Touchscreen: Nur Wischen oder Desinfizieren?

Quelle: Unsplash/Pixabay

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Immer mal wieder geht durch die Medien, dass von mehreren Personen genutzte Smartphones, Tablets und Touchscreens ebenso wie Fahrkarten- und Bankautomaten wahre Keimschleudern seien. Ob dies wirklich so ist, untersuchte unter anderem das Competence Center für Mikrobiologie und Biotechnologie der Hochschule Niederrhein. Professor Dr. Dr. Alexander Prange, der die Untersuchung leitete, konnte größtenteils Entwarnung geben: Für die Benutzer der öffentlichen Touchscreens bestehe zwar kein unmittelbares gesundheitliches Risiko, aber bei der mikrobiologischen Untersuchung sei eine sehr hohe Anzahl von Keimen und Hefen aufgefallen. Untersucht wurden in diesem Fall Fahrkartenterminals an Bahnhöfen und Flughäfen, Kassenautomaten in Parkhäusern und Gemüsewagen im Lebensmittelhandel.

Keime auf dem Bildschirm

Auch die Hochschule Furtwangen konnte in Sachen verkeimte Bildschirme relativieren. Die Forscher um Professor Dr. Markus Egert ermittelten eine Keimzahl auf dem Touchscreens von Smartphones, die im Durchschnitt etwa 100-mal bis 1000-mal geringer ist als auf der menschlichen Hand oder auch auf dem häuslichen Toilettensitz – ebenfalls im Durchschnitt.

Die Keimbelastung ist also bei weitem nicht so hoch wie vermutet, aber dennoch vor allem mit Menschen mit geschwächtem Immunsystem durchaus eine Infektionsgefahr.

Ob Fäkalbakterien und Hefeorganismen, Pilzsporen, Gripperreger oder sonstige Mikroorganismen, die wahren Keimschleudern sind andere Alltagsgegenstände: Automatenknöpfe und Infoterminals, Türgriffe, Fahrstuhlknöpfe, Bedienungselemente und Tastaturen, die von verschiedenen Menschen mit den Fingern angefasst werden. Die gute Nachricht: Je glatter die Oberfläche, desto weniger Keime können daran haften.

Die Oberflächen können also durchaus ein Übertragungsweg für Keime sein, die immungeschwächten und älteren Mitarbeitern zu schaffen machen können, aber auch bei einer ohnehin grassierenden Erkältungswelle erfolgreiche Angriffe auf uns feiern können. Erschwerend kommt hinzu, dass es dem Reinigungspersonal oftmals nicht gestattet werden kann Tastaturen, Telefone und ähnlich empfindliche, technische Geräte zu reinigen. Deswegen müssen sich die Mitarbeiter selbst darum kümmern, das auf Touchscreens keine „Keimfarmen“ entstehen.

Die richtige Reinigung

Die Forscher untersuchten nicht nur die Anzahl und Art der Verkeimung, sondern prüften auch nach, wie man dem ungewünschten Belag am besten beikommt.

Dabei zeigte sich, dass man mit einem sauberen, trockenen Mikrofasertuch etwa 80 % der gängigen Mikroben entfernen kann. Bis zu 96 % der Keime lassen sich mit einem mit  Alkohol benetzten Tuch entfernen, beispielsweise einem Brillenputztuch oder mithilfe von Glasreiniger. Angemerkt sei jedoch, dass die meisten Hersteller von Touchscreens die trockene Reinigung ohne Alkohol oder andere Reinigungsmittel empfehlen, da ansonsten die fett- und schmutzabweisende Beschichtung des Touchscreens zerstört werden kann. Auch besteht beim Reinigen mit einem feuchten Tuch die Gefahr, dass Flüssigkeit in das Gerät gelangt.

Das Reinigen sollte also möglichst trocken oder nur sehr selten mit einem feuchten Tuch erfolgen.

Disziplin hilft

Sinnvoller ist es, die Mitarbeiter darauf zu sensibilisieren, wie sie selbst für hygienischere Oberflächen sorgen können.

Informieren Sie Ihre Mitarbeiter zunächst darüber, dass und welche Oberflächen Übertragungswege für Keime sind, die ein Gesundheitsrisiko darstellen können.

Da Sie und Ihre Mitarbeiter kaum dafür sorgen können, dass alle Oberflächen im öffentlichen Raum keimfrei sind: Formulieren Sie Verhaltensregeln wie beispielsweise regelmäßiges Händewaschen, das Reinigungsintervall der technischen Geräte abhängig von der Nutzung oder auch der Hinweis, sich nach Bedienen eines Touchscreens nicht ins Gesicht zu fassen sowie am Touchscreen zu essen oder zu trinken, da auch kleinste Rückstände von Lebensmitteln einen perfekten Nährboden für Keime darstellen.

Fazit: Es besteht kein Grund für panische Überreaktion mit dem Desinfektionsspray im Anschlag, sondern die ohnehin notwendige Händehygiene und regelmäßige Reinigungsintervallen reicht aus.