Besonderer Schutz für das ungeborene Leben

Wer Mutter wird, trägt im wahrsten Sinne des Wortes eine besondere Verantwortung. Das ungeborene Leben kann durch Einflüsse von außen schwer beeinträchtigt werden, die für erwachsene Menschen nicht oder kaum gefährlich sind.
Das fängt beim Genuss von rohem Fleisch wie etwa Mett an und hört bei Alkohol und Zigaretten noch lange nicht auf.

Wenn sich Nachwuchs ankündigt, hat die Gesundheit des Kindes und der Mutter oberste Priorität.  Quelle: Silke Kaiser  / pixelio.de

Foto: Silke Kaiser / pixelio.de

Während die Schwangere für ihre private Lebensweise selbst für sich und das Ungeborene verantwortlich ist, trägt im Berufsalltag auch der Arbeitgeber eine besondere Sorgfaltspflicht. Die größte Gefahr der Schädigung des Embryos besteht zwischen der 5. und 10. Woche nach der Empfängnis. Deswegen ist es wichtig, dem Arbeitgeber die Schwangerschaft so früh wie möglich mitzuteilen.

Für den Arbeitgeber gilt dann: sofort eine sorgfältige Beurteilung der Arbeitsplatzbedingungen vornehmen. Diese Gefährdungsbeurteilung umfasst jede Tätigkeit der schwangeren und später auch stillenden Mutter. Eine Sicherheitsfachkraft und der Betriebsarzt können den Arbeitgeber dabei unterstützen.

Die Gefährdungsbeurteilung zum Mutterschutz umfasst diese Gefahrenquellen (je nach Art des Betriebs und Tätigkeit können auch noch weitere Punkte hinzukommen):

  • Gefahrstoffe
  • Heben und Tragen von Lasten
  • Schwere körperliche Arbeiten
  • Ständiges Stehen
  • Häufiges Strecken und Beugen
  • Lärm
  • Unfallgefahren
  • Arbeiten im Freien

Gefahrstoffe

Hierzu gehören beispielsweise chemische Stoffe wie Pflanzenschutzmittel. Sie sind mit Warnhinweisen gekennzeichnet, den sogenannte R- und S-Sätzen (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/R-_und_S-Sätze) . Mit „R 61“ gekennzeichnete Stoffe beispielsweise können das Kind im Mutterleib schädigen, „R 46“ tragen Stoffe, die vererbbare Schäden verursachen können. Mit solchen Gefahrenstoffen dürfen sowohl schwangere als auch stillende Frauen nur arbeiten, wenn der Grenzwert nicht überschritten und Hautkontakt ausgeschlossen ist. Das muss durch Messungen nachgewiesen werden. Aber auch andere Stoffe wie etwa Gartenerde können für das Ungeborene zu einer Gefahr werden: In Gartenerde wie auch in Tierkot können sich Erreger der Toxoplasmose befinden.

Heben und Tragen von Lasten

Regelmäßig tragen und heben dürfen Schwangere Lasten nur, wenn diese unter fünf Kilogramm schwer sind. Lasten, die zwischen fünf und zehn Kilogramm wiegen, dürfen nur noch gelegentlich gehoben, bewegt oder getragen werden. Werden Häufigkeit oder Kilozahl überschritten, sind mechanische Hilfsmittel unbedingt erforderlich, beispielsweise Rollwagen.

Schwere körperliche Arbeiten

Hier dürfen Schwangere überhaupt nicht eingesetzt werden. Es besteht unter anderem die Gefahr, dass sich durch die Belastung die Plazenta ablöst. Ebenso sind stark belastende Bewegungen, Stöße und Erschütterungen zu vermeiden.

Ständiges Stehen

Arbeiten im Stehen, beispielsweise im Verkauf, sind nach Ablauf des 5. Monats der Schwangerschaft auf höchstens vier Stunden täglich zu beschränken.

Häufiges Strecken und Beugen

Dauerndes Hocken oder Bücken ist ebenso wie häufiges, erhebliches Strecken oder Beugen in der Schwangerschaft problematisch. Unter anderem kann sich somit eine Einschränkungen für bewegungsstarke Berufe wie Sportlehrerinnen oder auch Putz- und Reinigungskräfte ergeben. In anderen Berufsgruppen, etwa am Band, können sich gesundheitliche Gefahren durch anhaltende, einseitige Körperhaltung ergeben.

