Wichtig für Ihre Mitarbeiter: Eigenschutz!

Quelle: HeungSoon/Pixabay

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Wer einem anderen Menschen nach einem Unfall zur Hilfe eilt, sollte den Eigenschutz nicht vernachlässigen. Wer weiß, wie er seine eigene Gesundheit schützen kann, weiß besser abzuschätzen, wie er helfen kann und wo er sich selbst in Gefahr bringt. Im Fall des Falles ist keine Zeit für Experimente und unüberlegte Aktionen, daher empfehlen wir dieses Thema bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern regelmäßig anzusprechen.

Einige wichtige Regeln zum Eigenschutz:

Wunden

Offene, blutige Wunden sind in vielerlei Hinsicht eine Gefahr – ein Grund, deswegen keine Hilfe zu leisten sind sie aber definitiv nicht.

Erscheint ein Ersthelfer an einem Unfall und leistet Hilfe, gilt es trotz allem auch seinen eigenen Schutz zu gewährleisten.  Denn: Mögliche Krankheitserreger des Betroffenen könnten über das Blut in den Körper des Ersthelfers gelangen. Dies geschieht allerdings hauptsächlich über eigene Verletzungen. Auch bei kleinen, nicht immer sichtbaren Wunden und der Übertragung von Erregern besteht vor allem Ansteckungsgefahr mit HIV oder aber Hepatitis C oder B. Dieses Risiko gilt es, um jeden Preis zu verhindern.
Aus diesem Grund tragen Ersthelfer bei der Versorgung sämtlicher Unfälle und Verletzungen Einmalhandschuhe. Nur so wird ein Infektionsrisiko verhindert, auch für den Betroffenen. Einmalhandschuhe befinden sich daher im Betriebsverbandskasten und sind nach jedem Gebrauch wieder neu hineinzulegen.

Straßenverkehr

Es ist keine Seltenheit, dass Ersthelfer bei der Hilfeleistung am Unfallort selbst verletzt werden. Manche Verletzungen enden sogar tödlich. Daher ist es nur ratsam, dass Ersthelfer bei einem Unfall auf der Straße selbst die nötigen Maßnahmen kennen, um sich selbst zu schützen.

Warnblinkanlage

Zuallererst, egal ob es eine Panne oder ein Unfall ist, wird die Warnblinkanlage am Auto eingeschaltet. Auch wenn es sich dabei um einen eigenen oder beobachteten Unfall handelt. Der Vorteil der Warnblinkanlage ist die Vorwarnung der anderen Verkehrsteilnehmer. Durch das Einschalten der Warnblinkanlage wird der nachfolgende Verkehr auf eine Gefahr aufmerksam gemacht. So lässt sich schnell genug reagieren, helfen und handeln. Nicht zuletzt dient das Einschalten der Warnblinkanlage ebenfalls der Sicherheit des Helfer sowie der Betroffenen.

Warnweste

Seit dem 01.07.2014 ist das Mitführen einer Warnweste in Fahrzeugen deutschlandweit gewerblich als auch privat Pflicht. Auf Verlangen der zuständigen Personen sind Fahrzeughalter dazu verpflichtet, die Warnweste vorzuzeigen. Ebenso ist die Warnweste zu zeigen, wenn sie auf ihren vorschriftsmäßigen Zustand geprüft werden soll.
Das Tragen der Warnweste dient dazu, den Träger bei seiner Tätigkeit im Straßenverkehr erkennbar zu machen. Das heißt: natürlich bei Unfällen in der Nacht, aber auch am Tag. Durch die auffällige und unverwechselbare Optik der Warnweste übersieht man Sie nicht im Straßenverkehr.
Warnwesten sind in fluoreszierendem Orange-Rot mit aufgebrachten Reflexstreifen. Damit sind sie geeignet, Anforderungen zu erfüllen, die für garantierte Sichtbarkeit sorgen. Das gelingt durch die
•    ausreichend große Fläche des sichtbaren Materials
•    die Anordnung der Reflektoren in der Schutzkleidung
•    ausreichende Reflexion (Rückstrahlwerte)

Tipp: Woran erkennt man eine geeignete Warnweste?

