Warum Arbeitsschutz wie Abnehmen ist

Quelle: Bernhard_Staerck/Pixabay

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Wir finden: Gesundheit und Sicherheit sind höchst interessante Themen. Sie kombinieren Teile von Wissenschaft, Technik, Management, Psychologie, Ergonomie, Recht und Wirtschaft. Diese Vielfalt macht die Beschäftigung mit dem Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz auf der anderen Seite aber auch zu einem komplexen Thema.

Wir stellen in unserem Alltag bei den Beratungsgesprächen in den Unternehmen immer wieder fest, dass einerseits alle Informationen, die es braucht, frei abgerufen werden können, zum Beispiel bei Behörden und Ämtern, bei Verbänden oder Dienstleistern. Andererseits ist es schwierig, immer genau die Information zu finden, die man braucht. Vor allem, wenn man nicht genau weiß, wonach man sucht.

Das macht die Themen Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz für viele Unternehmen wenig greifbar.

Und noch ein weiterer Aspekt begegnet uns im Gespräch mit den Unternehmen, die uns als Dienstleister engagieren. Da gibt es die eine Seite, die findet, dass der gesunde Menschenverstand oftmals ausreichen sollte, um Gefahren und Risiken aus dem Weg zu gehen. Arbeitsschutzkonzepte werden da oft als überflüssig empfunden. Die andere Seite findet es deutlich zu kompliziert, auf eben diese Details, die Unfälle und Krankheiten verhindern können, zu achten und wünscht sich praktische Checklisten, durchdachte Prozessabläufe und passgenaue Anleitungen.

Wie wichtig organisierter Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz – unabhängig von den gesetzlichen Vorgaben – wirklich ist, wird nach der Gefährdungsbeurteilung deutlich. Sie hilft, künftige Entscheidungen zielgerichtet zu treffen und geeignete Maßnahmen individuell festzulegen. Sie ist nur der erste Schritt zu mehr Sicherheit und Gesundheit und somit ein wertvolles Werkzeug.

 Warum Arbeitsschutz wie Abnehmen ist

Lassen Sie uns einen Vergleich ziehen. Die Gefährdungsbeurteilung entspricht etwa dem Check-up beim Hausarzt. Möglicherweise stellt er fest, dass Ihnen ein paar Kilo weniger erhebliche gesundheitliche Vorteile bringen würden. Vielleicht zeigen sich sogar erste Folgen der Übergewichtigkeit durch Bluthochdruck und miserable Blutwerte. Und wenn Sie selbst ehrlich sind, fühlen Sie sich auch nicht gut. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt. Sie wissen nun also, dass Sie etwas tun müssen, wenn Sie gesund werden und bleiben wollen.

Nun folgt der zweite Schritt. In unserer Branche wäre er das Ausarbeiten und die Analyse von geeigneten Maßnahmen für mehr Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz. In unserem Beispiel informieren Sie sich möglicherweise über Fitnessstudios und Laufgruppen in Ihrer Nähe und kaufen sich einen Stapel Bücher über Diäten.
Der dritte Schritt ist nun, die richtigen Schritte und Regeln in Ihrem Leben bzw. Ihrem Unternehmen, anzuwenden. In unserem Beispiel stellen Sie vielleicht fest, dass sie das hohe Tempo der Laufgruppe nicht mithalten können und Ihre Knie nicht mitspielen. Und auch das Fitnessstudio führt Sie nach den ersten 2,3 Wochen nur noch als passives Mitglied. Selbst beim Kochen und Essen fallen Sie in alte Gewohnheiten zurück, weil es bequemer ist.

Übertragen auf den Unternehmensbereich gibt es ähnliche Probleme. Nach einiger Zeit werden neue Regeln nicht mehr befolgt, weil sie nicht zur Gewohnheit geworden sind. Die geplanten Maßnahmen erweisen sich als unzureichend oder zu straff, scheitern an der Realität und der Praxis, der Zeitplan zur Umsetzung ist deutlich zu straff oder zu lasch.

Ob es sich um eine Diät oder um ein Konzept handelt, es zeigt sich fast immer das gleiche Bild: Es fällt dem Menschen in der Regel schwer, gewohnte Strukturen und Prozesse zu verändern, wenn es an der Motivation fehlt.

Wo herkommt also diese Motivation?

Entweder von innen, weil sich der Mensch ein Ziel gesetzt hat, das ihn antreibt, oder durch Antrieb von außen, etwa durch Audits, externe Kontrollen und Überwachung. In beiden Fällen ist es wichtig, dass das gesetzte Ziel realistisch, attraktiv, messbar sowie zeitlich und konzeptionell genau definiert ist.

Das heißt für Sie: Wenn Sie einen Experten für Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz in Ihrem Unternehmen einsetzen, sorgt er wie ein Personal Coach dafür, die Ziele entsprechend zu formulieren, umzusetzen und die Beteiligten so einzubinden, dass sie die Maßnahmen aus eigener Motivation heraus unterstützen.

Wir vom HDS Arbeitsschutz helfen Ihnen, das Check-up unternehmensintern durchzuführen und zu dokumentieren. Unsere erfahrenen Fachleute übernehmen für Sie auf Wunsch die Erstellung der Gefährdungsbeurteilung.

Darüber hinaus pflegen wir Ihre bestehende Gefährdungsbeurteilung, prüfen die Umsetzung der festgelegten Maßnahmen und aktualisieren sie in sinnvollen Abständen.
Wenn gewünscht, übernehmen wir für Sie auch die Überarbeitung der bestehenden Gefährdungsbeurteilung mit dem Schwerpunkt auf der Integration von Betriebssicherheitsverordnung, Gefahrstoffverordnung und anderen notwendigen Reglements.

Gesundheit und Sicherheit sind ein wichtiger Teil der Unternehmensführung. Sie müssen in die Geschäftsabläufe des Unternehmens integriert werden, damit die Navigation durch die komplexen Gesetze und Richtlinien gelingt.

Wir unterstützen Sie dabei, herauszufinden, was sie selbst tun können und wann Sie Hilfe benötigen.

Arbeitszeitreport 2016: Wie lange arbeitet Deutschland

Quelle: Pixabay

Quelle: Pixabay

Der Arbeitszeitreport der BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) gibt einen guten Überblick darüber, wie lange in deutschen Hallen und Büros der Hammer, bzw. der Griffel geschwungen wird. Der Report, für den rund 20.000 Beschäftigte befragt wurden, hat durchaus viele interessante, aber auch einige Informationen zu bieten, die Handlungsbedarf aufzeigen.

