Stunde um Stunde: Wenn Mehrarbeit zur Routine wird

Quelle: Concord90 / pixabay.com

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Wer hat nicht schon einmal einsam und allein im Büro gesessen, während alle Kollegen bereits das Gebäude verlassen hatten und nur noch eine Putzkraft durch die Gänge huschte? Überstunden liegen leider voll im Trend. Was kann man tun, damit sie nicht überhand nehmen?

Leben, um zu arbeiten?

Der Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbunds stellt die messbare Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten dar. Für das Jahr 2014 sagt er Folgendes aus: 25 Prozent aller Beschäftigten haben mehr als fünf Überstunden pro Woche gemacht und sechs von zehn Arbeitnehmern arbeiteten in der Regel länger als ursprünglich vereinbart. Wer dauerhaft Überstunden schiebt, ist weniger belastbar, leidet unter Stress und gesundheitlichen Auswirkungen. Betriebsräte und Gewerkschaften behalten die Arbeitsleistungen der Beschäftigten in ihrem Unternehmen im Blick und greifen ein, wenn das Ausmaß der Mehrarbeit viel zu groß wird. Doch um Überstunden nicht mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen, bedarf es mehr.

Das Mehr an Leistung im Fokus

Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen nicht nur darauf achten, dass sich die Arbeitsumgebungen in einem einwandfreien Zustand befinden und ordnungsgemäß genutzt werden. Nein, dem Personal sollte mindestens genausoviel Aufmerksamkeit zukommen: Gibt es krankheitsbedingte Ausfälle, die durch jobbedingten Stress verursacht wurden? Was sagt die Geschäftsleitung dazu und welche Maßnahmen ergreift sie, um ihren Mitarbeitern das (Arbeits-)Leben leichter zu machen? Könnte man vielleicht sogar eine Arbeitsgruppe zum Thema „Überstunden“ bilden? Was wünschen sich die einzelnen Mitarbeiter? Wie können Arbeitsabläufe anders organisiert werden? Dies sind nur wenige der vielen Fragen, die man stellen kann, um den Ursachen von Überstunden auf den Grund zu gehen und nach effektiven Gegenmaßnahmen zu suchen.

Fazit

Wer für bessere Arbeitsbedingungen einsteht, sagt Burn-out-Symptomen und anderen Belastungserscheinungen den Kampf an. In einer Arbeitswelt, deren Wettbewerbssituationen dafür sorgen, dass Chefs ihren Mitarbeitern eine ständige „Höher, schneller, weiter!“-Einstellung abfordern, ist Zufriedenheit doch das höchste Gut. Nur zufriedene Mitarbeiter sind wirklich motivierte Arbeitnehmer, nur sie fühlen sich mit ihrem Betrieb verbunden. Es ist also ganz im Sinne des Unternehmens, wenn eine eventuelle Überstundenroutine so schnell wie möglich abgeschafft wird. Nur wer gut versorgt ist, kann auch gut für andere sorgen – das  gilt im Privat- genauso wie im Arbeitsleben!

PTBS: Wenn das Erlebte das Denken beherrscht

Quelle: Petra Bork / pixelio.de

Quelle: Petra Bork / pixelio.de

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Polizei, der Feuerwehr oder der Bundeswehr haben ebenso wie Pflegepersonal, Mitarbeiter des Rettungsdienstes, Seelsorger oder Lokführer einen verantwortungsvollen Job. Zu ihrer täglichen Arbeit gehört es, dass das Schicksal anderer Menschen in ihrer Hand liegt. Zu einer extremen Belastung wird dies, wenn traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz auf sie wirken. Solche traumatischen Ereignisse sind zum einen durch Menschen willentlich verursachter Ereignisse wie körperliche Misshandlungen, Überfälle, Suizide oder Kriegserlebnisse, zum anderen aber auch unwesentlich verursachte Ereignisse wie Naturkatastrophen, Verkehrs-und Arbeitsunfälle oder auch tragische Todesfälle in der Familie. Dafür ist es nicht notwendig, dass man selbst diese Erlebnisse macht, es kann auch genügen die Folgen bei anderen zu erleben, wie es beispielsweise auf der Intensivstation der Fall ist.

