Arbeitsschutzgesetz erfordert Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte

Neue Praxisseminaren der HIRAcon Akademie: Beurteilung psychischer Belastungen, betriebliches Gesundheitsmanagement, gesunde Führung und Gefahrstoff-Koordination

Mit neuen Seminarangeboten startet die HIRAcon Akademie nach der Sommer-Akademie in den Herbst. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Seminaren, die den gesetzlichen Vorgaben der neu gefassten § 4 und 5 des Arbeitsschutzgesetzes entsprechen. “Bisher ist vielen Fachkräften noch nicht klar, welche Anforderungen bei der Beurteilung von psychischen Belastungen an sie gestellt werden“, sagt Uwe Rau, einer der Geschäftsführer der HIRAcon Unternehmensgruppe. Die HIRAcon Akademie gehört mit zu den ersten Weiterbildungsanbietern, die Fachkräfte auf diese neuen Aufgaben vorbereiten. Als Berater und externe Fachkräfte können die HIRAcon-Experten natürlich auch direkt von den Unternehmen angefragt werden.

Praxisseminar zur Beurteilung von psychischen Belastungen

Mit diesem Praxisseminar geht die Akademie neue Wege. Erstmals findet ein Seminar statt, das von einer Arbeitspsychologin und einer Arbeitswissenschaftlerin begleitet wird. “Zudem haben sich bisher mit diesem Thema hauptsächlich Arbeitsmediziner beschäftigt, obwohl es bei den Arbeitsschützern in den richtigen Händen ist“, findet Uwe Rau. Psychische Belastungen jenseits der klassischen Gefährdung zu erkennen war bisher kein Thema für Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Durch die Gesetzesänderung im letzten Jahr rücken sie allerdings immer mehr in den Vordergrund. Auch die Berufsgenossenschaften fordern ein, dass psychische Gefährdungsbeurteilungen erstellt werden; die Anforderungen bleiben allerdings weiterhin nebulös.

Bei diesem Praxisseminar, das bereits im Oktober startet, übernehmen die Arbeitspsychologin und die Arbeitswissenschaftlerin die Schulung in Sachen Konzeption, Beratung und das Supervising der Teilnehmer, während die Experten der HIRAcon Akademie die Analyse und Instrumente zur psychischen Gefährdungsbeurteilung vermitteln. Rau: “Psychische Belastungen sind aktuelle Themen in der Arbeitswelt, da immer mehr Betriebe erkennen, welche Folgen beispielsweise Burn-Out und Stress auf die Leistungsfähigkeit haben.“ Für die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner, die sich das Praxisseminar richtet, sind diese Belastungen bisher schwer zu bestimmen, da sie zunächst nicht greifbar scheinen.“ Es braucht den richtigen Blick und Instrumente, um die Sensibilität zu entwickeln und zu erkennen, worunter die Stimmung der der Mitarbeiter leidet”, sagt Rau. Mitunter sei es die ungünstige Konstellation verschiedener Unternehmensbereiche wie etwa das Großraumbüro von Verkauf und Buchhaltung, die sich gegenseitig stören.

Das Fortbildungsseminar soll helfen zu erkennen, was psychische Belastungen sind, welche Auswirkungen sie auf das Unternehmen haben und welche Möglichkeiten bestehen, sie zu erfassen. Wie bewertet man die psychische Arbeitsbelastung nach ISO 10075 und welche erprobte Verfahren und nützliche Instrumente gibt es (u.a. SIGMA, BASA oder Impulstest)? [Link zum Seminarangebot]

Praxisseminar für betriebliches Gesundheitsmanagement

Anhand von Praxisbeispielen lernen die Teilnehmer mehr darüber, welche Maßnahmen zu einem funktionierenden betrieblichen Gesundheitsmanagement gehören und wie sie sie auf ihre betriebliche Situation anwenden können. Die Dozentin, die auch für die DGUV tätig ist, vermittelt in dieser Fortbildung für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner die Grundlagen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM).

Hierbei geht es nicht nur um die Eingliederung nach längerer Krankheit (BEM), sondern auch darum, wie die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt werden kann und wie sich das BGM in Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation sowie in Kommunikation und Führung einbinden lässt. [Link zum Seminarangebot]

Praxisseminar zu gesunden Führung

Führungskräfte und Unternehmer erlernen in diesem Praxisseminar realistische Möglichkeiten der Gesundheitsförderung kennen. Wie hängen Gesundheit, Produktivität und Führung zusammen und was sind die Prinzipien und Grenzen eines gesunden Führungsverhaltens? Die Teilnehmer stellen sich dem Selbstcheck und reflektieren ihren eigenen Führungsstil. Auch der Umgang mit Druck, Konflikten und Produktivitätsproblemen wird zum Thema und die Teilnehmer lernen verschiedene Stufen der Problemlösung kennen. http://www.hiracon-akademie.de/seminar_730.html

Kompaktseminar zum Koordinator für Gefahrstoffe

Seit 2010 gilt eine neue Gefahrstoffverordnung, die besagt, dass ein entsprechender Koordinator bestellt werden muss, sofern bestimmte Gefährdungen vorliegen. “Bis heute ist oftmals nicht klar, welche Anforderungen genau an die Beteiligten gestellt werden“, sagt Uwe Rau.

Während des Kompaktseminars lernen die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die SIGE-Koordinatoren grundlegende Kenntnisse für die Koordinationstätigkeit und erlernen, wie sie Gefahrstoffe erkennen, einstufen und bewerten. Themen sind unter anderem grundlegenden Rechtsvorschriften sowie die Anforderungen an die Beteiligten bezüglich der Gefährdungsbeurteilung und des Gefahrstoffkatasters. Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat als Koordinator für Gefahrstoffe (GefaKO). [Link zum Seminarangebot]

Das Seminarcenter:

Mit der HIRAcon Akademie (ehemals HDS Akademie) ist die HIRAcon Unternehmensgruppe in einigen Bereichen bundesweiter Marktführer mit ihren Weiterbildungsangeboten im Arbeits- und Brandschutz. Zum Seminarangebot gehören unter anderem Aus- und Fortbildungen für Sicherheits-Koordinatoren, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Brandschutzbeauftragte und Sicherheitsbeauftragte sowie Stapler- und Kranführerscheine.