Lärm

Tätigkeiten in Arbeitsbereichen, in denen Lärm mit einem Schalldruck von über 80 dB(A) auftritt oder impulsartiger Lärm vorkommt, dürfen nur eingeschränkt ausgeübt werden. Eine zeitliche Beschränkung ist hier wichtig, da das Kind im Mutterleib dem Lärm ungeschützt ausgesetzt ist.

Unfallgefahren

Das Tätigkeitsfeld der Schwangeren muss genau auf mögliche Unfallgefahren untersucht werden. So gibt es beim Stehen auf Leitern oder Gerüsten die Gefahr, auszurutschen oder abzustürzen. Auch Schläge oder Stöße, die von Maschinen und Werkzeugen ausgehen können, sind zu erkennen.

Arbeiten im Freien

Extremer Hitze, Kälte oder Nässe dürfen werdende ebenso wie stillende Mütter nicht ausgesetzt sein. Deswegen ist es mitunter erforderlich, sie bei bestimmten Wetterverhältnissen für das Arbeiten im Freien nicht oder nur zeitlich begrenzt einzusetzen.

Die Gefährdungsbeurteilung – wozu das alles?

Das Ziel einer Gefährdungsbeurteilung ist, sich der Gefahren am Arbeitsplatz bewusst zu werden. Alle Tätigkeiten werden genau unter die Lupe genommen, um mögliche Risiken zu erkennen und sicher mit ihnen umzugehen.

Trockenen Fußes

Foto: Zaubervogel / Pixelio.de

Jeder Mensch macht dies jeden Tag – mehr oder weniger unbewusst. Jedes Mal, bevor wir eine Straße überqueren, schauen wir nach links und rechts und setzen erst einen Fuß auf die Fahrbahn, wenn wir sicher sein können, nicht überfahren zu werden. Dabei schätzen wir die Geschwindigkeit herannahender Fahrzeuge ein, die Breite und Beschaffenheit der Straße, mögliche zusätzliche Gefahrenquellen wie Glätte, Nässe oder schlechte Sicht und natürlich unsere Geschwindigkeit (eventuell beeinträchtigt durch Kinderwagen, Getränkekästen oder hohe Schuhe).

Je nachdem, welche Voraussetzungen die Straßenüberquerung hat, werden Sie den Zeitpunkt anders wählen. Bei einer unbekannten Holzbrücke über Schluchten oder Flüsse kommen Sie vielleicht zu dem Schluss, sie gar nicht zu betreten, weil sie zu unsicher erscheint. Aber können Sie das wirklich sicher beurteilen, wenn Sie nicht wissen, worauf Sie hier achten müssen?

Eine professionelle Gefährdungsbeurteilung beurteilt alle Randbedingungen und Kriterien, die zur Bewertung und Handlungsentscheidung notwendig sind. Sie stellt sicher, dass Sie wissen, worauf zu achten ist, damit aus Unsicherheit Sicherheit wird.

Rechtlicher Hintergrund

Ob und wie eine Gefährdungsbeurteilung gefordert ist, wird unter anderem in diesen Verordnungen und Gesetzen thematisiert

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) §§ 4 – 5
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) §§ 3, 9
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) § 3
  • Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) §7, §16, Anh 1 – 5
  • berufsgenossenschaftliche Vorschriften- und Regelwerken wie BGV, BGR, BGI und BGG

Darin wird klar festgehalten, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, die Gefährdungen, die auf die Mitarbeiter wirken, einzuschätzen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zum Gesundheits- und Umweltschutz zu treffen.

Das gilt nicht für für große Firmen oder Betriebe, in denen mit offensichtlich gefährlichen Gütern, Werkzeugen und Maschinen gearbeitet wird.

Im Nachbarland Dänemark verfügen im Durchschnitt 77 % der Betriebe über eine Gefährdungsbeurteilung, unter den Betrieben ab 50 Mitarbeitern sind es sogar 98 %. Selbst 71 % der Betriebe mit einem bis neun Angestellten haben Arbeits- und Gesundheitsschutz auf diese Weise begutachten lassen (Quelle: Befragung des Gewerkschaftsbunds Dänemark LO, 2004).

In Deutschland herrscht dagegen Nachholbedarf. Vielen Betrieben erscheinen die gesetzlichen Forderungen zu abstrakt, zu theoretisch, zu bürokratisch – oder sie lassen es einfach darauf ankommen. Ein gefährlicher Tanz auf dem Eis, denn ein Unfall ist schnell passiert und umso tragischer, wenn er hätte verhindert werden können.

Lesen Sie hier, welche Vorteile eine Gefährdungssbeurteilung für Unternehmen hat.