Die Folgen, die solche psychischen Belastungen in einem Menschen auslösen, sind oft nicht abzusehen. Ein traumatisches Erlebnis kann bei Betroffenen zu einer extremen Belastungsreaktionen führen, die sich zu einer posttraumatischen Belastungsstörung, kurz PTBS,  entwickeln kann. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn die Folgen eines dramatischen Erlebnisses über einen längeren Zeitraum spürbar sind und sich die Betroffenen keine Hilfe suchen.

Die Zeit und die Wunden

Völlig normal ist es, dass ein traumatisches Erlebnis eine akute Belastungsreaktionen auslöst. Dies ist bei den meisten Menschen der Fall. Sie sind kurz nach einem tragischen Ereignis orientierungslos, können sich schlecht auf etwas anderes konzentrieren, sind unruhig, ängstlich und brauchen Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Bereits nach wenigen Tagen, manchmal sogar Stunden, klingen diese Symptome wieder ab und der Betroffene kann wieder durchatmen, auch wenn ihn das Erlebte sicherlich hin und wieder beschäftigen wird.

Anders zeigt sich die Situation bei einer posttraumatischen Belastungsstörung. Von einer PTB S spricht man dann, wenn diese negativen Folgen des traumatischen Erlebnisses länger anhalten. Der Betroffene kämpft mit Ängsten und Depressionen, durchlebt das traumatische Ereignis wiederholt und kann sich kaum davon lösen. Laut internationaler Klassifikation der Krankheit ist die PTBS (abgekürzt mit ICD-10: F43.1) eine verzögerte oder lang anhaltende „Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaß, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.“

Flashbacks quälen die Betroffenen. Geräusche oder Gerüche rufen Assoziationen mit dem erlebten hervor, so dass die Betroffenen aus Selbstschutz nicht selten eine Schutzmauer der Gleichgültigkeit aufbauen und Situationen vermeiden, die Erinnerung an das Trauma wachrufen könnten. Dazu kann auch gehören, den bisherigen Arbeitsplatz zu meiden, wenn dort ein schwerer Unfall die posttraumatische Belastungsstörung hervorrief.

Trotz ihrer Vermeidungsstrategie leiden die Betroffenen oftmals unter Angst, Schlafstörungen, Depressionen oder hegen sogar Suizidgedanken.

Das soziale und familiäre Umfeld leidet mit und dies nicht selten über Wochen oder Monate. Werden die Betroffenen nicht behandelt, kann die Störung einen chronischen Verlauf nehmen.

Die Arbeitsschutzstrategie heißt: Prävention

Traumatische  Ereignisse sind leider gerade in den oben genannten Berufsgruppen mit ihrem erhöhten Risiko nicht gänzlich zu verhindern. Allerdings können die Beschäftigten auf diese Risiken vorbereitet werden und durch geeignete Maßnahmen der Verhaltensprävention in die Lage versetzt werden, solche Ereignisse bewusst zu verarbeiten und die Gefahr einer extremen Belastungsreaktion zu erkennen. Dazu gehören beispielsweise Supervision, Coaching, Unterweisung und auch psychotherapeutische Interventionen und eine an den Bedürfnissen und Belastungsgrenzen des menschenorientierte Organisation der Arbeitsabläufe.

Arbeitgeber für die genannten Berufsgruppen zeigen durch präventive Angebote, dass sie die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter ernst nehmen, die Gefahren durch die Belastung sehen und es Lösungen gibt traumatische Erlebnisse am Arbeitsplatz zu verarbeiten.