Die modern ausgestatteten Seminarräume werden nicht nur für die hauseigene Schulung und Ausbildung in Sachen Arbeitsschutz genutzt, sondern auch von externen Firmen, Gruppen und Vereinen für Veranstaltungen, Fortbildungen oder auch stundenweise für Bewerbungsgespräche angemietet.

Von 24 bis 85 Quadratmetern Größe sind insgesamt fünf Seminarräume verfügbar, die je nach Bedarf mit entsprechender Bestuhlung und Technik ausgerüstet werden. Wer möchte, kann die Grundmiete um zusätzliche Pakete aufstocken, etwa Mittagsessen durch ortsansässige Caterer, Kaffee- und Kuchenpausen, aufwendige Technik für Videokonferenzen oder die Nutzung in den Abendstunden und an Wochenenden.

Zum Unternehmen:

Die HIRAcon Unternehmensgruppe aus Neuss bietet Dienstleistungen im weiten Feld des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Die Firmen der Gruppe sind in der beruflichen Bildung, aber auch als Unternehmensberatung für Arbeits- und Betriebssicherheit, Brandschutz, Gefahrstoffmanagement und HACCP sowie als Fachverlag für Arbeits- und Brandschutz und Seminarraumvermieter tätig.

Der HDS Arbeitsschutz berät seit mehr als 15 Jahren erfolgreich in allen Belangen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Die HIRAcon GmbH möchte die seit vielen Jahren in der Praxis erprobten und erfolgreichen Handlungshilfen und Handbücher der HDS Arbeitsschutz GmbH einer breiteren Nutzerkreis zugänglich machen, beispielsweise über den HIRAcon Verlag.

Ein weiteres Standbein des Unternehmens bildet die HIRAcon Consulting. Die HIRAcon Consulting ist als Unternehmensberatung in den hochsensiblen Bereichen Brand- und Explosionsschutz, Gefahrstoffmanagement, Maschinensicherheit sowie Lebensmittelhygiene tätig.

Die HIRAcon Akademie ist einer der größten Anbieter von Fachseminaren aus den Bereichen Arbeits- und Brandschutz.

Falsches Laden bringt Punkte

Foto: lichtkunst.73  / pixelio.de

Foto: lichtkunst.73 / pixelio.de

Nicht nur für Autofahrer hat sich mit der Einführung der neuen Punktestaffelung, der  10. Verordnung zur Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) , am 1. Mai 2014 einiges geändert.
Seit 1. Mai gibt es auch “Punkte in Flensburg” bei Verstößen gegen die Gefahrgutverordnung. Und dies betrifft nicht nur die Fahrzeugführer und Fahrzeughalter, sondern auch die Verlader, die gefährliche Güter nicht ordnungsgemäß gesichert haben.
Jeder, der gegen die Gefahrgutverordnung verstößt, erhält Punkte in seinem persönlichen Fahreignungsregister. Der genaue Wortlaut zu den Verstößen gegen die Gefahrgutverordnung (GGVSEB) ist in der Anlage 13 zu Paragraph 40 der FeV zu finden.
Einen Punkt erhalten die verladenden Personen, die gegen die Bestimmungen zum »Europäischen Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße« (ADR) verstoßen. Der Halter eines Fahrzeugs muss mit Punkte rechnen, wenn er dem Fahrzeugführer die erforderliche Ausrüstung zur Ladungssicherung nicht zur Verfügung stellt.

Die häufigsten Verstoße
Laut einer Untersuchung des Bundesamtes für Güterverkehrs ist der häufigste Verstoß die mangelnde Ausrüstung. Nicht viel weniger häufig werden bei Kontrollen mangelhafte oder fehlende Beförderungspapiere und schriftliche Weisungen festgestellt. Fehler und Unterlassungen bei Kennzeichnung und Bezettelung belegen den dritten Platz der unrühmlichen Verstoßrangliste.

Initiative gegen psychische Belastung am Arbeitsplatz

Quelle: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Politik, Arbeitgeber und die Gewerkschaften haben sich auf ein gemeinsames Grundverständnis zum Umgang mit psychischer Belastung in der Arbeitswelt geeinigt. Stellvertretend unterzeichneten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ( BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Erklärung.

Sie beschreibt die gewachsene Bedeutung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt und ebenso konkrete Arbeitsmerkmale, die die psychische Gesundheit der Beschäftigten positiv wie negativ beeinflussen können. Zudem werden  Prinzipien und Methoden einer erfolgreichen Arbeitsgestaltung und Prävention benannt, um psychische Belastung zu vermeiden. Letztlich wird auch das gemeinsame Ziel einer erfolgreiche Wiedereingliederung erkrankter Beschäftigter ins Berufsleben formuliert.

In einer Presseerklärung des BMAS sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: “Dass die Arbeitgeber und Gewerkschaften das wichtige Thema psychischer Arbeitsschutz gemeinsam voranbringen wollen, ist der beste Garant für einen wirksamen Schutz vor den zunehmenden psychischen Gefahren im Arbeitsalltag. Beide wissen exakt, wie es in den Betrieben und Branchen zugeht. Sie sind unmittelbar betroffen, wenn Krankheitstage aufgrund psychischer Belastung zunehmen oder sogar Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer frühzeitig in Rente gehen. Die Sozialpartner sind die besten Verbündeten für einen wirksamen Arbeitsschutz, denn die Konzepte sollen ja nicht nur alltagstauglich sein, sondern auch in den Betrieben gelebt werden.”

In der Erklärung  werden die erheblichen Konsequenzen psychischer Erkrankungen aus unternehmerischer sowie volkswirtschaftlicher Sicht genau benannt: “Psychische Erkrankungen mindern das  Leistungsvermögen der betroffenen Beschäftigten, verursachen inzwischen etwa 13 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage und stellen mittlerweile die häufigste Frühverrentungsursache dar. Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist immens: Auf knapp 29 Milliarden Euro schätzt das Statistische Bundesamt nach letzten Zahlen die Krankheitskosten von psychischen Erkrankungen.”

