Interview: Die häufigsten Fehler im Büro

Interview zum Thema „Arbeits- und Gesundheitsschutz im Büro“ mit Peter Hink, Geschäftsführer der HIRAcon Gruppe

Herr Hink, seit 15 Jahren sind Sie im Arbeitsschutz tätig, haben seitdem hunderte Firmen in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz beraten und etliche Fachkräfte ausgebildet. Die Arbeit am Schreibtisch gehört sicherlich zu dem Bereich, in dem Risiken am wenigsten vermutet werden, oder?

Hink: Das stimmt. Trotzdem gehören natürlich auch die Büros zu den Abteilungen eines Unternehmens, in denen der Arbeitsschutz ebenso wichtig ist wie beispielsweise in der Produktion, wenn auch die Gefahren ganz andere sind.

Was sind aus Ihrer Sicht die häufigsten Fehler am Schreibtisch?

Hink: Sehr oft stellen wir fest, dass die Arbeitsgeräte falsch eingestellt sind oder insgesamt im Raum ungünstig stehen. Ein Beispiel: Der Bürostuhl ist zu hoch eingestellt, so dass der Arbeitnehmer am Computer beim Tippen und Bedienen der Maus eine ungesunde, gebückte Haltung einnimmt. Oder der Tisch ist zu niedrig für große Menschen, so dass sie ihren Bürostuhl herunterfahren und in der Folge die Schultern stetig heben müssen, weil ihre Unterarme nicht im rechten Winkel zu den Ellenbogen auf dem Tisch liegen können. Bürostuhl und am besten auch der Schreibtisch sollten in der Höhe verstellbar sein. In einigen Fällen sind auch Steh-Sitz-Arbeitsplätze ideal, die ein variables Arbeiten ermöglichen.
Für die Gesundheit der Mitarbeiter ist eine ausreichende Beleuchtung wichtiger als dies gemeinhin angenommen wird. Nicht nur die Beschaffenheit und Stärke des Lichts kann über Wohlbefinden und optimale Arbeitsbedingungen entscheiden, auch die Verteilung des Lichts im Raum. Wir empfehlen beispielsweise für Bildschirmarbeiter, auch tagsüber Lichtquellen zu nutzen, damit das Auge vom Wechsel zwischen dunkler Umgebung und hellem Bildschirm nicht überanstrengt wird.
Nicht zuletzt ist es zudem oft das Chaos in der Arbeitsorganisation, was die Mitarbeiter belastet und so auch dem Unternehmen schadet. Auch das ist etwas, was wir bei der Analyse und Beratung der Unternehmen ordnen und somit optimieren können.

Was können die Mitarbeiter von sich aus tun?

Hink: Vor allem beim letzten Punkt, der Arbeitsorganisation, gibt es einiges, was sie selbst in die Hand nehmen können, etwa, wenn es darum geht, Arbeitsprozesse und Abläufe zu dokumentieren und  weiter zu optimieren.
Auch am Tag das Licht im Büro einzuschalten, ist eine einfach, aber wirkungsvolle Methode, um die Augen zu entlasten und mitunter auch Unfälle durch unentdeckte Stolperfallen zu vermeiden.
Büromöbel und Arbeitsgeräte wie den Bildschirm und die Maus so einzustellen und auszurichten, dass man in gesunder Haltung daran arbeiten kann, ist etwas, dass die Mitarbeiter selbst tun können.
Wir können nur daran appellieren, die Möglichkeiten, die Arbeitergeber in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz anbieten, auch zu nutzen. Nicht immer ist nämlich das das Beste, was man „schon immer so“ getan hat oder was einem das Gefühl sagt. Wer überlegt und langfristig orientiert handelt, macht es besser.

Was muss oder sollte der Arbeitgeber tun für den Arbeits- und Gesundheitsschutz im Büro?

Hink: Wie für alle Bereich seines Unternehmens ist er verpflichtet, auch hier die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Gesundheit seiner Mitarbeiter zu schützen. Das heißt beispielsweise, dass er geeignete Räume, Mobiliar und Ausstattung bereit stellen muss.
Der Arbeitgeber muss seine Mitarbeiter darüber informieren, was ihre Arbeitsaufgaben sind und wie sie sie erledigen, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Das fängt an beim der richtigen Höheneinstellung des Schreibtischstuhl, geht weiter bei wichtigen Hinweisen, wie man die Tonerkartuschen des Druckers ohne Staubentwicklung wechselt und endet bei den Empfehlungen für die Pausenzeiten und dem Hinweis auf den Standort des Erste-Hilfe-Kastens. Der Arbeitgeber sollte sich immer die Zeit nehmen, neue Mitarbeiter umfassen zu unterweisen und zwar nicht nur, um seiner Informationspflicht nachzukommen und Arbeitsprozesse klar darzustellen, sondern auch, um Unfälle und Krankheitsfälle zu verringern. Gerade für diesen Punkt, nämlich für gesunde Mitarbeiter, ist es sinnvoll, Vorsorgeuntersuchungen anzubieten. Untersuchungen zeigen, dass sich das auszahlt – in vielerlei Hinsicht.
Unsere Erfahrung zeigt zudem: Auch für das Büro lohnt es sich, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen und zu pflegen.

Wie können Sie als Profi Arbeitnehmer und Arbeitgeber unterstützen?

Wir informieren beispielsweise über die Rahmenbedingungen. Hinter diesem unscheinbaren Begriff verbirgt sich ein umfassendes Gebilde aus Normen, Vorgaben, Gesetzen und Empfehlungen, aus dem es das herauszufiltern gilt, was im Einzelfall entscheidend und zum Teil auch gesetzlich gefordert ist.
Als Fachleute sind wir in der Lage, die tatsächlichen Bedingungen mit den optimalen zu vergleichen und konstruktive Verbesserungsvorschläge zu machen, die beiden Seiten, also Arbeitgeber und Arbeitnehmern, nutzen. Unsere Kunden schätzen zudem, dass wir Ihnen zur Seite stehen: als Organisationsberater ebenso wie als Einkaufsberater bei wichtigen Fragen zu Abläufen und Ausstattung im Büro.

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