Warnweste ist nicht gleich Warnweste. Sie erkennen eine geeignete Weste anhand einer normierten Aufschrift. Diese lautet: DIN EN 471:2003+A1:2007 Ausgabe März 2008 oder EN ISO 20471:2013.
Zur eigenen Sicherheit dient es, bei Ankunft am Unfallort die Warnweste bereits noch im Fahrzeug anzulegen. Daher empfiehlt es sich, die Warnweste griffbereit im Inneren des Fahrzeuges zu deponieren. Zum Beispiel im Handschuhfach oder in der Ablage der Fahrertür. In manchen Fahrzeugen gibt es zudem ein Staufach unter dem Sitz.

Absichern der Unfallstelle

Schutz bei einem Unfall für sich und den Betroffenen erlangt man durch das Absichern der Unfallstelle. Neben dem Einschalten der Warnblinkanlagen stellen Sie als Nächstes das Warndreieck auf.

Wie und wo stellt man das Warndreieick auf? Hierbei ist es wichtig auf die Art der Straße zu achten.

•    Innerhalb geschlossener Ortschaften: Warndreieck in 50 m Entfernung zur Unfallstelle aufstellen. Ein Abstand von 70 cm zum rechten Straßenrand wird empfohlen. Dieser Abstand entspricht etwa einer Armlänge.
•    Auf Bundes- und Landesstraßen: Warndreieck in 100 m Entfernung zur Unfallstelle aufstellen. Der Abstand zum Straßenrand beträgt ebenfalls 70 cm.
•    Auf Autobahnen: Warndreieck in 200 m Entfernung zur Unfallstelle aufstellen. Der Abstand zum Straßenrand beträgt auch hier 70 cm.
Bei Absichern der Unfallstellen denken Sie immer an Ihre eigene Sicherheit. Das bedeutet, die Strecke für das Aufstellen des Warndreiecks legen Sie am besten immer hinter der Leitplanke zurück.

Stromunfälle

Bei Unfällen mit Strom besteht erhebliche Gefahr für den Betroffenen und den Ersthelfer. Daher gilt: Bei Stromunfällen schalten Sie zuallererst den Strom ab. Ist dies nicht möglich, holen Sie sich Hilfe.

Niederspannung:

  • Entfernen der Sicherung
  • Abschalten des Gerätes
  • Ziehen des Netzsteckers
  • Alternativ: Isolieren des Verunfallten durch einen geeigneten isolierenden Standort

Erst dann kann mit der Ersten Hilfe begonnen werden.

Hochspannung:

Bei einem Unfall mit Hochspannungsstrom muss von den Helfern ein Sicherheitsabstand von bis zu 20 m eingehalten werden, da sich an der Unfallstelle ein „Spannungstrichter“ ausbilden kann. Dieser Spannungstrichter kann für den Helfer lebensgefährlich sein (Schrittspannung).

Das heißt: Es ist grundsätzlich als erstes ein Notruf abzusetzen, bei dem der Anlagenbetreiber mit zu benachrichtigen ist. Der Strom muss abgestellt und der Bereich muss vom Fachpersonal frei gegeben werden, erst dann können Maßnahmen der Ersten Hilfe eingeleitet werden.

Erste Hilfe rettet Leben

Quelle: Hans/Pixabay

Quelle: Hans/Pixabay

Mal ehrlich: Wüssten Sie aus dem Effeff wie eine korrekte Herz-Lungenwiederbelebung funktioniert oder wie Sie eine stark blutende Wunde erstversorgen müssen?

Alarmierend: Nur jeder Fünfte ist in der Lage, eine lebensrettende Wiederbelebung durchzuführen. Informieren Sie sich, welche Pflichten für eine funktionierende Erste Hilfe am Arbeitsplatz relevant sind. Mit diesen Hinweisen ist Erste Hilfe in Ihrem Betrieb keine Hürde mehr.