Als psychisch belastend werden von den Arbeitnehmern insbesondere Arbeitsverdichtung, Termin- und Leistungsdruck, häufige Störungen oder ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge genannt. In der gemeinsamen Erklärung ist man sich daher einig, dass es notwendig sei, diese arbeitsbedingten Belastungen frühzeitig zu erkennen, um so psychische Erkrankungen und lange Fehlzeiten als Folge zu vermeiden. In der Erklärung heißt es: “Daher ist es wichtig, das Wissen über mögliche Gefährdungen, deren Vermeidung und die damit verbundenen gesetzlichen Pflichten in die Unternehmen und die öffentliche Verwaltung zu bringen.”

Zehn Aspekte für eine erfolgreiche Arbeitsgestaltung, Prävention und Wiedereingliederung wurden herausgearbeitet. Zusammengefasst lassen sie sich etwa so verstehen:

  1. Arbeit kann statt zu stabilisieren auch belastend wirken. Die Belastungen können zu einem Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit der Beschäftigten werden.
  2. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit müssen ein unmittelbares Anliegen in den oberen Etagen von Unternehmen und Verwaltungen sein.
  3. Psychische Belastung und ihre möglichen negativen Folgen sind beim Arbeitsschutz ebenso ernst zu nehmen wie physische Belastung.
  4. Die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung ist geeignet, um herauszufinden, wodurch die physischen und psychischen Gesundheit der Beschäftigten gefährdet sein kann, und um daraus Schutzmaßnahmen abzuleiten.
  5. Vorteilhaft ist, die Gefährdungsbeurteilung als einen strukturierten Prozess anzulegen, an dem die Beschäftigten und ihren Vertretungen beteiligt sind.
  6. Wünschenswert ist es, bei der Gefährdungsbeurteilung Betriebsärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit eng einzubinden.
  7. Zur Erfassung belastender Arbeitsmerkmale eignen sich verschiedene Verfahren wie beispielsweise Arbeitsplatzbeobachtungen, Befragungen von Mitarbeitern oder moderierte Verfahren. Zusätzlich können Beschwerden von Beschäftigten, hohe Fehlzeiten, häufige Fluktuation oder Konflikte zwischen den Beschäftigten wichtige Hinweise geben.
  8. Die freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung oder ein umfassendes Gesundheitsmanagements sind ebenfalls geeignet.
  9. Für kleine und mittlere Betriebe ist die regionale Vernetzung mit anderen Unternehmen nützlich, um beispielsweise von Erfahrungen und gemeinsam genutzten Dienstleistungen zu profitieren.
  10.  Das Engagement der Betriebe allein reicht nicht aus, um psychischen Erkrankungen und dadurch verursachten Frühverrentungen entgegenzuwirken. Deshalb werden Sozialpartner wie Familien-, Schulden- und Sozialberatungsstellen mit in die Erklärung einbezogen.

Die Unterzeichner der Erklärung empfehlen letztendlich allen Arbeitgebern, aber auch den Vertretern der Beschäftigten sowie den übrigen betrieblichen Akteuren, die Orientierung an der “Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz” der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Zum einen gebe sie Orientierung, um den gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes zu entsprechen, zum anderen biete sie konkrete Ansatzpunkte für eine systematische betriebliche Prävention.

Motivation gegen den Leichtsinn

Quelle: Fluke  / pixelio.de

Foto: Fluke / pixelio.de

Nicht selten zeigt sich nach einem Arbeitsunfall: Der Verunfallte kannte die Gefahr und hat den Unfall durch Fehlverhalten selbst verursacht. Wider besseres Wissen wurde das Risiko in Kauf genommen, dass etwas passiert.

Als Sicherheitsfachkraft sollte man sich immer klar machen, dass es diese Risikofreude gibt und welche Gründe es dafür gibt – damit man ihnen entgegenwirken kann.

Sicherheitsfalle 1: Routine

Jedes Tun geht mit einer persönlichen Einschätzung einher, bei der unbewusst bewertet wird, ob eine Situation gefährlich werden kann oder nicht. Dabei spielen persönliche Erfahrungen eine große Rolle. Wo bisher nie etwas passiert ist, sinkt Bewusstsein für die Gefahr und das Risiko, das eingegangen wird, wird höher.

Ob sich ein Mitarbeiter so verhält, wie es die Sicherheitsvorgaben vorschreiben oder ob er sicherheitswidrig handelt, hängt davon ab, wie hoch er das Risikopotenzial einschätzt und welches Risiko er bereit ist einzugehen. Letzteres ist ein hochgradig persönliches Maß, das zum einen vom Charakter abhängt, aber auch von der aktuellen Gefühlslage. Wer beispielsweise Wut oder Stress empfindet, schätzt Gefahren eher niedriger ein als realistisch wäre.

Untersuchungen zeigen: Jeder zweite Unfall geschieht, weil der Verunglückte das Gefahrenpotenzial unterschätzt hat. Ein Folge der Routine, die sich einem einfachen Beispiel zeigt. So ist Stolpern, Rutschen und Stürzen eine recht häufige Unfallfolge, da das Risikopotenzial beim Gehen durch die tägliche Routine kaum noch wahrgenommen wird. Die Folge: Unachtsamkeit und Ablenkung (etwa durch das Handy und Nachrichtenschreiben). Bei Tätigkeiten dagegen, die ein sehr hohes Risikopotenzial aufweisen, das im Bewusstsein präsent ist, passieren weniger häufig Unfälle, weil die Sinne geschärft sind und der Mitarbeiter konzentriert.

Das zeigt, wie wichtig es ist, sowohl auf die großen und sichtbaren Gefahren hinzuweisen wie auch auf die kleinen Gefährdungen.

Sicherheitsfalle 2: Trügerische Erfahrungen

Die Entscheidung, ob eine Situation risikoreich ist oder nicht und ob man besser auf Nummer Sicher gehen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab.

