Allein, aber nicht vergessen

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Im vorherigen Beitrag hatten wir auf die Besonderheiten von Alleinarbeitsplätzen hingewiesen. Dabei ist für den Arbeitgeber wichtig, dass er je nach Art der Gefährdung für eine entsprechende Überwachung der allein arbeitenden Person sorgen muss.
Gefährdungen werden im Arbeitsschutz in drei Kategorien unterteilt: geringe, erhöhte und besondere Gefährdungen. Die Kategorisierung haben wir in einem anderen Blogbeitrag erläutert.
Geringe Gefährdung
Ergibt die Gefährdungsbeurteilung nur eine geringe Gefahr für den Arbeiter, einen Unfall zu erleiden, genügt in der Regel ein Telefon vor Ort, an dem die Notrufnummer gut sichtbar angebracht ist.
Erhöhte Gefährdung
Bei Tätigkeiten mit erhöhter Gefährdung kann mehr Sicherheit dadurch geschaffen werden, dass eine andere Person in kurzen Abständen persönlich überprüft, ob alles in Ordnung ist. Eine gute Alternative zu diesen Kontrollgängen ist ein Meldesystem, über das die allein arbeitende Person regelmäßig anpiept oder anruft. Sogenannte “willensabhängige Meldeeinrichtungen” erhöhen die Sicherheit. Dazu gehören Hilferufanlagen, mobile Telefone oder Funkgeräte.
Besondere Gefährdung
Ist eine besondere Gefährdung gegeben, bedarf es einer ständigen Überwachung durch ein willensunabhängiges Meldesystem. Dazu gehören beispielsweise Personen-Notsignalanlage, Gaswarngerät oder die Überwachung per Video, was bei den so überwachten Personen allerdings nicht selten als störend empfunden wird. Es ist daher wichtig, die Überwachung rein unter Arbeitsschutzaspekten einzusetzen und vor allen Dingen die Belegschaft frühzeitig darüber zu informieren. Wir empfehlen zudem, die Video-Empfangszentrale nicht bei Vorgesetzten zu installieren.
Personen-Notsignalanlagen bestehen aus einem tragbaren Signalgeber, der am Körper des Arbeiters getragen wird und Kontakt zu einer Empfangszentrale herstellt. Dieser Kontakt kann willensabhängig oder automatisch, also willensunabhängig ausgelöst werden.
Willensabhängiger Alarm wird durch Drücken eines Knopfes ausgelöst. Im Falle eines Unfalls oder beispielsweise einer Ohnmacht sind sie wenig geeignet. Empfohlen werden daher in der Regel der Ruhealarm bei Bewegungslosigkeit des Trägers oder der Lagealarm, der auslöst, wenn ein bestimmter Neigungswinkel überschritten wird. Andere Signalgeber lösen automatisch Alarm auf, wenn die regelmäßige Meldung des Trägers nicht erfolgt, hektische bewegungen erkennbar sind (Fluchtalarm) oder der Signalgeber verloren wurde.
Ein Nachteil dieser tragbaren Notsignalanlagen ist die Lokalisierung: Wird der Alarm ausgelöst und die Person hat einen weitläufigen Arbeitsplatz, verstreicht eventuell wertvolle Zeit bis sie gefunden wird.
Deshalb empfehlen wir in solchen Fällen zusätzliche Hilfsmittel wie etwa Ortskennungssender oder Personen-Notsignalgeräte, die im Alarmfall ein akustisches Signal aussenden. Auch Quittierstellen und Meldelisten können helfen, die Person im Falle einer Notlage schneller zu finden.

Jährliche Übung und Kontrolle

Ist die erhöhte oder besondere Gefährdung gegeben, sind die beteiligten Personen, also der auf dem Einzelarbeitsplatz Arbeitende und die Mitarbeiter in der Empfangszentrale, “in angemessenen Zeitabständen” über die Gefahren und die Notfallsignale zu informieren. “In angemessenen Zeitabständen” meint mindestens einmal im Jahr, beziehungsweise bei neuen Mitarbeitern vor dem Arbeitseinsatz. Themen der Unterweisung, die mit Hilfe der Betriebsanweisung stattfinden sollte, sind die möglichen Gefahren der Arbeit und des Arbeitsplatzes und die Maßnahmen, die zur Sicherheit und Überwachung getroffen wurden.
Aber: Es nützt nichts, wenn zwar jeder weiß, wo das Notfalltelefon steht und wie man es bedient, aber im Notfall die Rettungskette nicht reibungslos einsetzt. Deshalb ist es unabdingbar, den Fall des Falles komplett zu durchdenken, Notsignal- und Rettungsmaßnahmen auf Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit zu überprüfen und bei regelmäßigen Alarmübungen die Praxis zu testen.