Kühlung statt Hitzefrei

Quelle: Thomas Max Müller / pixelio.de

Quelle: Thomas Max Müller / pixelio.de

Nach den heißen Tagen mit über 30 °C fragen sich die, die die Hitze nicht am Badesee oder Biergarten verbringen konnten, sondern im Büro, Werkstatt oder auf der Baustelle arbeiten mussten: Warum gibt es eigentlich kein Hitzefrei außerhalb der Schule?
Darüber würden sich sicherlich viele freuen, doch in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ist das nicht vorgesehen und in diesem Dokument, das maßgeblich für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz in Arbeitsstätten herangezogen werden kann, wird die Raumtemperatur nur sehr spärlich behandelt. In Kapitel 3.5 des Anhangs ist lediglich die Rede von einer  „gesundheitlich zuträglichen Raumtemperatur“. Was genau darunter verstanden wird, ist im technischen Regelwerk gleicher Nummerierung zu finden. Hier in der ASR A3.5 ist zu lesen, welche verbindlichen Obergrenzen der Raumtemperatur vorgegeben sind. Dabei gilt: Arbeitsplätze mit  hoher  Luftfeuchte, Wärmestrahlung  oder  Luftgeschwindigkeit  müssen  gesondert betrachtet  werden.

Was gilt ab 26 °C?

Der Arbeitgeber muss für einen Sonnenschutz sorgen, wenn der Raum sich durch die Sonneneinstrahlung auf mehr als 26 °C aufheizt. Nicht nur für Arbeitsräume gilt diese ASR, sondern auch für die Pausenräume und Kantinen, Bereitschaftsräume, den Sanitärbereich und auch die Erstehilferäume.
Reichen die baulichen Voraussetzungen an einen sommerlichen Wärmeschutz nach geltendem Baurecht nicht aus und steigt die Temperatur in den Räumen auf über 26°, müssen die sonnigen Fenster, Oberlichter und Glaswände mit Jalousien ausgestattet werden oder es muss die Vorgabe erfolgen, dass die Rollos auch tagsüber geschlossen zu halten sind. Die Anforderungen   an   einen   wirksamen Blendschutz  an   Fenstern, Oberlichtern   und   Glaswänden  enthält   die   ASR A3.4 „Beleuchtung“. Auch Vordächer,    Balkone, feststehende  Lamellen  oder Bepflanzungen  können einen  wirkungsvollen  Sonnenschutz bieten.

Eine angepasste Gefährdungsbeurteilung gibt Aufschluss darüber, ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind. Dies ist zum Beispiel der Fall bei bestimmten Personengruppen wie schutzbedürftigen Beschäftigten, zum Beispiel Jugendliche und Ältere, Schwangere und Stillende. Auch bei gesundheitlich belasteten Mitarbeitern oder schwerer körperlicher Arbeit wie auch der Arbeit in Schutzausrüstung, die die Wärmeabgabe behindert, muss der Arbeitgeber mehr tun.

Was gilt ab 30°?

Gleiches gilt, wenn die Temperatur in den Räumen 30° überschreitet. Anhand einer Gefährdungsbeurteilung können geeignete Mittel gefunden werden, die die Temperatur in den Räumen senken hilft. Dazu gehört zum Beispiel das Ausschalten von allen elektronischen Geräten, bei denen es ausreicht, wenn sie bei Bedarf eingeschaltet werden, wie Kopierer, Drucker oder Scanner. Der Gesetzgeber nennt dies die “Reduzierung der inneren thermischen Lasten”.

Klimaanlage und Lüftung sollten nicht nur gewartet, sondern auch an die erhöhten Anforderungen angepasst werden. Weisen Sie Als Arbeitgeber Ihre Mitarbeiter Auch Ausdrücklich Darauf hin, am frühen Morgen ausgiebig zu lüften und die kühlere Luft zu nutzen. Möglicherweise kann es auch notwendig sein, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, zum Beispiel durch einen früheren Arbeitsbeginn und entsprechend längeren Mittagspausen. Nicht nur an heißen Tagen, sondern generell ist es ein feiner Zug des Arbeitgebers, Trinkwasser für die Mitarbeiter bereitzustellen. Oft wird im Büro zu wenig getrunken, worunter nicht selten auch Gesundheit und Konzentration leiden.
Wer als Arbeitgeber – vielleicht auch aus eigenem Interesse – darüber nachdenkt, den Krawatten- oder Anzugzwang zu lockern, kann dies natürlich nach eigenem Ermessen tun. Aber: Es darf niemals eine Ausnahme beim Tragen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) wie Helm, Warnweste oder Sicherheitsschuhe geben.
Was gilt ab 36°?

Nach der ASR A3.5 ist ein Raum nicht als Arbeitsraum geeignet, wenn die Lufttemperatur 35 °C überschreitet, die Mitarbeiter keine Hitzeschutzkleidung tragen und der Raum nicht mit einer Abkühlungsmöglichkeit durch Luftduschen oder Wasserschleier ausgestattet ist. Auch organisatorische Vorgaben wie Entwärmungsphasen können hier geboten sein.

Und wenn man friert?

Übrigens macht die ASR A3.5 wesentlich mehr Angaben einer Mindesttemperatur als zur Höchsttemperatur. Abhängig von der Arbeitsschwere und der Körperhaltung gibt sie genau vor, welche Raumtemperatur herrschen sollten.
Bei leichten Tätigkeiten im Sitzen sind es 20 °C, bei mittleren 19 °C. Müssen die Mitarbeiter hauptsächlich Stehen und Gehen sind 19 °C (leichte Tätigkeit), 17 °C (mittelschwere Tätigkeit) und 12 °C (schwerer Tätigkeit) vorgeschrieben. In Pausenräumen und in den Toiletten sollten es 21 °C sein. In Waschräumen mit Duschen dürfen das während der Nutzungsdauer auch 24 °C sein.