  •  Wie wird das Gefährdungspotenzial eingeschätzt?

Erscheint die Situation ungefährlich, wird weniger Wert auf Sicherheit gelegt.

  •  Lohnt sich ein Fehlverhalten?

Wird der Nutzen des Fehlverhaltens – etwa die Zeitersparnis oder weniger Aufwand – höher bewertet als die aus dem Verhalten resultierenden Folgen, fällt die Entscheidung oft gegen die Sicherheit.

  •  Habe ich Folgen zu befürchten?

Wenn sicherheitswidriges Verhalten mehrfach folgenlos bleibt, wird es weiterhin wiederholt und schließlich zur Gewohnheit, über nicht weiter nachgedacht wird.

  •  Reflektiere ich, was ich tue?

Gewohnheiten, Routinen und unbewusste Risiken benötigen Reflexion. Wer über sein Tun nachdenkt, bemerkt unter Umständen, dass er die Risiken höher bewerten muss als er es bisher getan hat.

  •  Muss ich mit Strafen rechnen?

Folgt auf das Fehlverhalten eine Strafe, sei es arbeitsrechtlicher Art, durch eine deutliche Ermahnung vom Vorgesetzten oder im extremsten Fall durch einen Unfall, wird es in den meisten Fällen überdacht und geändert.

Menschen experimentieren also mit ihrem Verhalten und testen so Risiken aus. Es folgt immer eine Abwägung zwischen Gefahrenpotenzial und Nutzen. Für Vorgesetzte und Sicherheitskräfte gibt das einen wichtigen Ansatzpunkt: Es gilt, den Nutzen von sicherem Verhalten deutlich und die Risiken sichtbar zu machen – mit dem Ziel, dass sichere verhalten erstrebenswerter für den Mitarbeiter werden zu lassen.

Das Abwägen des Risikos folgt zudem zwei Gesetzmäßigkeiten, unabhängig von persönlichen Erfahrungen:

Bekannte und vertraute Gefahren werden unterschätzt, unbekannte Gefahren überschätzt. Das wird deutlich am Beispiel Vogel- oder Schweinegrippe auf der einen Seite und den Fällen schwerer grippaler Infekte auf der anderen Seite.

Risiken, die man durch eigenes Handeln beeinflussen kann, werden unterschätzt, Risiken, denen man ausgeliefert ist oder sich ausgeliefert fühlt, werden überschätzt. Das lässt sich verdeutlichen, wenn man vergleicht, wie es sich anfühlt, Beifahrer eines riskanten Fahrers zu sein und wie man sich selbst verhält, wenn man selbst aus der Eile heraus Gas gibt.

Eine Möglichkeit, diesen Phänomenen entgegen zu wirken ist die Aufklärung: Klären Sie über Unfallzahlen und Unfallursachen auf, erläutern Sie, welche Unfälle im Betrieb häufig vorkommen und welche weniger oft, welche Folgen sie haben und welche Ursachen dahinter stecken. Nur das hilft, die Risiken realistisch einzuschätzen und Gefahren weder zu bagatellisieren noch hochzuspielen.

Weitere Tipps:

  • Sorgen Sie bei der persönlichen Schutzausrüstung nicht nur für hohe Funktionalität, sondern auch für möglichst hohen Tragekomfort und möglichst auch gute Optik. Das erhöht die Bereitschaft, die Ausrüstung auch zu nutzen.
  • Geben Sie den Mitarbeitern genügend Zeit, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen auch in die Arbeitsabläufe zu integrieren. Wer stets unter Zeitdruck ist, neigt dazu, fahrlässig zu handeln auf Kosten der Sicherheit.
  • Das Unternehmen und die Vorgesetzten müssen selbst das beste Vorbild sein und Arbeitsschutzstandards eine hohe Priorität beimessen. Dazu gehört zum einen, dass Verstöße weder toleriert noch durch Vorgaben wie etwa einen zu engen Zeitplan gefördert werden. Zum andern gehört dazu aber auch, die Mitarbeiter für vorbildliches Verhalten zu loben und ihnen für ihre Sicherheitsbewusstsein Wertschätzung entgegen zu bringen. Als drittes gehören dazu im gewissen Maße auch Investitionen wie in ergonomische Arbeitsmittel und betriebliche Gesundheitsvorsorge.
  • Werden Vorgaben zu Sicherheitsvorkehrungen trotz allem weiterhin von einigen Unbelehrbaren missachtet, helfen nur Sanktionen. Informieren Sie den Vorgesetzten, denn er ist verpflichtet, das Einhalten der Vorschriften zu kontrollieren und durchzusetzen. Das kann er durch eine mündliche Ermahnung tun, durch eine disziplinarische Maßnahme wie etwa eine Abmahnung und schlimmstenfalls die Versetzung oder Kündigung da der Mitarbeiter gegen § 15 der BGV A1 verstoßen hat.

 

Folgenschwerer Bedienfehler

Am 26. November 2012 brach in der Caritas-Werkstatt für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Titisee-Neustadt ein Feuer aus. 14 Menschen starben, 10 wurden verletzt. Eine furchtbare Katastrophe, laut Sachverständigen-Gutachten ausgelöst durch eine Verpuffung an einem Katalytofen.

Dieser Ofen war nicht zur Beheizung für die Werkstatt vorgesehen, sondern als Wärmequelle für den bald anstehenden Weihnachtsmarkt. Für die Betreuerin, die den Ofen vermutlich bediente, kam jede Hilfe zu spät.

Nun folgen weitere Ermittlungen, um zu klären, ob sie für den Unfall verantwortlich war oder ob Versäumnisse der Werkstattleitung zu diesem furchtbaren Brand führten. Gesetzliche Vorgaben schreiben vor, dass jeder, der mit einem solchen gasbetriebenen Ofen arbeitet, über die Gefahren aufgeklärt werden muss. Zudem muss eine schriftliche Dokumentation über diese Unterweisung vorliegen.