Gleichberechtigung:

Was zum Beispiel die Gleichberechtigung angeht, werden Frauen überwiegend durch persönliche oder familiäre Verpflichtungen daran gehindert Vollzeit zu arbeiten. Das Ergebnis: Arbeit in Teilzeit ist dominiert von Frauen (85 %). 42 % der Frauen arbeiten in Teilzeit. Bei den Männern sind es nur 7 %.

Zufriedenheit:

Dabei zeigt sich allerdings, dass nur 38 % der Vollzeitarbeitenden zufrieden mit ihren Arbeitszeiten sind. 54 % der Befragten würden eigentlich lieber weniger arbeiten. Andersherum sieht es bei den Teilzeitarbeitenden, größtenteils also Frauen, aus. Bei den Befragten, die in Teilzeit arbeiten, würden 35 % lieber länger arbeiten und nur 47 % sind zufrieden mit dem Halbtagsjob. 80 % der Beschäftigten arbeiten normalerweise zwischen 7 und 19 Uhr.

Wunsch-Arbeitszeit:

42 % der Männer arbeiten gerne zwischen 40 und 48 Wochenstunden. 43 % der Frauen bevorzugen 20 bis 35 Stunden. Dass es oftmals nicht persönliche Wünsche, sondern wie bereits erwähnt familiäre Gründe sind, die für das eine oder andere Arbeitszeitmodelle sprechen, dürfte klar sein.

Arbeitszeit:

Die tatsächlichen Arbeitszeiten liegen laut Report für fast ¾ der Beschäftigten in Industrie und Handwerk bei mehr als 40 Wochenstunden. Selbstständige arbeiten zu mehr als ¾ auch am Wochenende. Sie sind überwiegend als Handwerker oder Dienstleister unterwegs und stehen besonders häufig unter Termin- oder Leistungsdruck. Der Report zeigt auch: Abhängig Vollzeitbeschäftigte in Deutschland arbeiten mit durchschnittlich 43,5 Wochenstunden tatsächlich knapp 5 Stunden pro Woche länger als vertraglich vereinbart (38,6 Stunden).

Überstunden:

Der Report hat auch untersucht, wie sich Überstunden auf die Gesundheit der Befragten auswirken. Bereits ab zwei Überstunden werden deutlich häufiger gesundheitliche Beschwerden genannt und mit steigender Überstundenzahl nehmen insbesondere körperliche Erschöpfung und Schlafstörungen zu.

Große Beeinträchtigungen zeigten sich bei vermehrter Überstundenzahl zunehmend für die Work-Life-Balance der Befragten, also den Einklang von Beruf und Privatleben – gleiches gilt übrigens bei der Schichtarbeit, die rund 1/5 der Beschäftigten leisten.

Gesundheit:

Ab 48 Wochenstunden, die regelmäßig abgeleistet werden, zeigt sich das Bild, das sich durchaus ein Zusammenhang zwischen der Arbeitszeit und gesundheitlichen Beschwerden feststellen lässt. Wer diese oder längere Arbeitszeiten in Kauf nimmt, klagt überdurchschnittlich oft über Schlafstörungen, Müdigkeit und körperliche Erschöpfung. Rückenschmerzen traten deutlich häufig auf bei Befragten, die 60 Stunden oder mehr in der Woche ableisten.

Ständige Erreichbarkeit:

In Zeiten von Handys und Messengerdiensten ließ der Report auch das Thema ständige Erreichbarkeit nicht aus. Das Ergebnis überrascht, denn obwohl 22 % der beschäftigten angeben, dass von ihnen erwartet werde, ständig erreichbar zu sein, werden nur 12 % auch tatsächlich häufig von ihren Vorgesetzten oder Kollegen aufgrund von beruflichen Anlässen privat kontaktiert.

Ein kurzer Exkurs zu „Arbeitszeit im Ruhestandsalter“ gibt Einblicke in die Länge und Lage der Arbeitszeit von Erwerbstätigen, die über 65 Jahre alt sind.

Sie sind zu 69 % männlich und größtenteils selbstständig oder in anderer Form nicht abhängig beschäftigt (61 %). 55 % von ihnen arbeiten im Dienstleistungsbereich.

Die Erwerbstätigen im Alter von über 65 Jahren sind vergleichsweise hochgebildet und schätzen ihren Gesundheitszustand durchschnittlich genauso gut ein wie die jüngeren Erwerbstätigen im Alter bis 65 Jahre. Die Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance ist vergleichsweise hoch.

Den „Arbeitszeitreport Deutschland 2016“ finden Sie in ganzer Länge als PDF-Download unter www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2398.html.

Arbeitsschutzgesetz erfordert Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte

Neue Praxisseminaren der HIRAcon Akademie: Beurteilung psychischer Belastungen, betriebliches Gesundheitsmanagement, gesunde Führung und Gefahrstoff-Koordination

Mit neuen Seminarangeboten startet die HIRAcon Akademie nach der Sommer-Akademie in den Herbst. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Seminaren, die den gesetzlichen Vorgaben der neu gefassten § 4 und 5 des Arbeitsschutzgesetzes entsprechen. “Bisher ist vielen Fachkräften noch nicht klar, welche Anforderungen bei der Beurteilung von psychischen Belastungen an sie gestellt werden“, sagt Uwe Rau, einer der Geschäftsführer der HIRAcon Unternehmensgruppe. Die HIRAcon Akademie gehört mit zu den ersten Weiterbildungsanbietern, die Fachkräfte auf diese neuen Aufgaben vorbereiten. Als Berater und externe Fachkräfte können die HIRAcon-Experten natürlich auch direkt von den Unternehmen angefragt werden.

Praxisseminar zur Beurteilung von psychischen Belastungen

Mit diesem Praxisseminar geht die Akademie neue Wege. Erstmals findet ein Seminar statt, das von einer Arbeitspsychologin und einer Arbeitswissenschaftlerin begleitet wird. “Zudem haben sich bisher mit diesem Thema hauptsächlich Arbeitsmediziner beschäftigt, obwohl es bei den Arbeitsschützern in den richtigen Händen ist“, findet Uwe Rau. Psychische Belastungen jenseits der klassischen Gefährdung zu erkennen war bisher kein Thema für Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Durch die Gesetzesänderung im letzten Jahr rücken sie allerdings immer mehr in den Vordergrund. Auch die Berufsgenossenschaften fordern ein, dass psychische Gefährdungsbeurteilungen erstellt werden; die Anforderungen bleiben allerdings weiterhin nebulös.

