Vier neue Berufskrankheiten

Quelle: Rita Köhler  / pixelio.de

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Ab Januar 2015 werden vier neue Krankheitsbilder in die Berufskrankheitenverordnung (BKV) aufgenommen. Dazu gehören auch bestimmte Formen des hellen oder weißen Hautkrebses und dessen Vorformen. Als Frühform gilt neben dem sogenannten Plattenepithelkarzinom die aktinische Keratose, an der pro Jahr in Deutschland rund 250.000 – 400.000 Personen neu erkranken. Betroffen sind Berufsgruppen, die überwiegend im Freien arbeiten, also auch vermehrt ultravioletter Strahlung der Sonne (UV-Strahlung) ausgesetzt sind, z. B. Bauarbeiter, Dachdecker, Gärtner und Briefträger, aber auch Skilehrer.

Bereits 2012 hatte das Sozialgericht (SG) Aachen entschieden, dass bei einem Dachdecker sonnenbedingter Hautkrebs auf der Kopfhaut als Berufskrankheit anzuerkennen sei. Das Gericht stellte mit dem Urteil vom 16.3.2012 (S 6 U 63/10) fest, dass stetige Sonneneinstrahlung und Hautveränderungen im Zusammenhang stehen und im konkreten Fall die Voraussetzungen eines Ausnahmetatbestands erfüllt sei. Ab 2015 erhält der weiße Hautkrebs den offiziellen Status als Berufskrankheit. Betroffene können sich aber bereits jetzt an die Berufsgenossenschaften und Unfallversicherungsträger wenden und die Erkrankung anerkennen lassen.

Druckschädigung des Unterarmnervs

Zu den Krankheitsbildern, die neu in die Berufskrankheitenverordnung aufgenommen werden, zählt auch das Carpaltunnel-Syndrom (Medianuskompressions-Syndrom), eines der häufigsten handchirurgischen Krankheitsbilder. Die schmerzhafte Verengung des Nerventunnels im Handgelenksknochen wird durch wiederholende manuelle Tätigkeiten mit Beugung und Streckung der Handgelenke, durch erhöhten Kraftaufwand der Hände oder durch Hand-Arm-Schwingungen hervorgerufen. Typische Symptome sind:
•    Schwäche oder Aussetzen der Muskel- und Gelenkfunktion in Händen, Armen, Schultern oder Nacken
•    Prickeln, Taubheitsgefühl oder Kälte in Händen und Fingern
•    Anschwellen oder ein Gefühl des Angeschwollenseins
Besonders betroffen sind Berufe und Tätigkeiten, die einer sehr starken Handbelastung ausgesetzt sind wie Fließbandarbeiter, Fleischverpacker, Forstarbeiter, Geflügelverarbeiter, Kassierer im Supermarkt, Masseure oder Polsterer.

Gefäßschädigung der Hand durch heftige Stöße

Als Berufskrankheit Nummer 2114 wird das Hypothenar-Hammer-Syndrom/Thenar-Hammer-Syndrom in die Verordnung aufgenommen. Hervorgerufen wird die Gefäßschädigung der Hand durch stoßartige Krafteinwirkung, wenn der Bereich des Kleinfingerballens (Hypothenar) der Hohlhand beziehungsweise der Daumenballen (Thenar) als eine Art Hammer benutzt wird. Dabei kann es zu einer arteriellen Verletzung und Taubheitsgefühlen bis hin zu starken Schmerzen kommen. Besonders betroffen sind Personengruppen, die durch wiederholte bzw. chronische Einwirkung stumpfer Gewalt – auch in Form von Vibrationen – im Hypothenar- sowie im Thenarbereich der Hohlhand ausgesetzt sind. Dazu gehören u.a. Kfz-Mechaniker, (z. B. Ausbeulen von Karosserieteilen mit der Faust), Möbeltransporteure (z. B. Stoßen, Schieben oder Tragen schwerer Gegenstände) und Installateure (z. B. Schläge auf Schraubenschlüssel zum Lösen von Schrauben oder Muttern).

Typische Belastungen einer Berufsgruppe

Kehlkopfkrebs, ausgelöst durch intensiven und mehrjährigen Kontakt von Schwefelsäuredämpfen, steht ab Januar 2015 ebenfalls auf der Liste der Berufskrankheiten.
Die Aufnahme der vier neuen Krankheitsbilder erfolgt auf Empfehlung des wissenschaftlichen Beirats „Berufskrankheiten“ beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Damit eine Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt werden kann, muss u. a. nachgewiesen werden, dass diese Berufsgruppe typischen Belastungen erheblich mehr ausgesetzt ist als die übrige Bevölkerung. Betroffene Beschäftigte haben dann Anspruch auf eine Heilbehandlung aus der gesetzlichen Unfallversicherung oder auf finanzielle Leistungen, sofern die Erkrankung zu einer Arbeitsunfähigkeit oder einer dauerhaften Erwerbsminderung führt.