Plattmachen, was Sie platt macht

Quelle: lichtkunst.73  / pixelio.de

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Wissen Sie, dass die häufigste Ursache für Arbeitsunfälle ist? Es sind die SRS-Unfälle. Diese kryptische Abkürzung steht für Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle. Rund 200.000 dieser Unfälle  und damit mehr als andere werden jedes Jahr den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung gemeldet- unklar ist, wie viele nicht gemeldet werden.
Aus einem kleinen Riss im Asphalt wird ein großer Riss, wird eine Unebenheiten, wird ein Schlagloch. Man gewöhnt sich dran, weicht aus und nimmt die Gefahr nicht mehr ernst. Doch eines Tages ist jemand im Gedanken oder kennt die Stolpersteine nicht und stürzt. Selbst wenn er nur zu Fuß unterwegs war und nicht etwa mit dem Fahrrad, können die Verletzungsfolgen schon sehr unangenehm bis hin zu folgenschwer sein: verstauchter Knöchel, Zerrungen, Prellungen und Schürfwunden oder sogar Bänderriss, Gehirnerschütterung oder Brüche.
Die Sommerzeit bietet eine gute Gelegenheit, bei einer Betriebsbegehung genau auf diese Risikofaktoren zu achten, um den berüchtigten SRS-Unfällen vorzubeugen.

Achten Sie auf folgende Gefahrenquellen im Innenbereich:

  • beschädigte oder verschmutzte Bodenbeläge
  • Löcher, Dellen oder andere Unebenheiten
  • fehlende oder wackelnde Handläufe
  • rutschige oder wellige Schmutzfangmatten
  • Hindernisse auf den Lauf- und Fahrwegen (z. B. Kabel, Kartons oder Leisten)

Achten Sie auf folgende Gefahrenquellen im Außenbereich:

  • Vertiefungen und Aufwerfungen
  • Risse und Dehnungsfugen
  • Spurrillen und beschädigte Randbereiche
  • gelockerte oder verschobene Bodenplatten
  • Kanten durch hervorstehende oder wackelnde Kanaldeckel, Roste und Laufgitter
  • reparaturbedürftige Treppenstufen und Podeste

Denken Sie auch daran, nicht nur die vorgegebenen Wege zu prüfen, sondern auch die Trampelpfade und Abkürzungen, die ihre Mitarbeiter als eigene Wegeführung angelegt haben. Sofern diese eigenen Wege keine Gefahrenquelle darstellen, sollten Sie auch dafür sorgen, dass sie nicht zu einer werden.
Aber nicht nur Beschädigungen, die ausgeglichen, eingeebnet oder nivelliert werden müssen können Ihre Mitarbeiter zum Stolpern, Rutschen oder Stürzen bringen.
Auch zu glatte oder schmutzige Fußböden, sei es mit Fett- oder Wasserflecken, Körnchen oder Eisglätte können auf vielfältige Art die Rutschpartie erzeugen. Selbst ein Wechsel von Bodenbelägen mit stark unterschiedlicher Rutschhemmung, etwa zwischen einer Gummimatte und blankem Marmor, kann Mitarbeiter, Kunden und Besucher ins Stolpern bringen.
Achten Sie besonders auf Höhenunterschiede, Unebenheiten, kaum wahrnehmbare Neigung und andere Stolperstellen wie Beschädigungen und Unebenheiten, Vertiefungen und Überstände, beschädigte Stufen und Abdeckungen sowie reparaturbedürftige Bodenbeläge. Behalten Sie die Bäume auf dem Gelände im Auge, wenn sie langsam wachsende Stolperstellen verursachen, indem sie mit ihren Wurzeln die Gehwegplatten heben.
Schaffen Sie Verantwortlichkeiten: Wer ist dafür zuständig, auf herumliegende Dinge zu achten wie Abfall oder Kabel, Kisten und Werkzeuge?
Ein häufiger Grund für SRS-Unfälle ist auch die ungeeignete Beleuchtung. Nicht immer ist damit zu wenig Beleuchtung gemeint. Auch diffuses Licht, das die Konturen der Treppenstufe verschwimmen lässt, oder blendende Lichtquellen, ein nicht ausgewogenes Verhältnis von Licht, Kontrast, Farbe und Reflexion können ursächlich für das Stolpern und Fallen sein. Zudem gilt: Der Arbeitgeber ist in der Pflicht, wenn es um ungünstig platzierte Lichtschalter oder schlecht gewartete Bewegungsmelder geht. Deshalb bitten Sie Ihre Mitarbeiter, Sie auf solche Mängel hinzuweisen – im eigenen Interesse.
Das Schuhwerk ist nicht selten ebenfalls ein Grund für Unfälle. Das passiert beispielsweise, wenn Schuhe mit falscher Sohle oder unbequemem Fußbett, zu hohen Absätze oder abgelaufene Profile getragen werden oder der Schuh an Fett- und Ölverschmutzungen abrutscht.
Weitere Gefahrenquellen ist die falsche Reinigung der Böden oder schlicht die Reinigungszeit während der Arbeitszeit.
Nicht zuletzt sind auch die Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, sich aufmerksam zu bewegen. Besonders, wenn sie beispielsweise Lasten mit beiden Händen oder Gegenstände tragen, die die Sicht behindern.