Bei diesem Praxisseminar, das bereits im Oktober startet, übernehmen die Arbeitspsychologin und die Arbeitswissenschaftlerin die Schulung in Sachen Konzeption, Beratung und das Supervising der Teilnehmer, während die Experten der HIRAcon Akademie die Analyse und Instrumente zur psychischen Gefährdungsbeurteilung vermitteln. Rau: “Psychische Belastungen sind aktuelle Themen in der Arbeitswelt, da immer mehr Betriebe erkennen, welche Folgen beispielsweise Burn-Out und Stress auf die Leistungsfähigkeit haben.“ Für die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner, die sich das Praxisseminar richtet, sind diese Belastungen bisher schwer zu bestimmen, da sie zunächst nicht greifbar scheinen.“ Es braucht den richtigen Blick und Instrumente, um die Sensibilität zu entwickeln und zu erkennen, worunter die Stimmung der der Mitarbeiter leidet”, sagt Rau. Mitunter sei es die ungünstige Konstellation verschiedener Unternehmensbereiche wie etwa das Großraumbüro von Verkauf und Buchhaltung, die sich gegenseitig stören.

Das Fortbildungsseminar soll helfen zu erkennen, was psychische Belastungen sind, welche Auswirkungen sie auf das Unternehmen haben und welche Möglichkeiten bestehen, sie zu erfassen. Wie bewertet man die psychische Arbeitsbelastung nach ISO 10075 und welche erprobte Verfahren und nützliche Instrumente gibt es (u.a. SIGMA, BASA oder Impulstest)? [Link zum Seminarangebot]

Praxisseminar für betriebliches Gesundheitsmanagement

Anhand von Praxisbeispielen lernen die Teilnehmer mehr darüber, welche Maßnahmen zu einem funktionierenden betrieblichen Gesundheitsmanagement gehören und wie sie sie auf ihre betriebliche Situation anwenden können. Die Dozentin, die auch für die DGUV tätig ist, vermittelt in dieser Fortbildung für Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Arbeitsmediziner die Grundlagen des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM).

Hierbei geht es nicht nur um die Eingliederung nach längerer Krankheit (BEM), sondern auch darum, wie die Eigenverantwortung des Einzelnen gestärkt werden kann und wie sich das BGM in Arbeitsabläufe und Arbeitsorganisation sowie in Kommunikation und Führung einbinden lässt. [Link zum Seminarangebot]

Praxisseminar zu gesunden Führung

Führungskräfte und Unternehmer erlernen in diesem Praxisseminar realistische Möglichkeiten der Gesundheitsförderung kennen. Wie hängen Gesundheit, Produktivität und Führung zusammen und was sind die Prinzipien und Grenzen eines gesunden Führungsverhaltens? Die Teilnehmer stellen sich dem Selbstcheck und reflektieren ihren eigenen Führungsstil. Auch der Umgang mit Druck, Konflikten und Produktivitätsproblemen wird zum Thema und die Teilnehmer lernen verschiedene Stufen der Problemlösung kennen. http://www.hiracon-akademie.de/seminar_730.html

Kompaktseminar zum Koordinator für Gefahrstoffe

Seit 2010 gilt eine neue Gefahrstoffverordnung, die besagt, dass ein entsprechender Koordinator bestellt werden muss, sofern bestimmte Gefährdungen vorliegen. “Bis heute ist oftmals nicht klar, welche Anforderungen genau an die Beteiligten gestellt werden“, sagt Uwe Rau.

Während des Kompaktseminars lernen die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die SIGE-Koordinatoren grundlegende Kenntnisse für die Koordinationstätigkeit und erlernen, wie sie Gefahrstoffe erkennen, einstufen und bewerten. Themen sind unter anderem grundlegenden Rechtsvorschriften sowie die Anforderungen an die Beteiligten bezüglich der Gefährdungsbeurteilung und des Gefahrstoffkatasters. Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat als Koordinator für Gefahrstoffe (GefaKO). [Link zum Seminarangebot]

Das Seminarcenter:

Mit der HIRAcon Akademie (ehemals HDS Akademie) ist die HIRAcon Unternehmensgruppe in einigen Bereichen bundesweiter Marktführer mit ihren Weiterbildungsangeboten im Arbeits- und Brandschutz. Zum Seminarangebot gehören unter anderem Aus- und Fortbildungen für Sicherheits-Koordinatoren, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Brandschutzbeauftragte und Sicherheitsbeauftragte sowie Stapler- und Kranführerscheine.

Die modern ausgestatteten Seminarräume werden nicht nur für die hauseigene Schulung und Ausbildung in Sachen Arbeitsschutz genutzt, sondern auch von externen Firmen, Gruppen und Vereinen für Veranstaltungen, Fortbildungen oder auch stundenweise für Bewerbungsgespräche angemietet.

Von 24 bis 85 Quadratmetern Größe sind insgesamt fünf Seminarräume verfügbar, die je nach Bedarf mit entsprechender Bestuhlung und Technik ausgerüstet werden. Wer möchte, kann die Grundmiete um zusätzliche Pakete aufstocken, etwa Mittagsessen durch ortsansässige Caterer, Kaffee- und Kuchenpausen, aufwendige Technik für Videokonferenzen oder die Nutzung in den Abendstunden und an Wochenenden.

Zum Unternehmen:

Die HIRAcon Unternehmensgruppe aus Neuss bietet Dienstleistungen im weiten Feld des Arbeits- und Gesundheitsschutzes. Die Firmen der Gruppe sind in der beruflichen Bildung, aber auch als Unternehmensberatung für Arbeits- und Betriebssicherheit, Brandschutz, Gefahrstoffmanagement und HACCP sowie als Fachverlag für Arbeits- und Brandschutz und Seminarraumvermieter tätig.

Der HDS Arbeitsschutz berät seit mehr als 15 Jahren erfolgreich in allen Belangen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

Die HIRAcon GmbH möchte die seit vielen Jahren in der Praxis erprobten und erfolgreichen Handlungshilfen und Handbücher der HDS Arbeitsschutz GmbH einer breiteren Nutzerkreis zugänglich machen, beispielsweise über den HIRAcon Verlag.

Ein weiteres Standbein des Unternehmens bildet die HIRAcon Consulting. Die HIRAcon Consulting ist als Unternehmensberatung in den hochsensiblen Bereichen Brand- und Explosionsschutz, Gefahrstoffmanagement, Maschinensicherheit sowie Lebensmittelhygiene tätig.