 

 

Im wahrsten Sinne des Wortes: Abschalten

Quelle: Andreas Willfahrt / pixelio.de

Foto: Andreas Willfahrt / pixelio.de

Zwischen den Jahren ist traditionell eine ruhige Zeit, die von den meisten Arbeitnehmern genutzt wird, um abzuschalten und sich eine Auszeit zu nehmen. Selten genug gelingt das, wie so mancher feststellen musste und somit ist schon der erste Vorsatz dahin, bevor das neue Jahr so richtig angefangen hat. Was in früheren Zeiten eine Eigenschaft der Führungskräfte war, ist durch Smartphones und dauerhaft verfügbares Internet in nahezu allen Bereiche vorgedrungen: ständige Erreichbarkeit. Eine Aushilfe fällt aus? Schnell eine Ersatzaushilfe auf dem Handy anrufen. Bei der Spätschicht fehlen Akten? Kurz mal dem Kollegen eine E-Mail schreiben, damit man sie am morgen früh gleich auf dem Tisch hat. Das Handy blinkt, das Postfach piept, SMS der Spätschicht machen die Nachtruhe zunichte. Und wird nicht umgehend geantwortet, wird es noch mal probiert.

Jeder zweite Beschäftigte ist auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten ständig erreichbar und muss sich daher mit beruflichen Themen während seiner Freizeit beschäftigen. Ob er will oder nicht, denn selbst, wenn man die Nachrichten unbeantwortet lässt, kreisen die Gedanken doch um die Mitteilung.

Diverse Studien haben sich bereits mit dem Thema befasst. Die Ergebnisse aus 23 internationalen und nationalen Studien hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) nun in ihrem Bericht “Die Auswirkungen arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit auf Life-Domain-Balance und Gesundheit” zusammengefasst.

Der arbeitswissenschaftliche Tenor ist klar: Ständige Erreichbarkeit sorgt dafür, dass immer mehr Arbeit ins Privatleben vordringt. Dass darunter das Familienleben und die Erholung leiden können, dürfte jedem klar sein. Wen es stresst, nicht abschalten zu können und nicht mal in der Freizeit Ruhe vor der Arbeit zu haben, der leidet darunter, jederzeit mit Anrufen oder Nachrichten rechnen zu müssen. Das Handy einfach ausschalten oder das Mailpostfach einfach nicht mehr zu öffnen, ist eine pragmatische Lösung, schränkt aber zugleich die persönliche Freiheit ein. Zudem wird nicht selten erwartet, dass man mal eben kurz antwortet oder zurückruft.

Andererseits weckt jede Anfrage das Gefühl, gebraucht zu werden, unabdingbar zu sein und wichtig für einen reibungslosen Ablauf in der Firma zu sein. Dieses positive Gefühl – sofern es nicht vom Stress und dem Genervtsein überlagert wird – stärkt die Zufriedenheit und auch die Leistungsfähigkeit. Wo allerdings die Grenze zum Stress verläuft, das ist höchst individuell und kann sich aufgrund allzu häufiger Anfragen schnell weiter ins Negative verschieben.

Und doch bietet die Technik einen weiteren Benefit: Gerade durch Cloud-Technologie, ausgeklügelte Telefonsysteme und mobiles Internet gelingt es in vielen Fällen einfacher, Familie und Beruf zu vereinbaren. Von unterwegs oder zuhause zu arbeiten und mit dem guten Gewissen, in Notfällen per Handy erreichbar zu sein – das macht so manche freie Stunde mit der Familie erst möglich.

Mögliche Lösung: Abschalten

Wie gesagt, es gibt Vor- und Nachteile. Ein Unternehmen sollte sich daher überlegen, wie sich die Vorteile nutzen lassen, ohne dass sie zu Nachteilen werden.

Eine recht pragmatische Möglichkeit: Die Server des Unternehmens werden um 22 Uhr und an den Wochenenden abgeschaltet. Berufliche Mails werden somit erst zum regulären Arbeitsbeginn zugestellt. Gleiches gilt für die Telefonanlage, die ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr auf die Handys der Mitarbeiter, sondern auf einen Anrufbeantworter oder eine Sammelnummer umleitet.