Erste Hilfe am Arbeitsplatz

Sie als Arbeitgeber müssen gewährleisten, dass in Ihrem Betrieb Erste Hilfe möglich ist. Sie sorgen für materielle, personelle und organisatorische Vorarbeit. Haken Sie die folgenden Punkte am Beispiel eines Verbandskastens ab

  1. Sie müssen Verbandskästen und das nötige Material zu Verfügung stellen
  2. Kennzeichnen Sie die Verbandkästen
  3. Informieren Sie Ihre Mitarbeiter darüber, was im Notfall zu tun ist (z. B. mit einem Aushang des Erste-Hilfe-Plans)

Dieser Pflicht müssen Sie bereits ab nur einem Mitarbeiter nachkommen. Anders sieht es bei gleich oder mehr als zwei Mitarbeitern aus. Dann müssen Sie dafür sorgen, dass Ersthelfer ausgebildet werden. 5 – 10% der Mitarbeiter sind bei größeren Betrieben eine empfohlene Zahl an Ersthelfern. Bei diesen ermächtigten Stellen werden Ersthelfer fachgerecht ausgebildet:

  • Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)
  • Deutsche Rotes Kreuz (DRK)
  • Malteser Hilfsdienst (MHD)
  • Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DRLG)

Rettungskette beachten

Als Arbeitgeber tragen Sie Sorge dafür, dass eine geregelte Rettungskette möglich ist und eingehalten wird. Diese Schritte verhelfen dazu, Mitarbeiter, die einen Unfall am Arbeitsplatz haben, geregelt zu versorgen.

  1. Bewahren Sie Ruhe.
  2. Sichern Sie die Unfallstelle.
  3. Bringen Sie Personen aus dem Gefahrenbereich. Achten Sie jedoch auch auf Ihre eigene Sicherheit.
  4. Versorgen Sie die Wunde bei kleinen Verletzungen.
  5. Rufen Sie einen Rettungswagen bei größeren Verletzungen oder nicht ansprechbaren Personen.
  6. Leisten Sie Erste Hilfe mit Sofortmaßnahmen, bis der Rettungswagen eintrifft.
  7. Fahren Sie mit ins Krankenhaus.

Die fünf W-Fragen

Auch wenn manche Mitarbeiter nicht zum Ersthelfer ausgebildet werden: Sorgen Sie dafür, dass alle Mitarbeiter die fünf W-Fragen im Kopf haben, bevor sie einen Notruf absetzen. Bei einem Notfall rufen Sie sofort den Rettungswagen und beantworten auf Nachfrage diese fünf Fragen:

  • Wo genau hat sich der Unfall zugetragen?
  • Was ist passiert?
  • Gibt es Verletzte? Wenn ja, Wie viele?
  • Um Welche Art von Verletzung handelt es sich?
  • Zum Schluss: Warten Sie auf weitere Rückfragen

Der Job geht weiter – auch nach dem Unfall

Wenn Ihre Mitarbeiter bei kleinen Verletzungen Erste Hilfe leisten, wird dies in einem Verbandbuch dokumentiert. Bestehen Sie darauf, dass der Vorgesetzte und Sie als Arbeitgeber darüber informiert werden.

Bei einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen muss eine Unfallanzeige in dreifacher Ausführung angefertigt werden. Ein Exemplar der Unfallanzeige ist an den zuständigen Unfallversicherungsträger (z. B. Berufsgenossenschaft, Unfallkasse) zu senden. Unterliegt das Unternehmen der allgemeinen Arbeitsschutzaufsicht (bei landwirtschaftlichen Betrieben, nur soweit sie Arbeitnehmer beschäftigen), ist ein Exemplar an die für den Arbeitsschutz zuständige Landesbehörde (z.B. Gewerbeaufsichtsamt, Staatl. Amt für Arbeitsschutz) zu senden. Ein Exemplar dient der Dokumentation im Unternehmen. Darüber hinaus müssen Sie als Arbeitgeber den Arbeitnehmer explizit darüber informieren, dass er ebenfalls ein Recht auf eine Kopie hat.