Wie wird gemessen?

Die Messung erfolgt nach Erfordernis stündlich an Arbeitsplätzen für sitzende Tätigkeit in einer Höhe von 0,6 m und bei stehender Tätigkeit in einer Höhe von 1,1 m über dem Fußboden.

 

Die Persönliche Schutzausrüstung allein reicht nicht

Quelle: Petra Bork  / pixelio.de

Quelle: Petra Bork / pixelio.de

Auf den meisten Baustellen und in einem Großteil der deutschen Betriebe ist es mittlerweile selbstverständlich, dass die Mitarbeiter persönliche Schutzausrüstungen (PSA) nutzen. Das allein sorgt auf jedem Fall für Pluspunkte bei den überraschenden Besuch der Kontrolleure der Berufsgenossenschaft oder Arbeitsschutzbehörde. Noch besser sind Sie vorbereitet, wenn Sie dokumentiert haben, wie umfangreich Sie Ihre Mitarbeiter in Sachen PSA unterweisen.

Dokumentieren Sie, auf welche Art Sie die Notwendigkeit des Tragens von PSA festlegen, etwa im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung. Ermitteln Sie mit ihrer Hilfe, bei welchen Tätigkeiten Ihre Mitarbeiter welche PSA-Komponenten tragen müssen und kennzeichnen Sie alle Arbeitsbereiche, in denen PSA-Tragegebote herrschen, durch entsprechende Gebotszeichen. Dokumentieren Sie die Schulungen und Unterweisung ihrer Mitarbeiter bezüglich des Tragens und Benutzen der PSA-Komponenten, die vorgeschrieben sind. Das Anlegen und Verwenden von PSA zum Schutz gegen tödliche Gefahren, wie beispielsweise Atemschutz oder Absturzsicherung, sollten Sie regelmäßig bzw. bei Bedarf einüben lassen.

Stellen Sie sicher, dass durch die Verwendung einer PSA-Komponente keine neue Gefährdung entsteht. So können beispielsweise beim Tragen von Gehörschutz akustische Warnsignale überhört werden oder optische Signale werden beim Tragen einer Schutzbrille übersehen. In solchen Fällen ist das Unternehmen gefordert, Abhilfe für mehr Sicherheit zu schaffen, indem alternative Warnsignale eingerichtet werden.

Unternehmen sollten beim Einkauf von PSA-Produkten nicht allein auf den Preis achten. Wichtiger ist die Anschaffung von hochwertigen Produkten mit langer Haltbarkeit und hohen Tragekomfort. Lange Haltbarkeit ist nicht selten auch ein Pluspunkt, der sich wirtschaftlich rechnet, wie auch bequeme und funktionelle PSA die Produktivität fördert. Zu jedem PSA-Element gehört eine schriftliche Benutzerinformation des Herstellers, die den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden muss. Die Produkte sollten die CE-Kennzeichnung aufweisen. Bei PSA der Kategorie III ist zusätzlich die Kennnummer der mit der Qualitätssicherung beauftragten, zugelassenen Stelle notwendig.

Je nach PSA ist es erforderlich, entsprechende Betriebsanweisungen zu erstellen. In diesen wird beispielsweise darüber informiert, welche Verfallsdauer und Tragezeitbegrenzung die PSA-Elemente haben, wo und wie die Mitarbeiter ihre PSA aufbewahren müssen, und welche Pflegemaßnahmen unter Umständen erforderlich sind.

Dokumentieren Sie für die Kontrollbehörden wie die regelmäßige Instandsetzung und Wartung der PSA organisiert ist. Stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter wissen, dass sie die PSA vor der Nutzung auf äußerlich sichtbare Mängel zu prüfen haben und defekte oder beschädigte PSA nicht weiter benutzen dürfen. Regeln Sie das Aussortieren und die Entsorgung oder Reparatur verschlissener oder beschädigte PSA-Teile und klären Sie Ihre Mitarbeiter darüber auf, wo und auf welche Weise sie Ersatz erhalten können. Denken Sie daran, dass auch Praktikanten, Aushilfen, Ferienjobber und Zeitarbeiter eine persönliche Schutzausrüstungen benötigen. Vergessen Sie bitte auch nicht, für Besucher Schutzkleidung bereitzuhalten, sofern damit zu rechnen ist, dass sie entsprechende Betriebsbereiche mit PSA-Tragpflichten betreten.

Gegenüber den Kontrollbehörden können Sie zudem darlegen, auf welche Art Sie Ihre Beschäftigten beim Auswählen von PSA-Komponenten mit einbeziehen. Das erhöht die Trageakzeptanz bei den Mitarbeitern, ebenso wie es das konsequente Anmahnen tut, wenn Tragegebote nicht befolgt wurden. Stellen Sie klar, welche Konsequenzen das strikte Verweigern der vorgeschriebenen PSA hat, die von disziplinarischen Konsequenzen und Entzug von Vergünstigungen über Verwarnung und Verweis bis hin zur Kündigung reichen können.

Legen Sie vor den Kontrolleuren auch dar, welche Regelung Sie mit dem Sicherheitsverantwortlichen und dem Betriebsrat bezüglich dieser Konsequenzen getroffen haben.

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und tragen Sie auch als Führungskraft eine PSA, wenn das Betriebsbereiche betreten, in denen sie erforderlich ist – und das nicht nur beim Kontrollgang mit den Behörden.

Checkliste: Was gehört in einen Erste-Hilfe-Raum?