Die HIRAcon Akademie ist einer der größten Anbieter von Fachseminaren aus den Bereichen Arbeits- und Brandschutz.

Allein, aber nicht vergessen

Quelle: lichtkunst.73 / www.pixelio.de

Foto: lichtkunst.73 / www.pixelio.de

Im vorherigen Beitrag hatten wir auf die Besonderheiten von Alleinarbeitsplätzen hingewiesen. Dabei ist für den Arbeitgeber wichtig, dass er je nach Art der Gefährdung für eine entsprechende Überwachung der allein arbeitenden Person sorgen muss.
Gefährdungen werden im Arbeitsschutz in drei Kategorien unterteilt: geringe, erhöhte und besondere Gefährdungen. Die Kategorisierung haben wir in einem anderen Blogbeitrag erläutert.
Geringe Gefährdung
Ergibt die Gefährdungsbeurteilung nur eine geringe Gefahr für den Arbeiter, einen Unfall zu erleiden, genügt in der Regel ein Telefon vor Ort, an dem die Notrufnummer gut sichtbar angebracht ist.
Erhöhte Gefährdung
Bei Tätigkeiten mit erhöhter Gefährdung kann mehr Sicherheit dadurch geschaffen werden, dass eine andere Person in kurzen Abständen persönlich überprüft, ob alles in Ordnung ist. Eine gute Alternative zu diesen Kontrollgängen ist ein Meldesystem, über das die allein arbeitende Person regelmäßig anpiept oder anruft. Sogenannte “willensabhängige Meldeeinrichtungen” erhöhen die Sicherheit. Dazu gehören Hilferufanlagen, mobile Telefone oder Funkgeräte.
Besondere Gefährdung
Ist eine besondere Gefährdung gegeben, bedarf es einer ständigen Überwachung durch ein willensunabhängiges Meldesystem. Dazu gehören beispielsweise Personen-Notsignalanlage, Gaswarngerät oder die Überwachung per Video, was bei den so überwachten Personen allerdings nicht selten als störend empfunden wird. Es ist daher wichtig, die Überwachung rein unter Arbeitsschutzaspekten einzusetzen und vor allen Dingen die Belegschaft frühzeitig darüber zu informieren. Wir empfehlen zudem, die Video-Empfangszentrale nicht bei Vorgesetzten zu installieren.
Personen-Notsignalanlagen bestehen aus einem tragbaren Signalgeber, der am Körper des Arbeiters getragen wird und Kontakt zu einer Empfangszentrale herstellt. Dieser Kontakt kann willensabhängig oder automatisch, also willensunabhängig ausgelöst werden.
Willensabhängiger Alarm wird durch Drücken eines Knopfes ausgelöst. Im Falle eines Unfalls oder beispielsweise einer Ohnmacht sind sie wenig geeignet. Empfohlen werden daher in der Regel der Ruhealarm bei Bewegungslosigkeit des Trägers oder der Lagealarm, der auslöst, wenn ein bestimmter Neigungswinkel überschritten wird. Andere Signalgeber lösen automatisch Alarm auf, wenn die regelmäßige Meldung des Trägers nicht erfolgt, hektische bewegungen erkennbar sind (Fluchtalarm) oder der Signalgeber verloren wurde.
Ein Nachteil dieser tragbaren Notsignalanlagen ist die Lokalisierung: Wird der Alarm ausgelöst und die Person hat einen weitläufigen Arbeitsplatz, verstreicht eventuell wertvolle Zeit bis sie gefunden wird.
Deshalb empfehlen wir in solchen Fällen zusätzliche Hilfsmittel wie etwa Ortskennungssender oder Personen-Notsignalgeräte, die im Alarmfall ein akustisches Signal aussenden. Auch Quittierstellen und Meldelisten können helfen, die Person im Falle einer Notlage schneller zu finden.

Jährliche Übung und Kontrolle

Ist die erhöhte oder besondere Gefährdung gegeben, sind die beteiligten Personen, also der auf dem Einzelarbeitsplatz Arbeitende und die Mitarbeiter in der Empfangszentrale, “in angemessenen Zeitabständen” über die Gefahren und die Notfallsignale zu informieren. “In angemessenen Zeitabständen” meint mindestens einmal im Jahr, beziehungsweise bei neuen Mitarbeitern vor dem Arbeitseinsatz. Themen der Unterweisung, die mit Hilfe der Betriebsanweisung stattfinden sollte, sind die möglichen Gefahren der Arbeit und des Arbeitsplatzes und die Maßnahmen, die zur Sicherheit und Überwachung getroffen wurden.
Aber: Es nützt nichts, wenn zwar jeder weiß, wo das Notfalltelefon steht und wie man es bedient, aber im Notfall die Rettungskette nicht reibungslos einsetzt. Deshalb ist es unabdingbar, den Fall des Falles komplett zu durchdenken, Notsignal- und Rettungsmaßnahmen auf Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit zu überprüfen und bei regelmäßigen Alarmübungen die Praxis zu testen.

Mehr Maschinen, weniger Menschen

Foto: Rainer Sturm/Pixelio.de

Foto: Rainer Sturm/Pixelio.de

Wo früher ein Wuseln und Werkeln war, steht heute eine Maschine, stockwerkehoch und voll automatisiert. Statt 20 Leute ist es nun einer, der per Knopf und Regler via Kontrollbildschirm die Arbeit überwacht. In Industrie, Handwerk und Gewerbe ist das keine Seltenheit mehr. Immer öfter sind es daher Einzelarbeitsplätzen, auf denen die Mitarbeiter eingesetzt werden.

Aus Sicht des Arbeitsschutzes bergen sie eine besondere Gefahr, denn wenn hier ein Unfall passiert, wird er oft nur bemerkt, wenn der Verletzte Alarm auslösen kann. Wie dies geschehen kann und welche Möglichkeiten der Unternehmer hat, um seinen Mitarbeitern die nötige Sicherheit zu bieten, haben wir in einem weiteren Blogbeitrag ausgeführt.

Zunächst ist für das weitere Vorgehen wichtig zu wissen, was in Arbeitsschutzbestimmungen als Einzelarbeitsplatz angesehen wird.