In manchen Unternehmen lässt sich das Problem vielleicht auch ganz anders lösen: durch eine Vereinbarung, dass zum wertschätzenden Umgang miteinander auch gehört, die Freizeit und den Feierabend der Mitarbeiter zu achten.

Möglich sind beide Lösungen nur, wenn Kompetenzen und Übergaben klar geregelt sind, Zuständigkeiten geklärt und die Organisation entsprechend reibungslos. Nur dann kann sicher gestellt werden, dass der Fall des Falles selten eintritt und wenn, auch die richtige Person nach Feierabend angepiept wird.

Einige Mitarbeiter werden jetzt vielleicht sagen: “Aber der Chef erwartet doch von mir, dass ich immer an mein Diensthandy gehe und auch zuhause regelmäßig die Mails am Arbeitslaptop abrufe.” Ist das so? Klarheit kann eine genaue Vereinbarung zwischen der Unternehmensführung und den Mitarbeitern schaffen, in der festgelegt wird, ob und wann die Beschäftigten tatsächlich erreichbar sein sollten. Gibt es tatsächlich eine Notwendigkeit, sollte vorzugsweise eine Regelung über Rufbereitschaften getroffen werden.

Das PDF-Dokument “Die Auswirkungen arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit auf Life-Domain-Balance und Gesundheit” (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2013, 48 Seiten) gibt es unter www.baua.de/publikationen

 

Handlungshilfe für Betriebs- und Personalräte

Jeder dritte Mensch in Deutschland erleidet im Laufe seines Lebens eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Dabei zählen depressive Erkrankungen und Angststörungen zu den häufigsten Krankheitsbildern. Ob es eine tatsächliche Zunahme der Krankheitsfälle gibt oder ob sie lediglich besser und schneller erkannt werden sei dahingestellt.
Tatsache ist: Für Unternehmen wird die psychische Gesundheit zunehmend ein wichtigeres Thema. In der Verantwortung des Arbeitgebers liegt es, dafür zu sorgen, dass Arbeit nicht krank macht – weder körperlich noch psychisch. Dies sollte auch aus eigenem Interesse sein Anliegen sein, denn Arbeitnehmer, die sich wohlfühlen und gerne arbeiten, sind ein auch wirtschaftlich relevanter Gewinn.
Um Betriebs- und Personalräte dabei zu unterstützen, mit psychischen Erkrankungen umzugehen. Die Broschüre wurde von den Beteiligten des Projektes “Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – psyGA” entwickelt und der von Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin herausgegeben. Sie liefert Daten und Fakten, zeigt rechtliche Optionen auf, benennt aber auch die Grenze der Zuständigkeit. Wer weiterführende Informationen, Handlungshilfen und Checklisten benötigt, bekommt in der Broschüre nützliche Hinweise.
Download der Broschüre auf der Seite der INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) als PDF (919kB)

Initiative gegen psychische Belastung am Arbeitsplatz

Quelle: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Politik, Arbeitgeber und die Gewerkschaften haben sich auf ein gemeinsames Grundverständnis zum Umgang mit psychischer Belastung in der Arbeitswelt geeinigt. Stellvertretend unterzeichneten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ( BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Erklärung.

Sie beschreibt die gewachsene Bedeutung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt und ebenso konkrete Arbeitsmerkmale, die die psychische Gesundheit der Beschäftigten positiv wie negativ beeinflussen können. Zudem werden  Prinzipien und Methoden einer erfolgreichen Arbeitsgestaltung und Prävention benannt, um psychische Belastung zu vermeiden. Letztlich wird auch das gemeinsame Ziel einer erfolgreiche Wiedereingliederung erkrankter Beschäftigter ins Berufsleben formuliert.

