nicht nur für hohe Funktionalität, sondern auch für möglichst hohen Tragekomfort und möglichst auch gute Optik. Das erhöht die Bereitschaft, die Ausrüstung auch zu nutzen.
  • Geben Sie den Mitarbeitern genügend Zeit, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen auch in die Arbeitsabläufe zu integrieren. Wer stets unter Zeitdruck ist, neigt dazu, fahrlässig zu handeln auf Kosten der Sicherheit.
  • Das Unternehmen und die Vorgesetzten müssen selbst das beste Vorbild sein und Arbeitsschutzstandards eine hohe Priorität beimessen. Dazu gehört zum einen, dass Verstöße weder toleriert noch durch Vorgaben wie etwa einen zu engen Zeitplan gefördert werden. Zum andern gehört dazu aber auch, die Mitarbeiter für vorbildliches Verhalten zu loben und ihnen für ihre Sicherheitsbewusstsein Wertschätzung entgegen zu bringen. Als drittes gehören dazu im gewissen Maße auch Investitionen wie in ergonomische Arbeitsmittel und betriebliche Gesundheitsvorsorge.
  • Werden Vorgaben zu Sicherheitsvorkehrungen trotz allem weiterhin von einigen Unbelehrbaren missachtet, helfen nur Sanktionen. Informieren Sie den Vorgesetzten, denn er ist verpflichtet, das Einhalten der Vorschriften zu kontrollieren und durchzusetzen. Das kann er durch eine mündliche Ermahnung tun, durch eine disziplinarische Maßnahme wie etwa eine Abmahnung und schlimmstenfalls die Versetzung oder Kündigung da der Mitarbeiter gegen § 15 der BGV A1 verstoßen hat.

 

Waschen, Schneiden, Spülen: Schutz, Reinigung und Pflege der Hände für Küchenpersonal

Quelle: Henrik Gerold Vogel  / pixelio.de

Foto: Henrik Gerold Vogel / pixelio.de

Spülwasser, Fruchtsäuren, Brandblasen und Schnitte – in einer Gastroküche werden die Hände nicht geschont. Intensive Feuchtarbeit und hautschädigende Arbeitsstoffe sind es, die hier die Tätigkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit und Sicherheitsbeauftragte, Betriebsärzten und Personalvertretungen sowie der Hygienefachkräfte auf den Plan rufen.

Sie haben dafür zu sorgen, dass die starke Beanspruchung nicht zu Hauterkrankungen und Verletzungen führt. Technische und organisatorische Vorkehrungen sind die eine Seite. Auf der anderen Seite müssen geeignete Mittel für den Hautschutz, die Hautreinigung und Hautpflege regelmäßig angewendet werden.

Welche Hausmittel werden in der Küche gebraucht?

Hautschutzmittel

Hautschutzmittel sind vor Arbeitsbeginn, nach Pausen und nach der Händereinigung anzuwenden, damit sie wirksam schützen können. In Küchen werden vorwiegend Hautschutzpräparate gegen wasserlösliche Arbeitsstoffe genutzt. Die Beschäftigten sind zu ihrem eigenen Schutz verpflichtet, vorhandene Hautschutzmittel bestimmungsgemäß und regelmäßig zu benutzen.

Hautreinigungsmittel

Für die Händereinigung in Küchen eignen sich in der Regel „Syndets“ (seifenfreie Waschstücke) am besten. Auch wenn sie in einer Küche stets greifbar sind: Keinesfalls dürfen Spül- oder Reinigungsmittel (z.B. Scheuermilch), Scheuerbürsten oder Bimsschwämme verwendet werden. Sie reizen die Haut, zerstören den natürliche Hautschutz, fügen ihr kleine Wunden zu und sind daher nicht nur eine unhygienische Infektionsquelle, sondern auch kontraproduktiv.

Hautpflegemittel

Hautpflegemittel stärken die natürlichen Barrierefunktion der Haut, etwa den Säureschutzmantel und die natürliche Flora der Hautoberfläche. Sie dienen auch der Wiederherstellung einer gesunden Haut. Sie sind somit besonders wichtig, um Hautschäden vorzubeugen, die durch häufige Belastung entstehen können. Hautpflegemittel sollten zu Beginn der Pausen sowie nach Feierabend auf die gereinigten Hände aufgetragen werden. Auch zuhause sollten die durch den Kontakt mit Wasser und hautschädigenden Stoffen gestressten Hände gepflegt werden.

Worauf ist bei der Auswahl geeigneter Hautmittel zu achten?

Die Auswahl der Mittel für den Hautschutz, die Hautreinigung und Hautpflege richtet sich nach den Anforderungen im Arbeitsbereich. Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Betriebsmediziner im Unternehmen sind hier die kompetenten Ansprechpartner.

