Arbeitszeitreport 2016: Wie lange arbeitet Deutschland

Quelle: Pixabay

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Der Arbeitszeitreport der BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) gibt einen guten Überblick darüber, wie lange in deutschen Hallen und Büros der Hammer, bzw. der Griffel geschwungen wird. Der Report, für den rund 20.000 Beschäftigte befragt wurden, hat durchaus viele interessante, aber auch einige Informationen zu bieten, die Handlungsbedarf aufzeigen.

Gleichberechtigung:

Was zum Beispiel die Gleichberechtigung angeht, werden Frauen überwiegend durch persönliche oder familiäre Verpflichtungen daran gehindert Vollzeit zu arbeiten. Das Ergebnis: Arbeit in Teilzeit ist dominiert von Frauen (85 %). 42 % der Frauen arbeiten in Teilzeit. Bei den Männern sind es nur 7 %.

Zufriedenheit:

Dabei zeigt sich allerdings, dass nur 38 % der Vollzeitarbeitenden zufrieden mit ihren Arbeitszeiten sind. 54 % der Befragten würden eigentlich lieber weniger arbeiten. Andersherum sieht es bei den Teilzeitarbeitenden, größtenteils also Frauen, aus. Bei den Befragten, die in Teilzeit arbeiten, würden 35 % lieber länger arbeiten und nur 47 % sind zufrieden mit dem Halbtagsjob. 80 % der Beschäftigten arbeiten normalerweise zwischen 7 und 19 Uhr.

Wunsch-Arbeitszeit:

42 % der Männer arbeiten gerne zwischen 40 und 48 Wochenstunden. 43 % der Frauen bevorzugen 20 bis 35 Stunden. Dass es oftmals nicht persönliche Wünsche, sondern wie bereits erwähnt familiäre Gründe sind, die für das eine oder andere Arbeitszeitmodelle sprechen, dürfte klar sein.

Arbeitszeit:

Die tatsächlichen Arbeitszeiten liegen laut Report für fast ¾ der Beschäftigten in Industrie und Handwerk bei mehr als 40 Wochenstunden. Selbstständige arbeiten zu mehr als ¾ auch am Wochenende. Sie sind überwiegend als Handwerker oder Dienstleister unterwegs und stehen besonders häufig unter Termin- oder Leistungsdruck. Der Report zeigt auch: Abhängig Vollzeitbeschäftigte in Deutschland arbeiten mit durchschnittlich 43,5 Wochenstunden tatsächlich knapp 5 Stunden pro Woche länger als vertraglich vereinbart (38,6 Stunden).

Überstunden:

Der Report hat auch untersucht, wie sich Überstunden auf die Gesundheit der Befragten auswirken. Bereits ab zwei Überstunden werden deutlich häufiger gesundheitliche Beschwerden genannt und mit steigender Überstundenzahl nehmen insbesondere körperliche Erschöpfung und Schlafstörungen zu.

Große Beeinträchtigungen zeigten sich bei vermehrter Überstundenzahl zunehmend für die Work-Life-Balance der Befragten, also den Einklang von Beruf und Privatleben – gleiches gilt übrigens bei der Schichtarbeit, die rund 1/5 der Beschäftigten leisten.

Gesundheit:

Ab 48 Wochenstunden, die regelmäßig abgeleistet werden, zeigt sich das Bild, das sich durchaus ein Zusammenhang zwischen der Arbeitszeit und gesundheitlichen Beschwerden feststellen lässt. Wer diese oder längere Arbeitszeiten in Kauf nimmt, klagt überdurchschnittlich oft über Schlafstörungen, Müdigkeit und körperliche Erschöpfung. Rückenschmerzen traten deutlich häufig auf bei Befragten, die 60 Stunden oder mehr in der Woche ableisten.

Ständige Erreichbarkeit:

In Zeiten von Handys und Messengerdiensten ließ der Report auch das Thema ständige Erreichbarkeit nicht aus. Das Ergebnis überrascht, denn obwohl 22 % der beschäftigten angeben, dass von ihnen erwartet werde, ständig erreichbar zu sein, werden nur 12 % auch tatsächlich häufig von ihren Vorgesetzten oder Kollegen aufgrund von beruflichen Anlässen privat kontaktiert.

Ein kurzer Exkurs zu „Arbeitszeit im Ruhestandsalter“ gibt Einblicke in die Länge und Lage der Arbeitszeit von Erwerbstätigen, die über 65 Jahre alt sind.

Sie sind zu 69 % männlich und größtenteils selbstständig oder in anderer Form nicht abhängig beschäftigt (61 %). 55 % von ihnen arbeiten im Dienstleistungsbereich.

Die Erwerbstätigen im Alter von über 65 Jahren sind vergleichsweise hochgebildet und schätzen ihren Gesundheitszustand durchschnittlich genauso gut ein wie die jüngeren Erwerbstätigen im Alter bis 65 Jahre. Die Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance ist vergleichsweise hoch.

Den „Arbeitszeitreport Deutschland 2016“ finden Sie in ganzer Länge als PDF-Download unter www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2398.html.