Großer Betrieb = mehr Hilfe?

Sie sind Arbeitgeber in einem großen Betrieb? Bedeutet das nun für Sie auch (noch) mehr Hilfe? Die Antwort lautet: Ja! Wenn Ihre Mitarbeiter in einem großen Betrieb oder sogar besonderen Gefährdungen ausgesetzt sind, müssen mehr Vorbereitungen getroffen werden. Das bedeutet für Sie

  • Mehr Verbandskästen
  • Medizinische Gerätschaften wie z. B. Defibrillatoren
  • Technische Hilfsmittel wie z. B. Krankentragen
  • Betriebssanitäter
  • Erste-Hilfe-Räume

gehören zum Inventar Ihres Betriebes.

Zum Schluss: Checkliste

Damit in Ihrem Betrieb Erste Hilfe gewährleistet wird, beachten Sie zum Schluss die folgende Checkliste.

  • Stellen Sie Verbandskästen zu Verfügung und machen Sie diese, sowie den Erste-Hilfe-Plan, deutlich kenntlich.
  • Sorgen Sie für ausgebildete Ersthelfer in Ihrem Betrieb ab zwei Mitarbeitern.
  • Befolgen Sie die Rettungskette und informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die Reihenfolge.
  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die fünf W-Fragen.
  • Fertigen Sie nach einem Unfall eine Unfallanzeige an und informieren Sie den Arbeitnehmer über sein Recht auf ein Exemplar.
  • Bei großen Betrieben oder gefährlichen Arbeiten sorgen Sie für mehr Ausrüstung, Sanitäter und Erste-Hilfe-Räume.
  • Sorgen Sie für ausgebildete Brandschutzhelfer in Ihrem Betrieb.

Erste Hilfe ist ein wichtiges Thema. Es betriff uns alle: Sie als Arbeitgeber, Ihre Mitarbeiter und Privatpersonen. Daher gilt auch im Betrieb: Erste Hilfe rettet Leben.

Checkliste: Was gehört in einen Erste-Hilfe-Raum?

Erste Hilfe

Foto: Wiki Commons/Rieschl

Jedes Unternehmen muss zumindest einen Verbandskasten mit Erste-Hilfe-Material bereit stellen. In größeren Betrieben sind zudem auch Erste-Hilfe-Räume erforderlich.  Unabhängig von dem Gewerbszweig, der Art der Tätigkeit und dem betrieblichen Unfallgeschehen müssen

  • Betriebe, in denen mehr als 1000 Versicherte beschäftigt sind
  • aber auch schon Betriebe mit mehr als 100 Versicherten, wenn Art, Schwere und Zahl der Unfälle es erfordern
  • sowie Baustellen mit mehr als 50 Versicherten

laut § 25 Abs. 4 BGV/GUV-V A1 einen Erste-Hilfe-Raum oder etwas vergleichbares haben.

Erste-Hilfe-Räume müssen entsprechend der Gefährdungsbeurteilung geeignet ausgestattet sein. Beispiele zur Ausstattung sind im Anhang 2 der Information “Erste Hilfe im Betrieb” (BGI/GUV-I 509) sowie in der Technischen Regel für Arbeitsstätten A 4.3 “Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe” enthalten.

Für die Grundausstattung haben wir eine Checkliste zum Download als PDF für Sie bereit gestellt.

Sie sollte den spezifischen Anforderungen weiter angepasst werden. So genügend in manchen Betrieben die Medikamente, die auch in einer normalen Hausapotheke zu finden sein sollten, also Kohletabletten, Kopfschmerzmittel, Sprühpflaster, Brandsalbe, etc., während in anderen zusätzliche Mittel notwendig sind.

Im Fall der Fälle: Was tun bei einem Arbeitsunfall?