Ganz logisch: Wer als einzelne Person allein und außer Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen arbeitet, tut dies in so genannter Alleinarbeit, also auf einem Einzelarbeitsplatz.
Unterschieden wird hier von ortsgebundenen Arbeiten in einem räumlich eng begrenzten Bereich und in ortsungebundenen Arbeiten, wenn die Tätigkeiten mit aufeinander folgenden Ortswechseln verbunden ist, etwa bei der Überwachung eines Industriegeländes durch einen einzelnen Sicherheitsdienstler.
Die Vorschriften der Berufsgenossenschaft (BG-Vorschriften) und andere rechtliche Grundlagen bestimmen, ob bei bestimmten Arbeiten eine zweite Person anwesend sein muss. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn in Silos und Bunkern gearbeitet wird, es sich um einen gasgefährdeten Arbeitsplatz handelt oder auch wenn funkenerzeugende Arbeiten in brand- und explosionsgefährdeten Bereichen geplant sind.

Bevor von einem Unternehmen also ein Arbeitsplatz für eine Einzelperson eingerichtet wird, aber auch wenn ein Arbeitnehmer von seinem Vorgesetzen beauftragt wird, unter Einzelarbeitsplatzbedingungen zu arbeiten, muss zunächst geprüft werden, ob die Alleinarbeit in diesem Fall erlaubt ist.

Die Arbeitsbedingungen entscheiden darüber, welche Gefährdungen möglicherweise eintreten können. Danach wird bestimmt, wer die Arbeiten erledigen soll und wie das Wohlergehen dieser Person überwacht werden kann.

Beurteilung der Arbeitsbedingungen

Welche Gefährdungen bestehen für die Person, die an diesem Arbeitsplatz tätig werden soll? Sie zu ermitteln und zu bewerten ist die Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsbedingungen.

Arbeits- und dem Gesundheitsschutz sind hier das Maß aller Dinge, ebenso wie eine genaue Betrachtung der physischen und psychischen Anforderungen.

Mögliche Gefährdungen können sein:

  • mechanische Gefährdungen:

z. B. Absturzstellen, Einzugsstellen, Roll-, Kipp-, Gleit- oder Drehbewegungen, bewegliche Maschinenteile, Fahrzeuge, nicht trittsicherer Boden

  • elektrische Gefährdungen:

z. B. leitfähige Räume mit wenige Bewegungsfreiheit, freiligende Leitungen, Nässe

  • chemische Gefährdungen:

z.B. Stäube, Dämpfe oder Gase, die brand- oder explosionsgefährlich oder gesundheitsschädigend sind, möglicher Sauerstoffmangel

  • thermische Gefahren:

z. B. durch Hitze oder Kälte von Dämpfe oder Oberflächen

  • Strahlungsgefährdung:

z.B. elektromagnetische Strahlung, ionisierende Strahlung, UV-Strahlung, Röntgenstrahlung, Wärmestrahlung oder Laserstrahlen

  • sonstige Gefährdungen:

z.B. Ertrinkungsgefahr, Angriffe durch Tiere oder Menschen

Jede Art der Gefährdung gilt es zu bewerten, um sie einzuteilen in geringe, erhöhte oder besondere Gefährdungen.

Ein geringe Gefährdung ist eine alltägliche Gefahr durch das allgemeine Lebensrisiko. Tritt sie ein, ist zu erwarten, dass der Betroffene selbst handlungsfähig bleibt.

Eine erhöhte Gefährdung meint, dass der Betroffene im Notfall nur noch eingeschränkt handlungsfähig ist.

Die höchste Stufe ist die besondere Gefährdung, bei der neben den genannten Gefährdungen weitere Beeinträchtigungen eintreten können und der Betroffene im Notfall nicht mehr handlungsfähig ist.

Erhöhten oder besonderen Gefährdungen dürfen daher bestimmte Personen nicht ausgesetzt werden.

Ebenso gibt es generell Personengruppen, die nicht oder nur eingeschränkt auf Einzelarbeitsplätzen eingesetzt werden können. Dazu gehören Personen, die Anfallsleiden, Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten haben, Personen, die zeitweise oder dauernd unter psychischen Störungen oder psychischen Krankheiten leiden sowie auch Mitarbeiter, die abhängig sind von Alkohol, Medikamenten oder Drogen.

Je nach Art der Gefährdung und den daraus möglicherweise resultierenden Verletzungen im Falle eines Unfalls muss der Arbeitgeber für eine entsprechende Überwachung sorgen. Dies können regelmäßige Kontrollgänge durch andere Personen sein oder auch – wie in den häufigsten Fällen notwendig – eine technische Überwachung. In vielen Fällen findet sich als Lösung ein System, das die einfache Kommunikation mit einer Person ermöglicht, die durch ihre Orts- und Fachkenntnis schnell in der Lage ist, für Erste Hilfe zu sorgen.

Was zeichnet eine gute Zeitarbeitsfirma aus?

Quelle: Guedo  / pixelio.de

Foto: Guedo / pixelio.de

Die Gründe, aus denen sich ein Unternehmen für den Einsatz von Leiharbeitern entscheidet, sind unterschiedlich. Kurzfristige Auftragshochs, vermehrte Krankheitsfälle unter den festen Mitarbeitern, saisonaler Bedarf – was auch immer zutrifft, es gibt Punkte, die für alle Unternehmen gelten sollten, die eine Zeitarbeitsfirma auswählen. Die unternehmerische Verantwortung erfordert es, sich die Firma und ihre Gepflogenheiten vorher genau anzusehen.
Der erste Punkt auf der Checkliste scheint selbstverständlich: Prüfen Sie, ob die Zeitarbeitsfirma über eine aktuell gültige Bescheinigung verfügt, die ihr die gewerbsmäßige Leiharbeit, bzw. die Arbeitnehmerüberlassung erlaubt. Über welche Zertifikate oder Gütesiegel verfügt die Zeitarbeitsfirma und ist sie Mitglied eines Berufsverbandes? Ist sie beispielsweise nach DIN EN ISO 9001 zertifiziert oder hat sie ein zertifiziertes Arbeitsschutz-Managementsystem?
Stellen Sie die für den Auftrag notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zusammen und lassen Sie sich von den vorgeschlagenen Arbeitnehmern entsprechende Nachweise wie Staplerschein oder Schweißerschein zeigen. Auch Gesellen- oder Facharbeiterbriefe sollten Sie sich vorlegen lassen. Lassen Sie sich Referenzen nennen, die auf Ihr Unternehmen, bzw. den künftigen Einsatzbereich des Arbeitnehmers passen.
Eine gute Zeitarbeitsfirma schickt ihre Disponenten vorab und persönlich in Ihr Unternehmen, um die Anforderungen mit den zuständigen Personen zu besprechen und die künftigen Arbeitsplätze zu besichtigen. Wurde ein Arbeitnehmer Ihrem Unternehmen überlassen, sollte der Disponent weiterhin Kontakt zum Beschäftigten halten und regelmäßig prüfen, ob die Anforderungen auf ihn passen. Zudem sollte er ein Auge darauf haben, dass der Zeitarbeiter ausreichend unterwiesen wurde in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz – was auch in Ihrem Interesse als Arbeitgeber ist. Idealerweise sollte die Zeitarbeitsfirma ihre Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz schriftlich im Arbeitnehmerüberlassungsvertrag dargelegt haben. Kümmern sich in der Zeitarbeitsfirma ein Betriebsarzt und eine Fachkraft für Arbeitssicherheit um die Beschäftigten?
Klären Sie vorher mit der Leiharbeitsfirma ab, welche Arbeitskleidung dem Arbeitnehmer zur Verfügung gestellt werden muss und achten Sie darauf, dass Schutzkleidung und die PSA (Persönliche Schutzausrüstung) ebenfalls geregelt sein müssen.
Ein Qualitätskriterium ist es auch, ob die Zeitarbeitsfirma selbst aus- und weiterbildet und ob sie Sorge dafür trägt, dass ihre Mitarbeiter über ausreichende Sprachkenntnisse verfügen, um Arbeitsanweisungen ihrer Kollegen und Vorgesetzten verstehen zu können.

