Arbeitsmittel: Qualität entscheidet!

Quelle: moleshko / pixabay.com

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Werkzeuge und Maschinenparks müssen regelmäßig kontrolliert werden und bestimmte Sicherheitsauflagen erfüllen, um im Betrieb sein zu dürfen. Tauchen Mängel und Unregelmäßigkeiten auf, muss zusätzlich gewartet oder nachgerüstet werden. Das geht zu Lasten der Produktionskosten und -zeiten – und kann außerdem zu Mängeln an der erstellten Ware führen. Um Rückrufaktionen und Fehlbetriebe zu vermeiden, sollten bereits im Einkauf verschiedene Dinge beachtet werden.

Immer im Einsatz

Stunde um Stunde stanzt die Maschine Bauteile, Tag für Tag heben die Kräne in den Produktionshallen kleine bis große Lasten, Computer, Bohrmaschinen, Kreissägen und Co. sind permanent im Einsatz. Da ist es natürlich, dass all diese Arbeitsmittel bei allen Wartungsbemühungen immer mal wieder einen Defekt aufweisen, der Zahn der Zeit und die tägliche Nutzung an ihnen nagen. Im schlimmsten Fall führt der Fehlbetrieb einer Anlage zu einem Unfall – und zu einer Verletzung der Mitarbeiter. Es ist also immens wichtig, dass ein Unternehmen auf qualitativ hochwertige Maschinen setzt.

Fokus auf Sicherheit und Qualität

Billigware kann auf verschiedenen Ebenen schwere Beeinträchtigungen verursachen. Wer auf günstige Produkte setzt, geht in vielen Fällen ein unkalkulierbares Risiko ein, das am Ende möglicherweise zu hohen Mehrkosten führt. Hochwertige, geprüfte Geräte sind somit ein Muss, um eine gewisse Qualität zu gewährleisten – auch wenn die Anschaffungskosten das Firmenbudget zunächst belasten. Viele Unternehmen orientieren sich an dem bekannten CE-Zeichen. Doch hier ist Vorsicht geboten: Dieses „Gütesiegel“ darf von vielen Herstellern eigenmächtig auf die Ware gesetzt werden, der Gesetzgeber gibt nur bestimmte Rahmenbedingungen vor. Lediglich solche Arbeitsmittel, die besondere Risikofaktoren mit sich bringen, werden von anerkannten Stellen geprüft und freigegeben. Viele Unternehmer sind sich darüber nicht im Klaren und lassen sich von entsprechenden und vermeintlich günstigen Angeboten zum Kauf verleiten.

Fazit

Die Online-Datenbank von DGUV TEST, ein Service der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, fasst aktuell um die 17.000 Produkte zusammen. Auf der Seite zzmweb.dguv.de können interessierte Kunden genaue Wareninformationen einsehen und sich vor dem Einkauf einen guten Eindruck über die Sicherheit eines Geräts verschaffen. Im Internet gibt es darüber hinaus viele weitere Testberichte und Expertenmeinungen, an denen man sich orientieren kann. Es gilt: Ein gut überlegter und wohl recherchierter Einkauf sicherheitstechnisch unbedenklicher Arbeitsmittel spart auf lange Sicht Zeit, Geld und Mitarbeiterresourcen.

Stunde um Stunde: Wenn Mehrarbeit zur Routine wird

Quelle: Concord90 / pixabay.com

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Wer hat nicht schon einmal einsam und allein im Büro gesessen, während alle Kollegen bereits das Gebäude verlassen hatten und nur noch eine Putzkraft durch die Gänge huschte? Überstunden liegen leider voll im Trend. Was kann man tun, damit sie nicht überhand nehmen?

Leben, um zu arbeiten?

Der Index „Gute Arbeit“ des Deutschen Gewerkschaftsbunds stellt die messbare Arbeitsqualität aus Sicht der Beschäftigten dar. Für das Jahr 2014 sagt er Folgendes aus: 25 Prozent aller Beschäftigten haben mehr als fünf Überstunden pro Woche gemacht und sechs von zehn Arbeitnehmern arbeiteten in der Regel länger als ursprünglich vereinbart. Wer dauerhaft Überstunden schiebt, ist weniger belastbar, leidet unter Stress und gesundheitlichen Auswirkungen. Betriebsräte und Gewerkschaften behalten die Arbeitsleistungen der Beschäftigten in ihrem Unternehmen im Blick und greifen ein, wenn das Ausmaß der Mehrarbeit viel zu groß wird. Doch um Überstunden nicht mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen, bedarf es mehr.

Das Mehr an Leistung im Fokus

Fachkräfte für Arbeitssicherheit müssen nicht nur darauf achten, dass sich die Arbeitsumgebungen in einem einwandfreien Zustand befinden und ordnungsgemäß genutzt werden. Nein, dem Personal sollte mindestens genausoviel Aufmerksamkeit zukommen: Gibt es krankheitsbedingte Ausfälle, die durch jobbedingten Stress verursacht wurden? Was sagt die Geschäftsleitung dazu und welche Maßnahmen ergreift sie, um ihren Mitarbeitern das (Arbeits-)Leben leichter zu machen? Könnte man vielleicht sogar eine Arbeitsgruppe zum Thema „Überstunden“ bilden? Was wünschen sich die einzelnen Mitarbeiter? Wie können Arbeitsabläufe anders organisiert werden? Dies sind nur wenige der vielen Fragen, die man stellen kann, um den Ursachen von Überstunden auf den Grund zu gehen und nach effektiven Gegenmaßnahmen zu suchen.