In einer Presseerklärung des BMAS sagte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: “Dass die Arbeitgeber und Gewerkschaften das wichtige Thema psychischer Arbeitsschutz gemeinsam voranbringen wollen, ist der beste Garant für einen wirksamen Schutz vor den zunehmenden psychischen Gefahren im Arbeitsalltag. Beide wissen exakt, wie es in den Betrieben und Branchen zugeht. Sie sind unmittelbar betroffen, wenn Krankheitstage aufgrund psychischer Belastung zunehmen oder sogar Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer frühzeitig in Rente gehen. Die Sozialpartner sind die besten Verbündeten für einen wirksamen Arbeitsschutz, denn die Konzepte sollen ja nicht nur alltagstauglich sein, sondern auch in den Betrieben gelebt werden.”

In der Erklärung  werden die erheblichen Konsequenzen psychischer Erkrankungen aus unternehmerischer sowie volkswirtschaftlicher Sicht genau benannt: “Psychische Erkrankungen mindern das  Leistungsvermögen der betroffenen Beschäftigten, verursachen inzwischen etwa 13 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage und stellen mittlerweile die häufigste Frühverrentungsursache dar. Auch der volkswirtschaftliche Schaden ist immens: Auf knapp 29 Milliarden Euro schätzt das Statistische Bundesamt nach letzten Zahlen die Krankheitskosten von psychischen Erkrankungen.”

Als psychisch belastend werden von den Arbeitnehmern insbesondere Arbeitsverdichtung, Termin- und Leistungsdruck, häufige Störungen oder ständig wiederkehrende Arbeitsvorgänge genannt. In der gemeinsamen Erklärung ist man sich daher einig, dass es notwendig sei, diese arbeitsbedingten Belastungen frühzeitig zu erkennen, um so psychische Erkrankungen und lange Fehlzeiten als Folge zu vermeiden. In der Erklärung heißt es: “Daher ist es wichtig, das Wissen über mögliche Gefährdungen, deren Vermeidung und die damit verbundenen gesetzlichen Pflichten in die Unternehmen und die öffentliche Verwaltung zu bringen.”

Zehn Aspekte für eine erfolgreiche Arbeitsgestaltung, Prävention und Wiedereingliederung wurden herausgearbeitet. Zusammengefasst lassen sie sich etwa so verstehen:

  1. Arbeit kann statt zu stabilisieren auch belastend wirken. Die Belastungen können zu einem Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit der Beschäftigten werden.
  2. Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit müssen ein unmittelbares Anliegen in den oberen Etagen von Unternehmen und Verwaltungen sein.
  3. Psychische Belastung und ihre möglichen negativen Folgen sind beim Arbeitsschutz ebenso ernst zu nehmen wie physische Belastung.
  4. Die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung ist geeignet, um herauszufinden, wodurch die physischen und psychischen Gesundheit der Beschäftigten gefährdet sein kann, und um daraus Schutzmaßnahmen abzuleiten.
  5. Vorteilhaft ist, die Gefährdungsbeurteilung als einen strukturierten Prozess anzulegen, an dem die Beschäftigten und ihren Vertretungen beteiligt sind.
  6. Wünschenswert ist es, bei der Gefährdungsbeurteilung Betriebsärzte sowie Fachkräfte für Arbeitssicherheit eng einzubinden.
  7. Zur Erfassung belastender Arbeitsmerkmale eignen sich verschiedene Verfahren wie beispielsweise Arbeitsplatzbeobachtungen, Befragungen von Mitarbeitern oder moderierte Verfahren. Zusätzlich können Beschwerden von Beschäftigten, hohe Fehlzeiten, häufige Fluktuation oder Konflikte zwischen den Beschäftigten wichtige Hinweise geben.
  8. Die freiwilligen betrieblichen Gesundheitsförderung oder ein umfassendes Gesundheitsmanagements sind ebenfalls geeignet.
  9. Für kleine und mittlere Betriebe ist die regionale Vernetzung mit anderen Unternehmen nützlich, um beispielsweise von Erfahrungen und gemeinsam genutzten Dienstleistungen zu profitieren.
  10.  Das Engagement der Betriebe allein reicht nicht aus, um psychischen Erkrankungen und dadurch verursachten Frühverrentungen entgegenzuwirken. Deshalb werden Sozialpartner wie Familien-, Schulden- und Sozialberatungsstellen mit in die Erklärung einbezogen.