Erste Hilfe

Foto: Wiki Commons/Rieschl

Jedes Unternehmen muss zumindest einen Verbandskasten mit Erste-Hilfe-Material bereit stellen. In größeren Betrieben sind zudem auch Erste-Hilfe-Räume erforderlich.  Unabhängig von dem Gewerbszweig, der Art der Tätigkeit und dem betrieblichen Unfallgeschehen müssen

  • Betriebe, in denen mehr als 1000 Versicherte beschäftigt sind
  • aber auch schon Betriebe mit mehr als 100 Versicherten, wenn Art, Schwere und Zahl der Unfälle es erfordern
  • sowie Baustellen mit mehr als 50 Versicherten

laut § 25 Abs. 4 BGV/GUV-V A1 einen Erste-Hilfe-Raum oder etwas vergleichbares haben.

Erste-Hilfe-Räume müssen entsprechend der Gefährdungsbeurteilung geeignet ausgestattet sein. Beispiele zur Ausstattung sind im Anhang 2 der Information “Erste Hilfe im Betrieb” (BGI/GUV-I 509) sowie in der Technischen Regel für Arbeitsstätten A 4.3 “Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe” enthalten.

Für die Grundausstattung haben wir eine Checkliste zum Download als PDF für Sie bereit gestellt.

Sie sollte den spezifischen Anforderungen weiter angepasst werden. So genügend in manchen Betrieben die Medikamente, die auch in einer normalen Hausapotheke zu finden sein sollten, also Kohletabletten, Kopfschmerzmittel, Sprühpflaster, Brandsalbe, etc., während in anderen zusätzliche Mittel notwendig sind.

Im Fall der Fälle: Was tun bei einem Arbeitsunfall?

Quelle: S. Hofschlaeger  / pixelio.de

Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Ein unbedachter Moment und schon ist es passiert. Sicherheit und Schutzmaßnahmen, die noch so gut durchdacht sind, schützen nicht immer davor, dass Arbeitsunfälle passieren. Deshalb sollten die Mitarbeiter in jedem Betrieb wissen, was zu tun ist, wenn es zu einem Arbeitsunfall kommt.
Das Wichtigste ist, dass es besser ist, etwas Falsches zu tun als gar nichts zu tun.
Beobachtet man einen Unfall, muss man sofort reagieren. Was zu tun ist, lässt sich auf diese Faustformel bringen: helfen – melden – sichern.

1. Helfen
Wenn Sie zur Unfallstelle kommen, verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick.

  • Wie viele Menschen sind verletzt?
  • Gibt es Schwerverletzte?
  • Stehen die Verletzten unter Schock?
  • Sind sie ansprechbar?
  • Leisten Sie erste Hilfe oder rufen Sie weitere Helfer hinzu..
  • Bringen Sie die Verletzten in Sicherheit, aber begeben Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr (Eigenschutz).
  • Sprechen Sie ruhig und beruhigend mit dem Verletzten und sagen Sie ihm, das gleich Hilfe kommt.

2. Melden
Melden Sie sofort den Unfall an die Alarmzentrale oder rufen Sie einen Notarzt und wenn nötig auch die Feuerwehr.
Beschreiben Sie kurz, ruhig und genau, was passiert ist. Halten Sie sich dabei an die fünf „W”:

  • Was ist passiert?
  • Wo ist es passiert?
  • Wie ist es passiert?
  • Wann ist es passiert?
  • Warten auf Rückfragen!

Nennen Sie Ihren Namen, genaue Position und eine Rückrufnummer. Nennen Sie die Anzahl der verletzten Personen und möglicherweise auch Art und Ausmaß der Verletzungen. Melden Sie auch, wenn weitere Gefahren drohen, wie zum Beispiel Feuer, Strom oder Chemikalien. Warten sie auf Rückfragen und legen Sie erst auf, wenn Ihr Gesprächspartner das Telefonat beendet.

3. Sichern und warnen
Sperren Sie falls nötig den Unfallort ab, um weiteres Unheil zu verhindern.
Falls notwendig, sichern Sie Bauteile, stellen Sie die Maschinen im Umfeld ab und schalten sie den Strom umliegender Maschinen aus, um weitere Gefahren zu vermeiden.
Falls es brennt, versuchen Sie den Brand im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zu bekämpfen. Ist das nicht möglich oder zu gefährlich, evakuieren Sie sich und die Verletzten aus dem Gefahrenbereich.

In Einzelfällen kann es notwendig sein, zuerst Hilfe zu holen, weil man zum Beispiel den Verletzten alleine nicht helfen kann.
Weitere Helfer sind zum Beispiel:

  • Kolleginnen und Kollegen
  • innerbetriebliche Ersthelfer
  • Betriebssanitäter
  • Betriebsarzt
  • innerbetrieblicher Rettungsdienst
  • öffentlicher Rettungsdienst/Notarzt: 112 oder 19 222
  • die Sicherheitsfachkraft
  • die Werksfeuerwehr
  • die externe Feuerwehr unter 112

Es ist wichtig, den Ernstfall zu üben, damit klar ist, wann was zu tun ist. Inhalt dieser Übung, ist zum Beispiel das Wissen, wann ein Notruf zwingend notwendig ist, wann die Rettung informiert werden muss oder ob die erste Hilfe ausreicht. Auch wo die Notruftelefone sind und wie ein Notruf richtig abgesetzt werden muss, sollte man üben. Zudem müssen die Mitarbeiter wissen, wer die Ersthelfer sind und wo Erste-Hilfe-Kästen hängen. Auch in Sachen Erste Hilfe gibt es immer wieder neue Erkenntnisse oder Ratschläge.
Die Inhalte dieser Schulung sollten nicht nur praktisch geübt werden, sondern auch auf Papierform ausgehändigt werden, da sich vieles besser einprägt, wenn man es schriftlich vor sich sieht.