Zweieinhalb Monate nach dem Brandunglück hat die Justiz daher die Ermittlungen gegen den Leiter der Caritas-Werkstatt aufgenommen. Auch sein Vorgänger muss sich den Fragen stellen, denn der Ofen ist seit zehn Jahren in Besitz der Caritas.

Zur Begründung heißt es in der Pressemitteilung der Polizeidirektion Freiburg vom 13. Februar 2013

Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis ist fraglich, ob die erforderliche Gefährdungsbeurteilung des Katalytofens im erforderlichen Umfang durchgeführt wurde. Erkenntnisse über eine mögliche Dokumentation lagen bislang nicht vor. Eine Gefährdungsanalyse und eine entsprechende Dokumentation wären jedoch bereits vor Bereitstellung und Nutzung des Katalytofens erforderlich gewesen.

Sollte der Ofen tatsächlich ohne hinreichende Gefährdungsanalyse und ohne erforderliche Dokumentation als Arbeitsmittel bereitgestellt und genutzt worden seien, sähen sich die Werkstattleiter der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Brandstiftung ausgesetzt.

Einen technischen Defekt am Ofen schließt der Sachverständig laut Polizei aus. Das Linksgewinde des seitlichen Anschluss-Stutzens sei mechanisch nicht beschädigt und auch die einzelnen Gewindegänge seien intakt gewesen. Vielmehr war das Gasflaschen-Ventil zur Propangasflasche vollständig geöffnet, so der Gutachter. Allem Anschein nach durch einen Bedienfehler war der Katalytofen mit der Gasflasche nicht mehr verbunden, so dass das Propangas ungehindert ausströmen konnte.

Dieser Fall zeigt auf beklemmende Weise, wie wichtig es ist, die nötige Vorsicht walten zu lassen und Vorgaben zur Sicherheit zu beachten.

Whitepaper: Wirtschaftlichkeit von Gesundheit und Sicherheit

Unter dem Titel “Sicherheit, die sich lohnt” bietet die HIRAcon Unternehmensgruppe ein informatives Whitepaper zum kostenlosen Download an.

Als elfseitige Informationsschrift befasst es sich mit dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit von Gesundheit und Sicherheit in kleine und mittleren Betrieben.

Ein Weg, um die Innovationskraft und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten, ist die Stärkung von Gesundheit und Sicherheit. Wer diese Aspekte fördert, verbessert die Qualität der Arbeit, denn er tut etwas für die körperliche und seelische Unversehrtheit seiner Mitarbeiter. Er bringt damit aktiv etwas ein, um im regionalen, nationalen oder globalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben.

Als Experten im Arbeitsschutz mit mehr als 15 Jahren Erfahrung wollen wir uns auf den folgenden Seiten vor allem dem Thema widmen, welche wirtschaftliche Komponente der Gesundheits- und Arbeitsschutz für kleine und mittelständische Unternehmen hat. Wir möchten Ihnen zudem aufzeigen, mit welchen Methoden Sie einen Überblick über Kosten und Nutzen der gesundheits- und sicherheitsfördernden Maßnahmen bekommen.

Ihr Arbeitsschutz-Team der HIRAcon-Gruppe

Peter Hink, Uwe Rau und Karl Stopka

(Geschäftsleitung)

Gerne dürfen Sie es herunterladen, ausdrucken oder auch unter Angabe der Quelle weiterversenden.

Whitepaper “Sicherheit, die sich lohnt”, 11 Seiten, kostenloser Download als PDF

 

 

Gesund durch die Schicht

Quelle: Dietmar Meinert  / pixelio.de

Foto: Dietmar Meinert / pixelio.de

Schichtarbeit und unregelmäßige Arbeitszeiten belasten den Organismus. Wie sehr das Leben gegen den biologischen Rhythmus den Körper, aber auch die Seele und das soziale Umfeld beeinträchtigen, wird oft unterschätzt.

Notwendig ist Schichtarbeit in vielen Branchen dennoch und so gilt es, die Belastungen für die Schichtarbeiter möglichst gering zu halten. Angepasste Ernährung, guter Schlaf und medizinische Prophylaxe gehören zu den wichtigsten Tipps für mehr Gesundheit, seelische Balance und Leistungsfähigkeit.

Angepasste Ernährung

Auch wenn es in der Schicht und an der Arbeit schwer fällt, ist es wichtig, auf gesunde Ernährung zu achten und die Mahlzeiten möglichst an die biologische Uhr anzupassen.

Das heißt:

Hauptmahlzeiten immer zur gleichen Uhrzeit zu sich nehmen und feste Essenszeiten einhalten.

Eiweißreiche und fettarme Kost mit komplexen Kohlenhydraten bevorzugen, zum Beispiel kein Weißbrot, kein Zucker, zuckerfreies Müsli mit hohem Haferanteil, fettarm belegtes Vollkornbrot. Zucker und Süßigkeiten dagegen bringen nur kurz einen Energieschub, gefolgt von größerer Müdigkeit.

Essen Sie möglichst keine Fertigprodukte, denn sie enthalten oft Hefe-Extrakt, Geschmacksverstärker, zu viele Kalorien und zu viel Fett – alles Dinge, die den Körper belasten.

Bevorzugen Sie während der Nachtschicht leicht verdauliche Lebensmittel in kleinen Portionen.

Trinken Sie ausreichend, am besten Mineralwasser, Saftschorlen oder ungesüßten Kräutertee. Cola, Energydrinks und zu viel Kaffee dagegen führen zu Unruhe und Schlafstörungen und beeinträchtigen den Körper noch 8 bis 14 Stunden später.

Nutzen Sie Alkohol nicht als Einschlafhilfe.

Guter Schlaf

Tief und ausreichend lang sollte er sein, der gute Schlaf. Ob sechs, acht oder zehn Stunden hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Bekommt man ihn aber nicht, den guten Schlaf, ist es mit der körperlichen und geistigen Fitness schnell vorbei.

Schichtarbeiter leiden besonders häufig unter Schlafstörungen, deswegen ist es bei ihnen besonders wichtig, auf eine gesunde Schlafhygiene zu achten, sprich ein positives Umfeld und schlaffördernde Bedingungen zu schaffen.