Fazit

Wer für bessere Arbeitsbedingungen einsteht, sagt Burn-out-Symptomen und anderen Belastungserscheinungen den Kampf an. In einer Arbeitswelt, deren Wettbewerbssituationen dafür sorgen, dass Chefs ihren Mitarbeitern eine ständige „Höher, schneller, weiter!“-Einstellung abfordern, ist Zufriedenheit doch das höchste Gut. Nur zufriedene Mitarbeiter sind wirklich motivierte Arbeitnehmer, nur sie fühlen sich mit ihrem Betrieb verbunden. Es ist also ganz im Sinne des Unternehmens, wenn eine eventuelle Überstundenroutine so schnell wie möglich abgeschafft wird. Nur wer gut versorgt ist, kann auch gut für andere sorgen – das  gilt im Privat- genauso wie im Arbeitsleben!

Gut zu Fuß: der Sicherheitsschuh

Quelle: Stefano Ferrario/sferrario1968 / pixabay.com

Quelle: Stefano Ferrario/sferrario1968 / pixabay.com

An vielen Arbeitsorten sind Beschäftige auf gutes Schuhwerk angewiesen: Kommt es im Maschinenpark, in der Werkstatt oder auf der Baustelle zu einem Unfall, bieten Sicherheitsschuhe einen wichtigen Schutz. Das Angebot ist groß und so müssen Arbeitgeber wie Arbeitnehmer schon genau überlegen, welchen Arbeits-, Schutz-, Sicherheits- oder Spezialschuh sie denn nun an den einzelnen Arbeitsplätzen benötigen.

Welcher Schuh ist der richtige?

In allen Branchen ist Trittfestigkeit wohl die wichtigste Eigenschaft, die ein Schuh mitbringen muss. Wasser sowie abfällige oder weiche Oberflächen bringen die Gefahr mit sich, dass man ausrutscht, nass wird oder sich sehr schmutzig macht. Ein fester Stand wird außerdem durch die Höhe eines Schuhs bzw. seines Schaftes begünstigt. Wer mit schweren Materialien hantiert, benötigt gegebenenfalls Stahlkappen – ansonsten kann das Herunterfallen eines schweren Schraubenschlüssels oder einer Metallkiste schnell zu einer schmerzhaften Erfahrung werden. Es gibt natürlich noch viele weitere Eigenschaften und Beschaffenheiten, die ein Schuh mit sich bringen kann – von der gedämpften Sohle bis hin zur ergonomischen Form. Da ist sie groß, die Qual der Wahl! Man unterscheidet bei Sicherheitsschuhen verschiedene Merkmale:

1. O: Berufsschuhe mit Basisschutz gegen Fußverletzungen

2. P: Schutzschuhe mit Zehenkappen für mittelstarke Belastungen

3. S: Sicherheitsschuhe mit doppelt so starken Zehenkappen für hohe Belastungen

4. Klasse I: herkömmlich gefertigte Schuhe

5. Klasse II: Schuhe, die im Ganzen speziell geformt wurden

Der Auswahlprozess

Um die Auswahl des Schuhwerks zu erleichtern, haben wir hier für Sie die Kernfragen formuliert, die man vor dem Einkauf abarbeiten sollte:

  1. Welcher möglichen Belastung ist der Schuh genau ausgesetzt?
  2. Welche Art von Schuh darf es sein? Zur Auswahl stehen die eingangs bereits erwähnten Arbeits-, Schutz-, Sicherheits- oder Spezialschuhe mit ihren individuellen Sicherheitsleveln und Eigenschaften.
  3. Wie soll der Schuh genau geformt sein, was passt dem konkreten Arbeitnehmer?
  4. Welche Bedingungen der Arbeitsumgebungen müssen zusätzlich noch beachtet werden?

Wichtig ist, dass der ausgewählte Schuh eine CE-Kennzeichnung aufweist, die nachweist, dass der Schuh von einer offizielle Prüfstelle freigegeben wurde. Normangaben, Schuhgrößen, genaue Produkt- und Herstellerkennzeichnungen sind weitere Informationen, die für den Kauf eines Sicherheitsschuhs von Bedeutung sind.

Behalten Sie die Bodenhaftung!

Sollte ein Sicherheitsschuh trotz aller Absicherung auf Seiten des Arbeitgebers für den Beschäftigten im wahrsten Sinne des Wortes nicht passen, können dem Arbeitnehmer unter Umständen Kosten entstehen. Diese kann er bei der Agentur für Arbeitsschutz angeben und auf eine Erstattung hoffen.

Unsere Füße tragen uns durch die Welt, im Privat- wie im Arbeitsleben. Wir sollten also stets für optimal zu tragende Schuhe sorgen!

Das Wetter für heute: Sonnig mit Wolkendecke

Quelle: AnneVerschraagen / pixabay.com

Quelle: AnneVerschraagen / pixabay.com

Es ist bewölkt, kalt und regnerisch. Oder die Sonne scheint prall vom Himmel und sorgt für erste Schweißperlen. Oder es ist windig und kurze Hagelschauer überraschen. Da hilft kein Gemecker, der April macht das eben so! Die gute Nachricht ist: Es gibt viele kleine und große Dinge, die für Wohlbefinden in den Arbeitsräume sorgen können – auch in die offenen!