Helles Licht in der dunklen Jahreszeit

Quelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Helle, sonnige Tage wirken sich positiv auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit aus. Im Herbst und Winter, wenn die Tage kurz und oftmals grau sind, ist das richtige Licht am Arbeitsplatz umso wichtiger. Denn schlechtes Licht schlägt nicht nur auf die Stimmung der Beschäftigten, sondern sorgt auch für vorzeitige Ermüdung und mindert die Aufmerksamkeit. Eine gute Beleuchtung trägt überdies dazu bei, Fehler zu vermeiden und eventuelle Unfallgefahren frühzeitig zu erkennen.
Sorgt das Tageslicht nicht für genügend Helligkeit am Arbeitsplatz, ist der Arbeitgeber umso mehr verpflichtet, künstliche Lichtquellen einzusetzen und so für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu sorgen. Laut Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) müssen Arbeitsplätze mit einer „angemessenen künstlichen Beleuchtung“ ausgestattet sein. Die Beleuchtungsanlagen sind dabei so auszuwählen und anzuordnen, „dass sich dadurch keine Unfall- oder Gesundheitsgefahren ergeben können“.

Arbeitsplatz bestimmt Beleuchtungsstärke

Ideal ist ein Zusammenspiel von direktem und indirektem Licht: Tageslicht durch Fenster oder Glaswände, Lichtquellen an der Decke bzw. an den Wänden sowie individuelle Arbeitsplatzbeleuchtung beispielsweise durch Schreibtischlampen. Hell gestrichene Decken und Wände unterstützen die künstlichen Lichtquellen und sorgen für ein freundliches Raumklima. Die Beleuchtungsstärke richtet sich nach der Art des Arbeitsplatzes, sollte aber grundsätzlich nicht unter 200 Lux liegen. Üben die Mitarbeiter eine Tätigkeit aus, bei der sie mit spitzen, scharfen, sich bewegenden oder heißen Gegenständen umgehen, sollte die Beleuchtungsstärke 300 bis 500 Lux betragen, um Unfallgefahren zu vermeiden. In Einzelbüros sollte die Helligkeit 500 Lux betragen, in Großraumbüros 750 bis 1.200 Lux. In Arbeitsbereichen mit besonderen Sehaufgaben wie zum Beispiel bei sehr feinen Montagearbeiten oder in Kontrollbereichen ist eine Beleuchtungsstärke bis zu 1.500 Lux sinnvoll. Details zur Beleuchtungsstärke und Anordnung der Lichtquellen sind in der Technischen Regel Arbeitsstätten ASR A3.4 aufgeführt.

Mit LED-Lampen gegen Konzentrationsschwäche

Neben der Stärke der Helligkeit spielt auch die Farbe des Lichts eine entscheidende Rolle dabei, dass sich Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen und leistungsfähig bleiben. In der dunklen Jahreszeit und in geschlossenen Räumen fehlt das belebende Tageslicht, das mit seinen verschiedenen Lichtfarben unter anderem den Blutdruck und die Herzfrequenz steuert: Durch den fehlenden direkten Lichteinfall ins Auge wird in der Zirbeldrüse vermehrt der „Müdemacher“ Melatonin gebildet und das „Glückshormon“ Serotonin abgebaut. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO haben herausgefunden, dass LED-Leuchten die Konzentration stärken und der Müdigkeit entgegenwirken können. Die individuell eingesetzten Lichtquellen passen sich mit wechselnden Farbtemperaturen und Beleuchtungsstärken dem biochronischen Rhythmus des menschlichen Körpers an. So soll mittags tageslicht-weißes Licht mit einem hohen Blauanteil belebend wirken, gegen Abend sollen warm-weiße Farben für Entspannung sorgen.