Allein, aber nicht vergessen

Quelle: lichtkunst.73 / www.pixelio.de

Foto: lichtkunst.73 / www.pixelio.de

Im vorherigen Beitrag hatten wir auf die Besonderheiten von Alleinarbeitsplätzen hingewiesen. Dabei ist für den Arbeitgeber wichtig, dass er je nach Art der Gefährdung für eine entsprechende Überwachung der allein arbeitenden Person sorgen muss.
Gefährdungen werden im Arbeitsschutz in drei Kategorien unterteilt: geringe, erhöhte und besondere Gefährdungen. Die Kategorisierung haben wir in einem anderen Blogbeitrag erläutert.
Geringe Gefährdung
Ergibt die Gefährdungsbeurteilung nur eine geringe Gefahr für den Arbeiter, einen Unfall zu erleiden, genügt in der Regel ein Telefon vor Ort, an dem die Notrufnummer gut sichtbar angebracht ist.
Erhöhte Gefährdung
Bei Tätigkeiten mit erhöhter Gefährdung kann mehr Sicherheit dadurch geschaffen werden, dass eine andere Person in kurzen Abständen persönlich überprüft, ob alles in Ordnung ist. Eine gute Alternative zu diesen Kontrollgängen ist ein Meldesystem, über das die allein arbeitende Person regelmäßig anpiept oder anruft. Sogenannte “willensabhängige Meldeeinrichtungen” erhöhen die Sicherheit. Dazu gehören Hilferufanlagen, mobile Telefone oder Funkgeräte.
Besondere Gefährdung
Ist eine besondere Gefährdung gegeben, bedarf es einer ständigen Überwachung durch ein willensunabhängiges Meldesystem. Dazu gehören beispielsweise Personen-Notsignalanlage, Gaswarngerät oder die Überwachung per Video, was bei den so überwachten Personen allerdings nicht selten als störend empfunden wird. Es ist daher wichtig, die Überwachung rein unter Arbeitsschutzaspekten einzusetzen und vor allen Dingen die Belegschaft frühzeitig darüber zu informieren. Wir empfehlen zudem, die Video-Empfangszentrale nicht bei Vorgesetzten zu installieren.
Personen-Notsignalanlagen bestehen aus einem tragbaren Signalgeber, der am Körper des Arbeiters getragen wird und Kontakt zu einer Empfangszentrale herstellt. Dieser Kontakt kann willensabhängig oder automatisch, also willensunabhängig ausgelöst werden.
Willensabhängiger Alarm wird durch Drücken eines Knopfes ausgelöst. Im Falle eines Unfalls oder beispielsweise einer Ohnmacht sind sie wenig geeignet. Empfohlen werden daher in der Regel der Ruhealarm bei Bewegungslosigkeit des Trägers oder der Lagealarm, der auslöst, wenn ein bestimmter Neigungswinkel überschritten wird. Andere Signalgeber lösen automatisch Alarm auf, wenn die regelmäßige Meldung des Trägers nicht erfolgt, hektische bewegungen erkennbar sind (Fluchtalarm) oder der Signalgeber verloren wurde.
Ein Nachteil dieser tragbaren Notsignalanlagen ist die Lokalisierung: Wird der Alarm ausgelöst und die Person hat einen weitläufigen Arbeitsplatz, verstreicht eventuell wertvolle Zeit bis sie gefunden wird.
Deshalb empfehlen wir in solchen Fällen zusätzliche Hilfsmittel wie etwa Ortskennungssender oder Personen-Notsignalgeräte, die im Alarmfall ein akustisches Signal aussenden. Auch Quittierstellen und Meldelisten können helfen, die Person im Falle einer Notlage schneller zu finden.

Jährliche Übung und Kontrolle

Ist die erhöhte oder besondere Gefährdung gegeben, sind die beteiligten Personen, also der auf dem Einzelarbeitsplatz Arbeitende und die Mitarbeiter in der Empfangszentrale, “in angemessenen Zeitabständen” über die Gefahren und die Notfallsignale zu informieren. “In angemessenen Zeitabständen” meint mindestens einmal im Jahr, beziehungsweise bei neuen Mitarbeitern vor dem Arbeitseinsatz. Themen der Unterweisung, die mit Hilfe der Betriebsanweisung stattfinden sollte, sind die möglichen Gefahren der Arbeit und des Arbeitsplatzes und die Maßnahmen, die zur Sicherheit und Überwachung getroffen wurden.
Aber: Es nützt nichts, wenn zwar jeder weiß, wo das Notfalltelefon steht und wie man es bedient, aber im Notfall die Rettungskette nicht reibungslos einsetzt. Deshalb ist es unabdingbar, den Fall des Falles komplett zu durchdenken, Notsignal- und Rettungsmaßnahmen auf Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit zu überprüfen und bei regelmäßigen Alarmübungen die Praxis zu testen.

Mehr Maschinen, weniger Menschen

Foto: Rainer Sturm/Pixelio.de

Foto: Rainer Sturm/Pixelio.de

Wo früher ein Wuseln und Werkeln war, steht heute eine Maschine, stockwerkehoch und voll automatisiert. Statt 20 Leute ist es nun einer, der per Knopf und Regler via Kontrollbildschirm die Arbeit überwacht. In Industrie, Handwerk und Gewerbe ist das keine Seltenheit mehr. Immer öfter sind es daher Einzelarbeitsplätzen, auf denen die Mitarbeiter eingesetzt werden.

Aus Sicht des Arbeitsschutzes bergen sie eine besondere Gefahr, denn wenn hier ein Unfall passiert, wird er oft nur bemerkt, wenn der Verletzte Alarm auslösen kann. Wie dies geschehen kann und welche Möglichkeiten der Unternehmer hat, um seinen Mitarbeitern die nötige Sicherheit zu bieten, haben wir in einem weiteren Blogbeitrag ausgeführt.

Zunächst ist für das weitere Vorgehen wichtig zu wissen, was in Arbeitsschutzbestimmungen als Einzelarbeitsplatz angesehen wird.