Die Unterzeichner der Erklärung empfehlen letztendlich allen Arbeitgebern, aber auch den Vertretern der Beschäftigten sowie den übrigen betrieblichen Akteuren, die Orientierung an der “Leitlinie Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz” der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie. Zum einen gebe sie Orientierung, um den gesetzlichen Vorgaben des Arbeitsschutzes zu entsprechen, zum anderen biete sie konkrete Ansatzpunkte für eine systematische betriebliche Prävention.

Gesund durch die Schicht

Quelle: Dietmar Meinert  / pixelio.de

Foto: Dietmar Meinert / pixelio.de

Schichtarbeit und unregelmäßige Arbeitszeiten belasten den Organismus. Wie sehr das Leben gegen den biologischen Rhythmus den Körper, aber auch die Seele und das soziale Umfeld beeinträchtigen, wird oft unterschätzt.

Notwendig ist Schichtarbeit in vielen Branchen dennoch und so gilt es, die Belastungen für die Schichtarbeiter möglichst gering zu halten. Angepasste Ernährung, guter Schlaf und medizinische Prophylaxe gehören zu den wichtigsten Tipps für mehr Gesundheit, seelische Balance und Leistungsfähigkeit.

Angepasste Ernährung

Auch wenn es in der Schicht und an der Arbeit schwer fällt, ist es wichtig, auf gesunde Ernährung zu achten und die Mahlzeiten möglichst an die biologische Uhr anzupassen.

Das heißt:

Hauptmahlzeiten immer zur gleichen Uhrzeit zu sich nehmen und feste Essenszeiten einhalten.

Eiweißreiche und fettarme Kost mit komplexen Kohlenhydraten bevorzugen, zum Beispiel kein Weißbrot, kein Zucker, zuckerfreies Müsli mit hohem Haferanteil, fettarm belegtes Vollkornbrot. Zucker und Süßigkeiten dagegen bringen nur kurz einen Energieschub, gefolgt von größerer Müdigkeit.

Essen Sie möglichst keine Fertigprodukte, denn sie enthalten oft Hefe-Extrakt, Geschmacksverstärker, zu viele Kalorien und zu viel Fett – alles Dinge, die den Körper belasten.

Bevorzugen Sie während der Nachtschicht leicht verdauliche Lebensmittel in kleinen Portionen.

Trinken Sie ausreichend, am besten Mineralwasser, Saftschorlen oder ungesüßten Kräutertee. Cola, Energydrinks und zu viel Kaffee dagegen führen zu Unruhe und Schlafstörungen und beeinträchtigen den Körper noch 8 bis 14 Stunden später.

Nutzen Sie Alkohol nicht als Einschlafhilfe.

Guter Schlaf

Tief und ausreichend lang sollte er sein, der gute Schlaf. Ob sechs, acht oder zehn Stunden hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Bekommt man ihn aber nicht, den guten Schlaf, ist es mit der körperlichen und geistigen Fitness schnell vorbei.

Schichtarbeiter leiden besonders häufig unter Schlafstörungen, deswegen ist es bei ihnen besonders wichtig, auf eine gesunde Schlafhygiene zu achten, sprich ein positives Umfeld und schlaffördernde Bedingungen zu schaffen.

In den Stunden vor dem Schlafengehen sollten Alkohol und Zigaretten gemieden werden, sie beeinträchtigen die Schlafqualität.

