„Kein Bier vor Vier“ – und während der Arbeitszeit?

Quelle: Distel2610/Pixabay

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Ein paar Bier pro Woche, das ist doch nicht verboten. Wie sieht es aber aus, wenn diese paar Bier vor oder sogar während der Arbeitszeit genossen werden?

Alkoholmissbrauch am Arbeitsplatz ist ein Risiko, einerseits für den Arbeitnehmer, aber auch den Arbeitgeber. Es gefährdet die Produktivität sowie Sicherheit und kann zu physischen und psychischen Gesundheitsgefahren führen.

Ein Mitarbeiter, der alkoholabhängig ist, zählt international als krank. Als Arbeitgeber haben Sie für Handlungskonzepte zu sorgen, um solche Fälle zu vermeiden und mit ihnen umzugehen.

„Nicht mal ein Schluck“? – Das Rechtliche

Tatsächlich ist Alkoholkonsum am Arbeitsplatz nicht per se verboten. Hier greift § 15 Abs. 2 DGUV-V 1: „Versicherte dürfen sich durch den Konsum von Alkohol, Drogen oder anderen berauschenden Mitteln nicht in einen Zustand versetzen, durch den sie sich selbst oder andere gefährden können“ (Unfallverhütungsvorschrift, 2013, S. 11). Dennoch gibt es Unternehmen, die ein absolutes Alkoholverbot am Arbeitsplatz aushängen.

Alkohol und seine Wirkung

Wirkung akut

Alkohol ist ein Gift, das je nach Menge, schädlich für den menschlichen Körper ist. Zunächst beeinflusst er das Gehirn, woraufhin sich Wahrnehmungen und Gefühle ändern. Über Schleimhäute wird Alkohol schnell in den Blutkreislauf gebracht. Gemessen wird der Blutalkoholgehalt in Promille, kurz ‰.

  • Ab 0,2 : Persönliches Verhalten ändern sich. Konzentrations-, Reaktions- und Sehvermögen lassen bereits nach.
  • Ab 1 ‰: Rauschstadium setzt ein (heitere oder depressive Stimmung, Torkeln, Lallen).
  • Ab 2 ‰: Bewusstseinstrübungen und Bewusstlosigkeit setzen ein.
  • Ab 3‰: Es droht eine tödliche Alkoholvergiftung.

Einige Umstände, z. B. ein leerer Magen, Erschöpfung oder die Einnahme von Medikamenten intensivieren die Wirkung von Alkohol. Der Abbau von Alkohol erfolgt aus dem Blut über die Leber. Durchschnittlich liegt der Abbau bei 0,15 ‰ pro Stunde.

Wirkung langfristig

Auf die Distanz gesehen, wirkt sich Alkohol vor allem auf Organe und Funktionen schädlich aus. Darunter sind vor allem folgende Organe und Funktionen betroffen:

  • Hirnfunktion: Bei einem Vollrausch sterben unzählige Hirnzellen ab. Es leiden Gedächtnis und Konzentrationsvermögen, Kritik und Urteilsfähigkeit und später sogar die Intelligenz.
  • Leber: Es kann zu Leberschwellung führen, später zu Leberverfettung und schließlich zu Leberzerfall.
  • Gesundheitsstörungen: Magen- und Darmentzündungen, Krebs, Störungen des Sexuallebens und Herz-Kreislauf-Probleme.
  • Persönlichkeitsveränderungen: Reizbarkeit, Unzuverlässigkeit und Aggressivität führen zu Vereinsamung und Depression.

Abhängigkeit

Die Abhängigkeit von Alkohol entwickelt sich in der Regel über einen längeren Zeitraum. Als erstes fühlen sich Betroffene unruhig, gereizt und müde, wenn sie keinen Alkohol trinken. Später folgen Schweißausbrüche, Zittern, Krampfanfälle, Angstgefühle, Depressionen und Aggressivität.

Alkoholabhängigkeit hat soziale Folgen: Das Vernachlässigen zwischenmenschlicher Beziehungen, wie z. B. die zwischen Mitarbeitern, ist eine häufige Folge.

Probleme erkennen

Im erwerbsfähigen Alter ist der Anteil von Alkoholmissbrauch in der Gesamtbevölkerung größer als 5%. Erkennen Sie oder Kollegen eines dieser Anzeichen, ist ein Alkoholproblem möglich:

  • Häufige kurze Fehlzeiten
  • Stark schwankende Leistungsfähigkeit
  • Starke Stimmungs- und Motivationsschwankungen
  • Plötzlicher, unerwarteter Leistungsmangel
  • Heimliche Alkoholvorräte
  • Alkoholfahne

Umgang mit Betroffenen

Die Alkoholkrankheit erübrigt sich in den meisten Fällen nicht von selbst. Meiden Sie als Arbeitgeber das Thema nicht. Sprechen Sie es an, reden Sie darüber und sorgen Sie für Präventionsmaßnahmen. Vergessen Sie dennoch nicht: Sie und auch die Kollegen sind keine Therapeuten. Ein Betroffener kann in der Regel nur durch professionelle Hilfe dem Alkohol entsagen.

Gespräche suchen

Sorgen Sie als Arbeitgeber für verschiedene Arten von helfenden Gesprächen. Hier finden Sie eine Checkliste für solche Gespräche.

Fürsorgegespräche

Kollegen können untereinander das Gespräch suchen.

  • Stellen Sie Ihre Wahrnehmung dar, fragen Sie nach Problemen.
  • Machen Sie deutlich, dass das Gespräch als Unterstützung gemeint ist.
  • Weisen Sie auf Hilfsangebote hin.

Klärungsgespräche

Diese Gespräche führt der Arbeitgeber, wenn deutliche Pflichtverletzungen erkennbar sind. Zu einem solchen Gespräch lässt sich auch der Betriebsrat hinzuziehen.

  • Zeigen Sie die Pflichtverletzung auf.
  • Mahnen Sie das Verhalten an.
  • Signalisieren Sie Ihre Fürsorge und weisen Sie auf Hilfsangebote hin.

Stufengespräche

In einem Stufengespräch nehmen meistens betrieblich Verantwortliche und der Betriebs-/Personalrat teil. Themen sind häufig

  • Offensichtliche Pflichtverletzungen bedingt durch die Sucht
  • Bestimmtes Verhalten fordern und Sanktionen festlegen

Solche Gespräche dokumentieren Sie in der Personalakte.

Präventionsmaßnahmen

  • Regeln Sie den Umgang mit Alkohol am Arbeitsplatz. Erstellen Sie eine „Betriebsanweisung Alkohol“, die regelt, unter welchen Umständen im Betrieb Alkohol gestattet ist.
  • Verzichten Sie, so weit wie möglich, auf den Ausschank von Alkohol an betrieblichen Veranstaltungen.
  • Thematisieren Sie Alkohol und seine Risiken.