Diese Herstellerangaben sollten vorliegen, um beurteilen zu können, ob das Produkt den Anforderungen genügt:

  • Zusammensetzung
  • Wirksamkeitsnachweis
  • Nachweis der Unbedenklichkeit bei bestimmungsgemäßer Verwendung
  • Nachweis der Eignung für den Lebensmittelbereich
  • Hinweise zur Haltbarkeit (mindestens 30 Monate oder Angabe eines Verfallsdatums)

 Bedenken Sie auch, dass es Überempfindlichkeiten und Allergien der Mitarbeitern geben könnte, die zu berücksichtigen sind.

Tipp 1

Ein Tipp zur besseren Akzeptanz der Hautmittel: Lassen Sie das Küchenpersonal verschiedene mögliche Produkte testen, bevor Sie sich entscheiden.

Tipp 2

Spender sind nicht nur für Hautreinigungsmittel empfehlenswert, sondern ermöglichen auch für die Hautpflegeprodukte eine hygienische und dosierte Entnahme. Kennzeichnen Sie die Spenderbehälter je nach Inhalt durch Farben und Symbole eindeutig entsprechend der Festlegung im Hautschutzplan, damit Ihren Mitarbeitern die richtige Verwendung leicht gemacht wird. Montieren Sie die Spender überall dort, wo sie gebraucht werden: nahe am Arbeitsplatz, nahe der Pausenräume und dort, wo die Mitarbeiter sich nach Feierabend umkleiden.

Tipp 3

Erstellen Sie einen Hautschutzplan. Er muss speziell auf den Arbeitsbereich Küche zugeschnitten sein und sollte überall aushängen, wo Ihre Mitarbeiter ihre Hände waschen und pflegen. Es ist wichtig, das Küchenpersonal regelmäßig, auch im Rahmen der Mitarbeiterunterweisungen, auf die richtige Verwendung der bereit gestellten Hautmittel und den Hautschutzplan hinzuweisen. Zeigen Sie, wie er praktisch umgesetzt wird und und üben Sie die Umsetzung.

Die häufigsten Fehler sind:

  • falsche Menge an Hautmitteln
  • Hände wurden nicht gründlich gereinigt und abgetrocknet
  • die besonders gefährdeten Hautpartien zwischen den Fingern und an den Fingernägeln werden vergessen

Whitepaper: Wirtschaftlichkeit von Gesundheit und Sicherheit

Unter dem Titel “Sicherheit, die sich lohnt” bietet die HIRAcon Unternehmensgruppe ein informatives Whitepaper zum kostenlosen Download an.

Als elfseitige Informationsschrift befasst es sich mit dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit von Gesundheit und Sicherheit in kleine und mittleren Betrieben.

Ein Weg, um die Innovationskraft und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten, ist die Stärkung von Gesundheit und Sicherheit. Wer diese Aspekte fördert, verbessert die Qualität der Arbeit, denn er tut etwas für die körperliche und seelische Unversehrtheit seiner Mitarbeiter. Er bringt damit aktiv etwas ein, um im regionalen, nationalen oder globalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben.

Als Experten im Arbeitsschutz mit mehr als 15 Jahren Erfahrung wollen wir uns auf den folgenden Seiten vor allem dem Thema widmen, welche wirtschaftliche Komponente der Gesundheits- und Arbeitsschutz für kleine und mittelständische Unternehmen hat. Wir möchten Ihnen zudem aufzeigen, mit welchen Methoden Sie einen Überblick über Kosten und Nutzen der gesundheits- und sicherheitsfördernden Maßnahmen bekommen.

Ihr Arbeitsschutz-Team der HIRAcon-Gruppe

Peter Hink, Uwe Rau und Karl Stopka

(Geschäftsleitung)

Gerne dürfen Sie es herunterladen, ausdrucken oder auch unter Angabe der Quelle weiterversenden.

Whitepaper “Sicherheit, die sich lohnt”, 11 Seiten, kostenloser Download als PDF

 

 

Arbeiten unter Dauerspannung

Während die Gefahren durch Unfälle bei der Arbeit kontinuierlich zurückgehen, wie beispielsweise der Unfallverhütungsbericht der Bundesregierung darlegt, steigen die psychischen Belastungsfaktoren. Sie gewinnen in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung, da die Beschäftigten häufiger mit wechselnden Beschäftigungsverhältnissen, erhöhten Qualifikationsanforderungen und ständig sich ändernden Tätigkeitsprofilen konfrontiert werden.

Untersuchungen der Europäischen Kommission haben gezeigt, dass Stress am Arbeitsplatz das zweithäufigste gesundheitliche Problem der Mitarbeiter ist. Betroffen sind 28 Prozent der Beschäftigten. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge entsteht in der Europäischen Union durch stressbedingte Erkrankungen ein Schaden von mehr als 20 Milliarden Euro, verursacht durch Fehlzeiten und Krankheitskosten.

Unsere Checkliste kann helfen, die Anzeichen für psychische Fehlbelastungen der Mitarbeiter zu erkennen.

PDF zum kostenlosen Download: Checkliste psychische Belastungen am Arbeitsplatz