Arbeitsuniform Zwiebellook

Aktuell sind Werkstätte, Flugzeughangars, Waschanlagen und Kuhställe morgens noch ganz schön kalt und zugig. Sobald die Mittagssonne auf das Blechdach scheint, immer wieder Motorenluft aufweht und einfach emsige Aktivität herrscht, kann sich dieser Zustand im Laufe des Tages dann allerdings auch wieder drastisch ändern. Kleidungstechnisch ist da der altbekannte Zwiebellook angesagt: teilweise lange Unterwäsche, warme Schuhe (und die Sommervariante zum Wechseln in der Arbeitstasche in Kofferraum oder Umkleide), T-Shirts, Pullis, Fleecejacken und Co. müssen dann mit dem Fortschreiten des Arbeitstags nach und nach abgelegt werden – man „entzwiebelt sich“. Dabei gilt für viele Chefs oft: Jeder Arbeitnehmer ist selbst dafür verantwortlich, wie warm oder kalt ihm ist. Jeder steht in der Verantwortung, seine Kleidung am Arbeitsplatz den jeweiligen Wetterverhältnissen anzupassen. Doch stimmt das wirklich?

Arbeitsstättenverordnung sorgt für Klarheit

Die sogenannte Arbeitsstättenregel Raumtemperatur (ASR A3.5) zeigt auf, dass die Temperatur für eine sitzende Beschäftigung bei mindestens 19 °C und für stehende Tätigkeiten bzw. Tätigkeiten im Gehen bei mindestens 17 °C liegen soll. Die Verantwortung für die Einhaltung dieser Richtlinien lässt sich in Anhang 3.5 der Arbeitsstättenverordnung nachlesen: Hier steht, dass der Arbeitgeber für eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur sorgen muss. Das bedeutet also, dass nicht der Arbeitnehmer, sondern vielmehr der Chef verantwortlich dafür ist, dass die Temperatur in den Arbeitsräumen gewisse Niveaus nicht unter- bzw. überschreiten darf. Der Arbeitgeber steht in der Pflicht, nicht seine Mitarbeiter!

Was Arbeitgeber beachten sollten

Was kann getan werden, um einen Arbeitsplatz temperaturtechnisch angenehm zu machen? Hier kommen drei Tipps:

  1. Ist die Temperatur zu niedrig, sollten die Räumlichkeiten schon vor Arbeitsbeginn geheizt werden. Also: Heizung aufdrehen oder Heizstrahler aufstellen.
  2. Trockene Luft kann mit Hilfe von Luftbefeuchtern ausgeglichen werden.
  3. Treibt Wärme zu viel Schweiß auf die Stirn, sorgt geregeltes Lüften oder die Nutzung von Ventilatoren für Abhilfe.

Ein guter Chef ist sich im Klaren darüber, dass eine gute Raumtemperatur am Arbeitplatz nicht nur das Wohlbefinden der Mitarbeitern, sondern auch gleich den Umsatz steigert. Wer möchte Mitarbeiter haben, die sich nicht gut fühlen, demotiviert sind und nicht zu einem guten Geschäftsklima beitragen können, weil sie schlicht mit gesundheitsgefährdenden Temperaturen zu kämpfen haben?

Was tun, wenn Streit droht?

Ist ein Arbeitgeber keineswegs darauf bedacht, eine gute Raumluft zu erzeugen, können sich betroffene Arbeitnehmer an das jeweils zuständige Arbeitsschutzamt wenden. Allerdings sollte jeder, egal ob Mitarbeiter oder Chef, immer erst das Gespräch suchen, um das Konfliktpotential niedrig zu halten. Meist führt schon ein kurzer Wink mit dem Zaunpfahl zu positiven Resultaten – und damit zu guter Laune am Arbeitsplatz!

„Defekten Laptop abzugeben?“: Zur Aufbereitung von Elektroschrott

Quelle: Marketing-ASS / pixabay.com

Quelle: Marketing-ASS / pixabay.com

Jedes Jahr werden zwei Millionen Tonnen Elektroschrott produziert. Diese Masse aus vermeintlichem Müll ist kaum vorstellbar. Umso besser die Nachricht, dass es heute jede Menge Mittel und Wege gibt, die ausgedienten Gerätschaften sinnvoll zu recyclen. So wird nicht nur die Umwelt geschont, sondern auch Geld gemacht.

Ein neues Gesetz

Zum Ende des vergangenen Jahres ist ein neues Gesetz in Kraft getreten: das sogenannte Elektro- und Elektroaltgerätegesetz (ElektroG). Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten sind dazu verpflichtet, defekte und alte Geräte zurückzunehmen und sich um eine umweltverträgliche Entsorgung zu kümmern. Das macht es der Kundschaft leicht, ihre Artikel zu entsorgen. So landen wesentlich weniger Giftstoffe und Abfälle im Restmüll – eine gute Sache für Mensch und Umwelt.

Gefahrenstoffe im Überblick: Wo wird es unangenehm?

Nach der Abgabe eines Toasters, Laptops oder Kühlschranks müssen die jeweiligen Hersteller nun also ran: Das entsorgte Gerät wird gesäubert und in seine Bestandteile zerlegt. Dabei können in der Tat zahlreiche Schadstoffe freigesetzt werden: So finden sich zum Beispiel in Altbatterien giftige und krebserregende Substanzen. Speziell in Hinblick auf Cadmium, Quecksilber und Blei werden beim Zerlegen diverser Bauteile schnell Gefahrenwerte erreicht, die für die Arbeitskräfte eine akute Gefahr darstellen. Neben Cadmium, Quecksilber und Blei existieren natürlich noch viele weitere Gefahrenstoffe, die im Recycle-Prozess eine gewisse Umsicht erfordern. Hierzu gehören zum Beispiel Cobalt (in Farben und Lacken), polychlorierte Biphenyle (PCB, in Kondensatoren), Nickel (in Bildröhren, Thermobausteinen etc.), Azobenzole (in LC-Displays) oder Beryllium (in mechanischen Komponenten).

Sicherheit geht vor!

Bei der Messung von Gefahrstoffkonzentrationen ergeben sich stets ganz individuelle Werte, die von verschiedenen Faktoren wie etwa dem Alter des jeweiligen Geräts abhängen. Die für das Recyclen der Elektrogeräte zuständigen Hersteller können allerlei Maßnahmen ergreifen, um ihre Mitarbeiter vor einer Gefahr durch Schadstoffe zu schützen. Die Sicherheitsmaßnahmen sehen vor allen Dingen die Einhaltung der Grenzwerte sowie eine Kontaktvermeidung vor. Bei der manuellen Demontage von Bildgeräten, der Belüftung von Bildröhren oder der Entfernung schadstoffhaltiger Bauteile müssen unter anderem folgende Schutzmaßnahmen ergriffen werden:

  • Reinigung und Belüftung von alten und defekten Geräten in speziellen Kabinen mit entsprechend angepassten Werktischen
  • regelmäßige Überprüfung und Säuberung der Reinigungskabinen
  • Geräte vorsichtig behandeln
  • besondere Umsicht bei Zwischenlagerung und Anlieferung der Geräte, um weiteren Beschädigungen vorzubeugen (das gilt speziell in Bezug auf die Handhabung und die Witterungsverhältnisse)
  • Elemente mit Schadstoffen in dafür vorgesehenen Schutzbehältern lagern
  • Vorkehrungen treffen, die bei einem möglichen Austreten von Gefahrenstoffen Schlimmeres verhindern

Aufgeschlaut!

Aktualisierungen der verschiedenen Vorschriften, Schulungen und interne Betriebsanweisungen wie auch Handbücher sind das A und O im Umgang mit Gefahrstoffen. Hersteller von Elektrogeräten sollten den Ablauf ihrer Recycle-Prozesse konstant überprüfen lassen und keine Kosten und Mühen scheuen, ihr Personal zu schulen und stets auf dem neuesten Stand zu halten – so ist die Sicherheit aller Mitarbeiter bestens gewährleistet!

Wenn‘s am Werktor zweimal klingelt

Quelle: Paul-Georg Meister  / pixelio.de

Quelle: Paul-Georg Meister / pixelio.de

Ein Gang durch den Betrieb mit einem geschulten Augenmerk auf Arbeitsschutz sollte nicht erst dann stattfinden, wenn die Berufsgenossenschaft, der Unfallversicherungsträger oder ein Behördenvertreter vor der Tür steht. Die Betriebsbegehung sollte auch geschehen, um sich einen Überblick über den aktuellen Status von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu verschaffen, wenn eine neue Fachkraft für Arbeitssicherheit oder ein neuer Betriebsarzt seinen Dienst aufnimmt. Ebenso sind sie sinnvoll als Vorbereitung für Audits, Zertifizierungen oder andere wichtige Begehungen, etwa zum Thema Brandschutz.

Für engagierte Arbeitsschützer ist es substanziell, sich selbst ein Bild zu machen und die Betriebsbegehung regelmäßig einzuplanen.

Erster Schritt ist das Festlegen und Planen der Route durch den Betrieb. Ist es sinnvoll, den Betrieb in Teilbereichen zu begehen oder kann er komplett durchlaufen werden? Stehen die Bereiche fest, ist zu klären wer die Begehung (eventuell auch nur in Teilbereichen) begleitet. In Frage kommen unter anderem der Betriebsarzt, der Betriebsrat, Vorgesetzte, Brandschutzbeauftragte, aber auch externe Beteiligte wie etwa die Feuerwehr, ein Vertreter einer Behörde oder eines bestimmten Dienstleisters.

In einem nächsten Schritt ist zu klären, ob diese Personengruppe alle Bereiche sicher betreten kann. Wo bestehen Zutrittsverbote, wo müssen Anlagen aus Sicherheitsgründen angehalten werden und ist eine persönliche Schutzausrüstung notwendig, die vor Ort für die Kontrolleure in ausreichender Verfügung stehen muss?

Denken Sie auch daran, die Mitarbeiter und deren Vorarbeiter in den entsprechenden Bereichen zu informieren. Eventuell werden Abläufe durch die Begehung gestört oder es müssen Arbeiten unterbrochen werden. Das sollten Sie im Vorfeld unbedingt klar kommunizieren, damit es während der Begehung nicht zu Diskussionen kommt, was vor allem vor betriebsfremden Anwesenden ein unschönes Bild hinterlässt. Apropos Diskussionen: Bei Betriebsbegehungen ist es nicht nur Pflicht, sondern es empfiehlt sich auch einen Arbeitnehmervertreter einzuladen, um in kleiner Runde vor Ort offene Fragen und Konflikte anzusprechen.

Halten Sie die Ergebnisse Ihrer Begehung schriftlich in einem Protokoll fest. Sie können durch solche Begehungsnotizen belegen, wann und auf welche Weise Sie Ihre Aufgabe wahrgenommen haben, vorhandene Risiken und Gefährdungen stets im Blick zu haben. Im Falle eines Falles, beispielsweise wenn der Vorwurf einer Pflichtverletzung laut wird, wenn es zu einem Störfall oder Arbeitsunfall kommt, ist es optimal einen sorgsam geführten Begehung und Unterweisungsplan vorlegen zu können, der alle Termine, zugeordneten Zuständigkeiten für den gesamten Betrieb und auch den aktuellen Zustand Ihres Betriebs schriftlich belegt.

 

Freispruch für den Tonerstaub

Quelle: Joergelmann/Pixabay

Quelle: Joergelmann/Pixabay

Seit etlichen Jahren stehen Laserdrucker unter Verdacht, durch Tonerstaub und Emissionen die Gesundheit der Mitarbeiter schädigen. Initiatoren mit unterschiedlichen Interessen strengten Studien an, die diesen Verdacht bestätigten oder widersprachen. Auch wir haben bereits für das Thema sensibilisiert.
Nun gibt es von hoch offizieller Stelle die Entwarnung. Im Sommer hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Ergebnisse ihrer Untersuchungen bekannt gegeben: Danach besteht für Beschäftigte im Büro kein Anlass zur Sorge, selbst wenn sie als Servicetechniker oder als Mitarbeiter eines Recyclingsbetriebes sehr häufig mit den Druckern, Kartuschen und ihren Inhalt in Kontakt kommen.

Die BAuA kommt zum Ergebnis, dass „selbst nach intensiver Forschung zu diesem Thema keine belastbaren Hinweise“ vorliegen, dass Erkrankungen durch Gefahrstoffe durch Laserdrucker und Kopiergeräte eine relevante Rolle spielen. Auch wenn die Rezeptur des Tonermaterials je nach Hersteller unterschiedlich ist, weisen die vorliegenden belastbaren Daten darauf hin, dass gefährliche stoffliche Komponenten nur in sehr geringen Mengen ausgestoßen werden, so die BAuA. Die Mengen sind so gering, dass selbst Personen, deren Haut oder Atemwege besonders sensibel sind, beispielsweise aufgrund von Allergien, gegenüber bestimmten Stoffen aus dem Tonerstaub weder allergisch, noch auf andere Art problematisch reagieren sollten. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin seien die vorhandenen Mengen generell zu gering, um für sich genommen eine Allergie bei bereits sensibilisierten Personen auszulösen, denn gemessen am Allgemeinen Staubwert werde die Menge an Büroarbeitsplätzen weit unterschritten. Laut Untersuchungen um etwa den Faktor 100.

Dennoch empfiehlt es sich, so mit dem Drucker und Kopierer zu arbeiten, dass die gesundheitliche Belastung reduziert werden kann – auch wenn sie im Idealfall nur gering ist. Veröffentlicht wurde daher ein aktualisiertes BAuA-Merkblatt „Drucker und Kopierer am Arbeitsplatz“ mit geeigneten Maßnahmen, die zur Vorsorge empfohlen werden und der Schutzleitfaden 130 „Drucken, Kopieren”.

Die wichtigsten Punkte

Laserdrucker und Kopierer

  • Besonders emissionsarmer Geräte tragen das DGUV-Prüfzeichen, das Umweltzeichen „Der Blaue Engel“ oder ein vergleichbares staatlich anerkanntes Kennzeichen.
  • Achten Sie auf eine niedrige Lärmemission.
  • Aktivkohlefilter oder emissionsarmer Hochspannungsteile sorgen für eine geringe Ozonemission.
  • Geschlossene Kartuschen sind Nachfüllsystemen vorzuziehen und auch als Mehrweg-Kartuschen erhältlich.
  • Aufgearbeitete Tonerkartuschen (refurbished) sollten der Norm  DIN 33870 entsprechen.

Standort

  • Druck und Kopiergeräte nur in gut belüfteten Räumen aufstellen.
  • Abluftöffnungen nicht direkt auf Mitarbeiter richten.
  • Geräte gut zugänglich halten.
  • Der Standort des Geräts sollte leicht zu reinigen sein.
  • Sorgen Sie für ausreichend Beleuchtung bei Wartungsarbeiten.

Täglicher Gebrauch

  • Sorgen Sie für eine gerätekundige Person, die mit der sachgerechten Benutzung, Nachfüll- und Wartungsarbeiten vertraut ist und hinterlegen Sie die Kontaktdaten dieser Person am Gerät.
  • Die Staubentwicklung lässt sich durch Kopier- und Druckerpapier der DIN EN 12281 weiter reduzieren.
  • Schließen Sie beim Kopieren und Scannen den Deckel. Die sonst entstehenden schwarzen Ränder erhöhen den Tonerverbrauch und verschmutzen die Walzen stark.
  • Einen Papierstau nicht mit Gewalt entfernen und gegebenenfalls die gerätekundige Person hinzuholen.
  • Nach Wartung und Reinigungsarbeiten die Geräteumgebung mit einem feuchten Tuch reinigen, anschließend die Hände waschen.

Tonerwechsel und Wartung

  • Bevorzugen Sie geschlossene Kartuschen.
  • Tonerabfälle in geschlossenen Behältern entsorgen.
  • Leere Tonerkartuschen an den Hersteller zurückgegeben, statt sie im Sondermüll zu entsorgen.
  • Reguläre Wartungsarbeiten sind ausschließlich durch die gerätekundigen Personen vorzunehmen, weitergehende Wartungsarbeiten durch Servicetechniker.

Mehr Infos zum Thema gibt es unter www.baua.de/tonerstaub

Kühlung statt Hitzefrei

Quelle: Thomas Max Müller / pixelio.de

Quelle: Thomas Max Müller / pixelio.de

Nach den heißen Tagen mit über 30 °C fragen sich die, die die Hitze nicht am Badesee oder Biergarten verbringen konnten, sondern im Büro, Werkstatt oder auf der Baustelle arbeiten mussten: Warum gibt es eigentlich kein Hitzefrei außerhalb der Schule?
Darüber würden sich sicherlich viele freuen, doch in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ist das nicht vorgesehen und in diesem Dokument, das maßgeblich für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz in Arbeitsstätten herangezogen werden kann, wird die Raumtemperatur nur sehr spärlich behandelt. In Kapitel 3.5 des Anhangs ist lediglich die Rede von einer  „gesundheitlich zuträglichen Raumtemperatur“. Was genau darunter verstanden wird, ist im technischen Regelwerk gleicher Nummerierung zu finden. Hier in der ASR A3.5 ist zu lesen, welche verbindlichen Obergrenzen der Raumtemperatur vorgegeben sind. Dabei gilt: Arbeitsplätze mit  hoher  Luftfeuchte, Wärmestrahlung  oder  Luftgeschwindigkeit  müssen  gesondert betrachtet  werden.

Was gilt ab 26 °C?

Der Arbeitgeber muss für einen Sonnenschutz sorgen, wenn der Raum sich durch die Sonneneinstrahlung auf mehr als 26 °C aufheizt. Nicht nur für Arbeitsräume gilt diese ASR, sondern auch für die Pausenräume und Kantinen, Bereitschaftsräume, den Sanitärbereich und auch die Erstehilferäume.
Reichen die baulichen Voraussetzungen an einen sommerlichen Wärmeschutz nach geltendem Baurecht nicht aus und steigt die Temperatur in den Räumen auf über 26°, müssen die sonnigen Fenster, Oberlichter und Glaswände mit Jalousien ausgestattet werden oder es muss die Vorgabe erfolgen, dass die Rollos auch tagsüber geschlossen zu halten sind. Die Anforderungen   an   einen   wirksamen Blendschutz  an   Fenstern, Oberlichtern   und   Glaswänden  enthält   die   ASR A3.4 „Beleuchtung“. Auch Vordächer,    Balkone, feststehende  Lamellen  oder Bepflanzungen  können einen  wirkungsvollen  Sonnenschutz bieten.

Eine angepasste Gefährdungsbeurteilung gibt Aufschluss darüber, ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind. Dies ist zum Beispiel der Fall bei bestimmten Personengruppen wie schutzbedürftigen Beschäftigten, zum Beispiel Jugendliche und Ältere, Schwangere und Stillende. Auch bei gesundheitlich belasteten Mitarbeitern oder schwerer körperlicher Arbeit wie auch der Arbeit in Schutzausrüstung, die die Wärmeabgabe behindert, muss der Arbeitgeber mehr tun.

Was gilt ab 30°?

Gleiches gilt, wenn die Temperatur in den Räumen 30° überschreitet. Anhand einer Gefährdungsbeurteilung können geeignete Mittel gefunden werden, die die Temperatur in den Räumen senken hilft. Dazu gehört zum Beispiel das Ausschalten von allen elektronischen Geräten, bei denen es ausreicht, wenn sie bei Bedarf eingeschaltet werden, wie Kopierer, Drucker oder Scanner. Der Gesetzgeber nennt dies die “Reduzierung der inneren thermischen Lasten”.

Klimaanlage und Lüftung sollten nicht nur gewartet, sondern auch an die erhöhten Anforderungen angepasst werden. Weisen Sie Als Arbeitgeber Ihre Mitarbeiter Auch Ausdrücklich Darauf hin, am frühen Morgen ausgiebig zu lüften und die kühlere Luft zu nutzen. Möglicherweise kann es auch notwendig sein, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, zum Beispiel durch einen früheren Arbeitsbeginn und entsprechend längeren Mittagspausen. Nicht nur an heißen Tagen, sondern generell ist es ein feiner Zug des Arbeitgebers, Trinkwasser für die Mitarbeiter bereitzustellen. Oft wird im Büro zu wenig getrunken, worunter nicht selten auch Gesundheit und Konzentration leiden.
Wer als Arbeitgeber – vielleicht auch aus eigenem Interesse – darüber nachdenkt, den Krawatten- oder Anzugzwang zu lockern, kann dies natürlich nach eigenem Ermessen tun. Aber: Es darf niemals eine Ausnahme beim Tragen der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) wie Helm, Warnweste oder Sicherheitsschuhe geben.
Was gilt ab 36°?

Nach der ASR A3.5 ist ein Raum nicht als Arbeitsraum geeignet, wenn die Lufttemperatur 35 °C überschreitet, die Mitarbeiter keine Hitzeschutzkleidung tragen und der Raum nicht mit einer Abkühlungsmöglichkeit durch Luftduschen oder Wasserschleier ausgestattet ist. Auch organisatorische Vorgaben wie Entwärmungsphasen können hier geboten sein.

Und wenn man friert?

Übrigens macht die ASR A3.5 wesentlich mehr Angaben einer Mindesttemperatur als zur Höchsttemperatur. Abhängig von der Arbeitsschwere und der Körperhaltung gibt sie genau vor, welche Raumtemperatur herrschen sollten.
Bei leichten Tätigkeiten im Sitzen sind es 20 °C, bei mittleren 19 °C. Müssen die Mitarbeiter hauptsächlich Stehen und Gehen sind 19 °C (leichte Tätigkeit), 17 °C (mittelschwere Tätigkeit) und 12 °C (schwerer Tätigkeit) vorgeschrieben. In Pausenräumen und in den Toiletten sollten es 21 °C sein. In Waschräumen mit Duschen dürfen das während der Nutzungsdauer auch 24 °C sein.

Wie wird gemessen?

Die Messung erfolgt nach Erfordernis stündlich an Arbeitsplätzen für sitzende Tätigkeit in einer Höhe von 0,6 m und bei stehender Tätigkeit in einer Höhe von 1,1 m über dem Fußboden.

 

Helles Licht in der dunklen Jahreszeit

Quelle: Rainer Sturm  / pixelio.de

Quelle: Rainer Sturm / pixelio.de

Helle, sonnige Tage wirken sich positiv auf die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit aus. Im Herbst und Winter, wenn die Tage kurz und oftmals grau sind, ist das richtige Licht am Arbeitsplatz umso wichtiger. Denn schlechtes Licht schlägt nicht nur auf die Stimmung der Beschäftigten, sondern sorgt auch für vorzeitige Ermüdung und mindert die Aufmerksamkeit. Eine gute Beleuchtung trägt überdies dazu bei, Fehler zu vermeiden und eventuelle Unfallgefahren frühzeitig zu erkennen.
Sorgt das Tageslicht nicht für genügend Helligkeit am Arbeitsplatz, ist der Arbeitgeber umso mehr verpflichtet, künstliche Lichtquellen einzusetzen und so für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten zu sorgen. Laut Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) müssen Arbeitsplätze mit einer „angemessenen künstlichen Beleuchtung“ ausgestattet sein. Die Beleuchtungsanlagen sind dabei so auszuwählen und anzuordnen, „dass sich dadurch keine Unfall- oder Gesundheitsgefahren ergeben können“.

Arbeitsplatz bestimmt Beleuchtungsstärke

Ideal ist ein Zusammenspiel von direktem und indirektem Licht: Tageslicht durch Fenster oder Glaswände, Lichtquellen an der Decke bzw. an den Wänden sowie individuelle Arbeitsplatzbeleuchtung beispielsweise durch Schreibtischlampen. Hell gestrichene Decken und Wände unterstützen die künstlichen Lichtquellen und sorgen für ein freundliches Raumklima. Die Beleuchtungsstärke richtet sich nach der Art des Arbeitsplatzes, sollte aber grundsätzlich nicht unter 200 Lux liegen. Üben die Mitarbeiter eine Tätigkeit aus, bei der sie mit spitzen, scharfen, sich bewegenden oder heißen Gegenständen umgehen, sollte die Beleuchtungsstärke 300 bis 500 Lux betragen, um Unfallgefahren zu vermeiden. In Einzelbüros sollte die Helligkeit 500 Lux betragen, in Großraumbüros 750 bis 1.200 Lux. In Arbeitsbereichen mit besonderen Sehaufgaben wie zum Beispiel bei sehr feinen Montagearbeiten oder in Kontrollbereichen ist eine Beleuchtungsstärke bis zu 1.500 Lux sinnvoll. Details zur Beleuchtungsstärke und Anordnung der Lichtquellen sind in der Technischen Regel Arbeitsstätten ASR A3.4 aufgeführt.

Mit LED-Lampen gegen Konzentrationsschwäche

Neben der Stärke der Helligkeit spielt auch die Farbe des Lichts eine entscheidende Rolle dabei, dass sich Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen und leistungsfähig bleiben. In der dunklen Jahreszeit und in geschlossenen Räumen fehlt das belebende Tageslicht, das mit seinen verschiedenen Lichtfarben unter anderem den Blutdruck und die Herzfrequenz steuert: Durch den fehlenden direkten Lichteinfall ins Auge wird in der Zirbeldrüse vermehrt der „Müdemacher“ Melatonin gebildet und das „Glückshormon“ Serotonin abgebaut. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO haben herausgefunden, dass LED-Leuchten die Konzentration stärken und der Müdigkeit entgegenwirken können. Die individuell eingesetzten Lichtquellen passen sich mit wechselnden Farbtemperaturen und Beleuchtungsstärken dem biochronischen Rhythmus des menschlichen Körpers an. So soll mittags tageslicht-weißes Licht mit einem hohen Blauanteil belebend wirken, gegen Abend sollen warm-weiße Farben für Entspannung sorgen.

Gut bei Stimme bleiben

Quelle: Tim Reckmann  / pixelio.de

Quelle: Tim Reckmann / pixelio.de

Ob Heiserkeit, Frosch im Hals oder komplettes Versagen der Stimme – wer am Arbeitsplatz nicht oder nicht richtig gehört werden kann, hat ein echtes Problem: Telefongespräche, Vorträge oder die Kommunikation mit Kollegen sind dann nur schwer möglich oder müssen komplett eingestellt werden. Führungskräfte bei einer Team-Besprechung sind genauso betroffen wie Angestellte in Großraumbüros, Lehrer, Erzieherinnen, Verkäufer oder Callcenter-Mitarbeiter.

Falsche Stimm- und Sprechgewohnheiten

Die menschliche Stimme entsteht aus dem perfekten Zusammenspiel von Atmung, Stimmlippen- und Artikulationsbewegungen. Bleibt die Stimme weg, kann es sich um organische Störungen handeln, hervorgerufen durch Entzündungen, Probleme nach der Schilddrüsenoperation, Kehlkopftumore oder Probleme der Halswirbelsäule. Dies kann nur ein Facharzt diagnostizieren. Häufiger aber handelt es sich um funktionelle Stimmstörungen, hervorgerufen durch falsche Stimm- und Sprechgewohnheiten. Dann klingt die Stimme dünn, rau, belegt, schrill oder heiser. Alles, was eine tiefe Atmung behindert, z. B. zu enge Kleidung oder eine gebeugte Körperhaltung, schwächt die Stimme. Aber auch Stress hat einen großen Einfluss: Der Körper verkrampft, der Atem wird flacher und hektischer – die Stimme klingt entweder zittrig und leise oder angestrengt und gepresst.

Stimmtraining

Damit der komplizierte Stimmapparat funktioniert, ist die aufrechte Sitzposition und Körperhaltung ebenso wichtig wie die richtige (Bauch-)Atmung und eine spannungsvolle Aussprache. Entscheidend ist auch die regelmäßige Aufnahme von Flüssigkeit, damit die Stimmlippen feucht bleiben.
Ein trockener Hals oder ständiges Räuspern gehört zu den Symptomen einer erhöhten Stimmbelastung, unter der auch viele Mitarbeiter in Service- oder Callcentern leiden. Das CCall, ein Label der VBG (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft, gesetzliche Unfallversicherung) setzt sich für ein gesundes und erfolgreiches Arbeiten in Service- oder Callcentern ein und wartet mit einer ganzen Reihe von Beratungsangeboten und Trainingsmaßnahmen auf. Die Broschüre „Stimmtraining im Call Center“ gibt praktische Tipps zur Pflege der Stimme am Arbeitsplatz. Tipps für eine entspannte Stimme und ein kostenloses Stimmtraining als PDF mit Videos findet sich auf der Website der WDR-Wissenschaftssendung „Quarks & Co“.

Raumplanung und Ausstattung

Wie sehr die Stimme am Arbeitsplatz beansprucht wird, hängt auch von den äußeren Rahmenbedingungen ab. Je lauter die Hintergrundgeräusche, desto lauter muss gesprochen werden. Lärm in Großraumbüros entsteht vor allem durch mangelnde Raumakustik. Erste Maßnahmen zur Verbesserung könnten sein:
•    digital verstärkte Headsets statt Telefon
•    Schalldämmung des Raums
•    leisere Maschinen
In Großraumbüros werden Schallwellen verschiedener Quellen wie Sprecher, Telefone, Drucker und Tastatur nicht genügend absorbiert und verstärken sich sogar. Mitarbeiter in Service- und Callcentern strengen ihre Stimme zudem besonders an, weil sie häufig schlechte Mobilfunkverbindungen mit hohem Rauschanteil übertönen müssen. Abhilfe schafft eine akustische Raumplanung, z. B. schallschluckende Trennwände oder Einzelsprecherkabinen sowie digital verstärkte Headsets. Schallharte Oberflächen – wie Laminat, Fliesen und großen Glasflächen – führen zu hohen Nachhallzeiten, die vorhandene Schallquellen verstärken. Schallschluckende Wand- und Bodenbeläge sowie große Pflanzen können hier für Verbesserung sorgen. Gruppen- und Mehrzweckräume sowie Flure sollten den Anforderungen der DIN 18041 Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen entsprechen. Die Nachhallzeit und damit die Lärmbelastung kann durch den Einbau sogenannter Akustikdecken aus schallabsorbierenden Materialien merklich reduziert werden.

Maßnahmen gegen Lärm

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht auf dem Gebiet des Lärmschutzes und gibt konkrete Handlungsanleitungen z. B. zum Thema „Lärmarm konstruieren“ heraus. Dahinter steht die Erkenntnis, dass der beste Lärm der ist, der erst gar nicht entsteht. Die Broschüre “Laut ist teuer! Tipps für den Einkauf leiser Maschinen” zeigt, dass weniger Lärm am Arbeitsplatz nicht nur bares Geld ist und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens steigert, sondern auch die Gesundheit und Produktivität ihrer Beschäftigten. Auch Maßnahmen wie die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) tragen dazu bei, dass der Arbeitsplatz leiser wird. Denn wenn Beschäftigte in einer ruhigeren Umgebung arbeiten, können sie leichter in einer normalen Tonlage sprechen – und bleiben gut bei Stimme.