Handschuhplan schafft Durchblick

Ein Beispiel für einen einfachen Handschuhplan. Je nach Unternehmen sind ausführlichere Angaben notwendig.

Ein Beispiel für einen einfachen Handschuhplan. Je nach Unternehmen sind ausführlichere Angaben notwendig.

Ein Handschuhplan macht es für die Mitarbeiter leichter, sich für die richtige Handschuhart zu entscheiden, die ihrer Tätigkeit entspricht.

Für den Unternehmer bietet er zudem den Vorteil, dass er seiner Dokumentationspflicht nach dem Arbeitsschutzgesetz nachkommt und einen wichtigen Schritt zu mehr  Sicherheit am Arbeitsplatz getan hat. Zudem ermöglicht eine Analyse der benötigten Handschuharten, die Auswahl geeigneter Modelle und die Bereitstellung von Handschuhen, die Sicherheit und Tragekomfort bieten, wirtschaftliche Vorteil.  Sie liegen unter anderem darin, dass weniger Handschuhe vorzeitig in den Abfall wandern, wenn sie geeignet für die Tätigkeit sind und nicht vorzeitig verschleißen, zum anderen verringern geeignete Handschuhe die Unfall- und Krankenzahlen. Denn: neben Kontaktallergien nehmen Hand- und Handgelenksverletzungen den Spitzenplatz bei den meldepflichtigen Unfällen mit einer Ausfallzeit von mindestens drei Tagen ein.

Vor Aufstellen eines Handschuhplans ist eine Risiko-Gefahren-Analyse in den betroffenen Arbeitsbereichen notwendig. Bei der Gefährdungsbeurteilung geht es darum, eventuelle gesundheitliche Gefahren zu finden, zu bewerten und ihnen durch entsprechende Handschuhmodelle entgegen zu wirken.

 

Motivation gegen den Leichtsinn

Quelle: Fluke  / pixelio.de

Foto: Fluke / pixelio.de

Nicht selten zeigt sich nach einem Arbeitsunfall: Der Verunfallte kannte die Gefahr und hat den Unfall durch Fehlverhalten selbst verursacht. Wider besseres Wissen wurde das Risiko in Kauf genommen, dass etwas passiert.

Als Sicherheitsfachkraft sollte man sich immer klar machen, dass es diese Risikofreude gibt und welche Gründe es dafür gibt – damit man ihnen entgegenwirken kann.

Sicherheitsfalle 1: Routine

Jedes Tun geht mit einer persönlichen Einschätzung einher, bei der unbewusst bewertet wird, ob eine Situation gefährlich werden kann oder nicht. Dabei spielen persönliche Erfahrungen eine große Rolle. Wo bisher nie etwas passiert ist, sinkt Bewusstsein für die Gefahr und das Risiko, das eingegangen wird, wird höher.

Ob sich ein Mitarbeiter so verhält, wie es die Sicherheitsvorgaben vorschreiben oder ob er sicherheitswidrig handelt, hängt davon ab, wie hoch er das Risikopotenzial einschätzt und welches Risiko er bereit ist einzugehen. Letzteres ist ein hochgradig persönliches Maß, das zum einen vom Charakter abhängt, aber auch von der aktuellen Gefühlslage. Wer beispielsweise Wut oder Stress empfindet, schätzt Gefahren eher niedriger ein als realistisch wäre.

Untersuchungen zeigen: Jeder zweite Unfall geschieht, weil der Verunglückte das Gefahrenpotenzial unterschätzt hat. Ein Folge der Routine, die sich einem einfachen Beispiel zeigt. So ist Stolpern, Rutschen und Stürzen eine recht häufige Unfallfolge, da das Risikopotenzial beim Gehen durch die tägliche Routine kaum noch wahrgenommen wird. Die Folge: Unachtsamkeit und Ablenkung (etwa durch das Handy und Nachrichtenschreiben). Bei Tätigkeiten dagegen, die ein sehr hohes Risikopotenzial aufweisen, das im Bewusstsein präsent ist, passieren weniger häufig Unfälle, weil die Sinne geschärft sind und der Mitarbeiter konzentriert.

Das zeigt, wie wichtig es ist, sowohl auf die großen und sichtbaren Gefahren hinzuweisen wie auch auf die kleinen Gefährdungen.

Sicherheitsfalle 2: Trügerische Erfahrungen

Die Entscheidung, ob eine Situation risikoreich ist oder nicht und ob man besser auf Nummer Sicher gehen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab.

  •  Wie wird das Gefährdungspotenzial eingeschätzt?

Erscheint die Situation ungefährlich, wird weniger Wert auf Sicherheit gelegt.

  •  Lohnt sich ein Fehlverhalten?

Wird der Nutzen des Fehlverhaltens – etwa die Zeitersparnis oder weniger Aufwand – höher bewertet als die aus dem Verhalten resultierenden Folgen, fällt die Entscheidung oft gegen die Sicherheit.

  •  Habe ich Folgen zu befürchten?

Wenn sicherheitswidriges Verhalten mehrfach folgenlos bleibt, wird es weiterhin wiederholt und schließlich zur Gewohnheit, über nicht weiter nachgedacht wird.

  •  Reflektiere ich, was ich tue?