In den Stunden vor dem Schlafengehen sollten Alkohol und Zigaretten gemieden werden, sie beeinträchtigen die Schlafqualität.

Wachmacher wie Kaffee, koffeinhaltige Softdrinks, Energydrinks und auch schwarzer Tee können noch 8 bis 14 Stunden nach dem Genuss Auswirkungen auf den Schlaf haben.

Essen Sie keine größeren Mahlzeiten mehr, sondern lieber einen kleinen Snack, am besten mit oder aus Milch, ein paar Cashew-Kerne oder mageres Hähnchenbrustfilet – das darin enthaltene L-Trytophan fördert den Schlaf. Damit der Körper das L-Trytophan aufnehmen kann, braucht er etwas Zucker – deswegen wirkt Milch mit Honig so gut.

Sport fördert die körperliche und seelische Balance, ist allerdings wenig Stunden vor dem Schlafengehen tabu.

Schaffen Sie sich ein Schlafritual. Etwa ein paar Seiten in einem entspannenden Buch lesen, ruhige Musik hören, Entspannungsübungen, eine Traumreise oder auch mit der Katze schmusen – je nachdem, was Sie entspannt, was Ihnen liegt und was gefällt.

Das Schlafzimmer

Schalten Sie die Lichtquellen aus, am besten auch die Stand-by-LEDs der elektrischen Geräte oder nutzen Sie eine Schlafbrille.

Ohrstöpsel schützen vor störenden Geräuschen, die vor allem tagsüber den Schlaf rauben.

Die Raumtemperatur sollte nicht über 18 Grad liegen, die Bettdecke der Jahreszeit angepasst sein.

Öffnen Sie vor dem Schlafengehen 10 Minuten das Fenster zum Lüften.

Vermeiden Sie helles Licht und sehen Sie nicht zum Wecker, wenn Sie verfrüht aufwachen.

Legen Sie sich nur zum Schlafen ins Bett, nicht zum Fernsehen, längerem Lesen oder Surfen im Internet. Ebenso sollten das Sofa oder der Fernsehsessel nicht zum Schlafen genutzt werden.

Medizinische Vorsorge

Länger anhaltende Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Sie sind nichts, was man selbst mit Schlafmitteln behandeln kann.

Arbeitsmediziner empfehlen Schichtarbeitern nach der Nachschicht zwei Schlafphasen anzustreben. Die erste sollte direkt nach der Schicht genutzt werden, eine zweite sollte nachmittags bis in den frühen Abend andauern.

Schicht- und Nachtarbeiter haben zudem ein Recht auf spezifische, arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen. Wer mindestens 48 Tage im Kalender im Schicht- oder Nachtdienst arbeitet, kann sich alle drei Jahre (ab dem 50. Lebensjahr jährlich) auf Kosten des Arbeitsgebers untersuchen lassen.

Wer hoch hinaus will …

Quelle: Petra Bork  / pixelio.de

Foto: Petra Bork / pixelio.de

Auch wenn die Stürze von der Leiter nicht mehr zu den häufigsten Arbeitsunfällen zählen, bleibt die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen bestehen – selbst aus geringer Höhe.

Sicherheitsfachkräfte sollten daher systematisch vorgehen, um dafür zu sorgen, dass beim Umgang mit Leitern die wichtigen Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden.

Arbeitsmittel wählen

Zunächst gilt es, durch eine Gefährungsbeurteilung festzustellen, ob eine Leiter die richtige Wahl ist oder doch besser die sicherere Variante wie Gerüste und Podeste, Hubarbeitsbühnen oder der Arbeitskorb am Gabelstapler zu bevorzugen ist.

Fragenschema zur Wahl der Arbeitsmittels:

  • Welche Aufgabe muss erfüllt werden und welche Rahmenbedingungen sind gegeben (z. B. Höhenunterschied, Dauer, Häufigkeit, Arbeitsumgebung)
  • Welche Arbeitsmittel kommen in Betracht (Steh-, Anlege-, Podestleiter, Gerüst, Hubarbeitsbühne, Arbeitskorb, …)?
  • Welche Gefährdungen könnten bei den möglichen Arbeitsmitteln auftreten?
  • Wie sind diese Risiken zu bewerten?
  • Bei welchem Arbeitsmittel ist das Restrisiko am geringsten?

Diese Gefährdungsbeurteilung sollte gewissenhaft durchgeführt werden, denn im Falle eines Unfalls wird sich die Sicherheitsfachkraft, bzw. der Arbeitgeber rechtfertigen müssen, warum er nicht eine sicherere Methode des Aufstiegs gewählt hat.

Leitern sind nicht immer und überall zulässig. Als Verkehrswege, um von A nach B hinauf- oder herabzusteigen, dürfen sie nur vorübergehend eingesetzt werden, beispielsweise auf Baustellen.

Beim Einsatz als Arbeitsplätze unterliegen Leitern folgenden Bedingungen, die erfüllt sein müssen:

  • der Standplatz darf nicht höher als sieben Meter sein
  • ist der Standplatz höher als zwei Meter, darf die Arbeitsdauer nicht mehr als zwei Stunden betragen
  • Werkzeug und Arbeitsmaterial auf der Leiter dürfen nicht schwerer als zehn Kilogramm sein
  • mitgeführte Gegenstände auf der Leiter dürfen nicht größer sein als ein Quadratmeter
  • zusätzliche Gefahren durch Arbeitsstoffe oder Geräte sind auf der Leiter auszuschließen
  • die Arbeiten sollten nur einen geringen Kraftaufwand erfordern

Sind die Arbeiten für den Einsatz einer Leiter geeignet, muss im nächsten Schritt entschieden werden, welche Art von Leiter (etwa eine Podestleiter, eine Steh- oder Anlegeleiter) die größtmögliche Sicherheit aufweist.

Allerdings: Jede Leiter ist nur so sicher, wie ihre Handhabung. Deswegen ist die Sicherheitsunterweisung für alle, die mit und auf Leitern arbeiten, außerordentlich wichtig.