Quelle: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Ein unbedachter Moment und schon ist es passiert. Sicherheit und Schutzmaßnahmen, die noch so gut durchdacht sind, schützen nicht immer davor, dass Arbeitsunfälle passieren. Deshalb sollten die Mitarbeiter in jedem Betrieb wissen, was zu tun ist, wenn es zu einem Arbeitsunfall kommt.
Das Wichtigste ist, dass es besser ist, etwas Falsches zu tun als gar nichts zu tun.
Beobachtet man einen Unfall, muss man sofort reagieren. Was zu tun ist, lässt sich auf diese Faustformel bringen: helfen – melden – sichern.

1. Helfen
Wenn Sie zur Unfallstelle kommen, verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick.

  • Wie viele Menschen sind verletzt?
  • Gibt es Schwerverletzte?
  • Stehen die Verletzten unter Schock?
  • Sind sie ansprechbar?
  • Leisten Sie erste Hilfe oder rufen Sie weitere Helfer hinzu..
  • Bringen Sie die Verletzten in Sicherheit, aber begeben Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr (Eigenschutz).
  • Sprechen Sie ruhig und beruhigend mit dem Verletzten und sagen Sie ihm, das gleich Hilfe kommt.

2. Melden
Melden Sie sofort den Unfall an die Alarmzentrale oder rufen Sie einen Notarzt und wenn nötig auch die Feuerwehr.
Beschreiben Sie kurz, ruhig und genau, was passiert ist. Halten Sie sich dabei an die fünf „W”:

  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert?
  • Wie ist es passiert?
  • Wann ist es passiert?
  • Warten auf Rückfragen!

Nennen Sie Ihren Namen, genaue Position und eine Rückrufnummer. Nennen Sie die Anzahl der verletzten Personen und möglicherweise auch Art und Ausmaß der Verletzungen. Melden Sie auch, wenn weitere Gefahren drohen, wie zum Beispiel Feuer, Strom oder Chemikalien. Warten sie auf Rückfragen und legen Sie erst auf, wenn Ihr Gesprächspartner das Telefonat beendet.

3. Sichern und warnen
Sperren Sie falls nötig den Unfallort ab, um weiteres Unheil zu verhindern.
Falls notwendig, sichern Sie Bauteile, stellen Sie die Maschinen im Umfeld ab und schalten sie den Strom umliegender Maschinen aus, um weitere Gefahren zu vermeiden.
Falls es brennt, versuchen Sie den Brand im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu bekämpfen. Ist das nicht möglich oder zu gefährlich, evakuieren Sie sich und die Verletzten aus dem Gefahrenbereich.

In Einzelfällen kann es notwendig sein, zuerst Hilfe zu holen, weil man zum Beispiel den Verletzten alleine nicht helfen kann.
Weitere Helfer sind zum Beispiel:

  • Kolleginnen und Kollegen
  • innerbetriebliche Ersthelfer
  • Betriebssanitäter
  • Betriebsarzt
  • innerbetrieblicher Rettungsdienst
  • öffentlicher Rettungsdienst/Notarzt: 112 oder 19 222
  • die Sicherheitsfachkraft
  • die Werksfeuerwehr
  • die externe Feuerwehr unter 112

Es ist wichtig, den Ernstfall zu üben, damit klar ist, wann was zu tun ist. Inhalt dieser Übung, ist zum Beispiel das Wissen, wann ein Notruf zwingend notwendig ist, wann die Rettung informiert werden muss oder ob die erste Hilfe ausreicht. Auch wo die Notruftelefone sind und wie ein Notruf richtig abgesetzt werden muss, sollte man üben. Zudem müssen die Mitarbeiter wissen, wer die Ersthelfer sind und wo Erste-Hilfe-Kästen hängen. Auch in Sachen Erste Hilfe gibt es immer wieder neue Erkenntnisse oder Ratschläge.
Die Inhalte dieser Schulung sollten nicht nur praktisch geübt werden, sondern auch auf Papierform ausgehändigt werden, da sich vieles besser einprägt, wenn man es schriftlich vor sich sieht.