Gewohnheiten, Routinen und unbewusste Risiken benötigen Reflexion. Wer über sein Tun nachdenkt, bemerkt unter Umständen, dass er die Risiken höher bewerten muss als er es bisher getan hat.

  •  Muss ich mit Strafen rechnen?

Folgt auf das Fehlverhalten eine Strafe, sei es arbeitsrechtlicher Art, durch eine deutliche Ermahnung vom Vorgesetzten oder im extremsten Fall durch einen Unfall, wird es in den meisten Fällen überdacht und geändert.

Menschen experimentieren also mit ihrem Verhalten und testen so Risiken aus. Es folgt immer eine Abwägung zwischen Gefahrenpotenzial und Nutzen. Für Vorgesetzte und Sicherheitskräfte gibt das einen wichtigen Ansatzpunkt: Es gilt, den Nutzen von sicherem Verhalten deutlich und die Risiken sichtbar zu machen – mit dem Ziel, dass sichere verhalten erstrebenswerter für den Mitarbeiter werden zu lassen.

Das Abwägen des Risikos folgt zudem zwei Gesetzmäßigkeiten, unabhängig von persönlichen Erfahrungen:

Bekannte und vertraute Gefahren werden unterschätzt, unbekannte Gefahren überschätzt. Das wird deutlich am Beispiel Vogel- oder Schweinegrippe auf der einen Seite und den Fällen schwerer grippaler Infekte auf der anderen Seite.

Risiken, die man durch eigenes Handeln beeinflussen kann, werden unterschätzt, Risiken, denen man ausgeliefert ist oder sich ausgeliefert fühlt, werden überschätzt. Das lässt sich verdeutlichen, wenn man vergleicht, wie es sich anfühlt, Beifahrer eines riskanten Fahrers zu sein und wie man sich selbst verhält, wenn man selbst aus der Eile heraus Gas gibt.

Eine Möglichkeit, diesen Phänomenen entgegen zu wirken ist die Aufklärung: Klären Sie über Unfallzahlen und Unfallursachen auf, erläutern Sie, welche Unfälle im Betrieb häufig vorkommen und welche weniger oft, welche Folgen sie haben und welche Ursachen dahinter stecken. Nur das hilft, die Risiken realistisch einzuschätzen und Gefahren weder zu bagatellisieren noch hochzuspielen.

Weitere Tipps:

  • Sorgen Sie bei der persönlichen Schutzausrüstung nicht nur für hohe Funktionalität, sondern auch für möglichst hohen Tragekomfort und möglichst auch gute Optik. Das erhöht die Bereitschaft, die Ausrüstung auch zu nutzen.
  • Geben Sie den Mitarbeitern genügend Zeit, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen auch in die Arbeitsabläufe zu integrieren. Wer stets unter Zeitdruck ist, neigt dazu, fahrlässig zu handeln auf Kosten der Sicherheit.
  • Das Unternehmen und die Vorgesetzten müssen selbst das beste Vorbild sein und Arbeitsschutzstandards eine hohe Priorität beimessen. Dazu gehört zum einen, dass Verstöße weder toleriert noch durch Vorgaben wie etwa einen zu engen Zeitplan gefördert werden. Zum andern gehört dazu aber auch, die Mitarbeiter für vorbildliches Verhalten zu loben und ihnen für ihre Sicherheitsbewusstsein Wertschätzung entgegen zu bringen. Als drittes gehören dazu im gewissen Maße auch Investitionen wie in ergonomische Arbeitsmittel und betriebliche Gesundheitsvorsorge.
  • Werden Vorgaben zu Sicherheitsvorkehrungen trotz allem weiterhin von einigen Unbelehrbaren missachtet, helfen nur Sanktionen. Informieren Sie den Vorgesetzten, denn er ist verpflichtet, das Einhalten der Vorschriften zu kontrollieren und durchzusetzen. Das kann er durch eine mündliche Ermahnung tun, durch eine disziplinarische Maßnahme wie etwa eine Abmahnung und schlimmstenfalls die Versetzung oder Kündigung da der Mitarbeiter gegen § 15 der BGV A1 verstoßen hat.

 

Waschen, Schneiden, Spülen: Schutz, Reinigung und Pflege der Hände für Küchenpersonal

Quelle: Henrik Gerold Vogel  / pixelio.de

Foto: Henrik Gerold Vogel / pixelio.de

Spülwasser, Fruchtsäuren, Brandblasen und Schnitte – in einer Gastroküche werden die Hände nicht geschont. Intensive Feuchtarbeit und hautschädigende Arbeitsstoffe sind es, die hier die Tätigkeit von Fachkräften für Arbeitssicherheit und Sicherheitsbeauftragte, Betriebsärzten und Personalvertretungen sowie der Hygienefachkräfte auf den Plan rufen.

Sie haben dafür zu sorgen, dass die starke Beanspruchung nicht zu Hauterkrankungen und Verletzungen führt. Technische und organisatorische Vorkehrungen sind die eine Seite. Auf der anderen Seite müssen geeignete Mittel für den Hautschutz, die Hautreinigung und Hautpflege regelmäßig angewendet werden.

Welche Hausmittel werden in der Küche gebraucht?

Hautschutzmittel

Hautschutzmittel sind vor Arbeitsbeginn, nach Pausen und nach der Händereinigung anzuwenden, damit sie wirksam schützen können. In Küchen werden vorwiegend Hautschutzpräparate gegen wasserlösliche Arbeitsstoffe genutzt. Die Beschäftigten sind zu ihrem eigenen Schutz verpflichtet, vorhandene Hautschutzmittel bestimmungsgemäß und regelmäßig zu benutzen.

Hautreinigungsmittel

Für die Händereinigung in Küchen eignen sich in der Regel „Syndets“ (seifenfreie Waschstücke) am besten. Auch wenn sie in einer Küche stets greifbar sind: Keinesfalls dürfen Spül- oder Reinigungsmittel (z.B. Scheuermilch), Scheuerbürsten oder Bimsschwämme verwendet werden. Sie reizen die Haut, zerstören den natürliche Hautschutz, fügen ihr kleine Wunden zu und sind daher nicht nur eine unhygienische Infektionsquelle, sondern auch kontraproduktiv.

Hautpflegemittel

Hautpflegemittel stärken die natürlichen Barrierefunktion der Haut, etwa den Säureschutzmantel und die natürliche Flora der Hautoberfläche. Sie dienen auch der Wiederherstellung einer gesunden Haut. Sie sind somit besonders wichtig, um Hautschäden vorzubeugen, die durch häufige Belastung entstehen können. Hautpflegemittel sollten zu Beginn der Pausen sowie nach Feierabend auf die gereinigten Hände aufgetragen werden. Auch zuhause sollten die durch den Kontakt mit Wasser und hautschädigenden Stoffen gestressten Hände gepflegt werden.