Für fahrbare, freistehende Schiebeleitern, die handbetrieben aufgerichtet und ausgeschoben werden, gilt wie für alle mechanischen Leitern: Erstellen Sie eine Betriebanweisung als Grundlage der Sicherheitsunterweisung.

Risiko Lichterkette

Nicht nur die Lichterkette selbst, auch trockenes Holz oder Papier kann zu einem Feuer führen, wenn es in Kontakt mit den heißen Birnchen kommt.

Nicht nur die Lichterkette selbst, auch trockenes Holz oder Papier kann zu einem Feuer führen, wenn es in Kontakt mit den heißen Birnchen kommt.

Die Adventszeit ist die Zeit des Lichterzaubers – und der Haus- und Wohnungsbrände.  Lichterketten werden in der dunklen Jahreszeit gerne genutzt, um Räume, Balkone und Vorgärten heimeliger zu gestalten. Doch das stimmungsvolle Licht hat auch Schattenseiten: So brennt es in der Adventszeit unverhältnismäßig oft, nicht selten verursacht durch Lichterketten, Kerzen und andere Weihnachtsbeleuchtung.

Rauchmelder sind Pflicht
Die Gefahr durch Brände wird generell unterschätzt, denn nur in etwa der Hälfte alle privaten Haushalte sind Rauchmelder vorhanden, Feuerlöscher sind noch seltener zu finden. Ein wichtiger Schritt hin zu mehr Sicherheit war die Verpflichtung zur Installation von Rauchmelder, wie sie beispielsweise in den Landesbauordnungen von Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bremen und Sachsen-Anhalt vorgeschrieben ist – zum Teil auch mit der Verpflichtung, in allen Wohnungen nachzurüsten.

Für gewerbliche Räume gilt das jeweilige Brandschutzkonzept, welches entsprechend der jeweils gültigen Bauvorschrift erstellt werden muss. Eine grundsätzliche Pflicht zur Ausrüstung von Arbeitsstätten oder Privaträumen mit Rauchmeldern gibt es in Nordrhein-Westfalen auch im Jahre 2012 immer noch nicht.

Feuer und Strom

Aber: Der Schutz vor Bränden beginnt nicht beim Rauchmelder, sondern schon beim Kauf sicherer Lichterketten. Vor wenigen Jahren sorgte eine europaweite Testkaufaktion für Aufsehen, denn es zeigte sich, dass jede zweite Lichterkette in Deutschland nicht verkauft werden dürfte. Die meisten Lichterketten erwiesen sich als billig produzierte Ware aus Fernost, die nicht den deutschen Sicherheitsbestimmungen entsprach. Die Folgen sind höchstgefährlich: Mal überhitzen die Birnchen viel zu sehr, mal sitzt der Stecker am Kabel so locker, dass er abreißen kann, mal sind die Steckverbindungen locker oder die Drähte erschreckend dünn. In allen Fällen ist höchste Vorsicht geboten, denn neben der Gefahr, Feuer zu entfachen, sind auch Stromschläge nicht ausgeschlossen.
Ein Grund für die Erhitzung können defekte Birnchen sein, wenn kein Vorschaltgerät (Sicherheitstrafo mit 24 Volt) vorhanden ist. Das ist vor allem bei billigen Lichterketten der Fall. Dann führt der Ausfall einer oder mehrerer Birnen zur erhöhten Leistungsabgabe der noch verbleibenden Birnen, zu einer erhöhten Hitzeentwicklung und damit Brandgefahr.

Zeichen für mehr Sicherheit
Qualität und Sicherheit eines Produktes folgen oft höheren Standards, wenn der Preis höher ist. Hilfreich sind dabei auch die Hinweise auf dem Karton.
Geprüfte SicherheitDas GS-Zeichen etwa steht für unabhängig geprüfte Sicherheit. CE-ZeichenDie CE-Kennzeichnung dagegen vergibt der Hersteller selbst. Er zeigt damit an, dass er sich an die Vorgaben der EU für dieses Produkt gehalten hat.
IP44Sollen Lichterketten im Außenbereich genutzt werden, müssen sie wetterbeständig sein. Auch wenn sie nicht direkten Witterungseinflüssen ausgesetzt sind, können Feuchtigkeit, Tauwasser und Frost sonst großen Schaden anrichten. Wetterbeständige Lichterdekoration, die für den Außenbereich geeignet ist, trägt das Kürzel IP44 auf der Verpackung, symbolisiert durch einen Wassertropfen im Dreieck.
Wichtig ist es auch, darauf zu achten, dass auf der Verpackung Name und Adresse des Herstellers sowie Sicherheitshinweise in deutscher Sprache aufgedruckt sind, will man auf Nummer Sicher gehen. Produkte zweifelhafter Herkunft und unklarer Sicherheitsstandards sollte man besser nicht kaufen.

LED ist sicherer

Nicht nur energiesparender, sondern auch weniger gefährlich ist Weihnachtsdekoration mit Leuchtdioden. Die LED-Lichter verlieren nicht so viel Energie durch Wärme, haben  eine längere Lebensdauer und verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Energie als herkömmliche Glühbirnchen.
Weiterer Vorteil: Fällt doch einmal eine Leuchtdiode in der Lichterkette aus, muss sie nicht sofort ersetzt werden, wie dies bei herkömmlichen Glühbirnen der Fall ist, da keine Gefahr der Überlastung besteht. Am sichersten ist LED-Lichterschmuck mit Transformator, der die Steckdosenspannung um ein Vielfaches reduziert.

Gefährliche Konstruktionen

Kabel sollten prinzipiell nicht unter Zugspannung stehen, da so Kabelbrüche entstehen können.

Kabel sollten prinzipiell nicht unter Zugspannung stehen, da so Kabelbrüche entstehen können.

Eine weitere Gefahrenquelle bleibt allerdings auch bei LED-Lichterketten: Der Kabelbruch. Mitunter werden die abenteuerlichsten Konstruktionen erschaffen, die Dekoration, Licht und Strom in eine gefährlich instabile Verbindung bringen.