Ganz logisch: Wer als einzelne Person allein und außer Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen arbeitet, tut dies in so genannter Alleinarbeit, also auf einem Einzelarbeitsplatz.
Unterschieden wird hier von ortsgebundenen Arbeiten in einem räumlich eng begrenzten Bereich und in ortsungebundenen Arbeiten, wenn die Tätigkeiten mit aufeinander folgenden Ortswechseln verbunden ist, etwa bei der Überwachung eines Industriegeländes durch einen einzelnen Sicherheitsdienstler.
Die Vorschriften der Berufsgenossenschaft (BG-Vorschriften) und andere rechtliche Grundlagen bestimmen, ob bei bestimmten Arbeiten eine zweite Person anwesend sein muss. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn in Silos und Bunkern gearbeitet wird, es sich um einen gasgefährdeten Arbeitsplatz handelt oder auch wenn funkenerzeugende Arbeiten in brand- und explosionsgefährdeten Bereichen geplant sind.

Bevor von einem Unternehmen also ein Arbeitsplatz für eine Einzelperson eingerichtet wird, aber auch wenn ein Arbeitnehmer von seinem Vorgesetzen beauftragt wird, unter Einzelarbeitsplatzbedingungen zu arbeiten, muss zunächst geprüft werden, ob die Alleinarbeit in diesem Fall erlaubt ist.

Die Arbeitsbedingungen entscheiden darüber, welche Gefährdungen möglicherweise eintreten können. Danach wird bestimmt, wer die Arbeiten erledigen soll und wie das Wohlergehen dieser Person überwacht werden kann.

Beurteilung der Arbeitsbedingungen

Welche Gefährdungen bestehen für die Person, die an diesem Arbeitsplatz tätig werden soll? Sie zu ermitteln und zu bewerten ist die Grundlage für die Beurteilung der Arbeitsbedingungen.

Arbeits- und dem Gesundheitsschutz sind hier das Maß aller Dinge, ebenso wie eine genaue Betrachtung der physischen und psychischen Anforderungen.

Mögliche Gefährdungen können sein:

  • mechanische Gefährdungen:

z. B. Absturzstellen, Einzugsstellen, Roll-, Kipp-, Gleit- oder Drehbewegungen, bewegliche Maschinenteile, Fahrzeuge, nicht trittsicherer Boden

  • elektrische Gefährdungen:

z. B. leitfähige Räume mit wenige Bewegungsfreiheit, freiligende Leitungen, Nässe

  • chemische Gefährdungen:

z.B. Stäube, Dämpfe oder Gase, die brand- oder explosionsgefährlich oder gesundheitsschädigend sind, möglicher Sauerstoffmangel

  • thermische Gefahren:

z. B. durch Hitze oder Kälte von Dämpfe oder Oberflächen

  • Strahlungsgefährdung:

z.B. elektromagnetische Strahlung, ionisierende Strahlung, UV-Strahlung, Röntgenstrahlung, Wärmestrahlung oder Laserstrahlen

  • sonstige Gefährdungen:

z.B. Ertrinkungsgefahr, Angriffe durch Tiere oder Menschen

Jede Art der Gefährdung gilt es zu bewerten, um sie einzuteilen in geringe, erhöhte oder besondere Gefährdungen.

Ein geringe Gefährdung ist eine alltägliche Gefahr durch das allgemeine Lebensrisiko. Tritt sie ein, ist zu erwarten, dass der Betroffene selbst handlungsfähig bleibt.

Eine erhöhte Gefährdung meint, dass der Betroffene im Notfall nur noch eingeschränkt handlungsfähig ist.

Die höchste Stufe ist die besondere Gefährdung, bei der neben den genannten Gefährdungen weitere Beeinträchtigungen eintreten können und der Betroffene im Notfall nicht mehr handlungsfähig ist.

Erhöhten oder besonderen Gefährdungen dürfen daher bestimmte Personen nicht ausgesetzt werden.

Ebenso gibt es generell Personengruppen, die nicht oder nur eingeschränkt auf Einzelarbeitsplätzen eingesetzt werden können. Dazu gehören Personen, die Anfallsleiden, Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten haben, Personen, die zeitweise oder dauernd unter psychischen Störungen oder psychischen Krankheiten leiden sowie auch Mitarbeiter, die abhängig sind von Alkohol, Medikamenten oder Drogen.

Je nach Art der Gefährdung und den daraus möglicherweise resultierenden Verletzungen im Falle eines Unfalls muss der Arbeitgeber für eine entsprechende Überwachung sorgen. Dies können regelmäßige Kontrollgänge durch andere Personen sein oder auch – wie in den häufigsten Fällen notwendig – eine technische Überwachung. In vielen Fällen findet sich als Lösung ein System, das die einfache Kommunikation mit einer Person ermöglicht, die durch ihre Orts- und Fachkenntnis schnell in der Lage ist, für Erste Hilfe zu sorgen.

Motivation gegen den Leichtsinn

Quelle: Fluke  / pixelio.de

Foto: Fluke / pixelio.de

Nicht selten zeigt sich nach einem Arbeitsunfall: Der Verunfallte kannte die Gefahr und hat den Unfall durch Fehlverhalten selbst verursacht. Wider besseres Wissen wurde das Risiko in Kauf genommen, dass etwas passiert.

Als Sicherheitsfachkraft sollte man sich immer klar machen, dass es diese Risikofreude gibt und welche Gründe es dafür gibt – damit man ihnen entgegenwirken kann.

Sicherheitsfalle 1: Routine

Jedes Tun geht mit einer persönlichen Einschätzung einher, bei der unbewusst bewertet wird, ob eine Situation gefährlich werden kann oder nicht. Dabei spielen persönliche Erfahrungen eine große Rolle. Wo bisher nie etwas passiert ist, sinkt Bewusstsein für die Gefahr und das Risiko, das eingegangen wird, wird höher.