Worauf ist bei der Auswahl geeigneter Hautmittel zu achten?

Die Auswahl der Mittel für den Hautschutz, die Hautreinigung und Hautpflege richtet sich nach den Anforderungen im Arbeitsbereich. Die Fachkräfte für Arbeitssicherheit und die Betriebsmediziner im Unternehmen sind hier die kompetenten Ansprechpartner.

Diese Herstellerangaben sollten vorliegen, um beurteilen zu können, ob das Produkt den Anforderungen genügt:

  • Zusammensetzung
  • Wirksamkeitsnachweis
  • Nachweis der Unbedenklichkeit bei bestimmungsgemäßer Verwendung
  • Nachweis der Eignung für den Lebensmittelbereich
  • Hinweise zur Haltbarkeit (mindestens 30 Monate oder Angabe eines Verfallsdatums)

 Bedenken Sie auch, dass es Überempfindlichkeiten und Allergien der Mitarbeitern geben könnte, die zu berücksichtigen sind.

Tipp 1

Ein Tipp zur besseren Akzeptanz der Hautmittel: Lassen Sie das Küchenpersonal verschiedene mögliche Produkte testen, bevor Sie sich entscheiden.

Tipp 2

Spender sind nicht nur für Hautreinigungsmittel empfehlenswert, sondern ermöglichen auch für die Hautpflegeprodukte eine hygienische und dosierte Entnahme. Kennzeichnen Sie die Spenderbehälter je nach Inhalt durch Farben und Symbole eindeutig entsprechend der Festlegung im Hautschutzplan, damit Ihren Mitarbeitern die richtige Verwendung leicht gemacht wird. Montieren Sie die Spender überall dort, wo sie gebraucht werden: nahe am Arbeitsplatz, nahe der Pausenräume und dort, wo die Mitarbeiter sich nach Feierabend umkleiden.

Tipp 3

Erstellen Sie einen Hautschutzplan. Er muss speziell auf den Arbeitsbereich Küche zugeschnitten sein und sollte überall aushängen, wo Ihre Mitarbeiter ihre Hände waschen und pflegen. Es ist wichtig, das Küchenpersonal regelmäßig, auch im Rahmen der Mitarbeiterunterweisungen, auf die richtige Verwendung der bereit gestellten Hautmittel und den Hautschutzplan hinzuweisen. Zeigen Sie, wie er praktisch umgesetzt wird und und üben Sie die Umsetzung.

Die häufigsten Fehler sind:

  • falsche Menge an Hautmitteln
  • Hände wurden nicht gründlich gereinigt und abgetrocknet
  • die besonders gefährdeten Hautpartien zwischen den Fingern und an den Fingernägeln werden vergessen

Handfester Schutz

Zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) gehören in vielen Berufen die Handschuhe zum festen Inventar. Wie bei allen Teilen der persönlichen Schutzausrüstung – beispielsweise Sicherheitsschuhe, Schutzbrille, Gehörschutz, Helm, Warnkleidung oder Schutzkleidung gegen Hitze, Regen oder Wettereinflüsse – ist der Unternehmer verpflichtet, sie kostenfrei dem Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen und ihn entsprechend zu unterweisen. Der Mitarbeiter ist andererseits dazu verpflichtet, die vorgeschriebene Schutzausrüstung zu benutzen und zu pflegen.
An Schutzhandschuhe werden je nach Einsatzgebiet unterschiedliche Anforderungen gestellt. Sie sollen die Hände vor Schädigungen durch äußere Einwirkungen schützen, beispielsweise  mechanischer Art (Stiche, Schnitte, Schläge, Abschürfungen, Vibrationen),  thermische Art (Hitze, Kälte, Schweißspritzer), Gefährdungen durch Strahlung (UV-Strahlung, Wärmestrahlung, Laserstrahlung, ionisierende Strahlung), chemische Gefährdungen (Verätzung, Reizung, Vergiftung), biologische Gefährdungen (Infektionen) oder elektrischer Gefährdungen. Andererseits ist es wichtig, dass Tragekomfort, Tastgefühl und Greifvermögen durch die Handschuhe nicht so eingeschränkt werden, dass neue Gefahrenquellen entstehen. Die Balance und das richtige Produkt zu finden, ist daher oftmals nicht leicht.

Kennzeichnungen auf Schutzhandschuhen
Die Normvorgabe für Schutzhandschuhe sieht vor, dass deutlich erkennbar und dauerhaft lesbar folgende Angaben auf ihnen zu finden sein müssen:

  • Name oder Kennzeichnung des Herstellers oder Lieferanten
  • Typenangabe oder Modellbezeichnung
  • Größenangabe

PSA-Kategorien für Schutzhandschuhe
Darüber hinaus werden Schutzhandschuhe mit entsprechenden Piktogrammen versehen und in drei PSA-Kategorien unterteilt:

  • Kategorie 1 (Cat. I): geringe Risiken, erfüllt nur geringe Schutzanforderungen. geeignet beispielsweise als Garten- oder Spülhandschuh
  • Kategorie 2 (Cat. II): mittlere Risiken, bietet beispielsweise Schutz vor mechanischen Gefährdungen
  • Kategorie 3 (Cat. III): hohe Risiken, bietet Schutz vor irreversiblen Schäden und tödlichen Gefahren

Leistungsstufen zum Schutz vor mechanischen Risiken

Schutzhandschuhe werden zudem mit einer Leistungsstufe gekennzeichnet, die von „x“ wie „ungeprüft“ bis hin zu „5“ für „hoher Schutz“ skaliert ist.

Die Kennzeichnung 4131 auf dem Handschuh dokumentiert beispielsweise:
4 = Abriebfestigkeit
1 = Schnittfestigkeit
3 = Weiterreißfestigkeit
1 = Durchstichfestigkeit

Je höher die Zahl, umso besser ist der Schutz vor Abrieb, Schnitten, Rissen und Durchstechen. Beispielsweise sind Handschuhe der Leistungsstufe 1 beim Abrieb nach etwa 100 Umdrehungen durchgescheuert. Für einen Handschuh der Stufe 4 bei Abrieb braucht es dagegen 8000 Umdrehungen, um ihm etwas anzuhaben.

Piktogramme geben Auskunft über die Schutzfähigkeit des Handschuhs. Häufige  Piktogramme sind: