Wie lässt sich Stress messen?

In einem vorherigen Blogbeitrag haben wir bereits auf verschiedene Instrumente zur Beurteilung von psychischer Arbeitsbelastung hingewiesen.
Beispielhafte Instrumente, um zu überprüfen, ob die Grenze von regulären Anforderungen zu einer psychisch belastenden Situation überschritten ist, sind SIGMA, BASA II oder der Impulstest 2.
In diesem Blogbeitrag möchten wir diese Tools näher erläutern. Es muss jedoch im Einzelfall geprüft werden, ob und welches dieser Instrumente die Situation am Arbeitsplatz und die daraus resultierenden Belastungen am geeignetsten darstellen.

SIGMA

Die Abkürzung steht für “Screening-Instrument zur Bewertung und Gestaltung von menschengerechten Arbeitstätigkeiten”. Es zählt zu den Verfahren, mit denen sich Belastungen dokumentieren und analysieren lassen, die die Gesundheit der Mitarbeiter gefährden können. Geeignet ist es für ganz unterschiedliche Branchen, sowohl für Büroarbeitsplätze, als auch für Arbeitsplätze in produzierenden Betrieben oder im medizinischen Bereich.
In einem Beobachtungsinterview werden rund 300 Fragen behandelt, die sich mit der Arbeitstätigkeit an sich, der Arbeitsumgebungen, der Arbeitsorganisation und spezifischen Anforderungen befassen. Dieses Verfahren dauert etwa 2 Stunden. Dabei wird in weiten Teilen die Bewertung anhand von Beobachtungen geführt, es gibt aber auch Fragen, die im Interview mit dem Stelleninhaber beantwortet werden müssen.
Anhand der Antworten muss bei jeder Frage im Multiplechoice-Verfahren ausgewählt werden, welche vorgegebenen Aussagen zur Arbeitsgestaltung in diesem speziellen Fall zutreffen. Daher eignet sich das Verfahren in erster Linie für Personen, die bereits Erfahrungen im Bereich der betrieblichen Sicherheits- und Gesundheitsarbeit gesammelt haben oder Kenntnisse im Bereich der Arbeitswissenschaft und Arbeitspsychologie besitzen.
Die Auswertung
Der große Vorteil am SIGMA-Verfahren ist, dass die Auswertung vergleichsweise einfach ist. Anhand der Antworten und Bewertungen werden Grafiken und Profile erstellt, die die Problembereiche veranschaulichen. Die Ergebnisse werden in Formblätter übertragen und dokumentieren so dem Bedarf. Welche Maßnahmen anhand dieser Grundlagen geeignet und umsetzbar sind, muss aus fachlicher Sicht entschieden werden.

BASA II

Die Abkürzung BASA II steht für die etwas sperrige Bezeichnung “Bewertung von Arbeitsbedingungen -Screening für Arbeitsplatzinhaber” in einer neueren, überarbeiteten Version.
Es dient zur Befragung von Arbeitsplatzinhabern und ermittelt sowohl die positiven als auch die negativen Arbeitsbedingungen. Es ist für viele unterschiedliche Arten von Arbeitsplätzen und Branchen geeignet. BASA II kann daher als Grundlage zur Bewertung der Arbeitsbedingungen dienen und aufzeigen, welche Maßnahmen im Arbeitsschutz ergriffen werden müssen, um die Situation zu verbessern. Die Ergebnisse des BASA- Verfahrens zeigen zudem auf, in welchen Bereichen Diskussionsbedarf besteht und wo Ressourcen vorhanden sind. Das Verfahren ist geeignet, um sich über den Einsatz von Expertenanalysen und einen möglichen Qualifizierungsbedarf der Führungskräfte und Mitarbeiter Klarheit zu verschaffen.
Im Gegensatz zu SIGMA, dass sich in erster Linie an Arbeitsschutzexperten richtet, ist BASA als Befragungsinstrument für die an den Arbeitsplätzen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konzipiert. Es wird auch von Arbeitspsychologen, Arbeitsmedizinern, Betriebsärzten, Sicherheitsfachkräften und Personalvertretungen eingesetzt.
Umfang und Aufwand sind entsprechend geringer. Mithilfe eines Fragebogens können die 80 Fragen zum Arbeitsplatz und den Arbeitsbedingungen in etwa 20 Minuten durchgearbeitet werden. Abgedeckt werden die Bereiche Ergonomie, Technik und Organisation. Abgefragt wird, wie die Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz erleben.
Die Auswertung
Zunächst beantworten mehrere Arbeitnehmer, die einen vergleichbaren Arbeitsplatz besetzen, den Fragebogen anonym. Anschließend werden die Ergebnisse kumuliert und ausgewertet. Eine Möglichkeit besteht darin, anschließend die Ergebnisse in einer Mitarbeiterbefragung weiter zu präzisieren, um sie anschließend auszuwerten. Eine andere Methode ist die Auswertung durch einen Arbeitsschutzexperten, der anschließend wirksame Maßnahmen und das weitere Vorgehen entwickelt. Die Auswertung beinhaltet bei Bedarf einen Leitfaden, der für Diskussionsrunden und für Arbeitsgruppen in kleinen Betrieben geeignet ist.

Impulstest 2

Entwickelt wurde er vom Institut für Gesundheitssicherheit und Ergonomie im Betrieb. Er dient dazu, Einflüsse der Arbeitsbedingungen auf die psychische Belastung der Arbeitnehmer zu erfassen und zu bewerten.
Die Befragten erhalten 25 Aussagen, die sie mithilfe einer Skala beantworten. Zusätzlich können sie Verbesserungsvorschläge zu diesem Thema einbringen und in Stichworten Beispiele nennen. Im Schnitt dauert diese Befragung etwa 15 Minuten.
Die Auswertung
Bei der Bewertung können die Befragten in Organisationseinheiten, Tätigkeitsgruppen oder auch nach demografischen Maßstäben eingeteilt werden. Die Ergebnisse werden mit einer repräsentativen Normgruppe entsprechend der gewählten Gruppierung verglichen.
Die Auswertung liefert einen Rahmen für künftige Maßnahmen, da sie aufzeigt, ob die Ergebnisse im kritischen, durchschnittlichen oder unkritischen Bereich liegen. Konkrete Auswirkungen belastender Arbeitsbedingungen werden dargelegt und Hinweise gegeben, wie hoch der individuelle Handlungsbedarf ist.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin BAuA hat auf ihrer Internetseite eine sogenannte Toolbox mit weiteren Instrumenten zur Befragung und Evaluierung psychischer Belastungen bereitgestellt. Die umfangreiche Liste mit rund 100 Verfahren finden Sie unter http://www.baua.de/de/Informationen-fuer-die-Praxis/Handlungshilfen-und-Praxisbeispiele/Toolbox/Alle%20Verfahren.html .

Eine Meinung zu “Wie lässt sich Stress messen?

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