Ob sich ein Mitarbeiter so verhält, wie es die Sicherheitsvorgaben vorschreiben oder ob er sicherheitswidrig handelt, hängt davon ab, wie hoch er das Risikopotenzial einschätzt und welches Risiko er bereit ist einzugehen. Letzteres ist ein hochgradig persönliches Maß, das zum einen vom Charakter abhängt, aber auch von der aktuellen Gefühlslage. Wer beispielsweise Wut oder Stress empfindet, schätzt Gefahren eher niedriger ein als realistisch wäre.

Untersuchungen zeigen: Jeder zweite Unfall geschieht, weil der Verunglückte das Gefahrenpotenzial unterschätzt hat. Ein Folge der Routine, die sich einem einfachen Beispiel zeigt. So ist Stolpern, Rutschen und Stürzen eine recht häufige Unfallfolge, da das Risikopotenzial beim Gehen durch die tägliche Routine kaum noch wahrgenommen wird. Die Folge: Unachtsamkeit und Ablenkung (etwa durch das Handy und Nachrichtenschreiben). Bei Tätigkeiten dagegen, die ein sehr hohes Risikopotenzial aufweisen, das im Bewusstsein präsent ist, passieren weniger häufig Unfälle, weil die Sinne geschärft sind und der Mitarbeiter konzentriert.

Das zeigt, wie wichtig es ist, sowohl auf die großen und sichtbaren Gefahren hinzuweisen wie auch auf die kleinen Gefährdungen.

Sicherheitsfalle 2: Trügerische Erfahrungen

Die Entscheidung, ob eine Situation risikoreich ist oder nicht und ob man besser auf Nummer Sicher gehen sollte, hängt von mehreren Faktoren ab.

  •  Wie wird das Gefährdungspotenzial eingeschätzt?

Erscheint die Situation ungefährlich, wird weniger Wert auf Sicherheit gelegt.

  •  Lohnt sich ein Fehlverhalten?

Wird der Nutzen des Fehlverhaltens – etwa die Zeitersparnis oder weniger Aufwand – höher bewertet als die aus dem Verhalten resultierenden Folgen, fällt die Entscheidung oft gegen die Sicherheit.

  •  Habe ich Folgen zu befürchten?

Wenn sicherheitswidriges Verhalten mehrfach folgenlos bleibt, wird es weiterhin wiederholt und schließlich zur Gewohnheit, über nicht weiter nachgedacht wird.

  •  Reflektiere ich, was ich tue?

Gewohnheiten, Routinen und unbewusste Risiken benötigen Reflexion. Wer über sein Tun nachdenkt, bemerkt unter Umständen, dass er die Risiken höher bewerten muss als er es bisher getan hat.

  •  Muss ich mit Strafen rechnen?

Folgt auf das Fehlverhalten eine Strafe, sei es arbeitsrechtlicher Art, durch eine deutliche Ermahnung vom Vorgesetzten oder im extremsten Fall durch einen Unfall, wird es in den meisten Fällen überdacht und geändert.

Menschen experimentieren also mit ihrem Verhalten und testen so Risiken aus. Es folgt immer eine Abwägung zwischen Gefahrenpotenzial und Nutzen. Für Vorgesetzte und Sicherheitskräfte gibt das einen wichtigen Ansatzpunkt: Es gilt, den Nutzen von sicherem Verhalten deutlich und die Risiken sichtbar zu machen – mit dem Ziel, dass sichere verhalten erstrebenswerter für den Mitarbeiter werden zu lassen.

Das Abwägen des Risikos folgt zudem zwei Gesetzmäßigkeiten, unabhängig von persönlichen Erfahrungen:

Bekannte und vertraute Gefahren werden unterschätzt, unbekannte Gefahren überschätzt. Das wird deutlich am Beispiel Vogel- oder Schweinegrippe auf der einen Seite und den Fällen schwerer grippaler Infekte auf der anderen Seite.

Risiken, die man durch eigenes Handeln beeinflussen kann, werden unterschätzt, Risiken, denen man ausgeliefert ist oder sich ausgeliefert fühlt, werden überschätzt. Das lässt sich verdeutlichen, wenn man vergleicht, wie es sich anfühlt, Beifahrer eines riskanten Fahrers zu sein und wie man sich selbst verhält, wenn man selbst aus der Eile heraus Gas gibt.

Eine Möglichkeit, diesen Phänomenen entgegen zu wirken ist die Aufklärung: Klären Sie über Unfallzahlen und Unfallursachen auf, erläutern Sie, welche Unfälle im Betrieb häufig vorkommen und welche weniger oft, welche Folgen sie haben und welche Ursachen dahinter stecken. Nur das hilft, die Risiken realistisch einzuschätzen und Gefahren weder zu bagatellisieren noch hochzuspielen.

Weitere Tipps:

  • Sorgen Sie bei der persönlichen Schutzausrüstung nicht nur für hohe Funktionalität, sondern auch für möglichst hohen Tragekomfort und möglichst auch gute Optik. Das erhöht die Bereitschaft, die Ausrüstung auch zu nutzen.
  • Geben Sie den Mitarbeitern genügend Zeit, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen auch in die Arbeitsabläufe zu integrieren. Wer stets unter Zeitdruck ist, neigt dazu, fahrlässig zu handeln auf Kosten der Sicherheit.
  • Das Unternehmen und die Vorgesetzten müssen selbst das beste Vorbild sein und Arbeitsschutzstandards eine hohe Priorität beimessen. Dazu gehört zum einen, dass Verstöße weder toleriert noch durch Vorgaben wie etwa einen zu engen Zeitplan gefördert werden. Zum andern gehört dazu aber auch, die Mitarbeiter für vorbildliches Verhalten zu loben und ihnen für ihre Sicherheitsbewusstsein Wertschätzung entgegen zu bringen. Als drittes gehören dazu im gewissen Maße auch Investitionen wie in ergonomische Arbeitsmittel und betriebliche Gesundheitsvorsorge.
  • Werden Vorgaben zu Sicherheitsvorkehrungen trotz allem weiterhin von einigen Unbelehrbaren missachtet, helfen nur Sanktionen. Informieren Sie den Vorgesetzten, denn er ist verpflichtet, das Einhalten der Vorschriften zu kontrollieren und durchzusetzen. Das kann er durch eine mündliche Ermahnung tun, durch eine disziplinarische Maßnahme wie etwa eine Abmahnung und schlimmstenfalls die Versetzung oder Kündigung da der Mitarbeiter gegen § 15 der BGV A1 verstoßen hat.