Der sichere Schreibtisch

Natürlich: Ein Arbeitsplatz am Schreibtisch in einem durchschnittlichen Büro ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein sichererer Arbeitsplatz als beispielsweise die Arbeit am Hochofen oder auf einer Bohrinsel.

Foto: Cornelia Menichelli / pixelio.de

Oftmals denkt man in erster Linie an Ergonomie, wenn es um die Gesundheit im Büro geht. Schließlich gehören Rückenprobleme, Verspannungen im Nacken und Überlastungen der Handgelenke zu den häufigsten Beschwerden.

Wenn es allerdings um die Sicherheit geht, ist der Arbeitgeber ebenso gefragt. Er muss beispielsweise sicherstellen oder durch geschulte Mitarbeiter, bzw. externe Fachleute sicherstellen lassen, dass Verkehrs- und Rettungswege freigehalten werden.

  • Schubladen und Türen von Schreibtischen und Schränken sollten nicht unnötig offen stehen.
  • Die Mitarbeiter dürfen keinesfalls Stühle oder Tische als Leiter-Ersatz benutzen. Stattdessen sollten genügend Leitern oder kleinere Aufstiegshilfen vorhanden sein, auf die sie bei Bedarf zurückgreifen können.
  • Auf Büroschränken dürfen keine schweren Gegenstände abgelegt werden, da sie beim Herunterheben zu Stürzen oder Verletzungen führen können. Zudem gefährden sie unter Umständen die Statik der Schränke.
  • Verkehrswege dürfen ebenso wie Fluchtwege niemals als Abstell- oder Lagerflächen genutzt werden. Auch nicht für kurze Zeit.
  • Fluchttüren müssen frei gehalten werden und dürfen nicht abgeschlossen werden.
  • Die Mitarbeiter müssen darauf hingewiesen werden, dass sie im Notfall die Treppenhäuser benutzen müssen und keinesfalls den Fahrstuhl.
  • Computer-, Telefon- oder andere Kabel sollten möglichst gar keine Verkehrswege kreuzen. Falls doch, müssen sie so abgedeckt werden, dass sie nicht zur Stolperfalle werden können.
  • Auch Fußmatten und Bodenbeläge müssen regelmäßig kontrolliert werden, damit hoch stehende Ecken und Unebenheiten schnell entdeckt und in Ordnung gebracht werden können.

In jedem Büro gibt es eine Vielzahl elektrischer Geräte. Einige sind für die Schreibtischarbeit direkt nötig, andere dienen der Produktion oder werden in den Pausen eingesetzt. Wer für die Sicherheit im Betrieb verantwortlich ist, sollte sicherstellen, dass die Beschäftigten sich an bestimmte Verhaltensregeln halten.

  • Elektrische Betriebsmittel und Anlagen jeglicher Art dürfen nicht mehr benutzt werden, wenn sie Mängel aufweisen.
  • Elektrische Geräte dürfen nicht selbst repariert werden.
  • Werden Schäden und Mängel entdeckt, müssen sie gemeldet werden, beispielsweise an eine Sicherheitsfachkraft, an eine Elektrofachkraft oder zumindest dem Vorgesetzten.
  • Die Mitarbeiter müssen sich beim Nutzen der Geräte an deren Betriebsanleitung halten. Es ist daher darauf zu achten, dass alle Gebrauchsanweisungen vorhanden sind. Es empfiehlt sich, die Originale zentral zu sammeln und Kopien für die Mitarbeiter greifbar auszulegen.
  • Private Elektrogeräte wie beispielsweise Kaffeemaschinen, Wasserkocher oder auch Radios müssen beim Vorgesetzten angemeldet werden, bevor sie erstmals am Arbeitsplatz eingeschaltet werden.
  • Mehrfachsteckdosen und Verlängerungskabel dürfen nicht über ihre zulässige Nennbelastung genutzt werden (Kennzeichnung beachten).
  • Alle elektrischen Geräte, die nach Feierabend nicht mehr gebraucht werden, müssen abgeschaltet werden. Das dient zum einen dem Stromsparen, ist aber wegen der möglichen Überhitzung und somit Brandgefahr notwendig.
  • Stellt ein Mitarbeiter eine Störung an einem Gerät fest, muss er es sofort abschalten und den Stecker ziehen.
  • Es ist wichtig, nur Geräte einzusetzen, die durch eine unabhängige Prüfstelle getestet wurden und ein GS-, VDE- oder gleichwertiges Prüfsiegel tragen.
  • Ortsfeste elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen alle vier Jahre durch eine Elektrofachkraft geprüft werden. Ortsveränderliche, wie beispielsweise Stecker oder Steckdosen, müssen alle zwei Jahre durch die Elektrofachkraft oder eine elektrotechnisch unterwiesene Person überprüft werden.