Kabel sind grundsätzlich nicht dazu geeignet, Gewichte zu tragen oder Zugbelastungen aufzunehmen. Insbesondere die Kabel der Lichterketten sind aufgrund des geringen Querschnittes besonders anfällig für Kabelbrüche. Werden die empfindlichen Drähte im Kabelinnern zerstört, etwa durch Abknicken, Abklemmen oder Zugspannung, führt das zu einer Erhitzung des Kabels und damit ebenfalls zu einer erhöhten Brandgefahr. Schäden an der Isolierung können Stromschläge und Kurzschlüsse verursachen.
Auch billige Lichterketten ohne Sicherheitstrafo in Verbindung mit trockenem Dekorationsgehölz führen alljährlich zu einer erhöhten Anzahl von Brandunfällen.

Tipps für den Kauf und Gebrauch von Lichterketten

  • Achten Sie auf Qualität und Sicherheit.
  • Wenn möglich nur Lichterketten mit einem Sicherheitstrafo verwenden.
  • LED-Lichter bevorzugen.
  • Das Produkt muss mit einem CE gekennzeichnet und es muss eine  Gebrauchsanweisung in deutscher Sprache beigefügt sein.
  • Darüber hinaus sollte ein GS-Zeichen angebracht sein.
  • Für den Außenbereich spezielle Produkte (Kennzeichnung IP 44 oder Wassertropfen im Dreieck beachten) einsetzen.
  • Auf erhöhte Hitzeentwicklung achten.
  • Halten Sie entzündliche Materialien von der Lichterkette fern.

Wenn es brennt:

  • Rufen Sie die Feuerwehr unter 112.
  • Löschen Sie wenn möglich kleine Brände mit einem Feuerlöscher, aber riskieren Sie dafür nicht Ihr Leben.
  • Unterschätzen Sie nicht die Schnelligkeit, mit der sich ein Brand ausbreitet und evakuieren Sie rechtzeitig.
  • Warnen Sie gefährdete Personen.
  • Bringen Sie sich und andere in Sicherheit.
  • Suchen Sie bei der Flucht Bodennähe, denn der giftige Rauch steigt erstmal nach oben.
  • Schließen Sie  Türen und Fenster.
  • Wenn Sie wegen Feuer und Rauch nicht durch den Flur oder zu den Rettungswegen flüchten können, dichten Sie die Tür mit feuchten Tüchern ab.
  • Machen Sie sich am Fenster oder auf dem Balkon bemerkbar.

 

In der Enge steckt die Tücke

Das Gefahrenpotenzial in engen Räumen ist besonders hoch.

Foto: Bernd Kasper/pixelio.de

Das Arbeiten in engen Räumen birgt ein vergleichsweise hohes Unfallrisiko. Erstickungen, elektrische Unfälle und Explosionen sind nur einige der Vorkommnisse, die in engen Räumen vermehrt auftreten.
Zu den engen Räumen gehören unter anderem Behälter, Silos, Kessel, Tanks, Kastenträger von Brücken oder Kranen, Hohlräume, fensterlose Räume wie Keller oder Stollen oder Rohrleitungen. Auch Gruben, Schächte, Gräben und Kanäle zählen zu den engen Räumen.
Arbeiten in engen Räumen werden oft an Subunternehmer vergeben. Bei Reinigungsarbeiten oder Konservierungsarbeiten ist das eine gängige Praxis.

Koordinator behält den Überblick

Aus Sicht des Arbeitsschutzes ist deswegen ein besonderes Augenmerk darauf zu legen, welche Gefährdungen entstehen können, wenn mehrere Arbeiter unterschiedlicher Firmen in engen Räumen arbeiten. Auch von Arbeiten in benachbarten Räumen oder an den begrenzenden Bauteilen können Gefährdungen für die Arbeiter in engen Räumen ausgehen.
Zur Absicherung ist es daher immens wichtig, rechtzeitig die Abstimmung aller Beteiligten zu koordinieren. In den Bestimmungen von § 6 Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention” (BGV A1) ist daher ausdrücklich festgelegt, dass gleichzeitig mit der Vergabe der Arbeiten eine Person als Koordinator zu bestimmen ist. Diesem Koordinator wird die Aufgabe zuteil, die Arbeitsabläufe der beteiligten Unternehmen so aufeinander abzustimmen, dass eine gegenseitige Gefährdung jederzeit ausgeschlossen ist.
Zusätzlich zu den ohnehin bestehenden Verpflichtungen, die beispielsweise die Unterweisung betreffen, ist es für alle Beteiligten wichtig, den Kontakt zueinander suchen, Absprachen zu treffen, Rücksicht auf die Abläufe und Bedürfnisse der anderen nehmen und sich an Vereinbarungen zu halten.
Damit dies gelingt, sollte dem Koordinator auch die Weisungsbefugnis gegenüber betriebsfremden Personen eingeräumt werden.

Rechtzeitig an die Sicherheit denken

Nicht nur der Auftraggeber, in dessen Unternehmen andere Firmen tätig werden, ist zur Abstimmung verpflichtet. Auch, wer als Auftragnehmer oder als Subunternehmer tätig wird, muss das Gespräch und die Abstimmung suchen.
Für Subunternehmer empfiehlt es sich, Art und Umfang der Arbeiten rechtzeitig vor Beginn dem Hauptunternehmer anzuzeigen. Wichtig ist, alles für die für die Einschätzung der Gefährdung notwendigen Angaben mitzuteilen. Wenn nicht schon geschehen, sollte der Subunternehmer vorschlagen, dass ein Koordinator bestimmt wird.
Die Maßnahmen des Arbeitsschutzes, die beim Arbeiten in engen Räumen zu erfüllen sind, sind in verschiedenen Unfallverhütungsvorschriften und Arbeitsschutzbestimmungen sowie in BG-Regeln, BG-Informationen, Merkblättern und anderen Regeln der Technik, insbesondere DIN-Normen und VDE-Bestimmungen, enthalten.