Wachmacher wie Kaffee, koffeinhaltige Softdrinks, Energydrinks und auch schwarzer Tee können noch 8 bis 14 Stunden nach dem Genuss Auswirkungen auf den Schlaf haben.

Essen Sie keine größeren Mahlzeiten mehr, sondern lieber einen kleinen Snack, am besten mit oder aus Milch, ein paar Cashew-Kerne oder mageres Hähnchenbrustfilet – das darin enthaltene L-Trytophan fördert den Schlaf. Damit der Körper das L-Trytophan aufnehmen kann, braucht er etwas Zucker – deswegen wirkt Milch mit Honig so gut.

Sport fördert die körperliche und seelische Balance, ist allerdings wenig Stunden vor dem Schlafengehen tabu.

Schaffen Sie sich ein Schlafritual. Etwa ein paar Seiten in einem entspannenden Buch lesen, ruhige Musik hören, Entspannungsübungen, eine Traumreise oder auch mit der Katze schmusen – je nachdem, was Sie entspannt, was Ihnen liegt und was gefällt.

Das Schlafzimmer

Schalten Sie die Lichtquellen aus, am besten auch die Stand-by-LEDs der elektrischen Geräte oder nutzen Sie eine Schlafbrille.

Ohrstöpsel schützen vor störenden Geräuschen, die vor allem tagsüber den Schlaf rauben.

Die Raumtemperatur sollte nicht über 18 Grad liegen, die Bettdecke der Jahreszeit angepasst sein.

Öffnen Sie vor dem Schlafengehen 10 Minuten das Fenster zum Lüften.

Vermeiden Sie helles Licht und sehen Sie nicht zum Wecker, wenn Sie verfrüht aufwachen.

Legen Sie sich nur zum Schlafen ins Bett, nicht zum Fernsehen, längerem Lesen oder Surfen im Internet. Ebenso sollten das Sofa oder der Fernsehsessel nicht zum Schlafen genutzt werden.

Medizinische Vorsorge

Länger anhaltende Einschlaf- und Durchschlafschwierigkeiten sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen. Sie sind nichts, was man selbst mit Schlafmitteln behandeln kann.

Arbeitsmediziner empfehlen Schichtarbeitern nach der Nachschicht zwei Schlafphasen anzustreben. Die erste sollte direkt nach der Schicht genutzt werden, eine zweite sollte nachmittags bis in den frühen Abend andauern.

Schicht- und Nachtarbeiter haben zudem ein Recht auf spezifische, arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen. Wer mindestens 48 Tage im Kalender im Schicht- oder Nachtdienst arbeitet, kann sich alle drei Jahre (ab dem 50. Lebensjahr jährlich) auf Kosten des Arbeitsgebers untersuchen lassen.

Arbeiten unter Dauerspannung

Während die Gefahren durch Unfälle bei der Arbeit kontinuierlich zurückgehen, wie beispielsweise der Unfallverhütungsbericht der Bundesregierung darlegt, steigen die psychischen Belastungsfaktoren. Sie gewinnen in der Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung, da die Beschäftigten häufiger mit wechselnden Beschäftigungsverhältnissen, erhöhten Qualifikationsanforderungen und ständig sich ändernden Tätigkeitsprofilen konfrontiert werden.

Untersuchungen der Europäischen Kommission haben gezeigt, dass Stress am Arbeitsplatz das zweithäufigste gesundheitliche Problem der Mitarbeiter ist. Betroffen sind 28 Prozent der Beschäftigten. Schätzungen der Europäischen Kommission zufolge entsteht in der Europäischen Union durch stressbedingte Erkrankungen ein Schaden von mehr als 20 Milliarden Euro, verursacht durch Fehlzeiten und Krankheitskosten.

Unsere Checkliste kann helfen, die Anzeichen für psychische Fehlbelastungen der Mitarbeiter zu erkennen.

PDF zum kostenlosen Download: Checkliste psychische Belastungen am Arbeitsplatz