Unachtsamkeit kann schwere Folgen haben. Deswegen sollten die Mitarbeiter auch die Vorgaben zum Thema “Gefährliche Abfälle” beachten. Darüber hinaus können natürlich für Chemikalien, Putzmittel oder andere Stoffe weiterführende Bestimmungen gelten. Immer und in jedem Büro gilt aber:

  • Scharfkantige und spitze Gegenstände wie Steck- oder Sicherheitsnadeln, Klingen oder Scherben dürfen nicht im Mülleimer entsorgt werden. Kleine Gegenstände sollte man besser mit einem Hinweis versehen für das Reinigungspersonal an einer gut sichtbaren Stelle ablegen. Größere Gegenstände wie etwa die Scherben einer Wasserflasche sind in einem Eimer besser aufgehoben.
  • Raucher dürfen ihre Aschenbecher nicht direkt in den Mülleimer werfen. Noch zwei Stunden nach Ausdrücken der Kippe besteht die Gefahr eines Schwelbrands. Besser: In eine luftdichte Dose umfüllen und entsorgen, wenn keine Gefahr mehr besteht (das mindert auch den Geruch).

Die Teeküche gehört zu den meist besuchtesten Räumen eines Büros. Wo Lebensmittel ins Spiel kommen, gelten für alle Mitarbeiter besondere Vorgaben, die über die regulären Anforderungen an Hygiene und Rücksichtsnahme hinausgehen:

  • Reinigungsmittel und andere Produkte, die Gefahrenstoffe enthalten können, müssen getrennt von Lebensmitteln aufbewahrt werden. Bei starken Mitteln empfiehlt es sich, sie in einem separaten, gut durchlüfteten Raum zu lagern.
  • Egal, wo sie gelagert werden: Gefahrstoffhaltige Produkte dürfen nie in Behälter abgefüllt werden, die für Lebensmittel gedacht sind oder waren, etwa in Wasserflaschen oder Keksdosen.

Falls gegen alle Vorsicht doch etwas passiert, zeigt sich, ob der Arbeitgeber gute Vorarbeit geleistet hat und seinen Pflichten nachgekommen ist:

  • Stehen Verbandskästen und Feuerlöscher in ausreichender Zahl bereit? Sind ihre Standorte deutlich gekennzeichnet?
  • Wird der Inhalt der Erst-Hilfe-Verbandkästen monatlich überprüft auf Haltbarkeit der einzelnen Komponenten und Vollständigkeit? Werden abgelaufene Teile durch neue ersetzt?
  • Werden Feuerlöscher mindestens alle zwei Jahre durch eine befähigte Person eines Brandschutzfachbetriebs geprüft?
  • Werden mindestens einmal im Jahr Erste-Hilfe- und Brandschutzübungen mit den Mitarbeiter durchgeführt?

Werden alle diese Punkte beachtet, ist der Arbeitsplatz am Schreibtisch noch ein Stück weit sicherer als die Bohrinsel.