Dicke Luft am Arbeitsplatz

Quelle: Benjamin Thorn  / pixelio.de

Foto: Benjamin Thorn / pixelio.de

Zum 1. Mai 2013 haben sich die Nichtraucher-Schutzgesetze verschärft: Es gilt absolutes Rauchverbot in nordrhein-westfälischen Restaurants, Bars, Kneipen und anderen Gaststätten. NRW ist damit das einzige Bundesland neben Bayern und dem Saarland, das ein absolutes Rauchverbot in der Gastronomie vorsieht. Auch in allen Einrichtungen des Bundes (Behörden, Dienststellen, Gerichten, bundesmittelbare Körperschaften, Anstalten und Stiftungen) und in Verkehrsmitteln des öffentlichen Personenverkehrs (einschließlich Taxis und auf Bahnhöfen) gilt das Rauchverbot. Das Rauchverbot für die öffentlichen Einrichtungen der Länder, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeheimen und Gaststätten wird auf Länderebene unterschiedlich durchgesetzt.

Insgesamt muss man allerdings sagen: Zum Schutz der Arbeitnehmer, die sich in öffentlichen Einrichtung und der Gastronomie dem Tabakrauch bisher aussetzen mussten, kann es nur ein absolutes Rauchverbot geben.

Denn Tabakkonsum ist Risikofaktor für sechs der acht Haupttodesursachen. Und nicht nur, wer selbst raucht, lebt gefährlich: Auch die Zahl der Nichtraucher, die an den Folgen des Passivrauchens sterben, liegt bei etwa zehn pro Tag, schätzt das Deutsche Krebsforschungszentrum.

Passivrauchen hat  - wenn auch etwas vermindert – die gleichen gesundheitsschädlichen Folgen wie aktives Rauchen: Es erhöht das Risiko für Lungenkrebs und Herzkreislauferkrankungen, verstärkt Asthmaanfälle und Reizungen der Atemwege, es erhöht die Wahrscheinlichkeit für chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Typ 2 Diabetes und Brustkrebs bei Frauen.

Das Risiko, an koronaren Herzkrankheiten oder an Lungenkrebs  zu erkranken, erhöht sich zwischen 20 und 30 Prozent, wenn man zuhause oder am Arbeitsplatz Zigaretten- oder Zigarrenrauch ausgesetzt ist.

Mindestens 90 der insgesamt 4800 Substanzen im Tabakrauch Krebs erzeugend  oder möglicherweise Krebs erzeugend, weswegen Tabakrauch in der Raumluft in die höchste Gefahrenstufe der Krebs erzeugenden Arbeitsstoffe eingestuft wurde. Die Konzentration dieser Stoffe ist im Nebenstromrauch sogar noch höher als im Hauptstrom, der vom Raucher inhaliert wird.

Selbst noch zwei Stunden, nachdem geraucht wurde, befinden sich in der Raumluft 50 % der anfänglichen Stickoxide und Rauchpartikel – wenn nicht gründlich und mehrere Minuten mit offenem Fenster gelüftet wurde. Das macht selbst den Aufenthalt in Raucherräumen brisant, wenn dort nicht aktuell geraucht wird.

Für Unternehmer sollte die Gesundheit der Mitarbeiter Grund genug sein, um auf rauchfreie Arbeitsplätze zu setzen und so den Krankenstand zu verringern. Die Fehlzeiten durch Atemwegserkrankungen  sollten dadurch merklich zurückgehen. Die Rücksichtnahme auf Nichtraucher hat zudem einen Vorbildcharakter und setzt positive Signale. Nicht zuletzt lassen sich durch das Rauchverbot auch Reinigungs- und Renovierungskosten senken.

Wichtiger ist allerdings, dass Arbeitnehmer ein Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz haben und sich zuerst an den Betriebsrat oder später an die zuständige Arbeitsschutzbehörde wenden können, wenn dieses Schutzrecht nicht erfüllt wird. In diesem Fall kann die Behörde eine Frist setzen, innerhalb der der Arbeitgeber Maßnahmen treffen muss, um seiner Schutzpflicht nachzukommen.

Mögliche Maßnahmen für die praktische Umsetzung des Nichtraucherschutzes sind beispielsweise:

  • arbeitsvertragliche Betriebs-/Dienstvereinbarungen zum Nichtrauchen abschließen
  • Rauchen nur in ausgewiesenen Außenbereichen erlauben
  • Rauchpausen nicht als Arbeitszeit anerkennen
  • Informationsbroschüren auslegen, Informationsveranstaltungen anbieten
  • kein Verkauf von Tabak auf dem Betriebsgelände
  • Entwöhnungsprogramme werden im Zuge der betrieblichen Gesundheitsförderung anbieten