 

Präventionskampagne für den gesunden Rücken

Quelle: Stephan Floß/DGUV / UV-Träger/Präventionskampagne Dein Rücken

Foto: Stephan Floß/DGUV / UV-Träger/Präventionskampagne Dein Rücken

“Denk an mich. Dein Rücken” – das ist das Motto aktuellen Präventionskampagne von Berufsgenossenschaften und Unfallkassen, der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau sowie der Knappschaft. Das Ziel der Kampagne: Rückenbelastungen bei der Arbeit, in der Schule und in der Freizeit verringern.
In den kommenden drei Jahren können Betriebe und Versicherte Informationen und Beratung zum Thema abrufen.
Zum Alltag vieler Beschäftigter gehören Rückenbelastungen, etwa in der Produktion, am Bau, aber auch in Dienstleistungsberufen wie der Pflege. Das Bewegen schwerer Lasten, die Arbeit in Zwangshaltungen und ständig wiederkehrende Bewegungsabläufe belasten das Muskel-Skelett-System – im schlimmsten Fall bis hin zu spürbaren und schmerzhaften Folgen. Aber nicht nur diese Überforderung, auch die Unterforderung kann negative Folgen haben. Mangelnde Bewegung, das dauernde Sitzen im Büro, in der Schule und in der Freizeit führt dazu, dass die Rückenmuskulatur nicht mehr genug gefordert wird, so dass sie geschwächt ist.
Nach wie vor gibt es daher eine hohe Zahl der Rückenerkrankungen und die damit verbundenen Krankheitskosten und Produktionsausfälle. Vor diesem Hintergrund vermittelt die Kampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ das nötige Wissen, um die Balance zwischen Be- und Entlastung des Rückens zu finden.

Kampagne informiert über Möglichkeiten für Arbeitgeber

Die Arbeitgeber haben eine Reihe von Möglichkeiten, die Belastung ihrer Beschäftigten zu verringern, betonen die Organisatoren der Kampagne: Sie können Arbeitsplätze ergonomisch gestalten oder eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, die körperliche und psychische Belastungen für den Rücken berücksichtigt und anschließend die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Das verbessere nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten, sondern es lohne sich auch für den Arbeitgeber: Verschiedene Studien zeigen, dass sich Investitionen in die betriebliche Prävention und Gesundheitsförderung positiv auswirken.

Tipps für den gesunden Rücken

Die Träger der Präventionskampagne “Denk an mich. Dein Rücken” haben für die Mitarbeiter konkrete Tipps, um den Rücken fit zu halten und vor Schäden zu schützen.

  • Hilfsmittel verwenden: Immer, wenn es möglich ist, Hilfsmittel wie Hebehilfen, Tragegurte, Tischwagen oder Hubkarren zum Transportieren schwerer Lasten verwenden.
  • Schwere Lasten vermeiden: Die eigene Kraft nicht überschätzen und Lasten lieber aufteilen und in mehreren Teilen transportieren. Nicht teilbare schwere Lasten zu zweit tragen.

Ergonomische Körperhaltung beachten:

  • Beim Heben von schweren Lasten: Befindet sich die Last auf dem Boden, mit geradem Rücken von vorn möglichst dicht an die Last herantreten, beim Bücken das Gesäß nach hinten schieben und die Knie nicht weiter als 90 Grad beugen. Die Last nicht ruckartig, sondern mit gleichem Tempo durch Streckung der Hüft- und Kniegelenke körpernah anheben. Beim Anheben, Umsetzen und Absetzen von Lasten die Wirbelsäule nicht verdrehen; Richtungsänderungen durch Umsetzen der Füße mit dem ganzen Körper vornehmen.
  • Beim Tragen von Lasten: Eine aufrechte Körperhaltung einnehmen und nicht ins Hohlkreuz fallen und die Last so dicht wie möglich am Körper tragen. Beide Körperseiten gleichmäßig belasten und nach Möglichkeit Hilfsmittel wie Sackkarre, Schubkarren oder Tragegurte verwenden.
  • Körperliche Fitness: Die körperliche Verfassung spielt eine große Rolle bei der Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen. Regelmäßige Bewegung wie Gymnastik und Dehnübungen sowie Spaziergänge helfen, den Körper fit zu halten. Nicht zuletzt kann eine gesunde und ausgewogene Ernährung die eigene Gesundheit unterstützen.

In der Präventionskampagne “Denk an mich. Dein Rücken” arbeiten die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau und die Knappschaft zusammen.
Mehr zu den Hintergründen der Kampagne gibt es unter der Webseite www.deinruecken.de . Dort stehen unter anderem viele Hinweise für die rückengerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen, Broschüren für verschiedene Zielgruppen, Hintergrundinformationen und Fakten zur Kampagne sowie die Plakatmotive bereit.

Folgenschwerer Bedienfehler

Am 26. November 2012 brach in der Caritas-Werkstatt für Menschen mit Lernschwierigkeiten in Titisee-Neustadt ein Feuer aus. 14 Menschen starben, 10 wurden verletzt. Eine furchtbare Katastrophe, laut Sachverständigen-Gutachten ausgelöst durch eine Verpuffung an einem Katalytofen.

Dieser Ofen war nicht zur Beheizung für die Werkstatt vorgesehen, sondern als Wärmequelle für den bald anstehenden Weihnachtsmarkt. Für die Betreuerin, die den Ofen vermutlich bediente, kam jede Hilfe zu spät.