Mit Licht sieht es sich besser

Quelle: Michael Grabscheit  / pixelio.de

Foto: Michael Grabscheit / pixelio.de

Für die Augen ist das Fokussieren eines Gegenstandes in stets gleicher Entfernung wesentlich anstrengender als das normale Sehen, bei dem Nähe und Ferne wechseln und so die Muskeln Entspannungspausen haben. Wie sich die Augen bei der Arbeit am Bildschirm oder auch bei der Arbeit an Laufbändern und Maschinen entspannen lassen, haben wir bereits mit hilfreichen Tipps thematisiert.

Doch auch die Umgebung muss ausreichend hell sein, damit effizientes und augenschonendes Arbeiten möglich ist. Eine gute Qualität von Lampen und Leuchtmitteln sorgt für mehr Wohlbefinden und Gesundheit bei den Mitarbeitern und somit auch höherer Effizienz. Nicht nur die Helligkeit ist dabei ein wichtiger Punkt für den optimalen Durchblick. Zu achten ist auch auf den Einsatz reflexions- und blendfreier Einrichtung und Ausstattung des Arbeitsplatzes sowie eine optimale Leuchtdichteverteilung.

Beleuchtungsniveau

An Bildschirmarbeitsplätzen werden zwischen 500 und 750 Lux benötigt. Für Tätigkeiten wie Schreiben, Lesen oder Dateneingabe sind 500 Lux empfehlenswert, für detailreichere Aufgaben wie etwa das technische Zeichnen sollten es 750 Lux sein.

Nutzen Sie zudem ausreichend große Bildschirme, die auflösungs- und kontraststark sowie flimmerfrei sind.

Leuchtdichteverteilung

Optimal ist eine ausgewogene Leuchtdichteverteilung im Raum mit entsprechenden Reflexionsgraden, die einen hellen Raumeindruck begünstigen. Das Gegenteil einer guten Leuchtdichteverteilung ist ein heller Bildschirm in einem ansonsten dunklen Raum.

Die Kombination aus direkter und indirekter Beleuchtung schafft ein positives Raumgefühl.

Reflexionen und Blendungen

Ein individuell verstellbare Lichtschutz hilft, Blendungen und Reflexionen durch Sonnenlicht zu vermeiden und empfiehlt sich ohnehin als Hitzeschutz. Zusätzlich sollte der Bildschirm so ausgerichtet sein, dass störende Reflexionen nicht auftreten.

Auch die Lichtfarbe spielt eine Rolle: An Arbeitsplätzen sollten die Farben neutralweiß (nw) und tageslichtweiß (tw) statt warmweiß (ww) gewählt werden. Für Decke, Wand, Boden und Arbeitsflächen empfehlen sich matte oder seidenmatte Farben gewählt werden.

Wie wichtig die richtige Beleuchtung ist, zeigt sich, wenn man die Folgen einer falschen Beleuchtung betrachtet. Das sind beispielsweise:

  • Störung der Akkommodation durch Glanz und Reflexion, das heißt die Augen haben Schwierigkeiten, auf wechselnde Entfernungen einzustellen.
  • Asthenoptische Beschwerden bei falscher Leuchtdichteverteilung: Sehschwächen, müde Augen, Schweregefühl der Augenlider, Augenrötung, Doppelbilder und Verschwommensehen bis hin zu Schwindel, …
  • Überanstrengung der Augen und Ausstrahlen der Beschwerden in den Nacken, den Kopf, die Schultern, …

Für die Mitarbeiter gilt zudem: Nutzen Sie Vorsorgeangebote und halten Sie Arbeitspausen ein. Reagieren Sie, wenn sich mögliche Störungen der Augenfunktion bemerkbar machen, etwa Trockenheit, Brennen oder Probleme beim Fokussieren.

Die einschlägigen Bestimmungen zum Thema „Richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz“ finden sich z. B. in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), der DIN EN 12464 „Licht und Beleuchtung“, DIN 5035 „Beleuchtung von Arbeitsstätten“ und in der Bildschirmarbeitsplatzverordnung.