Nun folgen weitere Ermittlungen, um zu klären, ob sie für den Unfall verantwortlich war oder ob Versäumnisse der Werkstattleitung zu diesem furchtbaren Brand führten. Gesetzliche Vorgaben schreiben vor, dass jeder, der mit einem solchen gasbetriebenen Ofen arbeitet, über die Gefahren aufgeklärt werden muss. Zudem muss eine schriftliche Dokumentation über diese Unterweisung vorliegen.

Zweieinhalb Monate nach dem Brandunglück hat die Justiz daher die Ermittlungen gegen den Leiter der Caritas-Werkstatt aufgenommen. Auch sein Vorgänger muss sich den Fragen stellen, denn der Ofen ist seit zehn Jahren in Besitz der Caritas.

Zur Begründung heißt es in der Pressemitteilung der Polizeidirektion Freiburg vom 13. Februar 2013

Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis ist fraglich, ob die erforderliche Gefährdungsbeurteilung des Katalytofens im erforderlichen Umfang durchgeführt wurde. Erkenntnisse über eine mögliche Dokumentation lagen bislang nicht vor. Eine Gefährdungsanalyse und eine entsprechende Dokumentation wären jedoch bereits vor Bereitstellung und Nutzung des Katalytofens erforderlich gewesen.

Sollte der Ofen tatsächlich ohne hinreichende Gefährdungsanalyse und ohne erforderliche Dokumentation als Arbeitsmittel bereitgestellt und genutzt worden seien, sähen sich die Werkstattleiter der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen Körperverletzung und der fahrlässigen Brandstiftung ausgesetzt.

Einen technischen Defekt am Ofen schließt der Sachverständig laut Polizei aus. Das Linksgewinde des seitlichen Anschluss-Stutzens sei mechanisch nicht beschädigt und auch die einzelnen Gewindegänge seien intakt gewesen. Vielmehr war das Gasflaschen-Ventil zur Propangasflasche vollständig geöffnet, so der Gutachter. Allem Anschein nach durch einen Bedienfehler war der Katalytofen mit der Gasflasche nicht mehr verbunden, so dass das Propangas ungehindert ausströmen konnte.

Dieser Fall zeigt auf beklemmende Weise, wie wichtig es ist, die nötige Vorsicht walten zu lassen und Vorgaben zur Sicherheit zu beachten.

Wer hoch hinaus will …

Quelle: Petra Bork  / pixelio.de

Foto: Petra Bork / pixelio.de

Auch wenn die Stürze von der Leiter nicht mehr zu den häufigsten Arbeitsunfällen zählen, bleibt die Gefahr schwerer oder gar tödlicher Verletzungen bestehen – selbst aus geringer Höhe.

Sicherheitsfachkräfte sollten daher systematisch vorgehen, um dafür zu sorgen, dass beim Umgang mit Leitern die wichtigen Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden.

Arbeitsmittel wählen

Zunächst gilt es, durch eine Gefährungsbeurteilung festzustellen, ob eine Leiter die richtige Wahl ist oder doch besser die sicherere Variante wie Gerüste und Podeste, Hubarbeitsbühnen oder der Arbeitskorb am Gabelstapler zu bevorzugen ist.

Fragenschema zur Wahl der Arbeitsmittels:

  • Welche Aufgabe muss erfüllt werden und welche Rahmenbedingungen sind gegeben (z. B. Höhenunterschied, Dauer, Häufigkeit, Arbeitsumgebung)
  • Welche Arbeitsmittel kommen in Betracht (Steh-, Anlege-, Podestleiter, Gerüst, Hubarbeitsbühne, Arbeitskorb, …)?
  • Welche Gefährdungen könnten bei den möglichen Arbeitsmitteln auftreten?
  • Wie sind diese Risiken zu bewerten?
  • Bei welchem Arbeitsmittel ist das Restrisiko am geringsten?

Diese Gefährdungsbeurteilung sollte gewissenhaft durchgeführt werden, denn im Falle eines Unfalls wird sich die Sicherheitsfachkraft, bzw. der Arbeitgeber rechtfertigen müssen, warum er nicht eine sicherere Methode des Aufstiegs gewählt hat.

Leitern sind nicht immer und überall zulässig. Als Verkehrswege, um von A nach B hinauf- oder herabzusteigen, dürfen sie nur vorübergehend eingesetzt werden, beispielsweise auf Baustellen.

Beim Einsatz als Arbeitsplätze unterliegen Leitern folgenden Bedingungen, die erfüllt sein müssen:

  • der Standplatz darf nicht höher als sieben Meter sein
  • ist der Standplatz höher als zwei Meter, darf die Arbeitsdauer nicht mehr als zwei Stunden betragen
  • Werkzeug und Arbeitsmaterial auf der Leiter dürfen nicht schwerer als zehn Kilogramm sein
  • mitgeführte Gegenstände auf der Leiter dürfen nicht größer sein als ein Quadratmeter
  • zusätzliche Gefahren durch Arbeitsstoffe oder Geräte sind auf der Leiter auszuschließen
  • die Arbeiten sollten nur einen geringen Kraftaufwand erfordern

Sind die Arbeiten für den Einsatz einer Leiter geeignet, muss im nächsten Schritt entschieden werden, welche Art von Leiter (etwa eine Podestleiter, eine Steh- oder Anlegeleiter) die größtmögliche Sicherheit aufweist.

Allerdings: Jede Leiter ist nur so sicher, wie ihre Handhabung. Deswegen ist die Sicherheitsunterweisung für alle, die mit und auf Leitern arbeiten, außerordentlich wichtig.

Für fahrbare, freistehende Schiebeleitern, die handbetrieben aufgerichtet und ausgeschoben werden, gilt wie für alle mechanischen Leitern: Erstellen Sie eine Betriebanweisung als Grundlage der Sicherheitsunterweisung.